12. August 2014

Grüne Sie müssten eigentlich kapitalistisch sein

Übersehen aber die Mechanismen der Marktwirtschaft

Im vorigen Jahr verblüffte Cem Özdemir, immerhin Bundesvorsitzender der Grünen, so manchen Libertären mit der Aussage, die Grünen seien „eine libertäre Partei“: „Da redet ein Blinder von Farben“, werden sich viele ob der seit Jahrzehnten andauernden hyperetatistischen Auswüchse der grünsozialistischen Partei nicht ganz zu Unrecht gedacht haben.

Von einer „libertären Partei“ sind die Grünen jedenfalls weiter entfernt als die Erde vom Mars. Fast nichts an ihnen ist libertär. Sie sind fast immer das Gegenteil dessen, was man sich als Libertärer so wünscht. In jeder Hinsicht. Und dennoch: Eines ihrer zentralen Anliegen, der Umweltschutz, ist durchaus auch ein libertäres Ziel, das sich am besten mit einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung erreichen lässt. Problem: Die Grünen halten von Marktwirtschaft wenig und von Planwirtschaft viel.

So dichten sie die Zerstörung unserer Umwelt gerne dem scheinbar nimmersatten Kapitalismus an, dessen Gier die natürlichen Ressourcen wegfresse und die Umwelt zerstöre. Der Staat müsse dem Einhalt gebieten, da andernfalls binnen kürzester Zeit alle lebensnotwendigen Ressourcen verschwinden würden, so das grüne Credo.

Aus grüner Sicht geflissentlich übersehen wird dabei die Rolle, die der Mechanismus der freien Marktwirtschaft bei der Erhaltung und Schaffung natürlicher Ressourcen spielt. Man nehme zum Beispiel einen sich im Privatbesitz befindenden See, der reichlich Fische beheimatet und einem passionierten Fischer gehört: Der Fischer wäre im eigenen Interesse stets darum bemüht, seinen See so zu bewirtschaften, dass die Fischbestände stabil bleiben oder wachsen würden. Denn so könnte er auch die nächsten Jahre in ihm fischen und seine Beute womöglich sogar vermehren. Kurzum – es macht für den Fischer Sinn, Ressourcen zu schonen.

Wäre der See hingegen öffentliches Eigentum, so wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die dortigen Fischbestände ausgerottet wären. Es gäbe keinen Anreiz, den See nachhaltig zu bewirtschaften, da die Gefahr groß wäre, dass andere die Früchte der eigenen Arbeit ernten oder diese ganz zerstören. Wer nichts oder weniger angelt, ist der Dumme. Die Folge: Überfischung. Heutzutage ein weit verbreitetes Problem. Und auch der Verbraucher leidet: Er zahlt für seinen Fisch mehr, sofern er ihn überhaupt noch serviert bekommt. Tragik der Allmende at it‘s best.

Die Probleme der Seewirtschaft galten früher auch für die Landwirtschaft, ehe dort private Eigentumsrechte durchgesetzt wurden. Gerd Habermann schreibt in seinem „polemischen Soziallexikon“, dass einst der Bison in Nordamerika fast ausgerottet wurde, weil er – ähnlich wie heute die Fische – als „freies Gut“ angesehen wurde. Nach der Durchsetzung privater Eigentumsrechte brauchen sich die dort grasenden Rinderherden nun hingegen keine Sorgen mehr um ihren Bestand zu machen, da sie privaten Eignern gehören, die sie pflegen.

Privateigentum schont Ressourcen. Öffentliches Eigentum vernichtet sie. Es ist nur wenig verwunderlich, dass die staatlichen Kommandowirtschaften des Ostblocks mit die größten Ressourcenverschwender und Umweltzerstörer waren, während sich die Privaten einen allzu verschwenderischen Umgang mit Ressourcen gar nicht leisten können, da damit Kosten verbunden sind, die nicht mal eben – wie bei öffentlichen Unternehmen Usus – vom enteigneten Steuerzahler zwangsbeglichen werden, sondern schlimmstenfalls den Bankrott bedeuten.

Solange sich die Grünen gegen jegliche Form der Privatisierung natürlicher Ressourcen versperren, kann ihnen die Umwelt nicht allzu sehr am Herzen liegen. Ihr Hass auf den Kapitalismus ist ihnen wohl wichtiger als ihre Liebe zur Umwelt. Schade. Sie sollten eigentlich auf Marktwirtschaft setzen. Der Umwelt zuliebe.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freitum.


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