28. März 2014

Russland-Bashing der deutschen Medien reloaded Meinungsschlacht zwischen Journalisten und Lesern

Es wird langsam einsam um die westliche Journaille

Dossierbild

Ups, schon wieder beschimpft die altehrwürdige „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ihre Leser. Letzte Woche war es Hans Ulrich Gumprecht, der die „Russland-Versteher“ als „Morast“ beschimpfte und kollektiv zum Psychiater schicken wollte. Nun ist es Kollege Julian Staib, dem die „Kommentare im Internet“ zusetzen und der eine „Meinungsschlacht um die Krim“ zwischen deutschen Journalisten und ihren immer kritischeren Lesern ausmacht.

Wie in der letzten Woche dokumentieren wir dazu Ausschnitte aus den zehn von anderen Lesern am meisten empfohlenen Eintragungen im Kommentarbereich der „FAZ“ zum jüngsten Leser-Bashing.

  • Die einzige „Schlacht“, die hier geführt wird, ist die der Medien, um einen Krieg mit Russland medial und moralisch vorzubereiten und herbeizuschreiben. Die Kommentatoren zeichnen sich dagegen in der Mehrheit durch einen nüchternen, kompetenten Überblick und eine sachliche, dem Frieden verpflichtete Sichtweise aus.
  • Die Foristen lassen sich jedenfalls nicht länger einen Bären aufbinden. Ob es Putin gelegen kommt oder nicht, ist zweitrangig. Zu oft schon haben sich putinverachtende Aussagen als dreiste Lüge erwiesen und mussten im Nachhinein korrigiert werden.
  • Wer Verständnis für die Russische Situation aufbringt, der kann ja nur ein Ideologe sein. Wer Putin verteufelt und sanktionieren will, ist ein wahrer Demokrat. So einfach ist das, wenn man der westlichen Presse und Politik glauben schenken will. Tue ich aber nicht.
  • Nehmen sie doch mal die Argumente und analysieren sie diese nüchtern und sachlich und vor allem: Ignorieren sie einmal ihre westliche Herkunft und einseitige Erziehung. als kämen sie von einem anderen Planeten. Dann sehen sie glasklar, dass der Vorwurf der Doppelmoral doch definitiv gut begründet ist.
  • Der Großteil der Leser wünscht sich einfach eine ausgewogene, neutrale Berichterstattung – am besten gekrönt mit der Fähigkeit zu Selbstkritik und dem Verzicht auf „Antiamerikanismus!“-Keule und andere Voreingenommenheiten. Permanent unreflektiertes „Amerika gleich gut; Russland gleich böse“ ist dunkelste, allerübelste Kalter-Krieg-Dogmatik.
  • Beide Seiten werden erbittert kämpfen: Der hysterisch sich ereifernde Westen mit hohlen Phrasen – aber ohne ernsthafte Tatabsicht, die sich selbst oder der Gegenseite weh tun könnte. Putin hingegen cool mit (berechenbaren) Taten. Ginge es wirklich um Menschenrechte, müsste der Westen in Saudi-Arabien intervenieren.
  • In dem abgehörten Telefonat zwischen der stellvertretenden US-Außenministerin („Scheiß EU“) und dem-US Botschafter geht ganz klar hervor, wer in Kiew die Fäden zieht. Es braucht keine russische Propaganda, es gibt doch mitgeschnittene Gespräche zwischen den Strippenziehern. Und wer anschafft, bezahlt auch. Selten war ein von der USA organisierter Putsch so klar wie der in Kiew, dank You-Tube und den Schnittmeistern.
  • Was Herr Staib hier in Angriff nimmt, hat die ARD mit einem locker-flockigen Praktikanten-Clip auf ihrem Youtube-Kanal auch schon probiert („Ukraine: Verschwörungsvideos in den sozialen Netzwerken“) und hat schon nach kürzester Zeit und über 750 wütenden Kommentaren die Kommentarfunktion abgeschaltet. Bis jetzt haben 66 wahrheitsliebende ARD-Mitarbeiter den Daumen hoch und über 4.250 „dreckige russische Agenten“ den Daumen runter gedrückt. Ja, was soll man dazu sagen? Wenn sie mich fragen, Herr Staib, nimmt der Versuch der Meinungslenkung und auch die tapfere Realitätsverleugnung vieler Journalisten in Westeuropa mittlerweile ziemlich skurrile und bizarre Züge an.
  • Die Krimkrise ist ein Wendepunkt im unerträglichen Mainstream-Zirkus der gleichgeschalteten Presse, die seit Jahren die Meinungsfreiheit mit Füßen tritt. Propaganda betreiben die staatlich subventionierten Salonkommunisten und GEZ-Söldner. Putin betreibt eher eine Art Gegenpropaganda. Dass in seinem Land nicht alles in Ordnung ist und es auch Ungerechtigkeiten und Härte gibt, bestreitet niemand. Nur hat Putin weltweit nicht so einen Trümmerhaufen hinterlassen wie Obama.
  • Die Medien sind verzweifelt: Die Propaganda wirkt nicht mehr! Das Internet hat’s möglich gemacht, wir können uns unabhängig informieren. Dieses Teufelszeug muss unter Kontrolle gebracht werden! Das Horrorszenario alle Regierungen wird Wirklichkeit: Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin!

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Autor

Torben Niehr

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