18. März 2014

Alternative für Deutschland Euro und Krim statt Glühbirne und Banane

Interview mit Markus Frohnmaier

Markus Frohnmaier ist der jüngste Kandidat für den Bundesvorstand der AfD. Der 23-jährige kandidiert am Wochenende beim Parteitag der AfD in Erfurt auf einen der drei freien Plätze, nachdem er zuvor mit großer Mehrheit zum Spitzenkandidaten der Jungen Alternative (JA) für den Posten gewählt wurde.

ef sprach mit dem Landesvorsitzenden der Jungen Alternative Baden-Württemberg und Hoffnungsträger der JA über den Umbruch in der Partei und seine Pläne.

ef: Herr Frohnmaier, Sie sind 23 Jahre alt und wollen schon bei den Parteigrößen Bernd Lucke und Frauke Petry mitmischen. Ist das nicht vermessen?

Frohnmaier: Nein, das denke ich nicht. Leistung hat nichts mit dem Alter zu tun. Zudem fehlt bis jetzt ein Ansprechpartner der Jugend im Bundesvorstand. Hier sehe ich großes Potential. Gerade die Eurokrise aber auch die demographische Entwicklung mit all ihren Folgen sind ja Themenkomplexe, die gerade meine und zukünftige Generationen betreffen. Wir sind bereit, politische Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft mitzugestalten. Die AfD profitiert schon jetzt enorm von den Stimmen der Erst- und Jungwähler, und wir hoffen, durch meine Kandidatur dieses Lager verstärkt anzusprechen.

ef: Sie sprachen gerade die demographische Entwicklung an. Wie hebt sich die AfD in diesem Zusammenhang von ihren politischen Mitbewerbern ab?

Frohnmaier:Zunächst einmal haben wir die demographische Krise als solche überhaupt erkannt. Während die Altparteien dieses Problem lediglich unter der Überschrift „Facharbeitermangel“ behandeln und wieder einmal auf Einwanderung setzen, treten wir in der AfD und der JA (die Junge Alternative, Anm. d. R.) für die Familie ein. Ich stehe dafür, dass das Familienmodell mit Kindern wieder in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wird. Anstatt die oftmals rein hedonistisch verstandene Selbstverwirklichung des Individuums zu propagieren und die Rolle der Frau nur noch ausschließlich über deren Integration – ob sie will oder nicht – in den Arbeitsmarkt zu definieren, möchte ich mich dafür einsetzen, dass die Mutterrolle zukünftig als faktisches Äquivalent zur Erwerbsarbeit breite gesellschaftliche und auch finanzielle Anerkennung findet, um Frauen eine echte Wahlfreiheit – sofern gewollt also eben auch das bewusste „Ja“ zu einem oder mehreren Kindern – zu ermöglichen.

ef: Die Jugendorganisationen gerieren sich oftmals radikaler als die jeweilige Mutterpartei. Wie verhält sich das bei Ihnen?

Frohnmaier: Unsere Jugend ist nicht radikaler, aber vielleicht mutiger als die AfD. Das lässt sich ganz gut anhand unseres Bundesjugendkongresses zeigen, den wir in Fulda Anfang Februar abgehalten haben. Zwei der Beschlüsse waren das Ende der einseitigen Fixierung auf die USA, einschließlich eines Zugehens auf Russland und das Singen der Nationalhymne am Ende dieser und aller folgenden Kongresse. Auf solche Schritte warte ich noch bei der AfD.

ef: Birgt ein Eingehen auf Russland nicht auch große Risiken?

Frohnmaier: Wir müssen uns fragen, wieso sich für Deutschland dieses Problem überhaupt stellt. Die EU sollte eigentlich eine Institution der wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Integration sein. Stattdessen schadet sie über die Eurorettungspolitik der europäischen Wirtschaft – und was eine gemeinsame Sicherheitspolitik anbelangt, stecken wir noch in den Kinderschuhen. Die Schwäche der Europäischen Union zwingt uns, vitale deutsche Interessen selbst zu vertreten. Dabei können wir nur dann unseren eigenen Interessen nachgehen, wenn wir uns weder an die USA noch an Russland ketten. Langfristig sollte unser Land eine selbstbestimmte Außenpolitik betreiben und gegebenenfalls als Mittler zwischen Ost und West auftreten. Gerade das aktuelle Beispiel der Ukraine zeigt doch das immer noch vorhandene Konfliktpotential zwischen den Kalten Kriegern USA und Russland. Ein starkes und souveränes Deutschland könnte hier als diplomatische Bühne dienen und einen wirklichen Beitrag zum europäischen Frieden leisten.

ef: Denken Sie, die Krise rund um die Ukraine wird Einfluss auf die Europawahl haben?

Frohnmaier:Beatrix von Storch, Spitzenkandidatin für Straßburg, hat uns in einem Gastvortrag in Stuttgart darauf hingewiesen, dass es sich nicht um eine Europa-Wahl, sondern eine EU-Wahl handelt. Und sie hat Recht! Im Konflikt um die Ukraine geht es ja genau darum. Gehören Russland und die Ukraine denn nicht zu Europa? Wir müssen hier in einer immer enger werdenden Welt als Europäer zusammenarbeiten und nicht noch Öl ins Feuer gießen. Der europäische Einigungsprozess wurde doch gerade aus dem Bewusstsein eines relativen Abstiegs unseres Kontinents angestrebt. Die EU sollte Europa in seiner Gänze zusammenführen und nicht, wie schon mit dem Euro, auseinanderdividieren. Als überzeugter Europäer denke und hoffe ich, dass das Thema Ukraine auch den Wahlkampf prägen wird. Das Schicksal unseres Kontinents hängt an Euro und Krim und nicht an Glühbirne und Banane.

ef: Nach dem Fallen der Drei-Prozent-Hürde kann man ganz sicher davon ausgehen, dass der AfD der Einzug in das Europaparlament gelingt. Welche möglichen Fraktionspartner sehen Sie dort?

Frohnmaier:Der Einzug der AfDwäre auch mit der Beibehaltung der Drei-Prozent-Hürde ziemlich sicher gewesen, wir stehen in Umfragen stabil bei 8 Prozent. Die Abschaffung der Hürde wird der AfD eher schaden, wie es bereits Petr Bystron in einem ef-Artikel treffend beschrieben hat. Das Thema Fraktionsbildung ist in der AfD relativ umstritten. Es steht die Befürchtung im Raum, dass uns eine Zusammenarbeit mit beispielsweise der UKIP oder der FPÖ mehr schaden als nutzen könnte. Ich denke, eine Alternative für Deutschland sollte hier zu sich stehen und sich alle Alternativen offenhalten und mit jedem Gespräche führen. Alleine schon aus pragmatischen Gründen: Würden wir einer schlagkräftigen Fraktion angehören, hätten wir natürlich mehr Einfluss. Das würde sich bis in die Länge der zur Verfügung stehenden Redezeiten auswirken.

ef: Herr Frohnmaier, wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Frohnmaier:Das ist noch weit weg. Zuerst möchte ich mit anpacken und gemeinsam mit meinen Kollegen von der JA die notwendige Aufbauarbeit leisten. Nach der Wahl weht ein frischer Wind durch den Verband, es tut sich einiges. In fünf Jahren werde ich hoffentlich mein Studium erfolgreich abgeschlossen haben und einer AfD angehören, die weiter auf dem Weg zur Volkspartei ist. Ich bin kein Karrierist, der alles daran setzt, Pöstchen zu ergattern. Ich betreibe Politik aus einem Gefühl der Schuldigkeit und Verantwortung gegenüber Deutschland. Insofern sehe ich mich als Mitglied einer aufstrebenden, heimatverbundenen Partei, in einem hoffentlich ebenso aufstrebenden Land.


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