18. März 2014

Nachruf Uwe Timm 1932 – 2014

Der große Streiter für das Individuum starb mit 82 Jahren

(ef-UW) Am 7. März 2014 ist der bedeutende Vertreter des individualistischen Anarchismus in Deutschland und ef-Autor Uwe Timm im Alter von 82 Jahren verstorben.

Unter dem Eindruck des nationalsozialistischen Terrors entwickelte Uwe Timm schon in früher Jugend eine tiefe Abneigung gegen Krieg und staatliche Herrschaft, die sein gesamtes Wirken bestimmen sollte und durch seine Beschäftigung mit Klassikern des Anarchismus wie Peter Kropotkin, Michail Bakunin, Erich Mühsam und John Henry Mackay eine theoretische Fundierung erfuhr.

Besonders prägend war die Bekanntschaft mit dem Anarchisten Kurt Zube. 1974 gründeten Zube und Uwe Timm die John-Henry-Mackay-Gesellschaft, deren Treuhänder Uwe Timm von 1977 bis 1984 war. Von 1994 bis 2013 war Uwe Timm Mitherausgeber der libertären Zeitschrift „espero“.

Wohl kaum ein Denker des Anarchismus war in seiner radikalen Kritik an allen Formen totalitärer Ideologie so konsequent wie Uwe Timm. „Linke“ wie „rechte“ Erscheinungen des staatlichen Sozialismus und in den letzten Jahren zunehmend der totalitäre Ökologismus mit der Ideologie vom „Klimawandel“ sahen sich durch Uwe Timm als dem Individuum feindliche, kollektivistische Doktrinen entlarvt.

Ökonomisch ursprünglich von der Freiwirtschaftslehre Silvio Gesells und den sozialistischen Anarchisten beeinflusst, hat sich Uwe Timm in den letzten Jahren immer mehr anarchokapitalistischen Vorstellungen angenähert.

Dabei blieb er aber immer ein Solitär, der sich nicht für eine bestimmte „Bewegung“ oder „Partei“ engagierte. „Menschen, die vorgeben, sie würden für eine große Sache leben, wirken, sich opfern, waren und bleiben mir immer äußerst suspekt“, schrieb er 1998 in der ersten Ausgabe der Zeitschrift eigentümlich frei.

Wir trauern um einen bedeutenden Denker und um ein großes Individuum.


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