25. Februar 2014

Amazon streicht Titel aus politischen Gründen Verlag Antaios mit 12 Büchern betroffen

Das meinungspolitische Zwangskorsett wird täglich enger

Der Unternehmer und Verleger Thomas Hoof schrieb gestern ein paar Begleitworte an dieser Stelle zum demnächst erscheinenden Wutbuch von Akif Pirincci: „Deutschland von Sinnen“ (Lichtschlag in der Edition Sonderwege). Den Werbetext zu dieser wahrhaftigen Streitschrift schließt der Manuscriptum-Verlag mit dem Satz: „Vielleicht ist es das letzte Buch seiner Art, denn das meinungspolitische Zwangskorsett wird täglich enger.“

Noch am Tag seines Artikels wurde Thomas Hoof böse bestätigt: Kollege Götz Kubitschek, Verleger von Antaios und Zeitschriftenmacher der „Sezession“, teilte gestern mit, dass Amazon die jüngsten zwölf Titel seines Hauses gestrichen hat, darunter unter anderem den besonders lesenswerten – und kaum politischen – Roman „Sieben Reiter“ des französischen Ausnahme-Schriftstellers Jean Raspail.

Kubitschek weißt nach, dass Amazon seine Titel aus politischen Gründen rausschmiss.

Nun ist Amazon ein privates Unternehmen und kann zusammenarbeiten, mit wem es will. Es darf auch die Zusammenarbeit aufkündigen, wem immer es mag. Und da, wo Amazon genau dies in Deutschland nicht mehr darf und in der Wahl seiner Partner also nicht mehr frei ist (durch Antidiskriminierungsgesetze), ist dies der größere Skandal.

Doch Amazon ist kein Einzelfall. Kubitschek nennt die anderen: „Was Wikipedia auf dem Feld des Wissens und Google für das Suchen und Finden sind, ist Amazon im Bereich des Buchs: eine Instanz, der Millionen Nutzer vertrauen.“ Auch bei Wikipedia wie Google sind und waren bekanntlich bereits politische Schieflagen und fiese Einseitigkeiten zu verbuchen.

Kubitscheks Verlag ist auch nicht das erste Opfer dieser Art bei Amazon. Und er wird nicht das letzte sein. Wer weiß, welches Buch und welchen Verlag es als nächstes trifft? Wann sind auch die liberalen und libertären Schriften an der Reihe, entgegen dem Zeitgeist zu stehen und also auszusortieren seien? Wikipedia ist längst hier angekommen. Viel zu wenige Liberale und Libertäre haben – wenn sie schon nicht das prinzipielle Problem im Umgang mit Andersdenkenden bemerken – wirklich erkannt, wie nah auch ihnen bereits das Messer an der Gurgel drückt in diesem doch angeblich „freiheitlichsten Staat deutscher Geschichte“.

Und doch: Solange Diskriminierung und Verleumdung von privaten Unternehmen und Einrichtungen wie Google, Wikipedia und Amazon ausgehen, soll und muss dies ihr gutes Recht bleiben. Es wird dann eben zu einer Herausforderung für alle Angegriffenen, der sie sich ohne allzu großes Wehgeschrei zu stellen haben. Ja, es ist ungerecht, wenn linke Spinner es einfacher haben. Aber die Geschichte ist keine Einbahnstraße und der Markt, wo er noch frei ist, bietet immer Lösungen. Unternehmer müssen sich solchen Herausforderungen mannhaft wie die sieben Reiter stellen und am Ende daran und damit gewinnen. Während Amazon und Co. sich mit einer solchen Firmen-„Politik“ (hier ist das Wort einmal nicht völlig Fehl am Platze) selbst schaden. Schon jetzt. Und mittelfristig sind sie es, die verdammt viel mit ihrer Sauerei und Brüskierung guter Geschäftspartner riskieren – am Ende womöglich sogar, wie Kubitschek es nennt, ihr „Quasi-Monopol“.

Mit anderen Worten: Wo die Welt schlecht ist, lasst uns eine Bessere bauen.

Internet

Der Verleger Götz Kubitschek zum Skandal


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