04. Februar 2014

Alternative für Deutschland Interview mit Marcus Frohnmaier

„Wir schauen den Alten auf die Finger!“

Am vergangenen Wochenende fand im hessischen Fulda der zweite Bundeskongress der Jungen Alternative für Deutschland (JA) statt. Die Nachwuchsorganisation der AfD gab sich dabei kämpferisch und hat noch vor der Bundespartei einige programmatische Beschlüsse gefasst. eigentümlich frei sprach mit dem Vorsitzenden der JA in Baden-Württemberg, Marcus Frohnmaier.

ef: Herr Frohnmaier, welche sind die zentralen Themen der AfD-Jugendorganisation?

Frohnmaier: Neben der Euro-Problematik ist es zum einen die Ablehnung der völlig gescheiterten bisherigen Einwanderungs- und Integrationspolitik und zum anderen einen Komplex, den man vielleicht am Treffendsten mit dem Oberbegriff „Freiheit“ zusammenfassen könnte. Konkret fallen darunter zum Beispiel die auf dem Kongress angenommenen Anträge zur Ablehnung von Geschlechterquoten jeglicher Art, zum Rückbau der EU auf das Maß der früheren Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG und zur Stärkung der Erziehungshoheit der Eltern, wenn es um das umstrittene Thema der Frühsexualisierung in Kindergarten und Grundschule geht. Auch unsere Forderungen nach einer Abschaffung der Verbeamtungspraxis im Lehrerberuf sowie einer Radikalkur für den unserer Ansicht nach völlig überfrachteten öffentlich-rechtlichen Rundfunk könnte man darunter subsumieren.

ef: In Ihrer Programmatik setzen Sie auch scharfe außenpolitische Akzente. Hier hat sich gerade Ihr Landesverband stark engagiert.

Frohnmaier: Ja, wir haben durchgesetzt, dass die JA ein Ende des Konfrontationskurses der Bundesrepublik gegenüber Russland bei gleichzeitiger Fixierung auf die USA befürwortet. Ich bin der Ansicht, dass es uns gut zu Gesicht stehen würde, statt in nicht hinterfragter Vasallentreue deutsche Soldaten für amerikanische Interessen zu verheizen, einige Schritte auf Russland zuzugehen, das sich in den letzten Jahren eindrucksvoll auf der Bühne der Weltpolitik zurückgemeldet hat.

Die Gewährung von Asyl für den NSA-Enthüller Edward Snowden sowie die Unterstützung von Syriens Präsident Baschar Assad im Kampf gegen von den Golfstaaten und über Umwege auch den USA finanzierten Islamisten sind Beispiele dafür, wie Russland das Richtige tut, während Deutschland einfach keine politische Verfolgung Snowdens erkennen mag und im Falle Syriens durch seine unbedingte Unterstützung Washingtons dazu beiträgt, dass direkt vor der Haustüre des EU-Beitrittskandidaten Türkei ein fundamentalistischer Gottesstaat in einem bis dato sehr toleranten und multireligiösen Land aus dem Boden gestampft werden soll.

ef: Existieren auch konkrete jugendpolitische Forderungen?

Frohnmaier: Leider konnten wir auf dem Bundeskongress aus Zeitgründen nur etwa die Hälfte der Anträge zur Abstimmung bringen. So kam beispielsweise eine Absenkung des Wahlalters nicht mehr zur Sprache. Wir werden diese Themen nach der Europawahl wieder aufgreifen. Denn für eine dauerhafte Etablierung der AfD benötigen wir auf lange Sicht auch Nachwuchskräfte, die durch uns erst politisiert wurden – wenn wir uns nur auf jene stützen, die wegen der Euro-Krise ihre Zukunft gefährdet sehen und deshalb von sich aus aktiv werden, dann wird die Auswahl überschaubar bleiben. Ich hoffe, dass der für März geplante Landesprogrammkongress in Baden-Württemberg entsprechende Pionierarbeit leisten wird.

ef: Die JA in Baden-Württemberg ist der Motor der Bundes-JA: als erster Landesverband gegründet, straff organisiert, gut in die Landes-AfD eingebunden. Sie persönlich sind auch Mitglied des Landesvorstandes der AfD – als einziger JA-Mitglied bundesweit. Wie kommt es?

Frohnmaier: Ja, wir waren schnell. Aber sonst möchte ich keine allzu großen Lorbeeren ernten. Man muss die Gesamtsituation im Blick behalten. Es existieren bisher nur in acht von 16 Bundesländern JA-Landesverbände, so dass nicht allzu viele Vergleichsmöglichkeiten bestehen. Und in manchen Bundesländern wie zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, lief es anfangs alles andere als rund. Dazu kamen Querelen im Bundesvorstand, die eine sinnvolle Aufbauarbeit behinderten. Die anderen Landesverbände werden aber bald genauso gute Arbeit leisten, davon bin ich überzeugt. Gute Leute stehen bereits in den Startlöchern.

ef: Hat sich das in Fulda bereits abgezeichnet?

Frohnmaier: Definitiv. Wir haben einen neuen Bundesvorstand gewählt. Ich gehe fest davon aus, dass der neue Bundesvorstand die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen wird. Und auch in Nordrhein-Westfalen ist inzwischen ein Team am Werk, von dem ich sehr viel halte und das den Landesverband auf Vordermann bringen wird.

Auch aus anderen Bundesländern gibt es positive Signale. Die sensationelle Aufbruchstimmung, die man in Fulda erleben durfte, wird hoffentlich ihren Teil dazu beitragen, die JA auch dort zum innerparteilichen Faktor zu machen.

ef: Die Nachwuchsorganisationen sind oft die Speerspitze deren Parteien. In welcher Rolle sehen Sie die JA innerhalb der AfD?

Frohnmaier: Eine Analyse der Bundestagswahl zeigt, dass die AfD bei den Erst- und Jungwählern besonders gut abschneidet, obwohl sie in den Medien als „Altherrenpartei“ geschmäht wird. Allein diese Tatsache spricht für einen starken Jugendverband, der in die Mutterpartei hineinwirken sollte – personell und inhaltlich.

Derzeit laufen gewisse Kreise in der Partei nach meiner Wahrnehmung Gefahr, der Versuchung zu erliegen, den Platz der FDP einnehmen zu wollen. Eine FDP ohne Euro ist aber nicht das, wofür die überwiegende Mehrheit der Mitglieder ursprünglich der Partei beigetreten ist. Hier wird die JA der AfD ganz genau auf die Finger zu schauen und dafür Sorge zu tragen, dass wir nicht als Abklatsch der etablierten Parteien enden.

Das Interview für ef führte Petr Bystron.


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