05. September 2013

Kambodscha Paradies für Pädophile und Organhändler

Private Hilfsorganisation gab Einblicke in das Leid vieler Kinder

Was unlängst die Besucher einer Veranstaltung der Christdemokraten für das Leben, bei der mein Sohn Philipp Lengsfeld Schirmherr war, erfuhren, ließ ihnen die Nackenhaare zu Berge stehen.

Der Schriftsteller Holger Doetsch, Mitbegründer des Vereins PROtect KIDS Kambodscha e.V., berichtete von seinen Erfahrungen in Kambodscha, das er regelmäßig bereist, um Kindern zu helfen.

In Kambodscha verschwinden alltäglich spurlos Kinder. Niemand sucht sie. Es sind entweder Waisen, oder Kinder, die von ihren armen Eltern für ein paar hundert Dollar in den Westen verkauft werden, in der Hoffnung dass sie dort eine bessere Zukunft haben. Statt Bildung und ein schönes Leben warten auf diese Kinder Organhändler, Pädophile und Drogendealer. Kaum auszuhalten waren die Schilderungen Doetschs von Leichenfunden junger Kinder, die nach Organentnahmen getötet und dann in Mülltonnen „entsorgt“ wurden.

Das war schon so, als ich Kambodscha Mitte der 90er Jahre nach dem Abzug der UN-Truppen besuchte, und ein unvorstellbar verheertes Land vorfand. Seitdem scheint sich die Situation nicht grundlegend verbessert zu haben. Seit der Zeit der Terrorherrschaft der Roten Khmer und dem anschließenden Bürgerkrieg leben immer noch viele Familien in bitterster Armut, sind teilweise Analphabeten und wissen kaum, wie sie sich und ihre Kinder durchbringen sollten. Deshalb glauben sie den Europäern und Amerikanern gern, die ihren Kindern angeblich eine bessere Zukunft im Ausland ermöglichen wollen. Für 150 bis 200 Dollar kann ein Junge seinen Eltern abgekauft werden, Mädchen kosten ab 250 Dollar. In Kambodscha sind dies mehrere Monatsgehälter. Waisen bekommt man fast umsonst. Seit das Pol-Pot-Regime körperlich und geistig Behinderte systematisch umgebracht hat, werden solche Kinder versteckt und haben keinerlei Rechte.

Angkor Wat wird in jedem Jahr von mehr als einer Million Touristen besucht. Den meisten ist nicht klar, dass sie in einem Paradies für Organhändler und Kinderschänder geraten sind, die abends an der Hotelbar ihre erfolgreichen Geschäfte mit der Ware Kind begießen. Das läuft ungefähr so ab:
Die kambodschanischen Kriminellen geben Kindern zunächst ein oder zweimal kostenlos Crystal Meth, eine Droge, die sie umgehend abhängig macht, um dann vom Verkauf der Drogen an die nun süchtigen Kinder zu profitieren. Die Sucht führt viele der Kinder dazu, ihren Körper zu verkaufen. Zumeist enden sie dann in den Bordellen für Kinderschänder in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh oder in Sihanoukville.

Die ausländischen Kinderschänder und Organhändler sind geradezu mafiös organisiert und lassen sich Kinder zuführen. Sie arbeiten regelrecht auf Bestellung, vor allem aus den USA und Frankreich, von wo sogar gezielt bestimmte Organe angefordert werden. Mittelsmänner und -frauen kaufen den Eltern ihre Kinder ab und skrupellose Ärzte entnehmen in Kambodscha oder Thailand die Organe, die dann anschließend zu den „Kunden“ ausgeflogen werden.

Holger Doetsch versucht mit seinem Verein diesem verbrecherischen Treiben entgegenzuwirken und einigen Kindern eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen. PROtectKids Kambodscha unterstützt durch das Einsammeln von Spenden sowie das Werben und Vermitteln um und von Patenschaften in der kambodschanischen Provinz Siem Reap die Freundinnen und Freunde der nicht staatlichen Organisation Kidscare Cambodia. Damit können in Kambodscha diesen Kindern Nahrung und Kleidung zukommen und ihnen Schulbildung, Hygiene und das Verhalten gegenüber westlichen Touristen und ihren Avancen beigebracht werden, um sie vor Kinderschändern und Organhändlern zu schützen. Derzeit hat der kleine Verein gemeinsam mit den Partnerverbänden aus Frankreich, der Schweiz und Neuseeland für 432 Kinder Patenschaften organisiert. Diese Zahl erscheint zunächst nicht groß, aber Doetsch erklärte, dass man so wenigstens gewährleisten könne, dass die Spenden auch tatsächlich bei den betroffenen Kindern ankämen und nicht in der Verwaltung von Großorganisationen und staatlichen Stellen verschwinden. Zur bitteren Erfahrung der Hilfe für die vergessenen kambodschanischen Kinder gehört leider auch, dass selbst die Patenkinder nicht zu hundert Prozent zu beschützen sind. Dieses traurige Schicksal ist auch dem Patenkind von Holger Doetsch selbst widerfahren. Der 12jährige Pan wurde gezielt von Crystal Meth abhängig gemacht und ist seit Dezember 2012 nicht mehr auffindbar. Doetsch hat konkrete Hinweise darauf, dass der arme Junge, den er noch ein halbes Jahr zuvor in Kambodscha besucht hatte, in ein Kinderbordell verschleppt wurde. Trotz der Bemühungen des Vereins und seiner Partnerverbände sind im Jahr 2012 insgesamt fünf ihrer Patenkinder verschwunden.

Link

PROtect Kids Kambodscha

 Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Vera Lengsfeld

Über Vera Lengsfeld

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige