23. Oktober 2012

Dokumentation II ef-Interview mit dem NPD-Vorsitzenden im November 2004

Nachtrag vom Hauptgegner

Manchmal spielt die Erinnerung einen Streich. Ein Leser erinnert uns nämlich daran, dass wir doch tatsächlich den NPD-Vorsitzenden im NPD-Erfolgsjahr 2004 noch einmal interviewt hatten. Im selben Heft übrigens, in dem auch Philipp Mißfelder, Ildikó von Kürthy und Roland Baader interviewt wurden.

Hier aus dem gegebenen Anlass auch dieses Dokument vermeintlich „geistiger Nähe“.

Quelle: eigentümlich frei Nr. 47, November 2004, Seite 11 ff.

NPD

Der Hauptgegner demokratisiert die Polit-Kultur

Wenn er mit dem „liberalkapitalistischen System“ doch nur recht hätte...

Interview mit Udo Voigt / Interview von Kaspar Rosenbaum

So schnell kann es gehen. Vor kurzem noch wurde die NPD totgesagt, nun zog sie am 19. September nach 36 Jahren erstmals wieder in ein Landesparlament ein – mit sensationellen 9,2 Prozent auf gleicher Augenhöhe mit der SPD und weit vor FDP und Grünen. Jetzt träumt die Partei von einer Art Volksfront. Erstens mit der Marionettenpartei DVU des millionenschweren Verlegers Gerhard Frey, mit der man sich künftig weiter absprechen und bei den Bundestagswahlen gemeinsam antreten will. Und zweitens mit den „freien Nationalisten“ der radikalen ostdeutschen Neonaziszene, die nun in großen Teilen in die Partei strömt. Und der Vorstandsposten versprochen werden. Die Nationaldemokraten strotzen vor Selbstbewusstsein. Und so präsentiert sich auch ihr Vorsitzender Udo Voigt. Die Mainstreammedien versuchen seit jeher, die NPD als tumben Haufen von Analphabeten darzustellen. Ganz falsch lag man vor 15 Jahren damit nicht. Aber seither hat sich die Partei stark gewandelt, verjüngt und intellektualisiert. Da die Masseninformanten ARDZDF, „Spiegel“ und „Bild“ nicht zugeben möchten, dass sie seit Jahren den Fakten hinterherhängen und über die NPD verfälschend berichten, wird deren Repräsentanten keine Möglichkeit gegeben, selbst zu sprechen. Taucht dann doch der Wahlsieger aus Sachsen im Fernsehstudio auf, wird ihm der Ton abgeschnitten und die Vertreter der anderen „demokratischen“ Parteien verlassen den Saal. Grotesk, wenn dann die ARD-Moderatorin noch hinzufügt, dass für dieses peinliche Schauspiel der Mann neben ihr verantwortlich sei, den sie doch gar nicht ausreden ließ. Ein kleiner Versuchsballon wurde dann aber doch gestartet. Vielleicht würde der NPD-Vorsitzende sich im TV-Talk doch blamieren – er könnte ja an Lampenfieber leiden. Und dann wäre vielleicht doch alles nicht so grausam und man könnte ihn auch Christiansen & Co. aussetzen. Also wurde Voigt zum Talk bei N24 geladen, einem Sender, den kaum ein Zuschauer sieht, in eine Testsendung, der viele etablierte Journalisten mit einer Mischung aus Angst und Hoffnung entgegensahen. Udo Voigt „talkte“ dort drei Wochen nach der Wahl mit dem Chefredakteur von „Bild am Sonntag“ und mit dem SPD-Mann für alle Fälle Peter Glotz. Der Ballon zerplatzte: Voigt schlug sich in dieser Runde so beachtlich gut, dass die Massenmedien anschließend die Sendung verschwiegen und Voigt für einige Zeit das letzte Mal eingeladen wurde. Schließlich hatte man den Medienprofi Franz Schönhuber auf dem Zenit seiner Republikaner-Erfolge nach dessen grandiosem Interview bei Thomas Gottschalk auch einfach nie wieder eingeladen. Und es funktionierte vor 15 Jahren. Doch die NPD ist nicht wie einst die Republikaner. Voigt und seine Kameraden nutzen die Schweigestrategien, Maulsperren und Verdrehungen der Medien als Wasser auf ihre Propagandamühlen. Und die Wähler werden spürbar immer neugieriger auf eine In-Partei, die offensichtlich alle Etablierten noch sehr viel mehr ärgert als die bisherige Wahl der PDS. Denn nach den 68ern wissen nun auch neidbeladene Ostdeutsche: Was verboten ist (oder werden sollte oder verschwiegen wird), das macht uns gerade scharf. Kein Wunder, dass Voigt sich über eine wachsende Nachfrage nach seiner Parteizeitung freut, wenn die Mainstreammedien in ihrer Berichterstattung derart versagen – über eine Partei, die jetzt mit einem Dutzend Abgeordneten im Sächsischen Landtag vertreten ist. Voigt und seine planwirtschaftlich-sozialistische Nationalisten-Bewegung sind das extreme Gegenüber der betont marktwirtschaftlich-liberalen und globalen Freihandelslinie dieser Zeitschrift. Unsere Leser sollten daher wissen, wer sich gerade im Schatten einer verkorksten Medien- und Politstrategie an die Spitze der Gegner kämpft. Er ist eben nicht der tumbe Tor. Er ist intelligent und wortgewaltig – mit teilweise sympathischen Zügen. Keine schönen Aussichten. Eine weitere und noch staatsfixiertere sozialistische Partei kann auch keine schöne Nachricht sein. Aber die „antifaschistischen“ Gegenstrategien werden mit dem Einzug des ersten Dutzends NPD-Abgeordneter in den Bundestag 2006 in sich zusammenbrechen. Am Ende wird man Voigt kennenlernen und sich mit seiner Partei auseinandersetzen müssen. Dazu wird man auch über Ziele und Personen informieren müssen. Etwa so wie mit dem nachfolgenden Interview für das ef-magazin. Und bis zu diesem Zeitpunkt amüsieren wir uns wenigstens über die hilflosen Reaktionen der Konkurrenz: Politik jedenfalls ist seit dem 19. September nicht mehr ganz so langweilig wie vorher.

ef: Herr Voigt, nach dem Erdrutschsieg Ihrer Partei in Sachsen haben Sie erst mal Urlaub gemacht. Wo macht denn der „oberste Nazi der Republik“ Urlaub?

Voigt: Nach der Wahl war Entspannung angesagt, Segeln im Mittelmeer. Im Frühjahr war ich an der Ostsee: Wandern und Radfahren auf dem Darß in Prerow.

ef: Laut „Spiegel-online“ hat die Berliner Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen Sie eingeleitet, weil Sie in einem Interview mit der „Jungen Freiheit“ unter anderem sagten: „Zweifellos handelt es sich bei Hitler um einen großen deutschen Staatsmann.“ Ist so eine Äußerung nach Ihrer einschlägigen Erfahrung mit den BRD-Gesetzen schon strafrelevant?

Voigt: Ich bin sehr überrascht, schließlich kann „groß“ sowohl „gut“ als auch „schlecht“ heißen – und dies wurde noch nicht einmal hinterfragt. Waren Alexander der Große, Nero oder Stalin nicht auch große Staatsmänner, ohne dass man bei einer solchen Beifügung gleich meint, dass es gute gewesen sein müssen? Bislang war meines Wissens die Bewertung eines deutschen Staatsmannes nicht strafbewehrt. In einem untergehenden System ist aber alles möglich. Immer wenn sich ein System wegen seiner Misswirtschaft mit dem Rücken an der Wand befindet, spielen einzelne im Repressionsapparat verrückt. In vorauseilendem Gehorsam wollen sie noch schnell ein paar Sprossen auf der Karriereleiter nach oben, weil sie glauben, dass sie dort eher eine Wende überleben, als weiter unten. Die Menschen- und Bürgerrechtsdefizite der real existierenden BRD werden in den kommenden Jahren noch stark zunehmen. An dieser Front wird die NPD kämpfen – mit dem Ziel, dem liberalkapitalistischen System die heuchlerische Maske vom Gesicht zu reißen und die Machthaber wie im gescheiterten Verbotsverfahren öffentlich zu demütigen.

ef: Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Sie aufgrund einer ungenehmen Meinung werden ausdrücklich vom Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus gelobt. Die Grünen waren insbesondere in Berlin mal als Partei gestartet, die den Verfassungsschutz auflösen wollte und sich die „Entkriminalisierung politischer Delikte“ auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Innerhalb von nur 25 Jahren sind aus den grünen toleranten Außenseitern nun die schlimmsten Verfechter des Gesinnungsstaates geworden. Überrascht Sie das?

Voigt: Dass die Grünen extremistische Repression gegen Andersdenkende betreiben, ist keine Überraschung. Die Grünen waren und sind ein Projekt gescheiterter K-Gruppen und eines kriminellen Teils der Spontibewegung. Sie waren immer linksextremistische Wölfe in verschiedenen harmlos gestrickten oder lächerlich wirkenden Schafspelzen. Bemerkenswerterweise gelingt es ihnen durch ihre Engagements, Deutschlands Wissenschaft und Technik langsam aber sicher auf den Stand eines Entwicklungslandes zu bringen.

ef: Aber wird sich nicht die NPD auch in 25 Jahren gewandelt haben, wenn sie bis dahin zu einer etablierten Partei geworden sein wird?

Voigt: Auch die NPD ist selbstverständlich keine statische Partei, sondern eine dynamische Bewegung. Und die wird sich weiter verändern, wie sie sich schon gewandelt hat. Vor gut zehn Jahren wurde der NPD bereits der Tod durch angebliche Überalterung bescheinigt. Heute sind wir eine Partei junger Menschen und werden überwiegend von jungen Menschen geführt und gewählt. Mit dem wachsenden Erfolg der NPD wird es den antideutschen Parteien immer schwerer fallen, Menschen durch soziale Ächtung von der Mitgliedschaft in unserer Partei abzuhalten. Dies wird die Mitgliedsstruktur den gesellschaftlichen und sozialen Verhältnissen anpassen, was zu noch größeren Erfolgen führen wird. Etabliert, im Sinne von angepasst und korrumpiert, werden wir sicher nie.

ef: Wetten doch? Aber das wird natürlich dauern. Die jüngste Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens am Wahlabend in Sachsen – die Moderatorin schnitt Ihrem Spitzenkandidaten nach wenigen Sekunden keifend wieder das Wort ab – hat erst einmal TV-Geschichte geschrieben. Wieviel Prozent hätte die NPD in Sachsen wohl unmittelbar nach dieser Wahlsendung in ARDZDF erhalten?

Voigt: Ja, die Welle der Empörung hat die linksextremistischen Fernsehmacher geschockt. Ihre Ausgrenzungs- und Diffamierungsstrategie war ein voller Rohrkrepierer. Die Damen und Herren müssen lernen, dass von jetzt an die NPD die politische Kultur in der BRD demokratisieren wird. Wären die Wahllokale am 19. September um 22 Uhr noch einmal geöffnet worden, hätten wir aus den Reihen der bisherigen Nichtwähler etliche Stimmen erhalten. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wäre die NPD die zweitstärkste Partei in Sachsen geworden.

ef: Andererseits: In einem NPD-regierten Deutschland gäbe es für Liberale auch nicht mehr Meinungsfreiheit als heute für Nazis, oder?

Voigt: Angst vor der Meinungsfreiheit haben nur diejenigen, die schlechte Argumente und ungenügende Konzepte haben. Wir Nationaldemokraten fürchten nicht die Meinung der anderen. Im Gegenteil: Da wir einen neuen volksdemokratischen Politikstil favorisieren, in dem wir den Politikmarkt deregulieren werden, wird es unter einer NPD-Regierung keine Verfolgung anderer Meinungen geben. In einem von der NPD regierten Staat hat jeder das Recht, sich öffentlich als Idiot oder Asozialer darzustellen, er muss nur damit leben, dass er dann kaum noch gewählt werden wird.

ef: Wenn Schönhuber oder Schill einst gefragt wurden, ob sie nicht in Wirklichkeit böse Faschisten seien, so haben sie sich umständlich rechtfertigen müssen. Die Vertreter Ihrer Partei lachen sich nun eins in den ausgestreckten Arm, wenn sie danach gefragt werden, ob sie Nazis seien. Sie kann man nicht beleidigen! Sind die jüngsten Erfolge der NPD also so etwas wie die natürliche Folge des „Kampfes gegen Rechts“ der etablierten Parteien?

Voigt: Die „Faschismuskeule“ ist tatsächlich morsch geworden wie das ganze faulende liberalkapitalistische BRD-System. Eine wachsende Zahl von Menschen fragt sich, was die vergammelten antifaschistischen Rituale in der heutigen Krisenzeit noch für einen praktischen Wert haben, angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Krise der BRD. Immer wenn selbsternannte Heilsbringer, hier die etablierten Verfechter der „pc“, der political correctness, so sehr auf dem hohen Ross sitzen und ihre eigene Unfähigkeit, die wirklichen Probleme der Zeit zu lösen, durch Hetze und Diffamierung kaschieren, erreichen sie sehr schnell das Gegenteil von dem, was sie eigentlich wollen: Nicht die Diffamierung des anderen, sondern ihre eigene Entlarvung.

ef: Ende der 1960er Jahre feierte die NPD erstmals große Wahlerfolge und war in sieben von elf Landesparlamenten vertreten. Damals gab es unter dem Parteivorsitzenden Adolf von Thadden einen dominierenden nationalkonservativen Flügel. Ist dieser Flügel für ihre nun offensichtlich sozialistische Partei für immer verloren?

Voigt: Viele Nationalkonservative haben besonders unter der seit den 1970er Jahren zunehmenden Repression des BRD-Systems gelitten. Sie haben sich etwa durch die sogenannten „Verfassungsschutzberichte“ aufs Glatteis führen lassen. Sie haben geglaubt, durch dumpfe Äußerlichkeiten und alberne Wortklauberei könnten sie als Wölfe im Schafspelz das BRD-Regime übertölpeln. Schließlich tappten sie in die Fußangel des BRD-Systems und wollten helfen, die BRD zu reparieren. Sie glaubten, ein „BRD-Patriotismus“ würde akzeptiert, wenn man sich nur genügend abgrenzt und distanziert. Sie begriffen nicht, dass das liberalkapitalistische System der BRD irreparabel ist und die selbsternannten Gralshüter der US-Demokratie derartiges Verhalten verachten. Die zum Teil versuchte Anpassung und Unterwerfung vieler Nationalkonservativer ist gründlich gescheitert. Aber die NPD war und ist eine nationale Sammlungspartei. Deswegen hatten und haben auch Nationalkonservative in der NPD ihren berechtigten Platz.

ef: Die NPD hat sich – unbemerkt von den etablierten Medien – stark intellektualisiert. Die Partei legt heute sehr viel Wert auf Schulungen – ein parteieigenes Schulungszentrum wurde gebaut. Und die Parteizeitung „Deutsche Stimme“ hat sich gewandelt von einem Blatt mit Niveau unterhalb der „Bild“-Zeitung hin zu einem Organ mit einem starken theoretischen und philosophischen Teil. Überfordern Sie damit nicht ihre Klientel?

Voigt: Eine der Säulen der Strategie der NPD ist der Kampf um die Köpfe. Die Köpfe verstehen ihn. Und wir werden ihn weiterführen. Die NPD hat den Anspruch, eine Volkspartei zu werden, die in der Regierungsverantwortung eine Volksgemeinschaft herstellt. Das bedeutet, dass die höher gebildeten Menschen gesucht und integriert werden müssen. Gleichzeitig stellen wir natürlich die Forderung an unsere Mitglieder und Anhänger, ständig an sich zu arbeiten, damit wir auch tatsächlich besser sein werden als die Etablierten. Im übrigen steigen die Abonnentenzahlen stetig, was nicht auf Überforderung hindeutet.

ef: Ihr neuer Partner Frey und dessen Blatt „Nationalzeitung“ schreiben im Gegensatz zur „Deutschen Stimme“ immer noch auf einem unterirdischen Niveau. Gibt es in ihrer neuen „rechten Allianz“ also so etwas wie Arbeitsteilung: Die Jungen, Wilden und Schlaueren in die NPD, die senilen Opis und Dumpfbacken in die DVU?

Voigt: Das neue Bündnis steht auf der Grundlage der Gleichberechtigung der Partner. Die „Nationalzeitung“ habe ich zu keinem Zeitpunkt als niveaulos empfunden. Eine solche Arbeitsteilung wie von Ihnen dargestellt gibt es nicht. Und die Mitgliederstruktur der DVU ist mir so auch nicht bekannt.

ef: Wie steht eigentlich die NPD zu einigen aktuellen Fragen: Etwa zum Ladenschlussgesetz?

Voigt: Das Ladenschlussgesetz wie auch andere wirtschaftspolitische Rechtsvorschriften sollen den Wettbewerb in der Marktwirtschaft ordnen und sind wesentlicher Bestandteil der liberalkapitalistischen Marktwirtschaftsordnung der BRD. Die Aushöhlung wirtschaftspolitischer Ordnungsmaßnahmen sind ein Teil der asozialen globalistischen Wirtschaftspolitik des BRD-Systems. Opfer dieser Politik werden kleine und mittelständische Unternehmen, die gegen Großkonzerne strukturell nicht konkurrieren können. Die Zerstörung des gesetzlichen Ladenschlusses wird zu einer weiteren Konzentration führen, Großkonzerne begünstigen, dem Einzelhandel und der Masse des Volkes schaden.

ef: Wenn das stimmt, folgt im Umkehrschluss, dass die NPD die Ladenöffnungszeiten auf ein Minimum reduzieren muss. Eine Stunde am Tag? Oder wie ist es Ihnen am liebsten? Wann dürfen wir unter einer NPD-Regierung noch einkaufen?

Voigt: Der Sinn eines Ladenschlussgesetzes ist es doch, den kleinen und schwachen Unternehmer oder Einzelhändler vor den sie verdrängenden Großkonzernen zu schützen. Es muss daher sozial ausgewogen sein und es muss ein Konsens herbeigeführt werden, der den Interessen der Verbraucher wie denen der großen und kleinen Händler gerecht wird. Von einer Stunde brauchen wir da wohl nicht zu reden. Wichtig ist, dass der Staat Akzente setzt und begreift, dass er nicht nur für die Großen da zu sein hat, wenn diese rufen.

ef: Und wie steht die NPD zum Dosenpfand?

Voigt: Volkswirtschaftlich betrachtet sind Wegwerfsysteme wie die Getränkedosen eine Katastrophe, da sie viele einfache Arbeitsplätze kosten und die Lasten der Entsorgung der Allgemeinheit zuschanzen. Eine NPD-Regierung wird eine Politik der Müllvermeidung und der Entlastung der Allgemeinheit von Entsorgungskosten für sinnlose Produkte betreiben.

ef: Zum Kündigungsschutz?

Voigt: Der Kündigungsschutz ist eine sozialpolitische Ordnungsmaßnahme, die beiden Seiten dient, dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer. Sie muss erhalten bleiben. Mit der NPD wird es keine asoziale US-amerikanische Hire-and-Fire-Politik in Deutschland geben.

ef: Zur neuen „rosa Republik“? Gibt es in der NPD-Führung – etwa in der Tradition der SA – auch Homosexuelle?

Voigt: Mir hat sich da bislang noch keiner genähert. Warum kommen Sie nie davon ab, die NPD in Zusammenhang mit Nazi-Klischees zu bringen? Aber gut, tatsächlich hatte sich während des Verbotsverfahrens ein einfaches Mitglied mit der Bitte an mich gewandt, einen derartigen Arbeitskreis in der NPD bilden zu wollen. Ich habe dies natürlich mit dem Hinweis auf unser Parteiprogramm, welches die Förderung der Familie mit Kindern zum Primat der Politik erhebt, abgelehnt. Der Betreffende ist auch heute nicht mehr in der NPD.

ef: Ihr Stellvertreter und Spitzenkandidat in Sachsen, Holger Apfel, zeigte am Wahlabend in den wenigen Worten, die er ausreden durfte, wer der größte Feind der neosozialistischen NPD-Politik ist: die „neoliberale FDP“. Wie stehen Sie vor diesem Hintergrund zum politischen Links-Rechts-Schema?

Voigt: Seit ihrer Gründung wehrt sich die NPD gegen diffamierende Schemata. Es ist  richtig, dass die liberalistischen Globalisierer unsere Hauptgegner sind.

ef: Da dürfen wir uns als Ihr Hauptgegner ja geehrt fühlen.

Voigt: Ja! Es wäre übrigens sinnvoll, ein neues realistisches, diffamierungsfreies und demokratisches Schema einzuführen, das zwischen deutsch und antideutsch unterscheidet. In einem solchen Schema sind die NPD und die DVU eindeutig deutsche Parteien und CDU, CSU, FDP, SPD, Grüne und PDS eindeutig antideutsche Multikulti-Parteien.

ef: Woran erkennen wir denn konkret, ob eine Partei „deutsch“ oder „antideutsch“ ist?

Voigt: An ihrer politischen Programmatik und an ihrer Politik. Eine Partei, die Zuwanderung fördert, betreibt und gesetzlich garantiert, ist antideutsch. Eine Partei, die mittels Globalisierung die Ausplünderung und Verarmung Deutscher zugunsten der Gewinne internationaler Großkonzerne fördert, ist antideutsch. Eine Partei, die Arbeitsplätze im eigenen Land schafft, Unternehmen sozial ächtet, welche Produktionsstätten im Ausland errichten, und die in erster Linie Interessen des deutschen Volkes vertritt, ist definitiv deutsch.

ef: Sie haben in Sachsen als Anti-Hartz-IV-Partei gepunktet. Der auch von Ihnen viel kritisierte Kern von Hartz IV bedeutet, dass Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger zukünftig eher Arbeiten annehmen müssen. Die frühere nationalkonservative NPD dreht sich vor Wut im Grabe, wenn nun die neosozialistische NPD ausgerechnet diese Neuerung gemeinsam mit arbeitsscheuen Linksextremisten bekämpft. Im Nationalsozialismus – wie in jedem realexistierenden sozialistischen System – gab es schließlich Arbeitszwang für alle. Ist die NPD als neue Partei für das „Recht auf Faulheit“ nicht grotesk?

Voigt: Hier wird mit Hartz IV schon wieder ein gigantisches Täuschungsmanöver betrieben. Denn bisher gab es bereits die gesetzliche Grundlage, dass Sozialhilfeempfänger für gemeinschaftliche Arbeiten herangezogen werden können. Dieses wurde aber nur selten praktiziert. Durch Hartz IV werden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, sondern lediglich Vollarbeitsplätze in Billiglohnarbeitsplätze umgewandelt – wie schon bei Hartz II. Hartz IV kennt keine soziale Gerechtigkeit. Es ist Armut per Gesetz und schafft nicht wirklich neue Arbeitsplätze.

ef: Abschließend: Was war denn in Ihren Augen gut am realexistierenden Nationalsozialismus und was war schlecht?

Voigt: Dies umfassend zu beantworten würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. In der Hoffnung, zumindest nicht böswillig missverstanden oder aus dem Zusammenhang zitiert zu werden, beschränke ich mich auf Begriffe und Handlungsergebnisse, ohne diese selbst zu definieren. „Gut“ und „Schlecht“ sind hier Definitionsformen, die nur sehr oberflächlich meine Meinung widerspiegeln. Also, gut waren: die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit, Vollbeschäftigung, Förderung und Schutz von Familie, Mutter und Kind, Verwirklichung der Volksgemeinschaft, Bündelung und Freisetzung von Kräften durch gemeinschaftliches Handeln, Förderung von Sport, Talenten und Elitenbildung. Schlecht waren: Rassenwahn und Herrenmenschenideologie, Ausgrenzung und Verfolgung von Menschengruppen, die nicht dazu gehören durften, unkontrollierbares Führerprinzip, Ausschaltung von Oppositionellen, Verlust der Rechtsstaatlichkeit und die ausgeprägte Bereitschaft, als Konfliktlösung zu schnell das Mittel des Krieges einzusetzen. Der historische Nationalsozialismus war ein komplexes geschichtliches Geschehen. Von ihm war ein 80-Millionen-Volk in seinen verschiedensten Seinsweisen – geistig, kulturell, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, organisatorisch, militärisch – erfasst beziehungsweise betroffen. Er enthielt Momente der Kontinuität und Diskontinuität. Er war Ausdruck einer nicht wiederholbaren geschichtlichen Konstellation. Das genuin nationalsozialistische Gedankengut hatte seine Wirkungen in den Zeitströmungen, die über größere Räume hinweg wirkten und in denen sich vielfältige Einflüsse europäischer Denkschulen vereinigten. Dieses Gedankengut erhielt seine geschichtliche Bedeutung durch die Reflexion der materiellen und ideellen Not des deutschen Volkes in den Jahren nach der militärischen Niederlage im Jahre 1918. Es ist aus bundesrepublikanischer Sicht weder erklärbar noch einfach in Gut oder Böse einzuteilen.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Redaktion eigentümlich frei

Über Redaktion eigentümlich frei

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige