12. Juli 2012

„Interessante“ Abgaben und Kriegstreiberei Ene, Mene, Miste, es leer sich die Schatzkiste

Und sie wiederholt sich doch. Leider.

Kennt jemand noch Fritz Langs Kriminalfilme „Die 1.000 Augen des Dr. Mabuse“ oder „Das Testament des Dr. Mabuse“? Sie inspirierten mich zu meinen „Dr. Schäubuse“-Zoten. Ersterer Titel bietet sich natürlich besonders an, um Schäubles aktuelles Gebaren zu parodieren: „Die 1.000 Langfinger des Dr. Schäubuse“, um nur ein Beispiel zu nennen. Es gäbe noch zahlreiche andere, wunderbare Möglichkeiten, die Stromschnellen und Sturzbäche des Irrationalismus, die mal wieder durch die Dämme vermeintlich aufgearbeiteter, scheinbar bewältigter und irrtümlicherweise überwunden geglaubter Fehler der Wirtschafts- und Politikgeschichte brechen, auf einem Floß aus Sarkasmus, Ironie, Frotzeleien und Persiflagen möglichst unbeschadet zu überqueren. „Dr. Schäuble oder wie ich lernte, die Diktatur zu lieben“ – auf einer Skala von 1 bis 10 würde ich eine 6 geben. „James Euro-Bond: Die Welt ist Kreditbetrug“. Eine 7. „Der Herr der Schlinge: Die Rückkehr des Führers“. Eine 8. Und was ist mit der vollen Punktzahl? Keine 10?

Lieber nicht. Wenn ich jetzt offen ausspräche, was ich wirklich denke, mit welchen historischen Persönlichkeiten ich das zeitgenössische deutsche Führungspersonal (und beileibe nicht nur das deutsche) der Politik sowie der Etage darüber am liebsten vergliche, säße ich kurz darauf wegen Störens der veröffentlichten (und mit Zähnen und Klauen verteidigten Schein-) Ruhe wahrscheinlich in Guantánamo. Bei Wasser und Monsanto-Maisbrot. Da klebe ich mir lieber ein kleines Trostpflästerchen auf die Großhirnrinde: „Je mehr Einzelne da sind, welche dem Welttheater mit Ruhe und Kritik zuschauen, desto geringer ist die Gefahr der großen Massendummheiten, obenan der Kriege“ (Hermann Hesse).

Ach was soll's. No risk, no fun. Wenn sogar der Mainstream mittlerweile schon die passenden Worte findet – und das hat wirklich etwas zu heißen – warum dann noch hinter dem Schuldenberg halten? „Kalte Enteignungsfantasien als Alarmsignal“ heißt es in einem Welt-Online-Artikel vom 12. Juli. Autorin Andrea Seibel kritisiert darin völlig zurecht die Neigung des Staates, statt konsequenter Lösungen struktureller Probleme immer nur Zwangsabgaben in Betracht zu ziehen. Seibel: „Dieses Mal geht man sogar noch einen Schritt weiter und schlägt Zwangsanleihen vor. So was kennt man noch aus dunkelsten Kriegszeiten. Ist es etwa schon so weit?“. Liebe Kollegin, sie haben doch noch gar nichts gesehen.

Das ist doch erst der Anfang, das sind leichte Vorwehen, unbedeutende Erschütterungen als Vorboten eines leider gar nicht mehr so unwahrscheinlichen Erdbebens auf höchster Stufe der Staatsrichter- und Henkerskala. Kapitalverkehrskontrollen, Zwangshypotheken auf Eigenheime und Grundstücke, Vermögensabgaben, Reichensteuer (wer mit exponentiell sich verschlimmernder Schuldenschieflage als „reich“ gelten und ergo unter die Enteignungsregelung fallen wird, obliegt der an die jeweilige Kassenlage gekoppelten Bemessungswillkür des Bundesministeriums für Armut, Hunger, Leid und Elend), vielleicht gar ein Verbot privaten Goldbesitzes (gab es schließlich schon öfter in der Geschichte), drastische Mehrwertsteuererhöhungen, höhere Abgaben auf Luxusgüter wie zum Beispiel Tabak und Alkohol, eine Flasche Wodka bitte, das macht dann zwölf Billionen Europamark und so weiter und so fort – oder frei nach Rio Reiser: Das alles und noch viel mehr könnte klappen, sind die Kassen erst richtig leer...

Günther Lachmann schrieb letzte Woche (ebenfalls auf Welt Online) angesichts der Ermahnungen des BVG durch einige Politausticker von „Auflösungserscheinungen der demokratischen Ordnung“. Geht das Geld im Hause aus, wird der Tonfall eben etwas schärfer – heute wie damals. Alexander Graf Lambsdorff sprach dem Gericht gar die Kompetenz ab, in Sachen ESM und Europa-Finanzpolitik überhaupt fachkundige und sachgerechte Entscheidungen fällen zu können. Solange solche Leute sich mit „Liberalen“ verwechseln und darob in die falsche Partei eintreten, darf die FDP sich nicht wundern, wenn sie bald nur noch so stark nachgefragt wird wie Eiswürfel auf dem Pluto. Der Jürgen der Nation bescheinigte dem Aufruf der 170 Wirtschaftswissenschaftler mit Stimmungslump Hans-Werner Sinn an der Spitze ganz empört, er bediene „niedere Instinkte“. Und der Herr Doktor ermahnte das Gericht – wieder einmal –, doch bitte nicht seine Kreise zu stören. Natürlich schlagen sie um sich. Weil sie genau wissen oder zumindest ahnen, dass ihnen eigentlich niemand mehr die Glückskeksparolen und gefälschten Bilanzen abkauft. Noch nicht mal für'n Dollar und wahrscheinlich noch nicht mal sie sich selbst.

Was die Kriegszeiten betrifft: Wir sind schon mittendrin. Der Irak, Afghanistan, Libyen, nun wohl Syrien, demnächst eventuell der Iran, vielleicht auch Pakistan – von vereinzelten Bränden kann man leider nicht mehr sprechen. Nur völlig verblödete Zwergkaninchen hoppeln noch den Sirenengesängen Orwellscher Machart („Krieg ist Frieden!“) aus den Volksempfängern hinterher, es ginge in all diesen „Konflikten“ doch nur um Verteidigung oder Installation von „Demokratie“ und „Menschenrechten“. Mithilfe von Terrorpflänzchen aus eigenem Anbau ein bisschen Unruhe stiften, Bomben abwerfen, einmarschieren, peng bumm zack, politische Marionetten einsetzen, wieder abziehen – so bringt man Menschen ganz bestimmt dazu, nur noch Eierkuchen nach demokratisch-freiheitlichem Rezept zu backen. (Wie? Hat in Deutschland doch auch funktioniert? Lernt man in Schulbüchern von mangelhafter Qualität, ja. Wir sehen ja heute, wie erfolgreich die Befreiung war. An die Stelle eines Irren trat etwas später ein ganzes Heer von Wahnsinnigen irgendwo in Belgien. Toll.)

Der wahre Grund: Das Schuldgeldsystem hat fertig, Punkt. Und Krieg ist ja nicht erst seit gestern ein probates Mittel, um die sozialen Folgen einer Finanz-„Klemme“ in den Griff zu bekommen: Massive Einschränkungen von Bürgerrechten, Zensurbestrebungen, Verbotsschwemme, Enteignungsgesetze, kunstvolle Aufzucht und finanzielle Pflege von Politpsychopathen (so wie damals), ganz allgemein totalitäre Anwandlungen aller Art (wie sie derzeit auch in den USA zu beobachten sind). Man kann nur inständig hoffen, dass sämtliche derzeit kursierenden Verschwörungstheorien, die vor einem angeblich geplanten Dritten Weltkrieg warnen, sich als Panikmache und reine Spinnerei apokalyptischer Möchtegernpropheten entpuppen.

Ich bitte ef-online-Leser um Verständnis, dass ich den Namen der Person, die mir folgende Zeilen per Mail schrieb, nicht veröffentlichen möchte. Nicht, dass sie nachher noch in Schwierigkeiten gerät. Nur so viel: Es handelt sich um eine international renommierte Persönlichkeit aus dem Wirtschaftsjournalismus, seit Jahrzehnten tätig, die über zahlreiche zuverlässige Kontakte verfügt und sich mit ihren treffsicheren Analysen als außerordentlich kompetent erwiesen hat. Als ich den Herrn vor kurzem um eine persönliche Einschätzung der aktuellen Lage bat, erhielt ich zur Antwort, dass er nur wenig Zeit habe und sich sehr beeile, um seine umfangreiche Vortragsreihe abschließen zu können. Warum der Stress? „Ich rechne mit Devisenkontrollen, Reisebeschränkungen, Treibstoffrationierungen und einem Mittelostkrieg noch vor dem 6. November“. Er hoffe aber, dass sich das aus seiner Sicht Unvermeidliche noch bis zum August 2013 hinziehen wird.

Was man außer Zwangsabgaben in Zukunft wohl noch alles „interessant“ finden wird?

Links:

Welt Online: Kalte Enteignungsfantasien als Alarmsignal

Welt Online: Auflösungserscheinung der demokratischen Ordnung


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