15. Februar 2012

ef 120 Editorial

R.I.P.: Roland Baader

Keiner in Deutschland hat mehr für die Ideenwelt getan, der auch diese Zeitschrift verpflichtet ist. Roland Baader war der wichtigste Freiheitsautor in Deutschland. Am 8. Januar ist er mit 71 Jahren nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Zehntausenden, vielleicht Hunderttausend Menschen hat er die Augen geöffnet, hat lange und unermüdlich vor der Wirtschafts- und Finanzkrise gewarnt, die gerade erst begonnen hat. Nur wenigen seiner oft begeisterten Leser war es vergönnt, Roland Baader auch persönlich kennenzulernen. Die, die wie ich dieses Glück hatten, waren sich immer einig in ihrem Urteil, dass man diesen bescheidenen, nachdenklichen und doch lebensfrohen Menschen nur lieben kann. Wer vom Autor Baader spricht, kann vom Menschen Roland gar nicht schweigen.

Er war von Beginn an ein besonderer Freund und Förderer dieser Zeitschrift. Keinen Hinweis über die vielen, oft verschlungenen Wege zu ef haben wir häufiger gehört als: „Ich bin durch Roland Baaders Bücher auf Sie aufmerksam geworden.“ Bereits in der allerersten Ausgabe im Frühjahr 1998 wies unser späterer Redaktionsbeirat darauf hin, wie wichtig eine christlich-konservative Erdung für libertäre Freiheitsträume ist. Auch für die weitere Entwicklung dieser seiner Lieblingszeitschrift erwies sich Roland Baader damit als „Prophet“.

Mit der vor Ihnen liegenden Ausgabe nehmen wir Abschied von einem Titanen. Nervös wie zuletzt 120 Hefte zuvor ist mir bewusst, dass wir Roland Baader doch allenfalls im Ansatz gerecht werden können. Schauen wir auf die Stationen seines Lebens: Zunächst die Kindheit in Kirrlach und Westfalen, die Jugend und das Studium bei Friedrich August von Hayek in Freiburg. Roland gilt als verwegener „Draufgänger“. In den 60er Jahren, die seine 20er sind, lernt er seine Frau kennen und wechselt in den elterlichen Betrieb, den er später übernimmt. Drei Kinder ziehen Uta und Roland groß. Ende der 80er muss das Unternehmen abgewickelt werden. Roland kann sich nun ganz seiner schriftstellerischen Passion widmen. Dann wird Uta schwer krank. Kurz nach dem Tod der über alles geliebten Ehefrau ergreift der Krebs auch ihn. Er schreibt in den letzten 13, zeitweise von Schmerzen und Chemotherapien geprägten, Jahren noch zehn Bücher und unzählige Aufsätze. Aus dem wilden Jimmy und später dem von Uta kultivierten Unternehmer war am Ende der „Revoluzzer in Hosenträgern“ geworden, der schwer kranke und doch immer heitere Sultan des Swings von Kirrlach.

Möglich wurde dieses Heft durch die Unterstützung von vielen Verwandten und Freunden. Insbesondere seine Kinder halfen auch in Details. So erinnerte sich Sohn Rio an den Lieblingsfilm seines Vaters, den wir für die Kritik auswählten. Und selbst die letzte Seite dieses Heftes haben wir einem Abschiedsgruß von Roland Baader zu verdanken, der seinem Sohn Daniel mit auf den Weg gab, „André Lichtschlag vorzuschlagen, doch einmal die hübsche Kolumnistin des ‚Schweizer Monats’ um Antworten für den ef-Fragebogen zu bitten“.

Aufgrund des außerordentlichen Schwerpunkts fallen in diesem Monat einige Kolumnen aus. Dafür bitte ich auch jene Leser um Verständnis, die auf den ersten Blick wenig mit Roland Baader anfangen können. Ich hoffe, dass wir gerade sie mit dem tieferen Einblick in ein ungewöhnliches Menschenleben neugierig machen können.

Am Ende bleibt uns allen Baaders Schaffen, vor allem die Bücher im Resch-Verlag. Viele Autoren verweisen auf Baaders Spätwerk, insbesondere auf die Titel „Geld, Gold und Gottspieler“ sowie „Geldsozialismus“. Bereist 1987 hatte Baader die Leser seines heute längst vergriffenen Erstlingswerks „Anlage 2000“ auf die Bedeutung von Hayeks Idee der „Entnationalisierung des Geldes“ hingewiesen und geraten, „wo immer es möglich ist zur Verbreitung und politischen Durchsetzung dieser Idee beizutragen. Eine bessere oder auch nur andere zum Erhalt unserer freiheitlichen Ordnung kenne ich nicht.“ Diese frühe Erkenntnis nahm in den letzten Jahren seines Lebens einen immer größeren Stellenwert ein. Einer seiner letzten Aphorismen lautete: „Das größte Unglück in der Menschheitsgeschichte? Das Staatsmonopol für das Geldangebot. Alle anderen Desaster sind Folgen davon.“

In ef Nr. 2 beantwortete ich vor 14 Jahren einmal selbst den hauseigenen Fragebogen und nannte meinen Lieblingsautor: Roland Baader. Er ist es bis heute geblieben. Deshalb sei mir die Anmerkung erlaubt: Wer einen breiter aufgestellten, optimistischeren, humorvollen Roland Baader lesen möchte, dem seien seine frühen Bücher empfohlen: „Kreide für den Wolf“ und „Fauler Zauber“ schrieb Roland in einem anderen Haus, einer anderen Bibliothek, gesund, zu einer Zeit, als seine Frau Uta noch lebte. Man spürt das.

Deutlich „schwerer“ klingt sein letztes Interview, das wir ebenfalls in diesem Heft exklusiv publizieren dürfen, weil der eigentliche Auftraggeber „diese Apokalypse“ lieber nicht drucken wollte. Im Internet sind noch zwei ganz besondere Fundstücke aufgetaucht; ein älteres sechsteiliges Radiointerview – „Streiflichter des Lebens“ – sowie auf Youtube ein neueres Video mit dem von Krankheit schon schwer gezeichneten Roland Baader unter dem Titel „Schlussendlich werden sie alle fallen“. Und schließlich: Wir selbst arbeiten mit Hochdruck an einer erweiterten Neuauflage des Aphorismenbandes „Freiheitsfunken“, das auch ein kurz vor seinem Tod eigens vom Autor selbst zusammengestelltes Gesamtwerkverzeichnis enthalten soll. Mehr hierzu hoffentlich bereits in der nächsten Ausgabe.

Bis dahin, Sie wissen schon ...

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Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 21. Fabruar erscheinenden März-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 120


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