12. Dezember 2011

Hans-Olaf Henkel Die „Bild“ und ihre Meinung

Ein Mann wehrt sich

(ef-AFL) Jetzt wird es persönlich. Hans-Olaf Henkel wehrt sich in einem Brief an seine Familie, die Mitstreiter und lieben Freunde gegen Verleumdungen der „Bild“-Zeitung. ef liegt das Schreiben vor. Wir dürfen mit Dank an Hans-Olaf Henkel daraus zitieren.

Nachdem „die ‚Bild’-Zeitung vor einem Jahr auf ihrer Seite Eins schon einmal ein Attacke“ gegen ihn geritten hatte („Diesen wollen wir nicht mehr in den Talk-Shows sehen“) und „offensichtlich nicht erfolgreich war, führte diese Zeitung letzte Woche einen neuen Angriff, der an Bösartigkeit kaum noch zu überbieten ist“, schreibt Henkel. „Unter der Überschrift ‚Ranschmeißer’, ‚Trittbrettfahrer’ und ‚Wendehals’ und ‚Keiner wechselt die Überzeugungen so oft wie Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel’, führt der stellvertretende Chefredakteur Nikolaus Blome seine Leser in die Irre“ und schneidet Henkel „die Ehre ab“. Schon der „Aufmacher ist ein Spaß-Foto, welches von meiner Frau, Prof. Dr. Bettina Hannover, ihrer Zwillingsschwester Almut und mir auf dem Presseball gemacht wurde, den wir, zusammen mit dem Ehemann von Almut Hannover, Dr. Norbert Langen, besucht haben. Sie werfen mir dabei ein (Luft-)Küsschen zu. Bild fügte die Unterschrift hinzu: ‚Eine Frau genügt nicht’.“ Henkel: „In den meisten anderen Blättern hätte man diese Bildüberschrift noch als humorvoll hinnehmen können, dass ich dadurch in seinem Skandal- und Sexblatt zum Bigamisten gemacht werden sollte, war Blome natürlich klar.“

Als „Ranschmeisser“ werde er bezeichnet, weil er das Wahlprogramm von Rot-Grün im Wahlkampf 1998 zwar kritisierte, dem Gewinner der Wahl, Gerhard Schröder, trotzdem am Wahlabend gratulierte. Ein „Trittbrettfahrer“ sei er laut „Bild“, weil er „bei Mitgliedern der FDP dafür geworben habe, für den sogenannten Schäffler-Antrag zu stimmen und zu diesem Zweck gegebenenfalls auch in die Partei einzutreten, um die Chancen für einen Erfolg und damit auch für eine liberale Europolitik zu verbessern.“

Ein „Wendehals“ sei er laut Bild, weil er „einmal ein enthusiastischer Befürworter des Einheitseuro gewesen“ ist „und die Dinge heute anders sehe.“ Dass er „als Einziger im Unterschied zu allen anderen, die nicht den Mut haben, einen Fehler zuzugeben“ seine „Fehleinschätzung öffentlich bekannt“ habe, soll ihm „hier zum Nachteil ausgelegt werden.“ Henkel dazu: „Dass für meinen Meinungswandel die Wendehälse in der Politik verantwortlich sind, die den Maastricht-Vertrag über sechzigmal brachen und nun zulassen, dass deutsche Steuerzahler für Schulden anderer Länder haften, erwähnt Blome natürlich nicht. Weitere Belege für meine angeblich so häufigen Meinungswechsel bleibt Blome schuldig.“

Es kommt noch dicker: „Infam wird Blome, wenn er den Leser aus meiner Tätigkeit als Berater für Deutschland einer US-Bank ableiten lässt, ich würde mich deshalb für eine andere Europolitik einsetzen. Da ich mich für einen starken Nord-Euro und nicht für schwachen Einheitseuro einsetze, macht diese Unterstellung zwar keinen Sinn, belegt dafür aber umso deutlicher“, so Henkel, „die Hinterhältigkeit des Autors“.

Blome berichtet über Henkels Auftritte bei Großveranstaltungen zum Thema Euro und fügt hinzu: „oft gegen Eintrittsgeld“. Damit, so Henkel, „vermittelt er bewusst den Eindruck, ich würde daran verdienen. Dass diese Eintrittsgelder vom Veranstalter DEAG erhoben werden mussten, um wenigstens einen Teil der entstandenen Kosten zu decken, ich dagegen die Auftritte ehrenamtlich absolvierte und meine Reisekosten selbst trug, hat Blome unterschlagen, obwohl der Veranstalter öffentlich darauf hingewiesen hat.“

Dazu passe, dass Blome „auf der Suche nach der Motivation für mein Engagement auch auf Leute gestoßen sein will, die mir ‚Egomanie’ und ‚Eitelkeit’ unterstellen.“ Henkel bemerkt dazu, „dass es nicht nur in der ‚Bild’-Redaktion, sondern auch unter meinen Kollegen in der Wirtschaft Leute gibt, die sich partout nicht vorstellen können, dass es noch Menschen gibt, die sich ehrenamtlich und mit Leidenschaft für ihre Überzeugungen einsetzen.“

Blome hatte Henkel „am Tag vor der Veröffentlichung unter einem Vorwand angerufen und sich“ bei ihm „regelrecht eingeschlichen“, wohl „um seiner Geschichte mit einem Zitat Authentizität zu verleihen“. Henkel angewidert: „Was für ein Feigling! Das entscheidende Zitat zum Thema Mitgliederentscheid in der FDP, um das es angeblich bei seiner Anfrage gehen sollte, brachte er übrigens nicht!“

Henkel fragt sich nun: Sollte „Bild“-Chef Dieckmann, der enge Freund des besonderen Eurofreundes Helmut Kohl, „noch immer einen ganz persönlichen Rachefeldzug gegen mich führen?“ Oder was sonst könnte ihn „ins Fadenkreuz dieser veritablen Rufvernichtungsmaschine gebracht“ haben? Und: Warum sonst hat „man meine persönliche Integrität verletzt und will man meine Glaubwürdigkeit zunichtemachen“?


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