Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Geldproduktion: Wohlstand oder Sozialismus

von Andreas Tögel

Ein Drittes gibt es nicht

26. Juni 2011

Als Paul Watzlawick den Satz „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“ formulierte, hatte er dabei keine weltweite Schuldenkrise im Sinn. Auf die, mit der wir seit ihrem Ausbruch anno 2007 konfrontiert sind, trifft dieser Befund allerdings zu wie auf nichts anderes! Sämtliche Versuche des politischen Establishments, den Ernst der Lage kleinzureden, sind bislang gescheitert. Die angesichts der hartnäckig persistierenden Bedrohung des Weltfinanzsystems die politischen Klasse beherrschende Ratlosigkeit ist nicht zu übersehen. Der unter den staatsnahen Nationalökonomen herrschende totale Erklärungsnotstand rundet das Bild harmonisch ab. Einigkeit herrscht nur in den flügellahmen Versuchen von Polit- und Finanzbürokratie, außerhalb des Kreises der für das Debakel tatsächlich Verantwortlichen Sündenböcke zu suchen.

Indessen ist das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Fähigkeit der politischen Führer, das durch ihre ausschließlich an Kurzzeiteffekten orientierte Politik angerichtete Schuldendebakel in absehbarer Zeit zu vertretbaren Kosten beenden zu können, auf einem Tiefpunkt angelangt. Es wird sich erst zeigen, ob die durchsichtige Taktik, „gierigen Spekulanten und Bankern“ den Schwarzen Peter zuzuschieben, erfolgreich sein wird. Auch ob es den Politbüros tatsächlich gelingt, die perfiden (noch dazu amerikanischen!) Rating-Agenturen für den dräuenden Kollaps des Euro verantwortlich zu machen, weil die sich erfrech(t)en, die Bonität so hochseriöser Debitoren wie Island, Portugal oder Griechenland in Zweifel zu ziehen, wird sich noch herausstellen. Eines allerdings haben Krethi und Plethi nach dem von gestandenen Planwirtschaftern und Feinden der Freiheit jahrelang geschossenen Trommelfeuer inzwischen begriffen: „Der Kapitalismus“ funktioniert nicht.

Ginge es nicht dummerweise um die Zukunft von Generationen, könnte man diesen Befund als das abtun, was er ist: als puren Unsinn. Leider aber handelt es sich dabei – weil allgemein akzeptiert – um ein gefährliches Amalgam aus Ignoranz und Desinformation. Der Kapitalismus, eine auf Privateigentum, individueller Verantwortung wirtschaftlich handelnder Personen, Arbeitsteilung und Freihandel basierende „spontane Ordnung“ (F. A. Hayek), kennt nämlich keine Elemente der Planwirtschaft. Das weltweit herrschende Geldsystem jedoch, das dem Blutkreislauf eines lebenden Organismus entspricht, ist lupenrein planwirtschaftlich organisiert. Weder Privaten noch Unternehmen steht es frei, die Währung selbst zu wählen, in der sie ihre Geschäfte abwickeln. Alle wirtschaftlich Handelnden sind gezwungen, staatlich manipuliertes „Geld“ zu verwenden, dessen Wert nicht – wie der jedes anderen Gutes – vom Markt bestimmt, sondern von den Regierenden nach Gutdünken festgesetzt und gesteuert wird.

Auch der für eine funktionierende Wirtschaft unerlässliche Indikator Zins, der Auskunft über Zeitpräferenz und Konsumneigung der Bürger gibt und ein Entgelt für Konsumverzicht und Ausfallsrisiko bildet, wird von Zentralbürokraten der nur scheinbar unabhängigen Notenbanken (die Maske der EZB ist im Mai 2010 gefallen) auf Zuruf des Politbüros disponiert. Alle seit dem Ende des Goldstandards zu Beginn des Ersten Weltkriegs aufgetretenen Konjunkturzyklen sind ausschließlich auf das staatliche Monopol zur Geldproduktion und dessen planmäßigen Missbrauch zurückzuführen.

Um allen Ernstes zu glauben, dass ein durch maßlose Produktion „billigen“ Geldes ausgelöstes Desaster durch die Produktion von noch mehr und noch billigerem Geld behoben werden kann, muss man schon in den Diensten Leviathans stehen (wes Brot ich ess, des Lied ich sing!) oder seine Informationen ausschließlich aus den gleichgeschalteten (mittelbar oder unmittelbar staatsabhängigen) Massenmedien beziehen.

Roland Baader („Geld Gold und Gottspieler“) hat mit seinem im Vorjahr erschienenen Buch „Geldsozialismus“ eine hervorragende Zusammenfassung der Ereignisse vorgelegt, die zu den herrschenden Verwerfungen geführt haben, und hat dargelegt, welche möglichen Szenarien daraus resultieren können. Es handelt sich um keine sonderlich hoffnungsfrohe Lektüre.

Der Schluss, dem vermutlich alle „Austrians“ ohne Vorbehalte zustimmen werden, bringt es auf den Punkt: „Wir sollten unser Vertrauen besser in Gold, anstatt in machthungrige Menschen setzen. Gold hat weder deren Schwächen noch deren böse Absichten. Es war, ist und wird immer das Geld der Freiheit bleiben.“

Literatur:

Roland Baader: Geldsozialismus: Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression

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