Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Österreichische Schule: Hans-Hermann Hoppe in Wien

von Andreas Tögel

Vortrag zu den Ursachen der Wirtschaftkrise

29. September 2010

Im Anschluss an das eben zu Ende gegangene „Philosophicum Lech“, bei dem er einen vielbeachteten Vortrag zum Thema „Staat oder Privatrechtsgesellschaft“ gehalten hatte, machte der prominente Vertreter der „Austrian School“, Hans-Hermann Hoppe, auf Einladung des Instituts für Wertewirtschaft Station in Wien. Im Festsaal der Wirtschaftkammer Wien, jenem Ort, an dem einst das von Ludwig Mises gegründete Institut für Konjunkturforschung seine Heimat hatte, präsentierte der Ökonom eine Analyse der gegenwärtigen Krise aus „österreichischer“ Sicht.

Hoppe begann mit einem Generalangriff auf die Zunft der Mainstream-Ökonomen. Kein einziger der Herren habe am Vorabend des Platzens der Immobilienblase einen blassen Schimmer von den bevorstehenden Ereignissen und deren Folgen gehabt. Keiner der hoch bezahlten und renommierten Zentralbanker, beamteten Finanzexperten oder Finanzpolitiker habe 2007 vorhergesehen, was dräut. Auch mit Nobelpreisen versehene Gurus wie Paul Krugman hätten sich von den Ereignissen völlig überrascht gezeigt, wobei der genannte wenigstens den Nerv gehabt hätte, das totale Scheitern seiner Zunft hinsichtlich ihrer Prognosefähigkeiten einzugestehen.

Die Qualität einer wissenschaftlichen Theorie erweise sich an ihrer Prognosefähigkeit – an ihrer Eignung, bevorstehende Entwicklungen möglichst genau vorhersagen zu können. Doch selbst nach Ausbruch der Krise präsentierten sich die dominierenden Ökonomen ratlos. Eine schlüssige Erklärung dafür, warum es zur Krise gekommen sei, konnten sie nicht liefern. Während diejenigen unter ihnen, die der Chicago-Schule anhängen, eine Krise erst gar nicht sehen wollten, war und ist die Gemeinde der Keynesianer der Ansicht, es mit einem Versagen des Kapitalismus zu tun zu haben. Jedenfalls bedürfe es in jedem Fall einer Erhöhung der einschlägigen Forschungsetats. Einzig die Gruppe der „Austrians“ habe – wie schon 1929 und bei den folgenden Krisen bis zum Platzen der Blase der „New Economy“ – auch vor dem im Gefolge der Immobilienspekulation in den USA drohenden Crash gewarnt. Was besonders frappiere, sei der Umstand, dass ausgerechnet jene „Experten“ die sich mit der – nicht erfolgten – Vorhersage der krisenhaften Verwerfungen und ihrer Hilflosigkeit bei der Erklärung der Ursachen derselben eben erst blamiert hätten, nun erneut das große Wort führten, wenn es um die Entwicklung künftiger Strategien zur Schadensprävention geht.

Der Grund, weshalb die hohe Politik so gerne Rat bei interventionistischen Fachleuten hole, liege – heute wie zur Zeit des Triumphs Maynard Keynes´ „General Theory“ über die Ideen der „Österreichischen Schule“ in den 30er-Jahren – auf der Hand: Die Theorie der „Austrians“ sei für die politische Klasse schlicht unannehmbar. Die Keynesianer dagegen erzählten ihr genau das, was sie gerne hören wolle. Der Grund, weshalb Ökonomen mehrheitlich im Lager des Interventionismus stünden, sei nicht minder einleuchtend: Bei Verwirklichung einer „Österreichischen“ Wirtschaftspolitik wäre die Masse von ihnen augenblicklich arbeitslos. Da die Zunft der Makroökonomen zum Großteil für den Staat oder für Banken tätig sei, verwunderten die von ihnen präsentierten Vorschläge nicht. An erster Stelle stünden Forderungen nach einer weiteren Ausdehnung der Macht von Zentralbanken sowie der Schaffung weiterer (staatlicher) Kontroll- und Aufsichtsbehörden. Der Kapitalismus habe die Krise verursacht. Der Staat müsse nun als Retter auf den Plan treten…

Da faktisch alle derzeit weltweit laufenden, staatlichen Rettungspakete auf eine Ausweitung der Geldmenge hinausliefen, müsse daraus der Schluss gezogen werden, dass die Ausweitung der Geldmenge (eine Politik des „leichten Geldes“) keinesfalls Anlass und Auslöser der gegenwärtigen Krise habe sein können. Faktisch aber habe die Unfähigkeit der handelnden Akteure, eine plausible Erklärung für die Ursache der Krise zu präsentieren, gezeigt, dass man in diesem Punkt keineswegs sicher sei. Es würde also zur Schadensbegrenzung ein Mittel eingesetzt, das möglicherweise den Grund für den Ausbruch der Krise gebildet habe könnte.

Nach Meinung Hans-Hermann Hoppes sei exakt das der Fall gewesen. Um eine dauerhafte Abwesenheit zyklischer Wirtschaftskrisen sicherzustellen, bedürfe es daher zweier Maßnahmen: der Abschaffung des Systems von Zentralbanken und einer Zerschlagung des staatlichen (Papier-)Geldmonopols. Sei es zu Zeiten Mises´ und Hayeks noch möglich gewesen, missliebige Ideen einfach totzuschweigen, habe sich das mit dem Aufkommen und der flächendeckenden Verfügbarkeit des Internets geändert. Man könne die von den „Österreichern“ erdachten Alternativen heute nicht mehr völlig ignorieren – ein Hoffnungsschimmer, immerhin.

An dieser Stelle erläuterte Hoppe die Grundzüge der im Jahr 1912 von Ludwig Mises im Rahmen seines Buches „Die Theorie des Geldes und der Umlaufmittel“ entwickelten Konjunkturzyklustheorie: Mit dem staatlich sanktionierten Monopol zur Geldproduktion ausgestattete Zentralbanker machten von ihrem Privileg nur dann keinen missbräuchlichen Gebrauch, wenn sie Heilige wären – die in Bankerkreisen allerdings selten vorkämen. Alle „normalen“ Menschen, die über eine derartige Möglichkeit verfügten, würden diese unverzüglich dazu nutzen, sich selbst und den ihnen nahestehenden Klüngel zu begünstigen. Sie würden damit beginnen, in großem Stil Geld zu produzieren und zu verteilen. Ebenso würden sie Herolde anheuern, welche die Aufgabe hätten, die Nützlichkeit ihres Wirkens in günstigem Licht darzustellen.

Da die Gütermenge durch die Schaffung neuen Geldes nicht zunehme, würde zum einen der Preis aller Waren ansteigen (wovon jene, die zuerst im Besitz der frisch geschaffenen Liquidität sind, noch nicht betroffen wären) und zum anderen wäre ein „Entreicherung“ jener Bürger die Folge, die als letzte vom neu produzierten Geld erreicht würden (und vor einem verteuerten Warenkorb stünden). Da aber selbst die Dümmsten recht bald begriffen haben würden, wie der Hase in Folge einer direkten Ausweitung der Geldmenge durch eine Politik des „leichten Geldes“ läuft, nähmen Politik und Zentralbanken zu einem weniger offensichtlichen Trick Zuflucht: zu einer Politik des „leichten Kredits“.

Während die Vergabe eines „echten Kredits“ (eines „Warenkredits“) ein „Opfer“ bedinge, nämlich einen Konsumverzicht seitens des Kreditgebers, und die Vergabe der von ihm gesparten Mittel an den Kreditnehmer keine Schöpfung zusätzlichen Geldes bedeute, lägen die Dinge bei von Geschäftsbanken auf Grund des bestehenden Teilreservesystems aus dem Nichts geschaffener Kredite erkennbar anders. In diesem Falle würde es zu einer Ausweitung der Geldmenge kommen, der keinerlei Zunahme der Gütermenge gegenüberstehe. Nur wäre im Falle des Fiat-Kredits der Schwindel nicht so offensichtlich wie beim bloßen Anwerfen der Notenpresse. Ein (Waren-) Kredit entspreche – Im Gegensatz zum „leichten Kredit“ – echten Gütern!

Hoppe veranschaulichte die beiden unterschiedlichen Prinzipien mit einem Robinson-und-Freitag-Beispiel. Wenn Robinson Freitag einen (Waren-) Kredit in Form von Nahrungsmitteln gewährt (etwa indem er ihm ein paar von ihm selbst nicht konsumierte Fische überlässt, die es letzterem ermöglichen, sich zu ernähren, während er an einem Fischnetz arbeitet), dann ist der beiderseits entstehende Nutzen offensichtlich: Freitag erhält die Möglichkeit, seine Produktivität zu steigern und aus dem folgenden Ertrag die Schuld nebst vereinbarter Zinsen an Robinson zurückzuzahlen. Der erfreut sich eines Zinsgewinns. Ein „leichter Kredit“ würde dagegen bedeuten, dass Robinson Freitag lediglich einen Zettel mit der Aufschrift „Fische“ überreicht. Die Idiotie einer derartigen Handlung würde augenblicklich offenbar. Freitag könnte sofort erkennen, dass Robinson über gar keine Möglichkeit zur Kreditvergabe verfüge. Es wäre klar, dass ihm mit dem Zettel, einem „Idiotenkredit“, nicht gedient wäre. Auf eine entwickelte Volkswirtschaft übertragen, sei dieser Zusammenhang allerdings nicht so leicht zu erkennen – weshalb das System des „leichten Kredits“ relativ lange am Leben erhalten werden könne.

Es liege auf der Hand, dass die Vergabe echter (Waren-) Kredite an wesentlich strengere Voraussetzungen gebunden wäre als die eines „leichten Kredits“. Erster könnte immerhin den Totalverlust ersparter Mittel bedeuten, während letzter im Falle der Uneinbringlichkeit einfach durch buchhalterische Manipulationen „ausgeglichen“ werden könne. Der fundamentale Denkfehler liege darin begründet zu meinen, man könne Kredite, ohne zuvor zu sparen, vergeben; Es sei also möglich, etwas aus nichts zu schaffen – was mit den Regeln der Logik unvereinbar sei. Illusionen dieser Art stünden im Widerspruch zur Natur der Dinge. Deshalb müsse die durch „leichtes Geld“ und die Vergabe „leichter Kredite“ geschaffene Wohlfahrtsillusion am Ende an der Realität zerschellen. Ohne die Verfügbarkeit ersparter Mittel sei eine nachhaltige Durchfinanzierung großer Projekte unmöglich. Der durch „leichte Kredite“ angeschobene Boom müsse früher oder später durch eine Rezession korrigiert werden. Der Konjunkturzyklus wäre angestoßen. Dieses simple, deduktiv entwickelte Argument zeige, weshalb das eine (Investition mittels eines harten Kredits) gut gehen könne, während das andere (Finanzierung mittels weichem oder „leichten“ Kredits) schiefgehen müsse. Solange es Zentralbanken gäbe, gebe es keine Lösung für das wiederkehrende Problem von Boom-Bust-Zyklen. Nach den Banken, die zuletzt das Opfer spekulativer Angriffe gewesen seien, wären – nach den zuletzt aufgelegten, steuerfinanzierten „Bankenrettungsaktionen“ – die Staaten die nächsten Ziele.

Sobald deren Gläubiger die von ihnen gewährten Kredite fällig stellten, wäre eine Hyperinflation das einzig verbleibende Notwehrmittel. Er, Hoppe, gebe dem bestehenden Finanzsystem jedenfalls „…nicht mehr als noch höchstens 15 Jahre“ bis zum Kollaps.

Informationen:

Mises´ Konjunkturzyklustheorie

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