01. September 2010

Aktuelle Nachricht – Studie Mao mordete weit mehr als bisher zugegeben

Nicht 15, nicht 30, sondern 45 Millionen absichtliche Opfer des „großen Sprungs nach vorn“

(ef-RG) Der „große Sprung nach vorn“ in China, jener Prozess, in dem die Landwirtschaft durch die kommunistische Regierung kollektiviert und privater Anbau verboten wurde, kostete weit mehr Menschen das Leben als offiziell zugegeben. Laut Regierungsangaben hat es in den Jahren 1958 bis 1962 15-30 Millionen „überschüssige Todesfälle“ gegeben. Andere Schätzungen gingen von bis zu 43 Millionen Todesfällen aus, konnten diese aber bisher nicht belegen. Jetzt liegt erstmals eine Studie vor, die nachweist, dass mehr als 45 Millionen Menschen Opfer jener Phase wurde, die offiziell als „drei Jahre der Naturkatastrophen“ bezeichnet wird. Professor Frank Dikötter hat in jahrelanger Arbeit Archive in China durchstöbert. Das Ergebnis seiner Arbeit ist in seinem Buch „Mao’s Great Famine“ zusammengefasst, das in diesen Tagen herauskommt.

In einem Interview mit dem Radiosender „BBC Radio 4“ betonte der Historiker heute, dass die Menschen damals nicht einfach „an Hunger“ starben. „Hunger wurde als Waffe eingesetzt“, so Dikötter, „um die Leute zu bestrafen“. Das sei anhand der vielen sorgfältig geführten Protokolle aus jener Zeit, die der Wissenschaftler unter Mühen in zahllosen Archiven fand, nachweisbar. Es habe in jener Zeit sehr viele gewaltsame Tode gegeben.

Auf seiner eigenen Website gibt Dikötter an, sein Lieblingsbuch sei Friedrich August von Hayeks „Der Weg zur Knechtschaft“. Dieses Buch müsse jeder lesen, der sich für die Geschichte der Volksrepublik China interessiere, so der Wissenschaftler, denn es erkläre, wie die Ideale des Sozialismus nicht erreicht werden können außer mit Mitteln, die wenige seiner Fürsprecher jemals billigen würden – einschließlich der allmählichen Zerstörung jeder individuellen Freiheit durch zentrale Planung.

Quellen:

Dikötter-Interview bei „BBC Radio 4“

Website von Frank Dikötter


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