31. Juli 2010

Aktuelle Nachricht – Ministerpräsidenten Im Cäsarenwahn

Ein Bundesland für ein rotes Pferd!


(ef-LFP) Die Zähigkeit staatlich aus der Taufe gehobener Institutionen selbst nach Wegfall der ursprünglichen politischen Gestaltungsgrundlage ist Legende. Die Sektsteuer zur Finanzierung der längst versunkenen kaiserlichen Reichsmarine dient dabei ebenso wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau in der seit Jahrzehnten wieder ordentlich verklinkerten Bundesrepublik als eines von zahlreichen abschreckenden Beispielen. Den zumindest historisch längsten Atem dürften jedoch die vermutlich kaum bekannten staatlichen Pferdezuchtanstalten bewiesen haben, von denen noch zehn Bundesländer jeweils eine eigene betreiben. Die noch tief in längst vergangenen Arbeits- und Lebenswelten behaftete Zielsetzung war es, die kontinuierliche Versorgung der Bauern und Militärs mit ausdauernden Zug- und Lasttieren sowie kräftigen Streitrössern sicher zu stellen. Mähdrescher und Panzer haben die Gäule auf Acker und Schlachtfeld ersetzt, die öffentlich-rechtliche Pferdezucht blieb. Die Legitimation wird mittlerweile gewissermaßen sich selbst bestätigend gänzlich aus der poltischen Tradition des Deckhengstes für das Vaterland abgeleitet. So äußerte sich Wilhelm Deitermann, bis zum jüngsten Regierungswechsel stellvertretender Sprecher des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums, gegenüber der Wirtschaftswoche: „Die Landgestüte dienen dem Erhalt seltener Pferderassen und des Kulturgutes.“ Zehn Millionen Euro jährlich lassen sich die Bundesländer die kulturellen Relikte ihrer feudalen Vergangenheit kosten, sprichwörtliche Peanuts also, verglichen mit den ebenfalls landeseigenen Kreditinstituten. Denn schwarze Zahlen, die schreibt auch keine einzige der Samenbanken. Bleibt nur zu hoffen, dass keiner der aktuellen „Landesfürsten“ Anleihen beim römischen Kaiser Caligula nimmt. Dieser war ehedem von seinem Lieblingspferd „Incitatus“ derart angetan, dass er kurz vor seinem gewaltsamen Tod geplant hatte, dem Tier ob seiner politischen Verdienste das Amt eines Konsuls sowie einen Sitz im Senat zu übertragen.

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