15. Juni 2010

Zwischen Deflation und Inflation und die Rolle der Politik Steuergelder für PIGS und andere Schweine

Das Spiel ist aus

Um die Wahnidee eines tausendjährigen Europäischen Reiches und die Jobs von Töchtern, Söhnen und Genossen unserer Politiker in Brüssel zu retten, müssen nun die Bürger der EU solidarisch zusammenhalten. Wir dürfen mit unseren Steuergeldern die steuerfreien Politiker in Brüssel, Paris und Strasßurg aus ihrer selbstverschuldeten Misere retten. Die staatsabhängige Zentralverwaltungs- und Planwirschaft der Notenbanken und ihrer angeschlossenen fraktionalen Reservenkreditbanken haben uns diese gefährliche Depression gebracht. Wenn die PIGS (Portugal, Italien, Griechenland, Spanien) und die anderen Ferkelstaaten erst einmal wie Dominosteine gefallen sind, dann ist es auch mit den kuscheligen Jobs in Brüssel vorbei. Die EU wird auseinanderfallen. Das wäre mir sehr angenehm. Warum dies so kommen muss, will ich im Folgenden erklären.

Viele Unternehmer in Europa, speziell im Investitionsgüterbereich, haben inzwischen erkannt, dass ihre Investitionen, die sie mit sehr billigen und reichlich fließenden Krediten vor einigen Jahren finanziert hatten, nicht gewinnbringend sind. Sie werden abgeschrieben und die Kredite werden, soweit man nicht pleite ist, zurückgezahlt. Im Gegensatz zu Unternehmen, die bankrott gehen, verkleinern Kredite, die zurückgezahlt werden, die Geldmenge in der Realwirtschaft. Wenn die Geldmenge bei gleichbleibendem Güterangebot sinkt, fallen die Preise. Fallende Preise bei nach unten unflexiblen Löhnen und Gehältern führen zu Arbeitslosigkeit. Steigende Arbeitslosigkeit macht noch mehr Investitionen unrentabel. Sie werden abgeschrieben und die Kredite zurückgezahlt. Fallende Preise, fallende Unternehmensumsätze und Gewinne veranlassen Banken, Kredite nicht mehr zu prolongieren. Dies führt zu weiter sinkenden Geldmengen. Dies zu weiter fallenden Preisen, etc. Es entsteht eine Geldmengen- und Preisdeflationsspirale.

Um den langsamen aber stetigen Verfall des mühsam über die letzten hundert Jahre staatlich aufgebauten Kredit- und Preisinflationsgebäudes aufzuhalten, versuchen unsere sozialverträglichen Politiker nun so schnell wie möglich, Billionen Euros unseres mühsam verdienten Geldes von unten nach oben umzuverteilen. Die Schulden der sozialistischen PIGS-Staaten sollen beim nächsten Rollover (Einlösung einer alten Schuld mit dem Geld einer neuen Schuld), falls sich keine privaten Dummköpfe finden lassen, von Staats wegen aufgekauft werden. Eine nicht gerollte, aber zurückgezahlte Schuld würde die Geldmenge verringern. Auch müssen Banken, welche ihr Eigenkapital wegen uneinbringlicher Kredite verloren haben, mit neuem Eigenkapital versorgt werden. Man braucht sie ja schließlich dringend, damit die Kreditblase weiter preisinflationär aufgeblasen werden und der Staat dieses Luftgeld an seine bevorzugte Klientel verteilen kann.

Zunächst aber geht es den Politikern darum, den Totalzusammenbruch zu verhindern und ihre eigenen Jobs und Pensionen sichern. Das wird nicht gelingen.

Ein durch einen Bankrott verlorener Vermögenswert ist für die verbleibenden Werte der Volkswirtschaft preisinflationär. Ein verlorenes Eigenkapital einer Bank ist per se preisinflationär, weil auch hier ein Wert verloren gegangen ist. Das verlorene Eigenkapital einer Bank ist aber wegen der Kredite, die nun mangels sicherheitsgebender Eigenkapitalbasis zurückgerufen werden müssen, preisdeflationär. Der preisdeflatorische Effekt ist bei einer fallierenden Bank größer als der preisinflatorische Effekt.

Um diesen preisdeflatorischen Effekt zu verhindern, sind die Politiker so scharf darauf bedacht, die Banken und nicht etwa die Nicht-Banken zu rekapitalisieren. Denn sie wünschen sich eher eine leichte Preisinflation, aber auf gar keinen Fall eine Preisdeflation. Eine Preisdeflation würde das Zurückzahlen von privaten und öffentlichen Schulden sehr schwierig und letztendlich unmöglich machen. Jede zurückgezahlte Schuld vernichtet Geld. Ein Mangel an Geld verringert die Preise und Bewertungen der verbleibenden Vermögenswerte im Gegensatz zu den verbleibenden Schulden. Der Geldmangel ließe die Zinsen für neue Kredite und prolongierte alte Kredite ansteigen. Die Gewinne der Unternehmer würden fallen. Der Totalzusammenbruch aller hoch verschuldeten Debitoren wäre dann unaufhaltsam. Der Konsumentenpessimismus erreichte seltene Höhen. Selbst gut geführte und unverschuldete Unternehmen würden in diesen Strudel gerissen.

Wenn man sich dies alles einmal ab jetzt ohne Staatsintervention vorstellt, so würde die gesamte Wirtschaft in einem riesigen schwarzen Loch verschwinden. Aber nur für eine ganz kurze Zeit. Danach würden die einzelnen Unternehmen, auf sich allein gestellt, wie Phönixe aus der Asche wieder aufsteigen, die meisten mit neuen Eigentümern, neuem Management und viele mit neuen Arbeitsnehmern und schuldenfrei.

Da wir aber nun einmal Staatsinterventionen haben, wird der Zusammenbruch auf Raten stattfinden. Die „Rettungsgelder“ erreichen nicht jene, welche ihre Kredite zurückführen. Die Neuschulden der Europäischen Staaten sind Konsum. Sie gleichen nicht den fallenden privaten Kapitalbestand ihrer Volkswirtschaften aus. Fallende private Kapitalvermögen führen zu fallendem Lebensstandard, fallender Produktivität und zu fallenden Steuereinnahmen. Genau in jener Periode, in welcher die Politiker immer größere Mengen an Geld ausgeben, werden die Steuereinnahmen immer kleiner. Einhundert Jahre Schuldenmachen hat dieses Desaster hervorgerufen. Man kann das Problem nicht mit noch mehr Schulden lösen. Dies ging früher einmal, läuft aber heute nicht mehr. Dazu sind alle Wirtschaftsteilnehmer viel zu sehr überschuldet. Jeder einzelne Staat der EU wird daher in den nächsten Monaten bankrott gehen. Nichts, was die Politiker tun, wird die Totalvernichtung aller Papiervermögen aufhalten können. Das Spiel ist aus.


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James Seaberg

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