Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Veranstaltungsbericht Bodrum 2010 – Erste Impressionen: Die Aufgabe der PFS zwischen Mont Pèlerin und Mises Institute

von Andreas Tögel

Die Jahreskonferenz der Property and Freedom Society (PFS), Teil 1

07. Juni 2010

Am 3. Juni startete in Bodrum, dem antiken Halikarnassos, die 5. Konferenz der von Hans-Hermann Hoppe ins Leben gerufenen Property and Freedom Society (PFS). Nach Wochen katastrophal schlechten Wetters in heimatlichen Gefilden war es eine Wohltat, ohne Schirm vors Haus treten und sich am Anblick des zauberhaft schönen Gartens im „Karia Prinzess“-Hotel erfreuen zu können.

Wichtiger als das aber ist, zumindest für den Autor dieser Zeilen, sich wenigstens während der drei Tage dieser Konferenz ausnahmsweise nicht in der Position eines intellektuellen Außenseiters zu befinden – sofern man sich der Idee des Libertarianism verbunden fühlt. Rund 100 mehr oder minder gleichgesinnte Seelen aus 20 Staaten sind in diesem Jahr dem Ruf HHHs gefolgt, um Vorträge zu hören, die im Hinblick auf die Themen und den Tenor der Ausführungen in dieser Form nirgendwo sonst geboten werden, sowie zu diesen und anderen Themen in einem im wahrsten Sinn des Wortes freisinnigen Umfeld ohne jedes Tabu diskutieren zu können.

Der Hausherr eröffnete die Konferenz mit einer fulminanten Ansprache, in der er die Gründe erläuterte, die ihn zur Gründung der PFS veranlassten.

Die 1947 von F. A. Hayek gegründete Mont-Pèlerin-Society habe seinen Ansprüchen im Hinblick auf deren ideelle Nähe zu staatlichen Institutionen und ihre materielle Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln nicht erfüllt. Ohne die in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erworbenen Meriten der Organisation zu schmälern musste er doch feststellen: „Konferenzen der MPS waren Vergnügungsreisen für Freimarkt und Regierungsbeschränkungs-Denkfabriken. 1960 schließlich, mit der Publikation von Hayeks ‚Die Verfassung der Freiheit’, zeigte Hayek selbst sich als erprobter Interventionist.“ Eine Erkenntnis dürfe niemals aus den Augen verloren werden: „Eine Beschränkung der Staatsmacht ist, so bald ihr ein territoriales Monopol der Gesetzgebung garantiert wurde, unmöglich – ein sich selbst widersprechendes Ziel.“

Auch andere Free-Market-Think-Tanks, wie die Heritage Foundation oder das Cato-Institute seien Apologeten der Idee einer beschränkten Regierungsmacht – eine Vorstellung, die illusorisch sei. Von seiner naturrechtsorientierten Position aus betrachtet seien Organisationen wie die Mont Pèlerin Society daher solche, in der jeder „Rightwing Socialist“ sich zu Hause fühlen könne.

Hoppe stellt fest: „Anstatt zu helfen, den (westlichen) Staat zur reformieren – zu liberalisieren – wie sie es beabsichtigte (oder vorgab?) zu tun, wurden die MPS und die internationale Regierungsbeschränkungs-Denkfabriken-Industrie zu einem integralen Bestandteil eines ständig wachsenden Welfare-Warfare-Staatssystems.“ Und er kommt daher zum Schluss: „Auf diese Erkenntnis gestützt sollte die PFS ein zweifaches Ziel haben: Einerseits, positiv, sollten die rechtlichen, wirtschaftlichen, kognitiven und kulturellen Erfordernisse und Funktionen einer freien, staatsfreien natürlichen Ordnung erklärt und erhellt werden. Andererseits, negativ, sollte der Staat demaskiert und präsentiert werden, als das was er wirklich ist: Eine von Banden von Mördern, Plünderern und Dieben geführte Institution, die von willigen Vollstreckern, Propagandisten, Kriechern, Betrügern, Lügnern, Clowns, Scharlatanen und nützlichen Idioten umgeben ist – eine Institution, die alles beschmutzt und verdirbt, was sie berührt.“

Auch der 1989 gegründete John Randolph Club (eine „paleokonservative“ und „paleoliberale Denker verbindende Organisation“), dem er einige Zeit angehörte und der am Ende an seinen internen (personellen) Widersprüchen gescheitert sei, habe seine Erwartungen nicht erfüllen können. Zwar hätten die libertären Mitglieder des Clubs sich bemüht, Standpunkte der Konservativen zu begreifen und von diesen zu lernen. Leider hätten diese aber jegliche Anstrengung in umgekehrter Richtung vermissen lassen. Ein weiteres Problem habe die Politiknähe des JRC (wie auch anderer Freimarkt-Denkfabriken) dargestellt. Hoppe zieht einen zweifachen Schluss: Erstens: „Setze dein Vertrauen nicht in Politiker und lasse dich nicht von der Politik ablenken.“ Und Zweitens:  „Ich habe erfahren, dass es unmöglich ist, eine fortdauernde intellektuelle Beziehung mit Menschen zu haben, die entweder nicht willens oder unfähig sind, sich die Grundprinzipien der Ökonomie anzueignen. Die Ökonomie – die Logik des Handelns – ist die Königin der Sozialwissenschaften.“

Das Mises Institute in Auburn/Alabama schließlich sei eine Einrichtung, deren Staatsferne sich allein schon dadurch manifestiere, dass es weitab vom politischen Zentrum Washington – auf dem flachen Lande liege. Das von Llewellyn H. Rockwell Jr. geführte Institut, das ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert wird und die ebenfalls von Llewellyn Rockwell betriebene Website lewrockwell.com seien die anarchokapitalistischen Plattformen schlechthin.

Keinesfalls wolle er mit der von ihm gegründeten PFS eine Konkurrenzorganisation zum Mises-Institut, das streng auf wirtschaftliche Themen fokussiert sei, etablieren. Seine Vorstellungen gingen in eine andere Richtung: Ihm, Hoppe, schwebe vor, die PFS zu einem einmal jährlich tagenden „Salon“ zu machen, der „international, interdisziplinär und bourgeois“ verfasst ist, „exklusiv und elitär“ sei und der eine Basis zum intellektuellen Austausch unter Gleichgesinnten bietet.

Zum Schluss noch einmal HHH: „Ich hoffe – und ich bin davon überzeugt – dass diese, unsere fünfte Konferenz – einen weiteren Schritt zu diesem Ziel darstellt.“

Internet

http://propertyandfreedom.org/

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