Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Auf der Griechspur: Ist der Euro am Ende?

von Andreas Tögel

Gründe für Wut oder Depression

Selbst Staatsmänner vom Format eines Helmut Kohl sind vor schwerwiegenden Fehleinschätzungen offenkundig nicht gefeit. Dass der greise deutsche Exkanzler die EU und deren durch nichts als blühende Phantasie gedeckte Kunstwährung anlässlich der Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag als „Friedensprojekt“ bezeichnet, ist ein schlagender Beweis dafür.

Wie Frédéric Bastiat einst anmerkte, sind es entweder Waren oder Armeen, welche die Grenzen überschreiten. Wahr ist, dass der Freihandel einen Friedensgaranten allererster Güte darstellt. Indessen ist der Gedanke, dass ein politischer Moloch wie der im Entstehen begriffene Bundesstaat Euroland ein Friedensprojekt sein sollte, eine bloße Behauptung. Ein wenig frommer Wunsch, dessen Vater niemand anders ist, als ein Klüngel von potentiellen Nettoprofiteuren eines derartigen Imperiums: Die politischen Eliten und die diesen nahestehenden Industrien. Big Government und Big Business haben immer schon wunderbar miteinander harmoniert.

Die Geschichte der USA mögen als warnendes Beispiel dienen: Ein beispiellos brutal geführter Krieg (der erste, in dem die eine Seite unbewaffnete Zivilisten des Gegners zum planmäßigen Ziel erklärte) wurde dort kurzerhand als „Bürgerkrieg“ deklariert (was die Leiden der Opfer zweifellos wesentlich erleichtert hat…). Soviel zum zynischen Witz der Friedenssicherung durch eine politische Union.

Vielmehr ist es doch so, dass die Staatschuldenkrise und die daraus resultierenden Verwerfungen innerhalb der Europäischen Union verdeutlichen, welch große Gefahren die politische Integration wirtschaftlich und kulturell ungleicher Partner mit sich bringt. Von der Gefahr eines im Gefolge des möglichen Kollaps’ der oktroyierten Gemeinschaftswährung in Europa entstehenden politischen Flächenbrandes (wer vermag mit Sicherheit auszuschließen, dass nicht demnächst auch in anderen europäischen Städten Mord und Brand herrschen werden, wie derzeit in Athen?) sei an dieser Stelle noch gar nicht die Rede. Es reicht schon der durch die explodierende Verschuldung vieler Staaten der EUdSSR angerichtete Schaden, um – je nach Temperament – in Wut oder Depression zu verfallen. Generationen von fleißigen Sparern sind nämlich drauf und dran, von skrupellosen Eurokraten um die Früchte der Arbeit ihres Lebens gebracht zu werden.

Kritische Geister – so gut wie ausnahmslos der „Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre“ nahestehende Ökonomen – warnen seit Jahren vor den Folgen einer zügellosen Schuldenwirtschaft einerseits und der zunehmenden Machtkonzentration in der Hand einer Zentralbürokratie andererseits. Der Erfolg deren heißen Bemühens ist leider ähnlich überschaubar wie weiland jener der Cassandra. Hans-Hermann Hoppe etwa predigt seit Jahr und Tag: „Lieber 1.000 Liechtensteins als eine EU“. Die durch eine hemmungslose Geldschöpfung heraufbeschworene Gefahr einer Hyperinflation wird von vielen „Austrians“ wie Guido Hülsmann immer wieder betont. Allein – diese Warnungen verhallen weithin ungehört – oder besser: kommen den dem Machbarkeitswahn verfallenen und einzig dem nächsten Wahlergebnis verpflichteten Regierenden derart ungelegen, dass sie von ihnen einfach nicht zur Kenntnis genommen werden.

Ein Blick auf die wirtschaftsrelevanten Meldungen der zurückliegenden Tage und Wochen ist geeignet, die Augen zu öffnen: Griechische Staatsanleihen sind auf den Märkten nicht mehr abzusetzen – auch nicht gegen exorbitante Zinszusagen. Entgegen diesem eindeutigen Signal der Märkte werfen die Regierenden dem erwiesenermaßen kreditunwürdigen Debitor Griechenland hemmungslos weiterer „Kredite“ hinterher – angeblich um die gemeinsame Währung zu retten. Das ist insofern irrwitzig, als diese Schuldner niemals willens oder imstande sein werden, jemals ihre Schulden zu tilgen. Daher ist in Wahrheit nicht von Krediten die Rede, sondern von Schenkungen. Inwiefern aber das Verschenken von im Norden Eurolands erwirtschafteten Steuermilliarden an auf dem Balkan beheimatete Soziopathen geeignet sein könnte den Euro zu retten, würde selbst Lord Keynes nicht erklären können.

Da die beteiligten Banken sich in der komfortablen Lage befinden, über staatliche Ausfallsbürgschaften zu verfügen, werden die Zeche (wieder) der unter seinem Steuerjoch stöhnende deutsche Michel und der österreichische Mundl zahlen.

Wohin die Reise am Ende gehen könnte, verrät die Entwicklung der Edelmetallkurse. So eilt etwa Gold, das traditionelle „Rettungsboot“ in Krisenzeiten, von einem Euro-Allzeithoch zum nächsten. Warum wohl? Weil alle Welt Vertrauen in die Fähigkeiten der Politik zur „Feinsteuerung“ der Wirtschaft hat? Weil sich Goldschmuck plötzlich ungeahnter Popularität erfreut? Wohl kaum.

Die (professionellen) Anleger glauben die von den politischen Eliten aufgetischten Märchen bezüglich ihrer angemaßten Fähigkeit zum Krisenmanagement und zur Erhaltung der Währungsstabilität einfach nicht mehr und versuchen zu retten, was zu retten ist. So warnt der Börsenfachmann Roland Leuschel in der deutschen Ausgabe der „Financial Times“ vom 2. Mai eindringlich vor Investments in Wertpapiere – namentlich in Staatsanleihen – und prognostiziert mittelfristig (bis 2014) einen Goldpreis von 5.000 Dollar je Feinunze. Deutlicher als durch den Preisauftrieb bei Edelmetallen könnte der Wertverfall staatlicher Papierwährungen kaum dokumentiert werden.

Wie dem auch sei: Macht das Beispiel Griechenlands Schule; pocht morgen das nächste der vier „Pigs“ (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) – oder irgendein anderer EU-Mitgliedsstaat – auf ein (EU-statutenwidriges) Bail-out, dann ist es wohl um den Euro geschehen. Die vom Wirtschaftsnobelpreisträger 1976, Milton Friedman, vor vielen Jahren geäußerte Prophezeiung, wonach der Euro schon an seiner ersten Belastungsprobe scheitern würde, hätte sich erfüllt.

Die Folgen einer im Falle eines Zusammenbruchs des Euro anstehenden Währungsreform wären dramatisch: Eine weitgehende Entwertung privater Geldvermögen, und – zur Unterlegung der Nachfolgewährung – Zwangshypotheken auf Grundbesitz sowie die Verordnung von Zwangsanleihen.

Auch wenn es schwerfällt, sich das vorzustellen: Alles schon einmal dagewesen!

Internet

http://forexblog.oanda.com/20090203/milton-friedman-and-the-euro/

http://shop.strato.de/epages/Store2.sf/?ObjectPath=/Shops/61075500/Products/0788

08. Mai 2010

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