05. April 2010

Gewaltandrohung Greenpeace-Aktivist schreibt „Wir wissen, wo Sie wohnen“

Temperatmentsausbruch stürzt den Umwelt-Multi in ein PR-Desaster

Was für ein Desaster für die angeblich friedlichen Umweltaktivisten: Am 1. April veröffentlichte ein „Gene“ aus Indien auf der offiziellen Greenpeace-Website einen Beitrag, in dem er sich seinen Frust von der Seele schrieb, dass in Kopenhagen und überhaupt der „Fortschritt“ in der Klimapolitik zum Stillstand gekommen ist. Schuld daran seien vor allem die Ölindustrie, die skeptische Institute finanziere.

Was kann man tun, fragt der schwer Enttäuschte, dem trotz des Datums offenbar nicht zum Scherzen zumute war. „Was kann man tun, wenn geduldiges Antragstellen, Protestmärsche und der Rechtsweg versagen?“ Seine Antwort: „Wir müssen unser Ziel ändern und die wirklichen Termiten jagen, die Kopenhagen ausgehöhlt und zum Einsturz gebracht haben.“ Und wie soll das geschehen? „Wir müssen sie treffen wo es am meisten schmerzt, mit allen nötigen Mitteln: Durch die Macht unserer Wahlstimmen, unserer Steuern, unserer Brieftaschen und mehr.“ Und wer soll alles dabei sein? „Wir müssen uns mit jenen innerhalb der Klimabewegung verbünden, die ‚direct action‘ vornehmen, um die CO2-Versorgungskette zu unterbrechen“, was immer das heißen soll.

Dann hebt Gene zum Fazit an: „Die üblichen Kanäle haben versagt. Es ist Zeit für massiven zivilen Ungehorsam, um der Leugnung und dem Skeptizismus den finanziellen Sauerstoff abzudrehen. ... Wenn Sie einer jener sind, die ihr Leben damit verbracht haben, fortschrittliche Klimagesetzgebung zu untergraben, Schrottwissenschaft zu finanzieren, fadenscheinige Diskussionen über falsche Lösungen anzuheizen und demokratisch gewählte Regierungen zur Aufgabe gezwungen haben, dann hören Sie zu: Wir wissen, wo Sie sind. Wir wissen, wo Sie wohnen. Wir wissen, wo Sie arbeiten. Und wir sind viele, aber Sie sind wenige.“

Es mag sein, dass Gene tatsächlich an eine Verschwörung böser Ölmagnaten glaubt und dass er vornehmlich diese im Sinn hatte, als er diese Drohung aussprach. Doch angesprochen fühlten sich nicht die Wenigen, sondern die Vielen. Und zwar sehr viele. Einen solchen Hurrikan an Gegenstimmen in der Kommentarspalte, wie in Greenpeace derzeit erlebt, gibt es im Internet selten. Es fühlten sich diejenigen angesprochen, die sich ein wenig Gedanken um die Klima-Angelegenheit gemacht haben und zu anderen Schlüssen gekommen sind Greenpeace.

Die Umweltaktivisten haben offenbar nicht begriffen, dass Menschen, von denen sie im Grunde verlangen, einem korrupten Haufen machtgieriger Politiker und Banker noch mehr Geld in den Rachen zu werfen, anfangen, an der Rationalität der Begründung zu zweifeln. Für ihre Zweifel brauchen sie keine Institute, von wem auch immer sie finanziert werden. Außerdem ist der Betrag, den Greenpeace anprangert, etwa 50 Millionen Dollar zwischen 1997 und 2008, verschwindend gering im Vergleich zu den Geldern, mit denen staatlich finanzierte Klimawissenschaftler weltweit aus zwangsweise erhobenen Steuern finanziert werden.

Lustig in diesem Zusammenhang sind die verzweifelten Versuche zur Schadensbegrenzung: Greenpeace sei eine friedliche Organisation, wirklich, ehrlich; Gene habe das nicht so gemeint. So etwa schreiben die Moderatoren zwischen den vielen erbosten Kommentaren aus aller Welt. Das klingt so ein bisschen wie wenn ein Hundebesitzer sagt „der will nur spielen“. Mag ja sein, aber weiß man es? Gene komme aus Indien, heißt es weiter, da habe man eine lange Tradition zivilen, friedlichen Ungehorsams. Dass sie mitunter auch durchaus unfriedlich war, wird verschwiegen.

Zu Recht antworten andere Kommentatoren, dass die Aussage „wir wissen, wo Sie wohnen“ zur Mafiosi-Sprache gehört und, insbesondere in Verbindung mit dem Ausdruck „und mehr“ in der Mittelaufzählung,  als unverhohlene Gewaltandrohung verstanden werden muss. Ausflüchte sind nutzlos: Eine Entschuldigung und eine Distanzierung von diesem Artikel durch Greenpeace ist überfällig.

Internet:

Will the real ClimateGate please stand up? (part 2)


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