Ronald Gläser

Jg. 1973, Amerikanist, freier Journalist, lebt und arbeitet in Berlin und Hamburg.

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Vor dem Bundesverfassungsgerichtsentscheid über Hartz IV: Bekloppt, wer da noch arbeitet

von Ronald Gläser

Sozialstaat vor Gericht

Ich habe mal in einem Büro gearbeitet, in dem auch eine alleinerziehende Frau vorübergehend als Aushilfskraft beschäftigt war. Sie hat nie viel gesagt. Nur einmal sprudelte es beim gemeinsamen Mittagessen richtig aus ihr heraus: Als wir auf das Thema Hartz IV zu sprechen kamen, da beteiligte sie sich plötzlich lebhaft an der Diskussion. „Wenn das ALG I ausläuft, fangen sie schon an, deine Konten zu überprüfen“, sagte sie, und leitete einen längeren Monolog ein über die Kontrollen, die das Amt bei Antragstellern macht. Ich war sprachlos. Die Frau war eine Expertin. Nicht, dass es schlimm wäre, wenn sich jemand mit Sozialgesetzgebung auskennt, aber wenn das alles ist – dann ist es etwas wenig. Wenn die Frau ihre Energie in eine andere Richtung kanalisiert hätte – indem sie sich einen Job besorgt hätte – dann hätte sie sich keine Sorgen über Lohnersatzleistungen machen müssen.

Eine andere Bekannte von mir ist inzwischen im Rentenalter. Sie war früher selbständig, hatte einen Tante-Emma-Laden, der auch gut lief. Sie war eine Geschäftsfrau durch und durch, die sich mit Zahlen auskannte und wirtschaftlich rational verhielt. Ich habe damals nicht erlebt, dass sie sich verschwenderisch verhalten hat. Als ihr Mann zu früh starb und der Laden geschlossen werden musste, erbte sie nur wenig und bekam ihre kleine Lebensversicherung ausgezahlt. Das Geld reichte nicht und war nach einigen Jahren aufgebraucht. Eine „normale“ Rente gab es nicht für sie. Stattdessen erhält sie jetzt eine Hartz-IV-ähnliche Grundsicherung, wenn ich das richtig verstanden habe. Der Punkt ist: Sie muss sich jetzt keine Gedanken mehr über die Nebenkosten ihrer Miete machen, die ja vom Amt getragen wird. Also bleibt das Fenster jetzt offen, wenn die Heizung läuft. Zahlt ja das Amt. Ist doch egal, wie hoch die Heizkosten ausfallen.

Zwei Beispiele, die zeigen was der deutsche Wohlfahrtsstaat, speziell Hartz IV, aus Menschen macht. Die Leistungsempfänger passen ihr Leben den Umständen an, lernen Gesetzestexte auswendig statt sich um einen Job zu bemühen oder legen sich Verhaltensweisen zu, die sie nie gehabt hätten, wenn es ihr Geld gewesen wäre, um das es geht.

Es ist ein Unterschichtenproblem. Noch. Niemand aus dem Mittelstand will in Hartz IV abrutschen. Wer Papiere im Wert von 20.000 Euro in seinem Aktiendepot hat und seine Eigentumswohnung noch abzubezahlen hat, der wird alles tun, um kein Hartz-IV-Fall zu werden. Hier funktioniert das Gesetz.

Aber in der Unterschicht gelten andere Regeln. Hier bedeutet nicht ein Jobangebot Verbesserung, sondern ein weiteres Kind. Das vierte oder fünfte macht eine Alleinerziehende zur Welfarequeen oder finanziert dem Papa endlich den geliebten BMW. Als vor zwei Wochen eine Direktorin einer Grundschule aus Berlin-Neukölln in Stern-TV auftrat, berichtete sie über die Verkehrsstaus, die es morgens gibt, wenn die Eltern ihre Schützlinge abliefern. Achtzig Prozent Migranten und achtzig Prozent Hartz-IV-Eltern an der Schule, aber die Eltern bringen ihre Kinder persönlich im Geländewagen vorbei? „Die kommen auf 3000 Euro netto im Monat mit ihren vielen Kindern“, sagte die Schulleiterin.

Und inzwischen ist es nicht mehr nur die Unterschicht. Auch für die untere Mittelschicht wird es immer unattraktiver zu arbeiten: Ein Facharbeiter mit zwei Kindern muss schon einen guten Stundenlohn bekommen, damit er mehr hat als sein nicht arbeitender Nachbar mit genau so vielen Kindern. In dem „FAZ“-Artikel „Was braucht der Mensch zum Leben?“ von gestern war ein Rechenbeispiel: Ein verheirateter Arbeitnehmer mit zwei Kindern kommt bei einem Bruttolohn von 1823 Euro auf ein Nettoeinkommen (inklusive Kindergeld) von 1805 Euro. Kriegt Vati Hartz IV, so wandern 1653 Euro in die Tasche. Der Arbeitnehmer steht also für 152 Euro mehr morgens auf und geht zur Arbeit. Ganz schön blöd, oder?

Nächste Woche entscheidet das Bundesverfassungsgericht über Hartz IV. Es wird damit gerechnet, dass die obersten Richter den Politikern Vorgaben machen und die Sätze danach noch weiter steigen. Die Richter, die selbst aus der Welt der Mittelschicht kommen, werden aus ihrer Perspektive definieren, was menschenwürdig ist – und haben dabei nicht im Blick, dass andere Einkommensschichten das bereits für ausreichend halten. Für einen Familienvater mit einem Jahreseinkommen von 30.000 oder 40.000 Euro wird es weiterhin besser sein, arbeiten zu gehen. Aber für andere wird es noch unattraktiver werden, arbeiten zu gehen. Ganz klar ausgedrückt: Sie wären bekloppt, wenn sie es täten!

Das System will nicht, dass sie arbeiten. Sollte das Urteil so kommen, dann wird die Zahl der Empfänger weiter zunehmen. Schon in den letzten Jahren hat der Aufschwung so gut wie nichts an der Zahl der Hartz-IV-Empfänger geändert. Die Menschen passen sich den Bedingungen an.

04. Februar 2010

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Kommentare

Elisabeth, am 04. Februar 2010 um 11:03 ( Link )

Ja, die heilige Alleinerziehende.

Leid tun können einem die qualifizierten Singles, die unverschuldet in Hartz IV landen. Da gibts dann wirklich nichts zu lachen. Wenn man Kinder hat, gehts einem hingegen prächtig. Mit der glühenden Kinder- und Alleinerziehenden-Verehrerin von der Leyen als Arbeitsministerin wird sich das bestimmt nicht ändern.

Prosper, am 04. Februar 2010 um 11:17 ( Link )

Herr Gläser, mag sein, daß die genannten Beispiele stimmen, und sicher kann an dem massenhaften Mißbrauch der sozialen Grundsicherung niemand mehr vorbeischwafeln. Der pauschalisierend-verdächtigende Ton, den Sie anschlagen, ist allerdings auch nicht besser als das zur Zeit grassierende Neidgegeifer über die angeblichen Steuerhinterziehungs"verbrecher" auf kriminell angeeigneten Datensätzen von Schweizer Banken. Es gibt sie tatsächlich, die tüchtigen, nicht nur älteren Leute, die sich elend schämen, eine Leistung überhaupt in Anspruch zu nehmen. Es gibt sie, die alte Frau, die ihr Leben lang geschuftet hat für einen Dreckslohn, die nun auch noch mit einer so schamlos erbärmlichen Rente verhöhnt wird, daß sie unter Tränen und nur auf Nachfrage die Mitarbeiter des Amtes um einen Zuschuß für eine neue Waschmaschine bittet (selbst erlebt). Es gibt sie, die alleinerziehende Mutter, die ein vorbildlicheres Leben führt als so manche Ehefrau, die sich verzweifelt bemüht, ihre Kinder ordentlich groß zu bekommen und natürlich versuchen möchte, wenigstens ein paar ersparte Pfennige über die Zeit zu retten.
Im Grundsatz haben Sie mit vielem Recht, aber mit Ihrer wohl auf mangelnder Lebenserfahrung gründenden, undifferenzierten liberalen Wohlstandsarroganz stellen Sie sich auf eine Stufe mit den quer durch die gesamte Presse- und Parteienlandschaft hetzenden Steuer"sünder"-Jägern.

Haderach, am 04. Februar 2010 um 11:37 ( Link )

@Prosper
Natürlich gibt es all' die unverschuldeten Schicksale die Sie aufgezählt haben.
Der Staat züchtet allerdings durch laufende Fehlanreize künstlich hundertausende zusätzlicher Fälle. Er tut dies in voller Absicht, weil dieses Prekariat die Machtbasis sozialstaatlicher sozialistischer Politik darstellt. Jeder Staatsabhängige ist eine billig zu kaufende Stimme, und je mehr es davon gibt, je leichter ist das Geschäft der Populisten und Staatsparasiten.

Die Versorgung der echten Schicksale wäre in erster Linie Aufgabe der unmittelbaren familiären Umgebung, und in zweiter die Aufgabe echter, nämlich privater Wohlfahrt.
Da der Leviathan sein Geschäft beherrscht, sorgt er nicht nur für ein ständiges Anwachsen des staatsabhängigen Wählerheeres, er zerstört glichezeitig und mit voller Absicht alle familiären Strukturen, und nimmt den Menschen durch exzessive steuerliche Enteignung die Möglichkeit zur provaten Wohlfahrt. Damit ist das Entmündigungswerk vollständig.
Das Pech ist nur dass man ökonomische Realitäten nicht politisch aushebeln kann.
Man kann das Kapital von 3 Generationen in kürzester Zeit vernichten (wie es garade passiert), aber man kann Kapital nicht politisch schaffen.
Soll' nichts anderes heißen als dass alle westlichen Sozialstaaten de fakto pleite sind. Die Rückzugsgefechte der Agenten der Gewaltmonopolisten in Form von europaweiter Steuerharmonisierung und Lebensbesteuerung in Form von CO2 Abgeben, dienen nur für einen letzten Aufschub der bitteren Wahrheit.

Nur das Individuum kann Kapital schaffen, nur das Individuum kann moralisch und sozial handeln. Das Kollektiv dient nur der Zerstörung. Alles Wehklagen über echte unverschuldete Armut und Schicksale, wird durch die Überantwortung an das Kollektiv nutzlos, naiv und kontraproduktiv.

karen m., am 04. Februar 2010 um 12:23 ( Link )

@Haderach
Richtig, vollkommen richtig, bis auf:

Nur das Individuum kann Kapital schaffen, nur das Individuum kann moralisch und sozial handeln. Das Kollektiv dient nur der Zerstörung.

Erst, wenn es ein anonymes Kollektiv wird. Auch Dorf- oder sogar Stadtteilgemeinschaften können sozial richtig handeln, wenn Bedürftigkeiten eingegrenzt oder Patenschaften übernommen werden können. Dann wüßte jeder Zahler - wenigstens so ungefähr - an wen sein Geld fließt, er paßt darauf auf, und wenn der Alimentierte Mißbrauch betreibt, dann erhält er eben weniger bis nichts...

Alles schön. Aber wie wollen sie das in einer urbanen Massengesellschaft umsetzen, in der es kaum noch Familienbande gibt und in welcher die transsexuellen Partnerschaften genauso schnell wechseln wie "Jobs" und Wohnorte?

FritzLiberal, am 04. Februar 2010 um 12:41 ( Link )

@karen m.:

Aber wie wollen sie das in einer urbanen Massengesellschaft umsetzen, in der es kaum noch Familienbande gibt und in welcher die transsexuellen Partnerschaften genauso schnell wechseln wie "Jobs" und Wohnorte?

Dann werden "transsexuelle Partnerschaften" eben nicht mehr so schnell wechseln, wo ist das Problem?

freiheitistunteilbar, am 04. Februar 2010 um 12:49 ( Link )

@Prosper Wenn Sie mit dem massenhaften Missbrauch das "Vögeln für die Stütze" meinen, dann kann ich Ihnen zustimmen. ;-)

Ponder, am 04. Februar 2010 um 12:57 ( Link )

@ FritzLiberal:

Das Problem ist, dass karen m. und ihre Mitkonserven eigentlich auch ganz glücklich mit dem Kollektiv (und all den Repressalien, die es mit sich bring) wären, wenn es nur ein Kollektiv in ihrem Sinne und nach ihren Regeln wäre. Insofern unterscheiden sie sich auch nur minimal von den derzeit herrschenden Sozialstaats-Totalitären und Gesellschaftsingenieuren. Ein freiheitliches Leben wirst du mit denen auch nicht führen können und früher oder später werden auch die sich an deinem Eigentum vergreifen - nur eben mit einer anderen, kein Iota besseren, Begründung.

@ karen m.:
Was genau sind denn überhaupt "transsexuelle Partnerschaften"?

Haderach, am 04. Februar 2010 um 13:22 ( Link )

@karen m
Schon richtig, mit Kollektiv meinte ich aber auch die Gesellschaft als Ganzes. Zum Individuum gehören natürlich auch individuelle, persönliche Beziehungen, und als Basis für alles die Familie. Ich würde hier aber nicht von Kollektiven sprechen.
Wie man das umsetzen will?
Zum Beispiel durch Verlagerung sämtlicher Entscheidungen auf die kleinste vorhandene politische Einheit, die Gemeinden. Es dürfte nichts in Ländern oder im Bund entschieden werden, was nicht auf Gemeindeebene entschieden werden kann, inklusive dem Festlegen von Steuersätzen. Ein Großteil der Staatsbürokratie würde dadurch obsolet, Steuerwettbewerb zwischen Gemeinden würde für eine massive Entlastung der Bürger und zu wirtschaftlichem Ausgleich führen.
Da aber das Zerstörungswerk des Sozialstaates schon so weit fortgeschritten ist, dass selbst eine politisch gewollte Systemumkehr unmöglich wäre (würde man beispielsw. das Rentensystem vom herrschenden Ponzisystem auf individuelle Vorsorge umstellen, würde sofort klar dass alle Ansprüche des Umlagesystems ungedeckt sind, kein Politiker würde diese Wahrheit auf sich nehmen)
bleibt uns nur das Warten auf den Staatsbankrott.

Charlotte Stumm, am 04. Februar 2010 um 14:36 ( Link )

Alles wunderbar erkannt.
Und doch ist es eine Doppelmoral ,im Vergleich mit den Datensätzen der Steuerhinterzieher.
Mit Menschen die so viel verdienen,dass sie Millionen an der Steuer vorbei ins Ausland bringen,hat man mehr Mitleid.
Es gehen uns alle Hartz4 Leute auf die Nerven,
die den Staat ausnehmen wie eine Milchkuh.
Wir nennen sie großartig die Unterschicht.
Wie ne n n e n wir dann die Steuerhinterzieher,
die Millionen aus purem Egoismus ins Ausland bringen?
Halten sie die Zahlen der Hartz4 Berüger mal zum Vergleich dagegen?
Kleine Leute werden entlassen wegen Centbeträge,
Millionäre versucht man zu verstehen!

FritzLiberal, am 04. Februar 2010 um 14:41 ( Link )

@Charlotte Stumm:

Wie ne n n e n wir dann die Steuerhinterzieher,
die Millionen aus purem Egoismus ins Ausland bringen?

Notwehrleistende.

obstsalat, am 04. Februar 2010 um 15:01 ( Link )

Manche mögen zwischen Steuerhinterziehern und Hartz4-Kultur kaum einen Unterschied erkennen, sie halten beides für gleich verwerflich. Lassen wir doch mal die Moral beiseite: der gleichsam entscheidende wie dramatische Unterschied ist, dass erstere für den Staat zu keinem Cash Flow-Abfluss führen, sie enthalten dem Staat nur etwas vor, sie wollen ja nachgerade nichts vom Staat. Hartz4-Betrüger vermindern die staatliche Liquidität, weil eben Monat für Monat der Cash Flow negativ ist.
Steuerbetrüger hingegen, wie z.B. Umsatzsteuerkarusselle, sind strikt von Steuerhinterziehern zu trennen. Ein Steuerbetrüger schädigt in der Tat die Staatskasse, weil er mehr kostet als er einzahlt.

karen m., am 04. Februar 2010 um 15:24 ( Link )

Das Problem ist, dass karen m. und ihre Mitkonserven eigentlich auch ganz glücklich mit dem Kollektiv (und all den Repressalien, die es mit sich bring) wären, wenn es nur ein Kollektiv in ihrem Sinne und nach ihren Regeln wäre.

Kollektivierung begann bereits in der Urgesellschaft durch Sippenbindungen; Kultur und Wirtschaft sind überhaupt nur durch Gemeinschaftsbildungen möglich. Ich weiß nicht, wie Sie sich ein abgebundenes Eremitendasein als Anarcho-Individualist vorstellen, wenn Sie an keiner Gruppe partizipieren (Geben und Nehmen) wollen. Aber vielleicht ist das Dasein als tumber Mehlsack für manche eine erstrebenswerte Option.

Was "transsexuelle Partnerschaften" sind, das müßten die gemeinschafts-, kollektiv-, kultur- und biologieentbundenen Ultra-Individualisten doch am besten wissen.

Ponder, am 04. Februar 2010 um 16:00 ( Link )

Kollektivierung begann bereits in der Urgesellschaft durch Sippenbindungen; Kultur und Wirtschaft sind überhaupt nur durch Gemeinschaftsbildungen möglich.

Tja, aber es gibt einen fundamentalen Unterschied, zwischen dem freiwilligen Austausch von Waren und Dienstleistungen und den freiwillig eingegangenen sozialen Bindungen gegenüber der konservativen Vorstellung einer eines übergeordneten, totalitären Wertekollektivs (bspw. sexuelle Orientierung oder (Nicht-)Glauben).

Ich weiß nicht, wie Sie sich ein abgebundenes Eremitendasein als Anarcho-Individualist vorstellen, wenn Sie an keiner Gruppe partizipieren (Geben und Nehmen) wollen.

Da liegen Sie eben falsch. Liberale möchten sich nur gerne die Gruppen aussuchen, an denen sie partizipieren. Die konservative Fraktion hier möchte dagegen allen anderen vorschreiben, an welcher Gruppe sie gefälligst wie teilzunehmen haben.

Aber vielleicht ist das Dasein als tumber Mehlsack für manche eine erstrebenswerte Option.

Ein schwaches ad hominem.

Was "transsexuelle Partnerschaften" sind, das müßten die gemeinschafts-, kollektiv-, kultur- und biologieentbundenen Ultra-Individualisten doch am besten wissen.

Ich fürchte eher, dass Sie mit (Kampf-)Begriffen um sich werfen, die Sie nicht mal definieren können.

karen m., am 04. Februar 2010 um 18:13 ( Link )

Tja, aber es gibt einen fundamentalen Unterschied,...

Wie fundamental ist der denn? Sie werden sich den Restriktionen einer Gemeinschaft, sei sie nun groß oder klein, immer unterwerfen müssen, auch wenn sie nur deren "Sprache" erlernen müssen. Selbst wenn Sie eine Familie haben (eine Mutter dürften Sie doch wenigstens besitzen) gibt es Zwänge. Aber Sie haben doch eigentlich immer die Freiheit, zu flüchten. Sie können Ihre Mutter allein zurücklassen oder auch diesen Steuerraubstaat. Siedeln Sie sich einfach am Südpol an, dort rücken Ihnen höchstens die Pinguine auf die Pelle. Sie sind frei!

Liberale möchten sich nur gerne die Gruppen aussuchen, an denen sie partizipieren.

Und dann partizipieren Sie ausgerechnet im HartzIV-Steuerraubstaat? An Ihrer Stelle wäre ich schon längst in die Sahara in die Freiheit geflüchtet. Natürlich nicht nur mit dem Bankkonto, sondern konsequent: Mit Wohnsitz, Arbeit und allem. Ja, Sie sind frei!

...dass Sie mit (Kampf-)Begriffen um sich werfen

Ich kann doch nicht an jeden verwendeten Begriff, nur weil er etwas ungewöhnlich ist, die Wikipedia-Definition anhängen. Nehmen Sie sich einfach mal die Freiheit, intuitiv zu erahnen, was mit der Kombination beider Worte gemeint ist.

Molot, am 04. Februar 2010 um 20:23 ( Link )

@Haderach , am 04. Februar 2010 um 11:37

Natürlich gibt es all' die unverschuldeten Schicksale die Sie aufgezählt haben.

Ja, natürlich, wer "unverschuldet" (Nach welcher Definition eigentlich?)in Not gerät, der erwirbt sich damit automatich das Recht, andere auszubeuten.
B.Ullmann

Molot, am 04. Februar 2010 um 20:37 ( Link )

@karen

Auch Dorf- oder sogar Stadtteilgemeinschaften können sozial richtig handeln, wenn Bedürftigkeiten eingegrenzt oder Patenschaften übernommen

Was macht eigentlich den Unterschied zwischen "RICHTIG" und "SOZIAL RICHTIG" aus?
Ist das so ähnlich wie bei "gerecht" versus "sozial gerecht"?
B.Ullmann

Molot, am 04. Februar 2010 um 21:13 ( Link )

@Charlotte Stumm , am 04. Februar 2010 um 14:36

...Menschen die so viel verdienen,dass sie Millionen an der Steuer vorbei ins Ausland bringen,.....
Ist zwar schon älter die Fabel, passt aber immer noch, auch wenn der "Eichelhans" mittlerweile "Schäublewolf" heißt:

Es waren einmal zehn Männer, die jeden Mittag miteinander zum Essen in ein Wirtshaus gingen. Die Rechnung für alle zusammen betrug jeden Tag genau EUR 100,00.
Die zehn Männer teilten sich diese Rechnung.
Dies sah so aus:
vier Gäste (die ärmsten) zahlten gar nichts,
der fünfte zahlte EUR 1,00,
der sechste EUR 3,00,
der siebte EUR 7,00,
der achte EUR 12,00,
der neunte EUR 18,00 und
der zehnte (der reichste) zahlte EUR 59,00.
So ging das eine ganze Zeit lang gut. Jeden Tag trafen sie sich zum Essen in dem Wirtshaus und alle waren glücklich und zufrieden.
Doch eines Tages kam Unruhe in dieses Arrangement. Der Wirt, Herr Eichelhans, hatte die Idee, die Rechnung um EUR 20,00 zu reduzieren. “Weil ihr so gute Gäste seit” sagte er. Das war an sich richtig nett von ihm, die zehn Gäste freuten sich darüber auch sehr, jetzt kostete das Essen nicht mehr EUR 100,00, sondern nur noch EUR 80,00.
Die Gruppe wollte natürlich beibehalten, anteilmäßig so zu bezahlen, wie man in Deutschland besteuert wird. Dabei änderte sich für die ersten vier Gäste gar nichts, sie aßen weiterhin völlig kostenlos. Wie aber sah es für die restlichen sechs aus? Wie konnten sie die Ersparnis von EUR 20,00 so aufteilen, dass jeder etwas davon hatte?
Die sechs stellten schnell fest, dass EUR 20,00 geteilt durch 6 Zahler EUR 3,33 pro Person ergibt. Aber wenn sie diesen Betrag von dem jeweiligen Anteil abzögen, dann bekämen auch der fünfte und der sechste Gast ihr Essen kostenlos; - mehr noch, sie bekämen sogar noch Geld dafür heraus, dass sie zum Essen gingen.
Dieses System taugte also nichts. Aber was tun? Wieder hatte der Wirt Eichelhans den rettenden Einfall: Er schlug vor, dass jeder prozentual ungefähr soviel weniger zahlen sollte, wie er insgesamt zur Rechnung beisteuerte.
Heraus kam hierbei folgendes:
der fünfte Gast (wie die ersten vier) zahlte ab sofort gar nichts mehr (100% Ersparnis), der sechste zahlte noch EUR 2,00 statt EUR 3,00 (33% Ersparnis),
der siebte zahlte noch EUR 5,00 statt EUR 7,00 (29% Ersparnis),
der achte zahlte noch EUR 9,00 statt EUR 12,00 (25% Ersparnis),
der neunte zahlte noch EUR 14,00 statt EUR 18,00 (22% Ersparnis) und
der zehnte Gast zahlte ab sofort noch EUR 50,00 statt EUR 59,00 (15%Ersparnis).
Jeder einzelne der sechs zahlenden Gäste kam damit also günstiger weg als vorher, und die ersten vier Gäste aßen immer noch völlig kostenlos.
Darüber waren die Gäste zunächst sehr zufrieden.
Dies änderte sich, als sie einige Tage später in der Wirtschaft den Herrn Sommer vom DGB trafen, dieser rechnete ihnen noch einmal alles aus seiner Sicht vor. Nun stellten sie fest, dass doch nicht alles so ideal war, wie sie dachten.
“Ich habe nur EUR 1,00 von den EUR 20,00 bekommen” sagte der sechste Gast und zeigte auf den zehnten, den Reichen. “Aber der kriegt EUR 9,00!”
“Stimmt!” rief da auch der fünfte”, ich hab nur EUR 1,00 zu früher gespart - und der spart gleich neunmal soviel wie ich. Das ist nicht gerecht!”
“Wie wahr!”, rief da auch der siebte. “Warum kriegt der zehnte EUR 9,00 zurück und ich nur EUR 2,00?”
“Alles kriegen mal wieder die Reichen!”
“Moment mal”, riefen da die ersten vier wie aus einem Munde. “Wir haben überhaupt nichts bekommen. Ist doch mal wieder typisch, das System beutet die Ärmsten aus!”
Und wie aus heiterem Himmel gingen die neun gemeinsam auf den zehnten los und verprügelten ihn
Herr Sommer stand dabei und klatschte Beifall.
Am nächsten Mittag tauchte der zehnte Gast nicht mehr zum Essen in dem Wirtshaus auf.
Den übrigen neun war das egal. Sie setzten sich zusammen und aßen und tranken wie gewohnt - nur eben ohne ihn. Aber als es an der Zeit war, zu bezahlen und der Wirt die Rechnung brachte, stellten sie völlig konsterniert fest: Alle neun zusammen hatten nicht genug Geld, um auch nur die Hälfte der Rechnung bezahlen zu können. Und wenn sie nicht verhungert sind, dann wundern sie sich noch heute…
Und so funktioniert es mit den Steuererleichterungen. Die Menschen, die die meisten Steuern zahlen, haben auch die größten Vorteile von einer Steuerentlastung. Wenn man sie aber deshalb verprügelt, kann es passieren, dass sie einfach nicht mehr am Tisch erscheinen.
Denn: In anderen Ländern gibt es auch gute Wirtshäuser und nette Wirte.

Ist nicht von mir, habe ich vor Jahren mal im Internet gefunden.
B.Ullmann

em , am 04. Februar 2010 um 21:54 ( Link )

@Molot:

Vermutlich ist die Geschichte zu einfach für die, die problemlos seitenlang über soziale Gerechtigkeit schwurbeln können.

Dabei war die Analogie so naheliegend, als Michael Schuhmacher bei Plasberg zitiert wurde: Mit den Schweizern konnte er ein vernünftiges Steuerabkommen aushandeln, während die Deutschen auf "alles oder nichts" bestanden hätten.

Nun reicht es also bei den Deutschen nicht mehr, um die Rechnung zu bezahlen. Also geht man auf Beutezug ...

Ismene125, am 04. Februar 2010 um 22:22 ( Link )

Liebe Diskutanten, aus Sicht des Dezisionismus sind die Vorträge nicht mehr als ungenügend: Die BRD ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat (Art. 20 Abs. 1 GG). Der normierte Sozialstaat wird aus der (unantastbaren) Menschenwürde (Art 1 Abs. 1 GG) abgeleitet, die wiederum ein Artefakt der Aufklärung ist. Wenn Sie hier gegen den Sozialstaat wettern, dann wollen Sie geistig dahinter zurück, was nicht anderes als eine kulturelle Regression wäre.

Aus dem so gewonnenen Sozialstaatsgebot wird das sozio-kulturelle Existenzminimum - der sogenannte Existenzminimumsockel - verfassungsrechtlich garantiert, und hierüber muss zu allererst das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Das Lohnabstandsgebot hingegen ist hingegen nicht verfassungsrechtlich garantiert und kann deshalb nur einen Nebenaspekt in der Beurteilung darstellen.

Der Sozialstaat hat neben der juristischen Betrachtung auch einen praktisch-philosophischen Nutzen: Er hilft breite Massen, die (kulturelle) Unter- und Mittelschicht durch Brot (von Lidl und Aldi)und Spiele (Playstation und RTL) zu sedieren. Der Sozialstaat nährt für den Unternehmer die Massenkonsumenten und wahrt nebenbei den sozialen Frieden.

DasHartzi, am 04. Februar 2010 um 23:27 ( Link )

Was gedenkt denn Gross-Anal-lyst Gläser anstelle der Art Grundsicherung Alg-II in dieser Republik installieren zu wollen?

Ich bin der Zustandsanalysen und der Versteckerei in Publizisten-Pfurz-Sesseln leid.

Zeigt euch man erkennt euch nicht wirklich!

kirl, am 05. Februar 2010 um 5:28 ( Link )

Wenn Blinde von der Farbe reden...

Hier bedeutet nicht ein Jobangebot Verbesserung, sondern ein weiteres Kind. Das vierte oder fünfte macht eine Alleinerziehende zur Welfarequeen oder finanziert dem Papa endlich den geliebten BMW.

Nur mal so zum Vergleich: Das für alle gezahlte Kindergeld beträgt ab dem vierten und für jedes weiter Kind 215 Euro.

Die Regelsätze für Kinder bei Hartz IV - von denen das Kindergeld als Einkommen abgezogen wird - sehen so aus:

0- 5 Jahre = 215 Euro
7-13 Jahre = 251 Euro
14-18 Jahre = 287 Euro

Im Vergleich zu einem hart arbeitendem Mittelständler bereichert sich also der Hartz IV-ler dank seiner Kinder um folgende Differenzbeträge zum Kindergeld:

0- 5 Jahre = 0 Euro
7-13 Jahre = 36 Euro
14-18 Jahre = 72 Euro

Ich weiß nicht, wieviel Herrn Gläsers Autohaus für einen BMW verlangt, eine Finanzierung auf diesem Wege würde mich dann doch überraschen...

Weiters interessant wären Informationen über die BMW-Modelle, die über mehr als 5 Sitzplätze verfügen und somit für Familien mit vier und mehr Kindern überhaupt in Frage kommen.

Insgesamt täte es dem Autor (und manch anderem gut), erst mal ein wenig zu recherchieren, bevor man mit der großen Keule auf seine Klischees einknüppelt.

Herr_Rossi, am 05. Februar 2010 um 9:57 ( Link )

Artikel und Kommentare obiger Art erfüllen eine wichtige Funktion:
Man kann mal richtig Dampf ablassen über die Ungerechtigkeiten dieses Staates, jammern über das eigene Leid und des Nächsten ach so prächtiges Leben beneiden.

Laßt es einfach alles mal raus, da fühlt ihr euch gewiß gleich besser!
Aber dann husch, husch zurück an die Arbeit!
Ihr müßt doch schließlich noch Geld verdienen um Steuern zu zahlen...

FritzLiberal, am 05. Februar 2010 um 13:50 ( Link )

@Herr_Rossi: dumm für Sie und Ihresgleichen ist nur, dass immer mehr der Nettozahler der DDR 2.0 absalutieren und das Land verlassen. "Der dumme Rest bleibt" (Zitat Tagesspiegel)

Marco Vogt, am 05. Februar 2010 um 14:29 ( Link )

Der reale Wahnsinn:

Mutter muss in Tagesklinik wegen einer Psychose. So weit, so schlecht.

Es existieren drei Kinder und ein Partner.

Dieser ist der Vater des Babys, die beiden anderen Kinder sind vom ersten Partner. Eines geht in die Schule, das Andere in den Kindergarten.

Der Vater ist arbeitslos und den ganzen Tag zu Hause.

Er fühlt sich überfordert mit der Pflege des Babys, also bewilligt die Kasse ein Kindermädchen für 10h am Tag inkl. einer Pause von einer Stunde.

Doch dem nicht genug: Da der Mann ja nicht der Vater der beiden älteren Kinder ist, fühlt er sich nicht verantwortlich für diese. Also wird auch noch ein Fahrtdienst genehmigt, der die Kinder morgens in der KiTa und Schule abliefert und Mittags wieder abholt.

=> 12h Arbeitszeit für zwei Personen, Stundensatz ca. 16 Euro. Macht 192 Euro am Tag.

Das scheint aber immer noch nicht genügend Unterstützung zu sein: Da die Mutter ja psyschiche Probleme hat, kann man ihr die Kinder am Wochenende unmöglich zumuten, sonst wäre die Genesung in Gefahr, also kommen die drei Kinder über das Wochenende in ein Heim, Kostenpunkt pro Kind ca. 1000 Euro im Monat, ergo nochmal 6000 Euro oben drauf.

Das Ganze wird erstmal für zwei Monate gezahlt, Kostenpunkt: ca. 13.500 Euro.

Ob die Mutter nach den zwei Monaten überhaupt noch die Kinder erziehen kann, wenn sie so behütet wird, steht auf einem anderen Blatt, aber es wäre ja für unsere Sozialindustrie nur von Vorteil, wenn die Kinder in ein Heim kämen, hätte man wieder mehr Jobs gesichert.

Noch Fragen zu unserem Sozialstaat und dem Fördern statt dem Fordern?

Herr_Rossi, am 05. Februar 2010 um 23:18 ( Link )

@FritzLiberal:
Natürlich entziehen sich immer wieder ein paar Nettozahler durch Ausreise ihrer patriotischen Steuerpflicht.
Anderseits bleibt mitnichten nur der dumme Rest. Vielmehr wächst auch der schlaue Bodensatz, der vom erstgenannten lebt.
Alles in allem - wie ich finde - eine mehr als erfreuliche Perspektive.

em , am 06. Februar 2010 um 0:33 ( Link )

Vielmehr wächst auch der schlaue Bodensatz, der vom erstgenannten lebt.

Also immer weniger, die zahlen, und immer mehr, die kassieren ...

Alles in allem - wie ich finde - eine mehr als erfreuliche Perspektive.

... nenne ich auch ein wirklich epochales Geschäftsmodell.

Olaf Janowski, am 06. Februar 2010 um 12:23 ( Link )

@Herr_Rossi:

Das Parteiprogramm der APPD und ihrer Abspaltungen ist insofern interessant da es die Aufspaltung der Gesellschaft in Ghettos bzw. Zonen der Leistungsverweigerer, der Leistungserbringer und der Gewaltbereiten vorsieht.

Fast genauso hat sich die Gesellschaft in Deutschland zumindest in den grösseren Städten segmentiert. Berührungspunkte zwischen den Leistungsbereiten und den beiden anderen o.g. Spezies gibt es nur noch ab und an in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Sonst geht man sich konsequent durch Um- und Wegzug aus dem Weg.

Was aber für Sie und ihresgleichen fatal ist:

Die Einwohnerzahl der Sozialen-Parasitenzonen und der Gewalterlebnisparks, wie Sie sie nennen, ist beständig am wachsen.

Und die Einwohnerzahl der "SBZ" / "Sonder-Bewirtschungs-Zonen", also der Nettozahler für die beiden erstgenannten asozialen Element ist rasant am sinken.

Dieses System wird in vielen Ländern der EU schon in diesem Jahr, allerspätestens 2012 kollabieren (Griechenland, Spanien, Deutschland, Frankreich).

"Die Kuh melken und gleichzeitig schlachten - das geht nicht!"

(Dieses Zitat ist glaube ich vom seligen Hermann Josef Abs. Einer der wenigen Männer (schon damals rare Spezies homo sapiens) mit geballtem wirtschaftlichen wie auch sozialpolitischem Sachverstand in Deutschland, neben Ludwig Ehrhard und Karl Schiller.

Herr Rossi und Ihresgleichen, bereiten sie sich schon mal auf ein historisches deja-vus-Erlebnis vor:
Sie dürfen die gleiche Erfahrung wie Ihre Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern nach dem Kriege machen. Mit Bezugsscheinen und Hyperinflation und Bürgerkriegsähnlichen Zuständen, wo jeder Tag des Überlebens Vollstress, wie man unter Punx so schön sagt werden wird.

Aber vielleicht kommt ja auch der Computer-RFID-Chip der biblischen Johannesoffenbarung mit irgend einem Bezug auf die Zahl 66 ("ohne den keiner kaufen oder verkaufen kann" - Offenbarung des Johannes Kapitel 13, wenn sie eine Bibel zur Hand haben sollten).

http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Josef_Abs

Summa summarum: Suum cuique! Ich habe meine Koffer schon gepackt und bin bereit zur Flucht aus der EUdSSR resp. DDR 2.0.

Ismene125, am 06. Februar 2010 um 13:14 ( Link )

... gute Reise!
Ich verstehe nicht, warum an diesem virtuellen Ort nicht angemessen und sachlich diskutiert werden kann. Fast jeder Beitrag erweckt den Eindruck, dass er mit Schaum vorm Mund geschrieben wurde.

Wer ehrlich etwas von Wirtschaft versteht, kann die in den Kommentaren und Beiträgen auf dieser Homepage zu findenden kruden Verschwörungstheorien nicht einmal ansatzweise teilen.

Zu Ehrlichkeit gehört auch, dass die Breite der Masse in der "EUdSSR resp. DDR 2.0" materiell wie immateriell gut geht - und mit hoher Wahrscheinlichkeit noch weiterhin sehr gut gehen wird. M. a. W.: Das hier verbreitete Weltbild wäre nicht pareto-optimal, und damit wohl nicht sehr effizient. Von der intellektuellen Aufarbeitung will ich gar nicht sprechen!
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Olaf Janowski, am 06. Februar 2010 um 13:45 ( Link )

@ismene125:
Zu Ehrlichkeit gehört auch, dass die Breite der Masse in der "EUdSSR resp. DDR 2.0" materiell wie immateriell gut geht - und mit hoher Wahrscheinlichkeit noch weiterhin sehr gut gehen wird.

Schon jetzt nicht mehr.

Weder geistig-intellektuell noch materiell gut gehen.

Seit der Wiedervereinigung 1991 sind Millionen des unteren bis mittleren Mittelstandes in Deutschland proletarisiert worden, ohne eigenständige Lohnarbeit und haben sich geistig mit dem Dauerzustand der staatlichen Transferleistungen (die privat von uns -noch- finanziert werden) abgefunden.

Aber es wird ja nach Ihrer Sicht schon irgendwie noch weiter gut gehen...

dickbrettbohrer, am 07. Februar 2010 um 5:50 ( Link )

Man darf nicht vergessen, daß auch Lohnarbeit schleichend zur Entmündigung beiträgt, auch wenn sie im Vergleich zur Existenz des völlig der Arbeit entkoppelten Scharotzerdaseins besser abschneidet. Es ist ein unüberbrückbarer Unterschied zwischen einem Menschen, der seinen Leben auf eigene Faust und aus eigener Kraft verdient und einem, der nach einem Stundenplan gewisse Arbeiten nach Anweisung absolviert, und wie ein Schüler beaufsichtigt wird, damit er sich nicht unerlaubt vom Arbeitsplatz entfernt. Wir haben uns so sehr an diesen Zustand gewöhnt, daß er uns nicht mehr absonderlich vorkommt. Die Massendemokratie funktioniert gerade deshalb so gut, weil es nur noch wenige wirtschaftlich Unabhängige gibt. (Wobei Unabhängigkeit meint, daß man vom Befehl eines anderen Menschen unabhängig ist, nicht von den allgemeinen Lebenszwängen und ökonomischen Regeln, denen jeder von uns unterworfen ist.) Wenn man am Arbeitsplatz Befehlsempfänger ist, warum dann nicht auch im privaten Dasein?
Es ist an sich eine Ungeheuerlichkeit, daß die Masse bereitwillig und klaglos die immer unerträglicher werdende Gängelung, die perverversen Unterstellungen bis hin zur Kriminalisierung, die tägliche Schelte und die versteckten Drohungen, die bizarren Befehle, die Ungerechtigkeiten, Bedrängnisse und Enteignungen durch selbsternannte Autoritäten nicht bloß duldet, sondern sogar ausdrücklich gutheißt und für notwendig erachtet. Ich kann mir dies nur damit erklären, daß Menschen seit Generationen daran gewöhnt sind, nicht selbständig zu sein. Sie lassen sich erziehen und behandeln wie Unmündige.

Dr. Spiele, am 07. Februar 2010 um 19:34 ( Link )

Von der intellektuellen Aufarbeitung will ich gar nicht sprechen!

gähn.

barthel_berand, am 09. Februar 2010 um 18:01 ( Link )

Heute ein lesenswerter - und langer - Artikel von Heinsohn in der Welt:

http://www.welt.de/die-welt/debatte/article6311869/Wie-man-mit-viel-Geld-Armut-vermehrt.html

Ein Beleg für die Binse, dass man mehr von dem bekommt, was man subventioniert.

BB


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