01. Februar 2010

Klimawandel Radikal geändertes Meinungsklima

Skandale und Korrekturen bringen Alarmisten zunehmend in Bedrängnis

„Davon abgesehen“, so der alte makabere Witz, „wie gefiel Ihnen die Theatervorstellung, Frau Lincoln?“

Ähnlich wie die Präsidentengattin am Abend des 14. April 1865 dürfen sich dieser Tage alle jene fühlen, die ihren liebgewonnenen Glauben an eine drohende, unmittelbar bevorstehende, menschengemachte Klimakatastrophe plötzlich von vielen, unvermuteten Seiten kritisch hinterfragt sehen. Wer von ihnen noch nicht so niedergeschlagen ist wie Frau Lincoln am Abend des Mordanschlags auf ihren Mann, leidet unter kognitiver Dissonanz: Die Felle schwimmen ihnen davon, doch sie merken es nicht. Oder wollen es nicht wahrhaben.

Was haben wir alles in den letzten zwei Monaten gesehen? Hier eine Auswahl: kriminelle Vertuschungen und Datenmanipulationen führender Klimamodellierer – auch wenn sie nicht rechtlich belangt werden, ihr Ruf und ihre Karrieren sind erledigt. Einfügung absurdester Behauptungen in der Bibel der Klimareligion, dem IPCC-Bericht: abschmelzende Gletscher, absterbende Regenwälder, an Stärke und Zahl zunehmende Wirbelstürme und so weiter. Die Rolle und Wirkung des Wasserdampfes ist in den offiziellen Berichten bisher unterschätzt worden. Wesentliche Daten im Stern-Report wurden stillschweigend gelöscht oder geändert. Verschwiegen wird, dass damit die Hauptaussage über die ökonomischen Schäden eines gewandelten Klimas hinfällig ist. Die Feststellung, dass Rajendra Pachauri, Chef des UN-Klimarates, schon vor der Klimakonferenz im Dezember von der Fehlerhaftigkeit der Behauptungen über das Abschmelzen der Himalaja-Gletscher gewusst haben muss. Die Feststellung, dass eben dieser Herr Pachauri finanzielle Interessen am Festhalten dieser Fehlangaben hat.

„Davon abgesehen“, könnte man den Friedensnobelpreisträger fragen, „wie war Ihr Tag heute, Herr Pachauri?“ Der Chef des UN-Klimarates hat kundgetan, dass er seinen Platz nicht räumen will. Sehr zum Verdruss einiger Klimatologen, die den Ruf ihrer Zunft bedroht sehen, weil an der Spitze ihrer Flaggschiff-Organisation jemand an seinen Posten festhält, dem der Rest der Welt kein gebrauchtes Auto, geschweige denn ein gebrauchtes Klima noch abkaufen will. Wie viel Schaden noch vom IPCC abgewendet werden kann, hängt von der persönlichen Integrität des Inders ab. Wir wissen aber auch, dass ein guter Kapitän ein sinkendes Schiff als letzter verlässt.

Die Angstmacher haben heute einen sehr viel schwereren Stand als noch vor zwei Monaten. Wenn man Online-Diskussionen verfolgte, herrschte lange Zeit der Eindruck, dass Vertreter der gegensätzlichen Positionen zahlenmäßig ungefähr gleich groß waren. Seit dem Skandal um die veröffentlichten Emails von Mitarbeitern des Klimaforschungsinstitut in Norwich hat sich das Bild gewandelt. Das Zahlenverhältnis scheint jetzt eher 90 zu 10 zugunsten der Skeptiker zu sein. Schaut man sich die Kommentarspalten unter entsprechenden Artikeln in den Online-Versionen der Zeitungen an, beispielsweise unter dem Leitartikel des „Guardian“ vom heutigen Tag, kommen einem die Vertreter der Alarmisten vor wie Günther Schabowski auf der Demonstration am Alexanderplatz am 4. November 1989. Der SED-Funktionär, der wenige Tage später mehr oder weniger unbedarft den Startschuss zum Einreißen der Berliner Mauer geben sollte, wurde von der Menge dort gnadenlos ausgepfiffen. Das Meinungsklima in Sachen Klima hat sich in wenigen Wochen radikal gewandelt, stellte am 22. Januar auch Richard Black, Umweltkorrespondent der bis vor kurzem schamlos alarmistischen „BBC“, konsterniert fest. Sein Sender bringt seit kurzem folgerichtig weitaus ausgewogenere Beiträge über die Ergebnisse der Klimawissenschaft. Angesichts dieses veränderten Meinungsklimas wird bald die Forderung an die Politik laut werden, von der Verhinderung eines Klimawandels auf die Anpassung umzusattlen. Das wird der Politik jedoch nicht gefallen. Denn „Verhinderung“ bedeutet Zentralisierung und mehr Politik, „Anpassung“ dagegen bedeutet Dezentralisierung und weniger Politik.

Kein Wunder also, dass die Alarmisten, die ein persönliches Interesse an ein Festhalten am unkritischen Glauben an eine unmittelbar bevorstehende Klimakatastrophe haben, sehr unruhig werden. Der britische Umweltminister Ed Miliband wolle den Klimaskeptikern „den Krieg erklären“, titelte gestern der „Observer“. Er hat Grund, nervös zu sein. Demnächst treten in Großbritannien Maßnahmen in Kraft, die jedem klar vor Augen führen, wie sehr der Klimawahn das tägliche Leben zu ändern droht. Ab nächstem Jahr wird der Handel mit CO2-Zertifikaten zum Beispiel dazu führen, dass Geschäfte nachts ihre Schaufensterbeleuchtung abschalten werden. So passt sich der Westen allmählich auch äußerlich dem untergegangenen Ostblock-Sozialismus an.

Wird sich ein neuer Schabowski, unter dem Druck der neuen Medien, wieder verplappern? Wird dies ähnliche Folgen haben wird wie 1989? Oder werden im Westen demnächst unter einem neuen Sozialismus die Lichter endgültig ausgehen? 

Internet

The Guardian: Global Warming: Undeniable evidence

Richard Black (BBC): Reflections on a hugely changed climate

The Observer: Ed Miliband declares war on climate change sceptics

BBC: New energy rules may end ‘on-all-night’ shop displays


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