Robert Grözinger

Robert Grözinger, Jahrgang 1965, Diplom-Ökonom, ist freier Journalist und Übersetzer.

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Nach der Katastrophen-Konferenz in Kopenhagen: Fürchtet Euch nicht!

von Robert Grözinger

Ein – möglicherweise nicht ganz vergeblicher – Appell an die Vernunft

24. Dezember 2009

Was zuvor als „letzte Chance zur Rettung der Menschheit“ vermarktet wurde, ist jetzt zum „erfolgreichen ersten Schritt“ degradiert worden. Nach dieser Zählweise ist das Kyoto-Protokoll von 1997 jetzt der nullte und das Abkommen von Rio 1992 der minus-erste Schritt. In Kopenhagen hat ein ganzes Glaubenssystem Schiffbruch erlitten. Und dennoch geben die Politiker und Umweltschützer nicht auf in ihrem Versuch, das Wetter per Dekret zu regulieren. Die nächste Konferenz ist schon für nächstes Jahr in Mexiko City vorgesehen. Ein so beschämendes Scheitern der Politik wie jetzt in der dänischen Hauptstadt bietet jedoch die Chance, den einen oder anderen durch Argumente davon zu überzeugen, dass die gesamte Grundrichtung seines oder ihres Denkens falsch ist. Hier also ein entsprechender Versuch.

1. Die Beweislage für einen menschengemachten Klimawandel ist sehr schwach

Im Grunde ist sie, die Beweislage, nicht vorhanden, denn er, der Klimawandel, lässt sich nicht empirisch überprüfen. Aber es gab einige Indizien. Diese sind jedoch inzwischen deutlich relativiert. Wer näheres erfahren will, kann sich entweder im „Handbuch für Skeptiker“ informieren, oder in den vielen Artikeln unter anderem auf dieser Website, zum Beispiel von Edgar L. Gärtner oder Jörg Janssen. Man kann sich auch die Liste unbeantworteter Fragen ansehen, die mehr als 150 Klimaforscher der Gruppe „Copanhagen Climate Challenge“ unterzeichnet haben. Oder man kann sich das Bekenntnis des führenden Mitglieds der kanadischen Grünen, David Crowe, durchlesen, der am 22. Dezember 2009 ausführlich begründet hat, weshalb er die Richtigkeit der Klimapolitik massiv anzweifelt.

2. Das Argument „Wir müssen präventiv einschreiten“ ist gefährlicher Unsinn

Manch einer sagt in diesen Tagen des durch „Climategate“ verstärkten Zweifels am Wahrheitsgehalt der Untergangsprognosen, dass es trotzdem nicht schlecht wäre, die Umwelt und die Ressourcen zu schonen. Mit dem Präventiv-Argument kann man alles mögliche und unmögliche rechtfertigen, solange man nur fest genug an das zu verhindernde Unheil glaubt. Die Geschichte, die ältere wie die jüngere, ist voll von solchen Vorgängen, wo Verblendete unendlich vielen Menschen unendlich viel Leid zugefügt haben, ohne dass der erhoffte Erfolg eintrat, sondern eher das Gegenteil. Auch im Fall einer präventiven Klimapolitik wäre nichts anderes zu erwarten, siehe den nächsten Punkt.

3. Die Konsequenz einer drastischen CO2-Minderung in den nächsten Jahrzehnten wäre ein drastischer Bevölkerungsrückgang aufgrund Massensterbens

Wir haben es jetzt schon in Ansätzen in den Hungerrevolten in verschiedenen Regionen dieser Welt im Frühjahr 2009 gesehen. Die Klimahysterie war der Humus, auf dem die unsägliche Biosprit-Subvention gedeihen konnte, die zu Nahrungsmittelverknappungen und somit –verteuerungen führte und somit die Ärmsten der Armen traf. Energieverteuerungen bei uns heißt – noch – nicht Hungertod, aber sie führen dazu, dass mehr Menschen frieren oder schwitzen müssen, dass sich Lebensmittel, Transport, überhaupt so ziemlich alles verteuern und wir alle relativ ärmer werden. Die neureichen Klima-Ablass-Empfänger wie Al Gore schert das wenig, eher schon die Armen und Schwächsten unter uns: Kinder, Kranke und Alte.

4. Der einzige Weg, die geplante Klimapolitik zu verwirklichen, ist eine diktatorische Weltregierung

Nicht nur aufgrund zu erwartender Hungerrevolten und ähnlichem ist nur eine diktatorische Umsetzung möglich. Eine der wichtigsten Lehren aus der gescheiterten Klimakonferenz in Kopenhagen ist, dass der „demokratischen“ Inklusiviät der Entscheidungsfindung auf globaler Ebene sehr enge Grenzen gesetzt sind. Die Entwicklungsländer, unter Führung Chinas und Indiens, wollten sich a) in ihrer Entwicklung nicht so sehr begrenzen lassen, wie es die entwickelten Länder wollten und/oder b) noch mehr Milliarden von reichen Nationen bekommen, als deren Regierungen ohnehin schon zu geben bereit waren. Ein geopolitisch sehr interessanter Aspekt dieser Konferenz war, dass die Industrienationen nicht mehr in der Lage sind, dem Rest der Welt ihren Willen aufzuzwingen. Nach fünf Jahrhunderten westlicher Vorherrschaft in der Welt bricht jetzt offenbar ein asiatisches Zeitalter an.

Der falsche Grundgedanke, auf den die heutige Klimapolitik beruht, ist, dass die Ressourcen begrenzt sind und dass die Erde bei so viel Ressourcenverbrauch nicht so viele Menschen tragen kann. Das schließt auch die Verschmutzungskapazität ein, die im weitesten Sinne auch eine Ressource ist. Wenn man davon ausgeht, dass Ressourcen begrenzt sind, dann kommt zwangsläufig der Gedanke der „gerechten“ Rationierung auf oder, schlimmer noch, der Gedanke der erzwungenen Bevölkerungsbegrenzung beziwhungsweise -reduzierung. Dann kommt die Politik ins Spiel, die sich immer über neue Aufgaben freut, und es kommt zu Verteilungskämpfen, wie wir sie in Kopenhagen beobachten konnten, oder noch viel schlimmer. Diese Auseinandersetzungen werden entweder im Chaos enden, oder es setzt sich jemand mit aller Gewalt durch. Nach gegenwärtiger und vorhersehbarer Lage der Dinge und unter der Prämisse des Klimaglaubens ist die Welt also, wenn überhaupt, nur mit einer globalen Diktatur regierbar. In der gehobelt wird und Späne fallen werden, und zwar nicht zu knapp. Dieser Konsequenz sollte sich jeder bewusst werden, der weiterhin an der gängigen Klimapolitik festhalten will.

Es gibt jedoch eine Alternative, denn: Die Ressourcen sind nicht begrenzt.

5. Ressourcen sind zwar immer knapp, aber nie endlich

Sicher, die Erde ist eine endliche Kugel, ummantelt von einer relativ dünnen Atmosphärenschicht. Aber der wesentliche Faktor, der unsere Ressourcen begrenzt ist nicht die Größe des Planeten, sondern die technischen Zugriffsmöglichkeiten auf die Rohstoffe, beziehungsweise die technischen Möglichkeiten, mit etwaiger Verschmutzung fertig werden zu können. Und uns steht immer nur eine begrenzte Menge an Ressourcen aktuell zur Verfügung, weil die technischen Voraussetzungen der Ressourcennutzung immer eine aktuelle Grenze haben. Doch uns Menschen steht eine Ressource zur Verfügung, die uns sämtliche „Grenzen“ des Wachstums weitgehend mühelos überschreiten lässt. Die Rede ist vom – unendlichen – menschlichen Einfallsreichtum. In 40 Jahren soll das Öl verbraucht sein – sagt man uns seit 40 Jahren. Neue Techniken haben uns nicht nur in der Ölindustrie neue Quellen erschlossen, die vorher unerreichbar oder gar nicht bekannt waren. Sicher, irgendwann ist „Peak Oil“ erreicht, vielleicht schon überschritten. Na und? Einfallsreichtum hat uns schon aus anderen „malthusianischen Fallen“ geholt, seit 200 Jahren regelmäßig. Menschlicher Einfallsreichtum sorgt nicht nur für neue Quellen, sondern auch für effizientere Ressourcennutzung und für einen schonenderen Umgang mit „Senken“, also den Aufnahmemedien für den ungenutzten Überrest, den Abfall, die „Verschmutzung“. Wir haben im übrigen die Erdkugel gerade mal angekratzt. Und jenseits der Atmosphäre warten Monde und andere Planeten mit ihren Ressourcen auf uns.

Fortschritt findet jedoch nicht automatisch statt. Es gibt nämlich eine unverzichtbare Vorraussetzung für eine den allgemeinen Wohlstand fördernde Nutzung des Einfallsreichtums. Es ist die unverzichtbare Vorraussetzung für das Überleben und Gedeihen der Menschheit, und sie ist ständig in Gefahr: Die Unverletzlichkeit des Privateigentums. Nur auf dieser Grundlage werden wir ständig Preissignale erhalten, die uns die Wahrheit über den aktuellen Knappheitsstand der Quellen und Senken, unter den aktuellen technischen Bedingungen, mitteilen. Das Preissystem des unregulierten Marktes ist als Signalgeber jeder menschlichen Institution unendlich überlegen, die versucht, mehr zu regulieren als den eigenen Privathaushalt. Dort, wo derzeit kein Privateigentum zustande kommt, zum Beispiel in den Weltmeeren oder in der Atmosphäre, ist entweder noch keine spürbare Knappheit vorhanden, oder das Zustandekommen von Privateigentum wird durch staatliche Gewalt unterdrückt.

Die gedankliche Grundlage der aktuellen Umweltpolitik weist in die völlig falsche Richtung: Mehr staatliche Intervention, staatliche Umverteilung, staatliche Willkür. Wo private Verhandlungen über Verschmutzungsrechte möglich wären, errichtet der Staat statt dessen strafbewährte Emissionsgrenzen. Wo private Verhandlungen mangels Knappheit nicht entstehen, setzt der Staat solche mit Gewalt in Gang, Stichwort CO2-Zertifikate.

Was kann man angesichts dieser gigantischen Verirrung tun? An die Vernunft appellieren.

6. Fürchtet Euch nicht

Seit „Climategate“ leckt das Schiff der Klimapolitik an mehreren Stellen. In Kopenhagen ist es auf Grund gelaufen. Weitere Konferenzen werden nur noch zum Schein durchgeführt werden. Diejenigen, die vor einer Weltregierung Angst haben, können neuen Mut schöpfen: Die aufstrebenden asiatischen Mächte wenden sich vom Sozialismus ab, China von der leninistischen, Indien von der fabianistischen Version. Sie haben das Potential, die Tendenz zur diktatorischen Weltregierung aufhalten: Atomwaffen. Sie lassen sich also nur noch begrenzt von der bisherigen Supermacht herumkommandieren, wenn überhaupt. Ihre Völker sind sparsam, fleißig und unternehmerisch. Und sie glauben zunehmend an Gold, nicht an Dollars.

Diejenigen, die sich vor einer Klimakatastrophe fürchten, können ebenfalls Mut schöpfen: Der größte Verhinderer menschlichen Fortschritts, die Politik, ist gescheitert. Die Chance ist da für regionale, lokale, individuelle, auf Freiwilligkeit beruhende Lösungen. Der alte Umweltschutz-Slogan hieß doch: global denken, lokal handeln. Klimapolitik wollte jedoch gleich beides global.

Die einzigen, die jetzt Grund zum Fürchten haben, sind diejenigen, die sich eine Klimakatastrophe herbeiwünschten beziehungsweise anderen eine entsprechende Angst einjagen wollten. Die Nihilisten also, die sich wie Prinz Philip vom WWF vielleicht wünschen, als tödlicher Virus wiedergeboren zu werden, um die Weltbevölkerung zu dezimieren. Es fällt schwer, für solche Leute ein tröstliches Wort zu finden, selbst zur Weihnachtszeit.

Internet:

Mark Lynas – „How do I know China wrecked the Copenhagen deal? I was in the room“

Artikel über Handbuch für Klimaskeptiker

Copenhagen Climate Challenge Webseite

David Crowe: „My Position on Global Warming and Climate Change“

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