17. Dezember 2009

Griechische Staatsangestellte erhalten vier Prozent weniger Lohn Der Anfang vom Ende der Staatsprofiteure

Die Realität bricht durch, wenn auch nicht bei Radio Eriwan

Eine zweite Ratingagentur hat Griechenlands Kreditwürdigkeit herabgestuft und damit die Zinsen für den hellenischen Schuldenstaat erneut hochgetrieben. Zukünftig müssen die Griechen je nach Rechnung zwischen 5 und 7,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (nicht des Staatshaushalts) alleine für staatliche Zinszahlungen aufwenden, ohne dass nur ein Cent ins Megabürokratopulos oder an das Volk der Frührentner geflossen ist. Der griechische Staat ist schlicht pleite. Jenes EU-Land mit der seit langem korruptesten Regierung und dem politisiertesten Volk hat es am meisten übertrieben, jetzt ist es auch als erstes mit dem Zahltag dran.

Ausgerechnet der betonsozialistische Regierungschef Giorgos Papandreou, politprogrammatisch durchaus vergleichbar mit Oskar Lafontaine, verkündet heute als nur erste Sofortmaßnahme, dass alle Staatsangestellten künftig vier Prozent weniger Lohn bekommen und zahlreiche staatliche Unternehmen privatisiert werden sollen. Natürlich drohen die Griechen Massenstreiks an und haben vorsorglich auch gleich damit begonnen. Die meisten von ihnen haben immer noch nicht verstanden, dass sie die Kuh längst verspeist haben, die sie immer noch melken wollen. Das werden nun interessante Wochen und Monate in Griechenland…

Genießen wir also den gewissen Luxus der deutschen Situation: Zunächst brennen Athen und das multikulturelle Paris, die Vorfeuer lodern bereits. Wir werden noch eine kleine Zeit lang von mittlerer Ferne aus beobachten können, wie weit nun die Zivilisation im Süden Europas zurückfällt, wie und wo sich die Wut entlädt und ob aus der Not doch die Tugend erwächst. Dabei sind vier Prozent Minus für die Staatsangestellten nur ein schöner Anfang und das Bestreiken des Pleitebetriebs Staat ein ähnlich schlechter Scherz wie der „Streik“ der hochsubventionierten deutschen Studenten. Ein ökumenisch-orthodoxer Blick nach Norden könnte die heißen Griechen ernüchtern: In Russland haben staatsangestellte Lehrer und Ärzte in ähnlichen Krisenzeiten monatelang auf ihren Hungerlohn gewartet und Studenten mussten für Bildungsleistungen plötzlich bezahlen.

In Griechenland hat heute unsere Zukunft begonnen, die sehr spannend sein wird und im Totalitarismus oder in einem wieder deutlich freiheitlicheren Europa enden wird. Der angekündigte zweitägige Nachrichtenstreik im staatlichen Fernsehen durch griechische Journalisten jedenfalls erinnert an Radio Eriwan. Auf eine solch schöne Meldung, auf die wir leidgeprüften ARD- und ZDF-Zwangszahler hierzulande noch etwas warten müssen, wäre die fristlose Entlassung der Propagandaschreiberlinge eine gerechte und angemessene Antwort. Herr Papandreou, übernehmen Sie!


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