Chris Vigelius

Jahrgang 1975, selbständig in der IT-Branche.

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Verkaufsverbote: Beten statt Einkaufen?

von Chris Vigelius

Menschenrechte für Menschen, nicht für Institutionen

Was haben Ärzte, Krankenschwestern, Gastronomen, Hoteliers, Busfahrer, Lokführer, Piloten, Journalisten, Polizisten, EDV-Administratoren, Prostituierte, Mechaniker, Handwerker, Messebauer, Zimmermädchen, Feuerwehrleute, Fremdenführer, Profisportler, Hostessen, Musiker, Schauspieler, TV-Moderatoren, Bäcker, Blumenhändler, Fabrikarbeiter, Tankwarte, Wachleute und noch viele andere Berufsgruppen gemeinsam? Sie dürfen auch am Sonntag arbeiten. Wenn sie möchten, denn Zwangsarbeit ist in Deutschland verboten. Und das ist auch gut so.

Gar nicht gut ist es dagegen, wenn weltfremde Verfassungsrichter, über deren Arbeitspensum unter der Woche wir hier nicht spekulieren möchten, Angestellten im Einzelhandel -und exakt nur diesen- das gleiche Recht mit fadenscheinigen Begründungen verwehren. Ob ein finanziell klammer Schüler oder Student sich am Sonntag gerne ein paar Euro dazuverdienen möchte, ob ein ungebundener Single die Freizeit am Werktag bevorzugt und die Zulage gerne mitnimmt oder eine Hausfrau und Mutter am Wochenende die Familienkasse aufbessern will, interessiert die Verfassungsrichter dabei offensichtlich genausowenig wie die vielen hunderttausend Menschen, die am letzten Sonntag in Berlin und erst recht im europäischen Ausland, das zum größten Teil überhaupt keine derartigen Regulierungen kennt, die Möglichkeit zum entspannten Weihnachtseinkauf genutzt haben.

Wichtiger als die Bedürfnisse von Menschen sind den Verfassungsrichtern die Kirchen, deren angebliches "Recht" auf Religionsfreiheit dadurch verletzt werden würde, dass sich immer mehr Menschen die Freiheit nehmen, selbst und ohne Einflüsterungen von der Kanzel herab zu entscheiden, wann und wie sie ihr Arbeitsleben und ihre Freizeit gestalten.

Dabei sind immer weniger Deutsche überhaupt Mitglied in einer Kirche. Doch anstatt den Ursachen für den Mitgliederschwund auf den Grund zu gehen und mit zeitgemäßen Angeboten um freiwillige Mitglieder zu werben, setzen die Amtskirchen auf staatlichen Zwang: Mit Ladenschluss, Tanzverbot und sonstigen Gängeleien soll den Schäfchen, wenn man sie schon nicht in den Gottesdienst zwingen kann, wenigstens der Spaß an der alternativen Sonntagsgestaltung verdorben werden.

Das ist nicht nur dämlich, weil sich auf diese Weise wohl kaum irgendjemand "überzeugen" lässt, es ist auch eine Frechheit gegenüber den Menschen, deren Selbstbestimmungsrecht wieder einmal mit Füßen getreten wird.

Menschenrechte, schon die Bezeichnung legt es nahe, sollen das Recht von Menschen schützen, ihr Leben frei und eigenverantwortlich zu gestalten. Und nicht das vermeintliche "Recht" irgendwelcher Institutionen darauf, anderen ihre Vorstellungen aufzupressen.

Allem Jubel gewisser Kreise zum Trotz werden es im Übrigen in ein paar Jahren auch nicht mehr die christlichen Kirchen sein, die im Namen einer falsch verstandenen Religionsfreiheit auf ihr "Recht" zur allgemeinen Bevormundung pochen, sondern islamische Muftis. Wer jetzt gegen die Trennung von Staat und Kirche agitiert, wird ihnen die Mitsprache später kaum verweigern können.

01. Dezember 2009

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Kommentare

em , am 01. Dezember 2009 um 17:25 ( Link )

"Das Verfassungsgericht stellt den Menschen vor das Profitinteresse." (lt. SPON)

"Profitinteresse" scheint sowas zu sein wie "Erschiessungskommando" ... immer gut, davor geschützt zu werden.

Herr Rreh, am 01. Dezember 2009 um 17:50 ( Link )

Das sind ja Zustände hierzulande! Erst wollen die mir verbieten, mit kleinen Kindern rumzumachen, jetzt das hier... wir brauchen wirklich das Kalifat, immerhin war das Osmanische Reich da sehr viel toleranter und so...

Charlotte Stumm, am 01. Dezember 2009 um 17:51 ( Link )

Sie singen ein Loblied für die Aufhebung des Sonntags?
Nennen die Verfassungsrichter blauäugig.
Glauben,dass es nur wegen den Kirchen der Sonntag arbeitsfrei ist?
Sie gehören zu einer bestimmten Menschengruppe,
die den Sinn nicht erkannt haben.
Auch wenn es viele Ausnahmen gibt die am Sonntag arbeiten müßen,so ist der Sonntag doch ein besonderer Tag für alle Menschen.
Würde man ihn zum normalen Wochentag herabstufen und einfach weiterleben als gäbe es ihn nicht,
könnten sie sich nicht vorstellen was sich dann verändern würde.
Am Sonntag normaler Tag am Bau und den Straßen.
Alle Ämter wären auf.
Kein Tag der Freizeit für sehr viele,
sondern nur irgenwann ein freier Tag.
Aber da hat mein Partner nicht frei bekommen.
Der Sonntag ist ein besonderer Tag der Ruhe für die Menschen.
Auch für die ,die nicht beten wollen.
Man müßte ihn erfunden ,
wenn er nicht erfunden worden wäre.
Mir machen Menschen keinen Mut die so denken wie sie es tun und immer mehr werden.
Sie erkennen den Sinn nicht.
Sie wollen das Rad neu erfinden.

Oceans911, am 01. Dezember 2009 um 17:53 ( Link )

Deutschland bleibt weltfremd. Bemerkenswert ist, dass das Gericht in seinem Urteil insbesondere auch das Sozialstaatsprinzip für die Begründung bemüht:

Mit der Gewährleistung rhythmisch wiederkehrender Tage der Arbeitsruhe konkretisiert Art. 139 WRV überdies das Sozialstaatsprinzip.

Die soziale Bedeutung des Sonn- und Feiertagsschutzes und mithin der generellen Arbeitsruhe im weltlichen Bereich resultiert wesentlich aus der - namentlich durch den Wochenrhythmus bedingten - synchronen Taktung des sozialen Lebens.

Wohlgemerkt: es ging hier um das freizügigste Ladenöffnungszeitengesetz aller deutschen Bundesländer, beschlossen ausgerechnet von einer rot-dunkelroten Landesregierung.

Schön finde ich auch Ihre Aussage, dass Polizisten und Feuerwehrleute am Sonntag arbeiten dürfen, wenn sie möchten.

chrisv, am 01. Dezember 2009 um 18:03 ( Link )

Schön finde ich auch Ihre Aussage, dass Polizisten und Feuerwehrleute am Sonntag arbeiten dürfen, wenn sie möchten.

Gezwungen werden dazu jedenfalls ausschließlich Wehr- und Zivildienstleistende. Alle anderen (auch Beamte) haben freiwillig einen Arbeitsvertrag abgeschlossen, der sich jederzeit wieder auflösen und innerhalb gewisser Grenzen oft auch nachverhandeln lässt.

chrisv, am 01. Dezember 2009 um 18:13 ( Link )

@Charlotte:

Glauben,dass es nur wegen den Kirchen der Sonntag arbeitsfrei ist?

Das Bundesverfassungsgericht begründet die Entscheidung jedenfalls so...

Am Sonntag normaler Tag am Bau und den Straßen.
Alle Ämter wären auf.

Bei dem zweiten Satz musste ich ein wenig schmunzeln. Ich glaube nicht, dass wir das je erleben werden - mit Ausnahme von Standesämtern, die machen manchmal tatsächlich Ausnahmen (ohne dass deswegen die Welt untergeht).

Der Sonntag ist ein besonderer Tag der Ruhe für die Menschen.
Auch für die ,die nicht beten wollen.

Ich denke, dass man den Menschen getrost selbst überlassen kann, was sie mit diesem Tag anfangen möchten. Nicht jeder lebt in den gleichen Verhältnissen - und im übrigen heisst Sonntagsverkauf ja nicht, dass jeder jeden Sonntag arbeiten muss. Da muss man halt vernünftige Schichtpläne machen und sich ein wenig koordinieren, dann klappt das auch, wie bei den genannten Berufsgruppen. In denen in Summe übrigens deutlich mehr Menschen beschäftigt sind als im Einzelhandel, schon allein deswegen verstehe ich nicht wieso ausgerechnet um den so ein großes Aufheben gemacht wird.

Veritas, am 01. Dezember 2009 um 18:23 ( Link )

Schöner Artikel!

Sie zählen hier definitiv
zu meinen Lieblingsautoren.

Elisabeth, am 01. Dezember 2009 um 18:36 ( Link )

Zu meinen auch.

Elisabeth, am 01. Dezember 2009 um 18:41 ( Link )

Ich bin gespannt, wie sich Herr Lichtschlag zum Thema äußern wird. Daß er früher für eine Freigabe der Ladenöffnungszeiten war, ist mir bekannt. Aber nach der Wendung zum Super-Christen, ist es durchaus interessant, was da kommen wird.

Kurt_G Fördermitglied, am 01. Dezember 2009 um 19:53 ( Link )

ein Recht auf Arbeit gibt es nicht. Aber seit heute ein Recht auf Faulheit und Arbeitslos.

Wie krank muß der Mensch sein welcher solche Scheiße verkündet?

5 - 6 Millionen Arbeitslose sind wohl noch nicht genug? 5 - 6 Millionen Arbeitslose haben wir in Deutschland ... Und das BvFG verkündet das Recht auf Nichtarbeit. Sorry - Verbot zur Arbeit.

man - man - man - man

Es gibt viele Menschen die gerne Sonntags arbeiten würden - wollen - ja müßten ...

Und ein hirnloser Beamtenapparat in Karlsruhe lanciert die Deutschen - auf Anordnung der Kirche und Gewerkschaften - in die Arbeitslosgkeit. Staatlich gemachte Armut und Arbeitlosigkeit. Arbeitsverbote gabs unter Hitler auch schon ... Nichts neues aus Karlsruhe. Entseucht den Saustall Deutschland.

Mein Gott Walli - wen hast du da geboren ??

rechtsvorlinks , am 02. Dezember 2009 um 0:29 ( Link )

mann o mann Chris was für 'ne 'Headline',- warum nicht:
"Konsum statt Familie"
In Spanien haben die Kaufhäuser und wer will bis sabado 22uhr geöffnet, völlig ausreichend für die Bevorratung des täglichen Bedarf.
Für mich wäre es keineswegs ein Einkaufserlebnis am Sonntag einer müden Schichtverkäuferin die Kartoffeln zu bezahlen,(die ich Samstag vergessen habe)
Als Christ, nicht Bibelchrist, sollte man nicht alles was christliche Werte beinhaltet verdammen.
Wir sind doch auch bemüht die 10 Gebote zu leben und nach jenen G-Gesetzen die der Bibel entnommen sind, oder ?
Das die "Kirche" sich hier und ihr klassischer Gegner die Gewerkschaft sich zum Wortführer machen ist mir sowas von sch.-egal.

Charlotte Stumm hat alles gesagt was Atheisten, Singles und Konsumfetischisten nicht passt.
Liberalismusexzess, perdone.

JohnGalt, am 02. Dezember 2009 um 7:15 ( Link )

Bei uns in NRW dürfen Trödelmärkte erst um 11.00 Uhr beginnen:
§ 5 Gesetz über die Sonn- und Feiertage (Feiertagsgesetz NW)

Verbotene Veranstaltungen
(1) …
(2) Soweit Märkte an Sonn- und Feiertagen zugelassen sind, dürfen sie erst nach der ortsüblichen Zeit des Hauptgottesdienstes beginnen. Die ortsübliche Zeit des Hauptgottesdienstes wird von der örtlichen Ordnungsbehörde im Einvernehmen mit der Kirche festgelegt; sie darf zwei Stunden nicht überschreiten und muß in der Hauptzeit des Gottesdienstes liegen.
http://www.nensel-kalender.de/nk/quellen/feiertage/nw/19890510.html

Wer schon nicht zur Kirche trabt, soll sich wenigstens in dieser Zeit auch nicht anderweitig verlustieren.
Und ich dachte, das Mittelalter sei vorbei...

Daniel Hartmann, am 02. Dezember 2009 um 9:30 ( Link )

Hayek hat immer wieder betont, wie wichtig der Schutz gewachsener Institutionen und Traditionen gerade für eine freie Gesellschaft ist. Die Sonntagsruhe ist eine solche Institution, die im Laufe von Jahrhunderten als für die Gesellschaft sinnvoll und deshalb schützenswert erkannt wurde.

Daß wir einen Rhythmus brauchen, der nicht nur dem Individuum, sondern der Gemeinschaft aller Menschen ein Durchatmen ermöglicht, kann eigentlich auch von einem Erzlibertären kaum bestritten werden. Die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung läßt sich ganz ohne Rückgriff auf religiöse Argumentation begründen: Wir sind nicht nur Individuen, sondern eben auch und in sehr starkem Maße Gemeinschaftswesen. Aus diesem Grund muß ein so wichtiges Gut wie die Ruhe auch gemeinschaftlich erfahrbar bleiben.

So wenig ich in der Lage bin, mich mit einem Menschen zu unterhalten, der permanent an seinem Mobiltelefon herumspielt, so wenig kann ich echte Ruhe genießen, wenn in meiner Umgebung keine Übereinkunft bezüglich Ruhezeiten herrscht.

Es tut der Freiheit keinerlei Abbruch, wenn eine Gesellschaft im Laufe der Zeit übereinkommt, daß ein periodischer Ruhetag dem Wohl aller dienlich ist. Abschaffen kann man eine Institution wie den arbeitsfreien Sonntag freilich schnell, aber wenn man dereinst feststellen wird, daß man seiner doch bedarf, wird es ungleich schwerer sein, ihn wieder einzusetzen. Gute Traditionen wachsen nämlich nicht von heute auf morgen.

Dziamdzia, am 02. Dezember 2009 um 9:32 ( Link )

"Sie dürfen auch am Sonntag arbeiten. Wenn sie möchten, denn Zwangsarbeit ist in Deutschland verboten. Und das ist auch gut so."

Es ist ja schön dass Sie versuchen den Eindruck zu erwecken, dass Arbeitnehmer die am Sonntag arbeiten dies nur aus Spass und Langeweile tun, Herr Vigelius - aber wer soll Ihnen diesen Schwachsinn eigentlich glauben? Wer am Sonntag arbeitet, der tut das in einem von Arbeitslosen und Arbeitssuchenden überbevölkerten Staat aus Konkurrenzdruck und nicht aus Spaß an der Freud. Um mal ein reales Beispiel zu nennen: Die Mitarbeiter einer Betreuungsgesellschaft, die ambulante Betreuung für psychisch Kranke anbietet, MÜSSEN auch nicht am Wochenende arbeiten. Es wird nur praktisch so gehandhabt, dass man dort rausfliegt wenn man es nicht tut. Aber klar, das sind bestimmt alles nur klamme Studenten die sich einen Euro dazuverdienen wollen, und Singles die ihre freien Tage lieber in der Woche nehmen... man könnte ja lachen über diese absurde Vorstellung wenn's nicht so traurig wäre dass Sie das anscheinend ernsthaft glauben. Erstaunlicherweise können Sie sich als Vertreter eines besonders liberalen Kapitalismus offenbar überhaupt nicht vorstellen, dass gerade im Einzelhandel ein besonderer Konkurrenzdruck entsteht wenn erstmal die ersten Länden auch Sonntags geöffnet sind - vielleicht ein Konkurrenzdruck bei dem anstelle Ihres blauäugigen Freiheitsgeschwafels am Ende nichts als purer wirtschaftlicher Zwang steht.

"Doch anstatt den Ursachen für den Mitgliederschwund auf den Grund zu gehen und mit zeitgemäßen Angeboten um freiwillige Mitglieder zu werben, setzen die Amtskirchen auf staatlichen Zwang"

Um den Schwachsinn abzurunden musste am Ende auch noch ein Schuss Verschwörungstheorie dazu, war ja klar. Dass die Kirchen sicherlich nicht auch nur um 1 Person voller sein werden durch diesen Entschluss haben Sie ja sogar selbst begriffen. Dann wäre es doch nur ein winziger Schritt gewesen, den logischen Schluss zu ziehen dass es den Kirchen augenscheinlich um etwas ganz anderes ging. Wie Sie vielleicht schonmal gehört haben, liegt es dem Juden- und Christentum ganz besonders daran, dass es in der Woche wenigstens einen Tag gibt an dem verdammtnochmal NICHT gearbeitet wird. Das können Sie durch Ihre vulgärliberale Brille gerne als Freiheitsberaubung ansehen - in Wirklichkeit beraubt es Sie einzig und allein der Freiheit, sich restlos zu einem Arbeitssklaven zu machen.

"Menschenrechte, schon die Bezeichnung legt es nahe, sollen das Recht von Menschen schützen, ihr Leben frei und eigenverantwortlich zu gestalten"

Richtig. In einer Welt in der nur noch Profit zählt, wird dieses Recht aber zunehmend unter die Räder kommen. Sie fordern hier eine Scheinfreiheit ein. Genauso wie jene Vulgärliberalen die eine völlige Liberalisierung aller Drogen wollen - und nicht verstehen dass die Freiheit, Heroin zu nehmen eine Scheinfreiheit ist, weil Sie direkt in die Abhängigkeit führt in der sie nicht mehr Drogen nehmen KÖNNEN sondern Drogen nehmen MÜSSEN. Genauso führt Ihre Scheinfreiheit des Einzelhandels, auch Sonntags zu öffnen, aufgrund des Konkurrenzdrucks geradewegs in den ZWANG auch Sonntags geöffnet haben zu MÜSSEN - weil der Laden nebenan es ja genauso macht.

"Allem Jubel gewisser Kreise zum Trotz werden es im Übrigen in ein paar Jahren auch nicht mehr die christlichen Kirchen sein, die im Namen einer falsch verstandenen Religionsfreiheit auf ihr "Recht" zur allgemeinen Bevormundung pochen, sondern islamische Muftis"

Neuerdings scheint ef zum Tummelplatz für selbsternannte Propheten zu werden...

Kurt_G Fördermitglied, am 02. Dezember 2009 um 9:32 ( Link )

rechtsvorlinks

Sie sind scheinbar auch so ein Erholungs- und Betvorschreiber des anlaufenende neuen Mittelalter. Wie ich mich erhole - und das kann selbstredend auch beim shopping - um im einschlägigen Anglezism zu verweilen, ist allein meine Sache und nicht die eines Gottes oder Sache einer Terrorideolgie die sich Religion oder Christentum nennt.

Ich bin im übrigen kein Christ, kein Jude, kein Moslem auch kein gläubiger Atheist.

Ich bin Agnostiker und Satan sei Dank - frei von religiösen Ideologien.

Noack, am 02. Dezember 2009 um 9:48 ( Link )

Hervorragender Artikel! Ich finde es abscheulich, wie sich die Kirchen an den sozialdemokratischen Zeitgeist anbiedern und darauf spekulieren, dass man Menschen ohne Kirchenbindung (oder auch faule Säcke) mit einem freien Sonntag ködern könnte. Statt sich um den Kern von Glaubensfragen zu kümmern, wird stets der (für mehr oder weniger Menschen) arbeitsfreie Sonntag oder die zu bekämpfende (deutschland- oder weltweite) Kinderarmut in den Mittelpunkt gestellt. Das kommt doch so gut an! Denken manche.

Daniel Hartmann, am 02. Dezember 2009 um 9:53 ( Link )

Ich finde es abscheulich, wie sich die Kirchen an den sozialdemokratischen Zeitgeist anbiedern und darauf spekulieren, dass man Menschen ohne Kirchenbindung (oder auch faule Säcke) mit einem freien Sonntag ködern könnte.

Liebes Noack,

es gibt Dinge, die sind schützenswert, selbst wenn sich die falschen Leute an ihrem Schutz beteiligen.

Noack, am 02. Dezember 2009 um 11:01 ( Link )

Die Rolle des Schutzpatrons ist zumindest beim Sonntagsthema nur vorgeschoben. Hier stimme ich Herrn Vigelius und seinen Argumenten voll zu. Wenn es den Kirchen dabei wirklich um den religiösen Aspekt ginge, dann müssten sie auch viele sonntägliche Vergnügungen außer dem bösen Shoppen verurteilen, weil diese voraussetzen, dass andere Menschen dafür zu arbeiten haben. Dass beispielsweise Restaurants und Kneipen sonntags geöffnet sind, fordern auch die meisten christlichen Sonntagsausflügler. Ehrlicher wenn auch viel weniger populär wäre es m.E., wenn die Kirchen zur allgemein verbindlichen Einhaltung der Sonntagsruhe und den Besuch des Gottesdienstes unter Verweis auf die christliche Lehre aufrufen würden. Aber nein, es wird an den gesetzlich vorgeschriebenen Ladenöffnungszeiten festgemacht - für mich ein scheinheiliges und ängstliches Verhalten. Oder andersherum: Warum fordern die Kirchen von den Gläubigen nicht ganz klar, dass sie sonntags gefälligst nicht einzukaufen haben?

Daniel Hartmann, am 02. Dezember 2009 um 11:08 ( Link )

Ehrlicher wenn auch viel weniger populär wäre es m.E., wenn die Kirchen zur allgemein verbindlichen Einhaltung der Sonntagsruhe und den Besuch des Gottesdienstes unter Verweis auf die christliche Lehre aufrufen würden.

Das tun die Kirchen seit Jahren, siehe z.B.:
http://www.ekd.de/sonntagsruhe/

Veritas, am 02. Dezember 2009 um 11:39 ( Link )

Freiheit ja, aber nur es es (mir) passt...

Eine jämmerliche Position mit der sich kein Blumentopf gewinnen lässt. Aber die Saat fehlt wohl sovieso.

und nicht verstehen dass die Freiheit, Heroin zu nehmen eine Scheinfreiheit ist...

Gratulation. Sie machen sich damit tausender Tote auf der ganzen Welt mitschuldig. Denn erst die durch den Schwarzmarkt bedingte schlechte Qualität führt meist erst zum Leiden.

In einer Welt in der nur noch Profitzählt...

Einer der Gründe, warum ich Anhänger des Liberalismus bin. Dort können sich sich es leisten, auch mal weniger zu arbeiten, müssen sich nicht ständig mit Inflationsgeld und erzwungener Arbeitslosigkeit herumschlagen.

chrisv, am 02. Dezember 2009 um 11:42 ( Link )

@Daniel Hartmann:
In Heidelberg an der Heiliggeistkirche (und vermutlich nicht nur dort) erlaubt die Kirche den dort angebauten Andenkenbuden auch sonntags den Verkauf. Und im Inneren verkauft sie sogar selbst Bücher. Ganz offensichtlich ist man dort also deutlich flexibler, wenn es um die Abwägung eigener Einnahmeinteressen mit der reinen Lehre geht.

Kann nicht irgendjemand mal den Kirchen einen Anteil an z.B. Karstadt oder ECE verkaufen? Das könnte uns einiges an unnützem Ärger ersparen...

chrisv, am 02. Dezember 2009 um 11:58 ( Link )

...und der zu 100% in kirchlichem Besitz befindliche Weltbild-Verlag verführt die Schäfchen mit einer speziellen "7 Tage, 7 Schnäppchen" Aktion zum sündigen Sonntagseinkauf per Internet. Kaum zu glauben, dass dort sonntags niemand die Server betreut; mit großer Wahrscheinlichkeit arbeitet sogar der komplette Versand am heiligen Ruhetag, wie bei den meisten größeren Versendern, anders bekommt man das logistisch auch kaum hin.

Was mich allerdings doch brennend interessieren würde, ist ob die Berliner Filialen von Weltbild das lukrative Sonntagsgeschäft einfach so klaglos der weltlichen Konkurrenz überlassen. Falls eine Leserin oder ein Leser aus Berlin da nächsten Sonntag mal nachschauen mag, würde ich mich über eine kurze Nachricht freuen (informant@ef-magazin.de). Hier gibt's eine Liste der Filialen...

Daniel Hartmann, am 02. Dezember 2009 um 13:17 ( Link )

Herr Vigelius,

daß die Sonntagsruhe heute weitgehend ausgehöhlt ist und auch von denen nicht respektiert wird, die sie eigentlich schützen sollten, spricht nicht gegen den gesellschaftlichen Nutzen einer solchen Einrichtung.

Würden Sie je argumentieren, die Freiheit sei schlecht, weil auch freiheitsliebende Menschen zuweilen Dinge tun, die der Freiheit abträglich sind? Bitte argumentativ redlich bleiben!

Im übrigen führen Sie eine Scheindebatte. Wir können heute wochentags bis 22.00 Uhr einkaufen und samstags vielerorts bis 20.00 Uhr. Gerade das Ladenschlußgesetz hat in den vergangenen Jahren eine erfreuliche Liberalisierung erfahren. Es gibt genügend andere Schlachtfelder, auf denen Sie Ihr Freiheitsschwert zu größerem Nutzen schwingen können.

rechtsvorlinks , am 02. Dezember 2009 um 13:59 ( Link )

Eigentlich schade das wo auch das Thema Kirche Papst oder Christen "diskutiert" wird, die Sachlichkeit dem Schlagabtausch von Tiraden Platz macht. Nur bei PI sind die Hassprofis noch besser drauf.
Gut ,auch ich hätte mir "Liberalismusexzess" verkneifen können, habe mich aber vorsorglich entschuldigt und bin niemand persönlich nahe getreten.
Vorschlag.
Können nicht einmal Agnostiker, Atheisten und wie ich als kein Bibelchrist sich eine Stunde Gottesdienst anhören um im Anschluß am Stammtisch die tagespolitischen und oder regionalen Probleme erörtern ?
Bei einem Glas wird die Zunge leicht und vom "verbohrten" Bibelchrist und "Gutmenschen" erfährt man plötzlich von Nöten und Befürchtungen die man selber hat.
Betrachtet man die Kirche als Anlaufstelle um wieder zu einer Gemeinde zu werden, fällt es auch leichter, nicht nur den Nachbarn zu grüßen sondern auch wieder mit ihm zu sprechen.
Das ist verloren gegangenes Terrain, Ergebnis der Reedukation und Mikronisierung dieser Gesellschaft'mbH (vormals Volk)
Sollte es darüberhinaus gelingen, wie es auf dem Land tlw. noch üblich ist, den Pfarrer mitzunehmen, kann man die (GöhringEckard) Kirche von unten aufrollen ohne ein Glaubensbekenntnis ablegen zu müssen. Ein Forum entsteht.
Wohlan Landsleute sagt ein,- kein Betriebsangehöriger dieser GmbH de.

Viscount, am 03. Dezember 2009 um 9:31 ( Link )

@Daniel Hartmann

Im übrigen führen Sie eine Scheindebatte.

Warum? Weil's Ihnen gerade nicht paßt oder wie darf man das verstehen? Mit diesem Argument könnte man jede Problematisierung beliebig vertagen, denn es gibt subjektiv für jeden immer etwas Wichtigeres als das, was anderen gerade Bemerkenswert erscheint.

Im übrigen stimmt es auch nicht, was Sie schreiben: In Bayern beispielsweise dürfen die Läden werktags nur bis maximal 20.00 Uhr öffnen, danach ist Schluß, auch denn die FDP gerade versucht, das zu ändern (und auf den erbitterten Widerstand der CSU trifft).

Ich zB fand den Artikel von Herrn Vigelius durchaus gelungen, und das geht mir nicht zum ersten Mal so — das schreibe ich wohlgemerkt nicht als Atheist (warum muß man sich denn hier eigentlich immer den Atheisten geben, wenn man zugunsten der Freiheit argumentiert?).

Hat sich eigentlich jemand tatsächlich mal die Begründung des Gerichts zur Brust genommen? Ich finde es teilweise bemerkenswert, auf welche Argumente man da trifft. Im übrigen ist es keineswegs so, daß nun ein für allemal der heilige Sonntag unantastbar bliebe. Wie ich die Sache sehe, hat das Gericht einfach nur Änderungsbedarf erkannt, dem der Landesgesetzgeber nun nachgehen solle — und zwar mit dezidiert weitem Ermessenrahmen.

Martin Möller, am 03. Dezember 2009 um 19:53 ( Link )

Ja, Beten statt Einkaufen. Das ist der Beginn der Freiheit.

familienwehr.de , am 07. Dezember 2009 um 13:52 ( Link )

Genau dieser bindungs-, beziehungs- und besinnungslose westliche Hedonismus, der die Notwendigkeit von gemeinsamen Zeiten der Besinnung verabscheut und den Herr Vigelius nebst seiner Claqeure repräsentiert ist es, der den Okzident gegenüber dem Orient in die Defensive bringt.
Gott behüte uns vor einer libertären Ordnung der seelischen Entwurzelung.


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