Chris Vigelius

Jahrgang 1975, selbständig in der IT-Branche.

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Verkaufsverbote: Beten statt Einkaufen?

von Chris Vigelius

Menschenrechte für Menschen, nicht für Institutionen

Was haben Ärzte, Krankenschwestern, Gastronomen, Hoteliers, Busfahrer, Lokführer, Piloten, Journalisten, Polizisten, EDV-Administratoren, Prostituierte, Mechaniker, Handwerker, Messebauer, Zimmermädchen, Feuerwehrleute, Fremdenführer, Profisportler, Hostessen, Musiker, Schauspieler, TV-Moderatoren, Bäcker, Blumenhändler, Fabrikarbeiter, Tankwarte, Wachleute und noch viele andere Berufsgruppen gemeinsam? Sie dürfen auch am Sonntag arbeiten. Wenn sie möchten, denn Zwangsarbeit ist in Deutschland verboten. Und das ist auch gut so.

Gar nicht gut ist es dagegen, wenn weltfremde Verfassungsrichter, über deren Arbeitspensum unter der Woche wir hier nicht spekulieren möchten, Angestellten im Einzelhandel -und exakt nur diesen- das gleiche Recht mit fadenscheinigen Begründungen verwehren. Ob ein finanziell klammer Schüler oder Student sich am Sonntag gerne ein paar Euro dazuverdienen möchte, ob ein ungebundener Single die Freizeit am Werktag bevorzugt und die Zulage gerne mitnimmt oder eine Hausfrau und Mutter am Wochenende die Familienkasse aufbessern will, interessiert die Verfassungsrichter dabei offensichtlich genausowenig wie die vielen hunderttausend Menschen, die am letzten Sonntag in Berlin und erst recht im europäischen Ausland, das zum größten Teil überhaupt keine derartigen Regulierungen kennt, die Möglichkeit zum entspannten Weihnachtseinkauf genutzt haben.

Wichtiger als die Bedürfnisse von Menschen sind den Verfassungsrichtern die Kirchen, deren angebliches "Recht" auf Religionsfreiheit dadurch verletzt werden würde, dass sich immer mehr Menschen die Freiheit nehmen, selbst und ohne Einflüsterungen von der Kanzel herab zu entscheiden, wann und wie sie ihr Arbeitsleben und ihre Freizeit gestalten.

Dabei sind immer weniger Deutsche überhaupt Mitglied in einer Kirche. Doch anstatt den Ursachen für den Mitgliederschwund auf den Grund zu gehen und mit zeitgemäßen Angeboten um freiwillige Mitglieder zu werben, setzen die Amtskirchen auf staatlichen Zwang: Mit Ladenschluss, Tanzverbot und sonstigen Gängeleien soll den Schäfchen, wenn man sie schon nicht in den Gottesdienst zwingen kann, wenigstens der Spaß an der alternativen Sonntagsgestaltung verdorben werden.

Das ist nicht nur dämlich, weil sich auf diese Weise wohl kaum irgendjemand "überzeugen" lässt, es ist auch eine Frechheit gegenüber den Menschen, deren Selbstbestimmungsrecht wieder einmal mit Füßen getreten wird.

Menschenrechte, schon die Bezeichnung legt es nahe, sollen das Recht von Menschen schützen, ihr Leben frei und eigenverantwortlich zu gestalten. Und nicht das vermeintliche "Recht" irgendwelcher Institutionen darauf, anderen ihre Vorstellungen aufzupressen.

Allem Jubel gewisser Kreise zum Trotz werden es im Übrigen in ein paar Jahren auch nicht mehr die christlichen Kirchen sein, die im Namen einer falsch verstandenen Religionsfreiheit auf ihr "Recht" zur allgemeinen Bevormundung pochen, sondern islamische Muftis. Wer jetzt gegen die Trennung von Staat und Kirche agitiert, wird ihnen die Mitsprache später kaum verweigern können.

01. Dezember 2009

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