Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Cyberkrieg der Klimaforscher: In Norwich wurden keine Dateien geklaut

von Edgar L. Gärtner

Es gibt eine ganz banale Erklärung für "Climategate"

“Climategate” wird dem Mythos der globalen Erwärmung wahrscheinlich noch kein Ende bereiten. Dennoch lag Starblogger James Delingpole wohl richtig, als er schon in seinem ersten Blog nach dem Auftauchen verräterischer Dateien aus der britischen Climate Research Unit (CRU) in Norwich im Web seinen Lesern empfahl: „Wenn Sie Aktien von Unternehmen der Erneuerbaren-Energien-Branche besitzen, dann stoßen Sie sie jetzt ab!“ Tatsächlich hatte mir ein befreundeter Investment-Banker, ohne Details zu verraten, schon zuvor gesteckt, dass die Finanzierung grüner Projekte für seinen Arbeitgeber nicht mehr vorrangig ist.

Deshalb halte ich das am 24. November vom britischen Met Office, dem Umweltforschungsrat und der Royal Society gemeinsam veröffentlichte „Climate science statement“ und die am gleichen Tag von Drahtziehern des IPCC veröffentlichte „Kopenhagen Diagnose“ für ebenso lächerliche wie aussichtslose Versuche, mit dem Klima-Geschäft fortzufahren, als sei nichts gewesen.

Alles spricht inzwischen übrigens dafür, dass in Norwich keine Hacker am Werk waren, die vom Server der CRU geheime Daten geklaut haben. Der am 19. November im Web aufgetauchte zip-Folder „FOI.2009.zip“ enthält sorgfältig ausgewählte Dateien, die von kundiger Hand zusammengestellt worden sein müssen, um einer Anfrage auf der Grundlage des britischen Informationsfreiheitsgesetzes (FOI) nachzukommen. Hacker hätten dafür Wochen gebraucht. Ich weiß nicht, wer den kompromittierenden Folder im Internet zugänglich gemacht hat und kenne auch nicht sein Motiv. Aber es scheint mir sicher, dass seine Tat der internationalen Großfinanz nicht missfiel, denn diese steht zurzeit vor ganz anderen Herausforderungen.

Das kann aber reine Spekulation sein, denn der US-Klima-Blogger Anthony Watts hat zusammen mit dem kanadischen Ökonometriker Steve McKitrick eine viel banalere Erklärung für den Datenverlust des CRU gefunden. McKitrick selbst hatte nämlich vor Gericht eine FOI-Anfrage angestrengt. Es scheint, dass CRU-Chef Phil Jones selbst das genannte zip-Dossier zusammengestellt hat, um gewappnet zu sein für den Fall, dass McIntyres Antrag nicht vom Gericht abgelehnt wird. Tatsächlich wurde der Antrag des Kanadiers am 13. November 2009 zurückgewiesen. Die letzte in der zip-Datei „FOI2009“ enthaltene e-mail stammt vom 12. November. Jones hat den zip-Folder vermutlich auf einem offenen FTP-Server vergessen. Dort waren die vertraulichen Dateien über das CRU-Intranet zugänglich.

Internet:

James Delingpoles Blog

Climate Science Statement

The Copenhagen Diagnosis

Anthony Watts banale Erklärung

Steve McIntyres FOI-Antrag

25. November 2009

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Kommentare

Tobias , am 25. November 2009 um 16:49 ( Link )

Die Eigentümer des Zweifels hätten sich keine bessere Werbung für ihr Produkt ausdenken können, als diese Posse über das Klima.

Leider werfen die aktuellen Debatten ein schlechtes Licht auf Forscher und Wissenschaftler, die sich irgendwie finanzieren müssen. Jeder dient seinem Herrn, nur (viel zu) wenige finanzieren sich über Produkte oder freie Träger.

Zur Klimaforschung: Mit ihren Modellen sollten die (dann) konkurrierenden Institute Vorhersagen über Tage, Wochen und Monate treffen, sodaß Ihre Theorien experimentellen (Temp., Niederschlag, Windgeschw.) Kontrollen unterzogen werden können.

(Nur) Wer die vergangenen 10 Jahre "richtig" voraussagte, der hat das Recht die nächsten Zehn zu prognostizieren usw.!

Auch sollten die Begriffe Wissenschaft und Forschung nur für Bereiche verwendet werden, die wissenschaftlich arbeiten. Tricks, Betrug und Verschwörung gehören nicht zum Kanon!

topal, am 29. November 2009 um 0:36 ( Link )

Eine Variante der Erklärung könnte auch sein, dass Jones, im Hinblick auf eine Datenfreigabe aufgrund der FOIA-Anfrage, versucht hat, kompromittierende Informnation zu entfernen, zu . Er wollte sie aber nicht unwiederbringlich löschen sondern hat sie auf einem FTP-Server in den Schatten gestellt. Offenbar wurde vergessen, diesen Server abzudichten.

Um einen FOIA-Anspruch zu erfüllen, müsste die Auswahl der Dateien durch ein "unabhängiges" Gremium innderhalb der Organisation erfolgen, nicht durch die betroffenden Mitarbeiter selbst.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass Jones nur inkriminierendes Material herausrücken wollte, obwohl es ihm vermutlich leicht gefallen wäre, diese unbequemen Wahrheiten in einer Flut von ganz normalen Emails zu verdünnen. Die FOIA-Anfragen von McIntyre und McKitrick bezogen sich nur auf die Daten und Methoden und nicht auf interne Korrespondenz.

Edgar L. Gärtner, am 29. November 2009 um 14:51 ( Link )

@topal: Klingt in der Tat auch logisch. Was genau passiert ist, wird man vielleicht nie erfahren, obwohl ja jetzt offizielle Untersuchungsausschüsse beantragt wurden. Jedenfalls scheint klar zu sein, dass die Dateien nicht von außerhalb des CRU, d.h. durch Hacker zusammengestellt wurden.


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