Chris Vigelius

Jahrgang 1975, selbständig in der IT-Branche.

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Baden-Württemberg: Tigerente im Verbotsrausch

von Chris Vigelius

CDU und FDP vereint gegen das Laster

„Erst wenn die letzte Tankstelle geschlossen ist, werdet Ihr merken, dass Greenpeace nachts kein Bier verkauft" - dieser alte Kalauer dürfte sich nach dem Willen von CDU und FDP ab März nächsten Jahres zumindest im Südwesten bewahrheiten. Dort werden die Tankstellen zwar nicht direkt geschlossen, aber Bier dürfen sie ab 22:00 genau so wenig verkaufen wie andere alkoholische Getränke. So will es jedenfalls ein Gesetz, das gestern mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition sowie der SPD-Fraktion im Landtag verabschiedet wurde. Dagegen stimmten lediglich die Grünen sowie Ulrich Noll und Heiderose Berroth von der FDP, denen diesmal die Rolle des liberalen Feigenblatts zukam. Der Rest der Fraktion steht geschlossen hinter dem Verbot, auch wenn man nach Aussage des innenpolitischen Sprechers, Hagen Kluck, „nicht so recht überzeugt“ von dessen Wirksamkeit wäre. So was nennt man dann wohl Realpolitik.

Nun muss man tatsächlich nicht besonders lange nachdenken, um erhebliche Zweifel nicht nur an der Wirksamkeit des geplanten Verbots zu bekommen: Um den offiziell verkündeten Zweck, die Bekämpfung des angeblich epidemisch verbreiteten „Komasaufens“ unter Jugendlichen, zu erfüllen, bräuchte es gar kein neues Gesetz. Denn der Verkauf (harter) Alkoholika an Jugendliche ist schon seit Jahrzehnten verboten - rund um die Uhr und bundesweit. Doppelt verboten hält besser? Das erinnert an entsprechende Bemühungen von Kommunen und Bahngesellschaften, die glauben, dass (ebenfalls illegale) Pöbeln und Randalieren nur mit Hilfe eines Alkoholverbotes verhindern zu können. Wie sich das gegen eine potentiell viel größere Zahl von Menschen durchsetzen lassen soll, wo man doch offenbar schon einer relativ kleinen und gut abgrenzbaren Gruppe nicht Herr wird, bleibt einstweilen das Geheimnis der Prohibitionisten - genau wie die Frage, ob diejenigen Tankstellenpächter und Supermarktbetreiber, die nach Auffassung von schwarz-gelb schon das Jugendschutzgesetz fröhlich ignorieren, sich wohl an das Verkaufsverbot halten werden.

Möglicherweise gibt es die klammheimlichen Anarchisten hinter der Ladentheke aber auch gar nicht. Günther Oettinger, Heribert Rech und andere Verbieteriche mögen niemals jung gewesen sein, der Autor dieser Zeilen erinnert sich dagegen noch ganz genau, wie es früher war: Da gab es zwar keine nächtlichen Alkoholverbote, dafür aber auch keine rund um die Uhr geöffneten Tankstellen. Gesoffen wurde natürlich trotzdem, die dafür erforderlichen Alkoholika besorgte man sich eben vorher. Und zwar im Supermarkt, denn als Jugendlicher hat man wenig Geld und Tankstellensprit war zu allen Zeiten vergleichsweise teuer, Discounter boten und bieten wesentlich mehr Promille für den Euro (oder die Mark). Volljährige Bekannte oder ältere Geschwister -gegebenenfalls gegen entsprechende Kompensation- für den kritischen Teil des Einkaufs einzuspannen, war damals genausowenig ein Problem wie es das vermutlich heutzutage ist. Wer sich also besaufen will, egal ob jung oder alt, der wird das weiterhin tun können, und sich spätestens beim zweiten Mal von vorneherein einen größeren Vorrat anlegen.

Was übrigens keineswegs heißen soll, dass der von den Objekten der Protektion routinemäßig ignorierte Jugendschutz komplett sinnlos wäre: Ohne Verbot wären heimliche Trinkgelage höchstens halb so aufregend und interessant. Der Preis der übermäßigen Zecherei, neben einer empfindlichen Schmälerung des Geldbeutels bekanntlich Kopfschmerzen und Übelkeit, lohnt sich nämlich nur, wenn man dafür wenigstens ein gutes Stück gefühlte Rebellion bekommt. Was erlaubt ist, ist oft genug eben auch langweilig, wie man nicht zuletzt langjährige Kiffern in Kalifornien berichten, die angesichts der de-facto-Legalisierung im Sonnenstaat der revolutionären Romantik hinterhertrauern, die einst mit dem Cannabiskonsum verbunden war.

Steckt hinter dem schwäbisch-pietistischen Verbotsgehabe, in dessen Visier nach dem Tabakgenuss und der käuflichen Liebe zum Pauschalpreis (ef berichtete) nunmehr auch der Alkohol gerät, in Wahrheit also nichts weiter als ein raffinierter Plan, um Rauchern, Trinkern und Flatratefreiern die klammheimliche Freude an ihrem jeweiligen Laster zurückzugeben? Ausschließen lässt sich das nicht, wesentlich wahrscheinlicher dürfte jedoch eine weit profanere Motivation sein: Vor allem die Wirte in Baden-Württemberg haben seit Jahren mit Umsatzrückgängen zu kämpfen, ein Trend, der sich mit der Einführung des landesweiten Rauchverbots stark beschleunigt hat. Während die meisten Wirte bis heute auf die von der Rauchverbotslobby versprochenen Heerscharen an Nichtrauchern und Familien warten, die angeblich in die Kneipen einfallen würden, wäre nur der schlimme Rauch endlich abgezogen, lässt sich so mancher Tabakfreund sein Bierchen mittlerweile lieber im Privaten schmecken - wo es nicht nur gemütlicher ist als unter dem Heizpilz vor der zwangsenträucherten Eckkneipe, sondern obendrein auch noch deutlich billiger.

Genau diese Klientel soll nun, so das mutmaßliche Kalkül der dem Gastgewerbe traditionell besonders verbundenen Südwest-FDP, mit Hilfe des Alkoholverbots wieder in die Kneipe gezwungen werden. Denn die dürfen selbstverständlich nach wie vor nachts Alkohol verkaufen. Sogar ein wenig länger als vorher: Zusätzlich zum Verbot für die Konkurrenz bekam die Klientel des zielgruppenspezifischen Liberalismus nämlich auch noch ein Zuckerle in Form einer Verlängerung der Sperrzeiten. Was von Seiten der FDP auch vor einigen Monaten ganz stolz als große Errungenschaft gefeiert wurde. Aus der Reihe tanzten dabei lediglich die Jungliberalen: „Selten hat man sich für eine Debatte im Landtag von Baden-Württemberg so geschämt“, heißt es in einer Pressemitteilung, und „selten war ein Kuhhandel offensichtlicher ein Witz und die Ausnahmen für kräftige Besäufnisse in Kneipen und auf Volksfesten beim eigenen Wählerklientel so durchschaubar“. Dem ist wohl kaum etwas hinzuzufügen.

Internet

05. November 2009

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Kommentare

Marc , am 05. November 2009 um 15:04 ( Link )

Was ist eigentlich aus dieser "Libertären Plattform" geworden? Existiert die auch außerhalb des Internet?
Ich meine, ernsthaft. Keine rhetorische Frage.

(Da fällt mir ein, daß mal einer von deren Sympathisanten meinte, sie müsste eigentlich umbenannt werden: "Liberale in der FDP." :P)

Marc , am 05. November 2009 um 15:05 ( Link )

Nachtag: Ups, diese Formel ("Liberale in der FPD") findet sich ja selbst in den Internetquellen des Artikels. *Hüstel*

chrisv, am 05. November 2009 um 15:21 ( Link )

@Marc: Ja, es gibt durchaus (noch) Liberale in der FDP, ich hatte letztes Wochenende sogar das Vergnügen ein paar davon leibhaftig zu treffen: Bericht vom 1. Landestreffen der Libertären Plattform in Bayern, Vortrag von Frank Schäffler auf Video.

Frank Martin, am 05. November 2009 um 15:35 ( Link )

Beim Lesen des Artikels kamen mir die Sonderheiten der NVA-Kasernenhaltung in den Sinn.

Für Wehrpflichtige war Alkohol streng untersagt, nur süßliches schwach alkoholisches Karamelbier, von dem man beim besten Willen nicht mehr als eine Flasche trinken konnte, war frei verkäuflich im Kasernengelände, das man nur selten zum Ausgang verlassen konnte. Also halfen Berufsunteroffiziere beim Einkaufen oder es wurden andere Methoden des Alkoholschmuggels genutzt, die freilich nahezu ausschließlich Hochprozentiges betrafen. Das Risiko, mit einem gepflegten Bier zum Abentessen erwischt zu werden, war in Relation zum Alkoholgehalt einfach zu hoch. Die Folgen: Nie zuvor und danach habe ich mehr Schnaps getrunken, manch einer war nahe am Alkoholismus. Und: Zum Zwecke der Geheimhaltung flogen die Flaschen bei Dunkelheit aus den Fenstern des Kasernengebäudes auf die rückwärtige Wiese und einen Weg. Regelmäßig gingen wir dann mit Eimern bewaffnet daran, die Flaschen und Scherben einzusammeln.

In einer Welt der Befehle breitet sich der Unsinn epedemisch aus und Menschen, die zu einem vernünftigen Umgang mit Alkohol durchaus in der Lage sind, werden nicht selten zu belächelten Sonderlingen.

Singaporean, am 05. November 2009 um 17:00 ( Link )

Das Problem ist doch, dass die Leute keinerlei Konsequenzen dafür spüren, dass sie sich dumm und blöd saufen. Je dümmer desto besser im heutigen Deutschland. Der Staat kümmert sich um dich und alle machen mit! Müsste jeder von diesen Vollpfosten für sein Leben selber aufkommen, würde der Alkoholkonsum stark zurückgehen.

eo, am 05. November 2009 um 22:28 ( Link )

Da freuen
sich nur die
Dönerbudenleute.
Die nehmen überdies
noch nicht mal
Dosenpfand !

Paßt nicht so ganz,
aber ein bißchen schoo:
http://raucherclub.wordpress.com/2009/11/05/ein-echter-schildburgerstreich/

df, am 06. November 2009 um 0:01 ( Link )

"Das erinnert an entsprechende Bemühungen von Kommunen und Bahngesellschaften, die glauben, dass (ebenfalls illegale) Pöbeln und Randalieren nur mit Hilfe eines Alkoholverbotes verhindern zu können."
Der Unterschied ist, daß das Hausrecht in diesem Fall den Bahngesellschaften zukommt. Die können sich aussuchen, wer ihre Grundstücke oder Züge betreten darf. Da wird --anders als bei den von Ihnen kritisierten Verkaufsverboten-- nicht in die Eigentumsfreiheit eingegriffen, sondern sie lediglich ausgeübt.

em , am 06. November 2009 um 1:03 ( Link )

Der Unterschied ist, daß das Hausrecht in diesem Fall den Bahngesellschaften zukommt. Die können sich aussuchen, wer ihre Grundstücke oder Züge betreten darf. Da wird --anders als bei den von Ihnen kritisierten Verkaufsverboten-- nicht in die Eigentumsfreiheit eingegriffen, sondern sie lediglich ausgeübt.

Da der Staat offensichtlich Obereigentümer von allem ist, übt er im hier diskutierten Fall ebenfalls nur seine Eigentumsrechte aus.

Ist und bleibt eben eine dumme Sache mit dem Staat ...

bernd_lessing, am 06. November 2009 um 6:42 ( Link )

@df/em:

Das Hausrecht als Teil des Eigentumsrechts ist ein hohes Gut. Allerdings ist jedes Eigentumsrecht, das auf Eigentum zweifelhaften Ursprungs aufbaut, ebenso zweifelhaft. Will heißen: Bahngesellschaften, die im freien Wettbewerb ihre Arbeit tun und das Eigentum in einem ebensolchen Szenario erworben haben, steht sicher ein unbedingtes Hausrecht zu. Die heutige Bahn ist ein staatlicher Monopolist, dessen Eigentum ganz wesentlich durch Steuermittel finanziert wurde. Da tue ich mich schwer, das Eigentums- und damit Hausrecht einfach so anzuerkennen.

Aber das nur nebenbei. :o)

df, am 06. November 2009 um 11:18 ( Link )

@bernd_lessing, em
Ich dachte bei meinem Kommentar an das Alkoholverbot in den Zügen der privaten metronom Eisenbahn Gesellschaft mbH, die in Niedersachsen verkehren. Die Deutsche (ex-Bundes-)Bahn hat diesen Schritt noch nicht getan, soweit ich weiß.

ISBN3451322005, am 06. November 2009 um 11:19 ( Link )

@Singaporean

Das Problem ist doch, dass die Leute keinerlei Konsequenzen dafür spüren, dass sie sich dumm und blöd saufen
Keine Konsequenzen? Vom Saufen haben Sie offensichtlich keinen blassen Schimmer.

@em

Da der Staat offensichtlich Obereigentümer von allem ist, übt er im hier diskutierten Fall ebenfalls nur seine Eigentumsrechte aus.

Ist und bleibt eben eine dumme Sache mit dem Staat ...

Gut beobachtet!

Goldelse, am 06. November 2009 um 11:23 ( Link )

War Hitler nicht auch Antialkoholiker wie etliche Volksvertreter uns alle gerne hätten?

chrisv, am 06. November 2009 um 11:39 ( Link )

@Goldelse: Antialkoholiker, fanatischer Nichtraucher, Vegetarier (und einer der ersten Umweltschützer)...

Lektüre zum Thema: http://www.pawek.de/Schutz.htm

df, am 06. November 2009 um 11:45 ( Link )

"Antialkoholiker, fanatischer Nichtraucher, Vegetarier (und einer der ersten Umweltschützer)..."
Man munkelt, Hitler habe sich auch regelmäßig gewaschen. Wir sollten fortan stinken, damit wir ja nicht in den Verdacht des Nationalsozialismus kommen! ;)

Ist mir doch egal, wie Herr Hitler damals sein Privatleben gestaltet hat!

Kamernosse, am 06. November 2009 um 11:45 ( Link )

“A view is not refuted by the fact that it happens to have been shared by Hitler.”

– Leo Strauss

http://de.wikipedia.org/wiki/Reductio_ad_Hitlerum

Kalwies, am 06. November 2009 um 13:11 ( Link )

"lässt sich so mancher Tabakfreund sein Bierchen mittlerweile lieber im Privaten schmecken - wo es gemütlicher ist als unter dem Heizpilz vor der zwangsenträucherten Eckkneipe."

Hier irrt Herr Vigelius ganz gewaltig. In Hamburg-Eimsbüttel sind dank Grüner Bezirksregierung Heizpilze aus Gründen des Klimaschutzes wegen zu hohen CO2-Ausstoßes schon lange verboten.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es der grüne oder gelbe Tierschutz vorschreibt, uns alle zu Veganern zu machen.

chrisv, am 06. November 2009 um 13:15 ( Link )

“A view is not refuted by the fact that it happens to have been shared by Hitler.”

Ist trotzdem doch ganz interessant zu gucken, was von was kommt :)

Ist mir doch egal, wie Herr Hitler damals sein Privatleben gestaltet hat!

Hätte Hitler sich auf das Gestalten seines Privatlebens beschränkt, hätte wohl bis heute niemand was gegen ihn...

In Hamburg-Eimsbüttel sind dank Grüner Bezirksregierung Heizpilze aus Gründen des Klimaschutzes wegen zu hohen CO2-Ausstoßes schon lange verboten.

Interessant. Ich hatte noch so im Hinterkopf, dass es für ein Verbot auf Privatgrund keine Rechtsgrundlage gibt (und schon gar nicht den Klimaschutz). Oder geht es um die Nutzung öffentlichen Straßenraums? Da hat die Kommune (leider!) mehr Freiheiten.

Singaporean, am 06. November 2009 um 18:05 ( Link )

Keine Konsequenzen? Vom Saufen haben Sie offensichtlich keinen blassen Schimmer.

Aber sie dafür umso mehr...

Mal ehrlich, was wollen sie mir sagen? Welche Konsequenzen spüren Jugendliche, wenn sie sich dumm saufen?

Singaporean, am 06. November 2009 um 18:08 ( Link )

Die heutige Bahn ist ein staatlicher Monopolist, dessen Eigentum ganz wesentlich durch Steuermittel finanziert wurde. Da tue ich mich schwer, das Eigentums- und damit Hausrecht einfach so anzuerkennen.

Und deswegen soll die Bahn es zulassen, dass in ihren Zügen und an Bahnhöfen randaliert wird?

chrisv, am 07. November 2009 um 1:51 ( Link )

Welche Konsequenzen spüren Jugendliche, wenn sie sich dumm saufen?

Dann wären sie dumm (wenn sie es vorher nicht auch schon waren). Wobei es ja etwas umstritten ist, ob man sich überhaupt "dumm saufen" kann und wenn ja, welche Menge über welchen Zeitraum dafür erforderlich ist. Es gibt sogar Untersuchungen, wonach der durchschnittliche Intelligenzquotient von Abstinenzlern etwas 3 Punkte unter dem von regelmäßigen Alkoholkonsumenten liegt...

Und deswegen soll die Bahn es zulassen, dass in ihren Zügen und an Bahnhöfen randaliert wird?

Sie vergessen da, glaube ich, die Gruppe der nichtrandalierenden Alkoholkonsumenten, die sicher größer als Null und sehr wahrscheinlich sogar größer als die der Randalierer ist.

Daniel Hellwig, am 07. November 2009 um 5:29 ( Link )

Wenn man davon ausgehen darf,dass es auch Alkoholkonsumenten gibt,die nicht den ganzen Tag randalieren,oder plötzlich dumm werden,dann ist meiner Meinung nach ein Verbot (ich spreche auch von Zigaretten und allen anderen Genussmitteln) komplett unnötig,ich würde sogar sagen,es sollte keine gesetzliche Regelung für Genussmittelkonsum geben,solange Menschen noch in der Lage sind, selbst zu entscheiden,was sie ihrem Körper zuführen und zu welchem Preis.

Singaporean, am 07. November 2009 um 11:31 ( Link )

Sie vergessen da, glaube ich, die Gruppe der nichtrandalierenden Alkoholkonsumenten, die sicher größer als Null und sehr wahrscheinlich sogar größer als die der Randalierer ist.

Sie dürfen gerne ihren Alkohol im Speisewagen weiter genießen.
Wir drehen uns hier im Kreis, in einem liberalen Staat hätte eine liberale Bahn uneingeschränktes Recht ihr Hausrecht durchzusetzen und Alkohol in Zügen oder an Bahnhöfen komplett zu verbieten. Wem das nicht passt, der soll mit einer anderen Bahn oder dem Auto fahren oder ganz einfach zu Fuß laufen.

Leider ist die Bahn aus Steuergeldern finanziert, wenn der Staat oder die Bahn ertappte Randalierer jetzt kräfitg verdreschen würde, dann wäre das sicherlich eine bessere Lösung, als alle zu bestrafen, solange wir aber im Sozialismus leben wird es sowas nicht geben und man sucht die Schuld für das fehlerhafte Verhalten von Einzelnen lieber in der Gesellschaft, bei Drogen und Alkohol oder eben bei der bösen Wirtschaft.

So what, es gibt schlimmeres als ein Alkoholverbot bei der Bahn.

Dann wären sie dumm (wenn sie es vorher nicht auch schon waren). Wobei es ja etwas umstritten ist, ob man sich überhaupt "dumm saufen" kann und wenn ja, welche Menge über welchen Zeitraum dafür erforderlich ist. Es gibt sogar Untersuchungen, wonach der durchschnittliche Intelligenzquotient von Abstinenzlern etwas 3 Punkte unter dem von regelmäßigen Alkoholkonsumenten liegt...

Sie dürfen mich nicht falsch verstehen, im Grunde genommen ist es mir egal, wie dumm oder klug jemand ist, wieviel Alkohol er trinkt oder ob er einen Peugeot fährt. Solange aber jede Menge Menschen in diesem Land auf Kosten der arbeitenden und fleißigen Menschen leben, ist mein Gerechtigkeitsempfinden stark getrübt. Wer gerne dumm bleibt und sein ganzes Geld für Alkohol und Drogen ausgibt, der kann das gerne tun, sollte dann aber auch bitte unter der nächsten Brücke wohnen, wenn er sich keine Wohnung mehr leisten kann. Anstehende Operationen und medizinische Leistungen, soll er dann auch bitte aus eigener Tasche bezahlen. Sie, als Liberaler können mir da doch nur zustimmen?

Daniel Hellwig, am 07. November 2009 um 13:35 ( Link )

Immer langsam. jemand,der sich Alkohol/Zigaretten/(illegale)Drogen muss erstens noch lange nicht dumm sein,und zweitens muss er nicht sein ganzes Geld dafür ausgeben,ob Alkohol,Benzin oder Gummibärchen,der Mensch konsumiert viele Waren,so weit ich weiß,bezahlt die Mehrheit das aus eigener Tasche.

Fakt ist:
Saufen/Drogen konsumieren macht weder zwangsweise dümmer,noch abhängiger oder ärmer als als Erdnussflips,Wasser oder Auto fahren.

Ich strebe eine Regierung an,die dem Einzelnen keine potentiell gefährlichen Tätigkeiten/Konsumgüter verbiet,solange diese nur die ausübende/konsumierende Person schädigen können.

(Ja,ich gehe von einer staatlichen Bahn aus)

Medizinische Versorgungen sollten generell von der Regierung finanziert werden.

Dennoch kann ich ihren Standpunkt sehr wohl verstehen Singaporean,auch ich war über sehr lange Zeit hinweg ein Vertreter dieser Ansichten.

Singaporean, am 07. November 2009 um 15:14 ( Link )

Ich strebe eine Regierung an,die dem Einzelnen keine potentiell gefährlichen Tätigkeiten/Konsumgüter verbiet,solange diese nur die ausübende/konsumierende Person schädigen können.

Da bin ich mir mit ihnen zu 100% einig. Ich bin auch keineswegs der Meinung, dass man von Alkohol/Drogen usw. dumm oder sonstwas wird, es gibt unzählige Leute die sehr eigenverantwortlich damit umgehen können. Leider haben Alkohol und Drogen aber auch sehr negative Eigenschaften, wenn jemand nicht eigenverantwortlich damit umgehen kann und genau hier beginnt das Problem, wenn man nicht libertär argumentiert.

Sie müssen an dieser Stelle ganz klar sagen, dass jemand der drogensüchtig ist und kein Geld mehr hat, jetzt auf der Straße leben und dort vielleicht sogar sterben muss. Irgendwelche Ansprüche, dass er von anderen Menschen versorgt wird hat er garantiert nicht. Karitative Einrichtungen werden sich sicherlich bilden und sich um solche Fälle kümmern aber eine Garantie darauf hat niemand, denn diese karitativen Einrichtungen werden sich einzig und allein aus freiwilliger Leistung finanzieren und selbst entscheiden, wen sie versorgen und wen vll. nicht.

Es kommt mir oft so vor, dass gerade Linke sich sehr mit dem Liberalismus anfreunden können, wenn es um ihre Interessen geht wie z.B. der Legalisierung von XY. Diese Menschen picken sich bewusst die Rosinen heraus und vergessen dabei völlig, dass es im Liberalismus auch fast keine Ansprüche des Einzelneng gegen andere gibt, wenn etwas schief laufen sollte.

Bei gesundheitlichen Leistungen bin ich geteilter Meinung. Wenn jemand mit einem Gendefekt auf die Welt kommt und deswegen in seiner Entwicklung stark eingeschränkt ist oder sogar früher sterben muss, dann hat er in meinen Augen einen Anspruch darauf, dass ihn andere mit Medizin versorgen. Dies ist fast schon der einzige Anspruch, der in meinen Augen im Liberalismus vertreten werden kann. Jemand der unverschuldet von einer schweren Krankheit betroffen ist, den kann man eben nicht einfach so sterben lassen weil im Gegensatz zu anderen er KEINE Chance hatte, sich frei zu entwicklen und Eigenverantwortung zu übernehmen. Jemand der selbstverschuldet an Diabetes erkrankt hat keinen Anspruch auf Versorgung. Darüber hinaus würde ich es sofort uneingeschränkt ermöglichen, Medikamente weltweit nach Dtl zu importieren, ohne Zölle und ohne Zoll. Wenn jemand Krebs hat, dann soll er von mir aus das Krebsmedikament auch im Supermarkt ohne Verschreibung kaufen können. Die internationale Preisdiskriminierung sollte so gut wie mölich unterlaufen werden, damit Menschen sich zu erschwinglichen Preisen selbst mit Medikamenten versorgen können. Langwierige, bürokratische Zulassungsverfahren müssten ebenfalls von Grund auf überarbeitet, beschleunigt und verbessert werden.

Ich sehe es außerdem gar nicht ein, dass Ärzte hier eine gewisse Monopolstellung haben, wo jeder Sonderschüler mittlerweile Hausarzt oder Dermatologe sein könnte. Man müsste ihm nur einen Laptop mit entsprechender Software zur Verfügung stellen, die ihm auf bestimmte Symptome gleich die nötigen Tests, Diagnose und Behandlung anrät. Kommt er nicht weiter, wird einfach an den nächsten Facharzt überwiesen, das funktioniert heute schon gut.

Daniel Hellwig, am 07. November 2009 um 20:03 ( Link )

Sie vertreten einen sehr interessanten Standpunkt,ich bin auch fast einverstanden,allerdings verdient in meinen Augen JEDER Mensch,der Hilfe braucht eben diese Hilfe in ausreichendem Maß.

Der Arztvergleich zur momentanen Lage war Klasse :)

Webbaer, am 08. November 2009 um 3:32 ( Link )

... der Autor dieser Zeilen erinnert sich dagegen noch ganz genau, wie es früher war: Da gab es zwar keine nächtlichen Alkoholverbote, dafür aber auch keine rund um die Uhr geöffneten Tankstellen.

Ein bemerkenswertes Statement für Jg.75, BTW, wo waren die Tanken nachts geschlossen?
Ansonsten natürlich volle Zustimmung, die FDP macht bei solchen Spielchen gerne mit heutzutage, gell?

chrisv, am 08. November 2009 um 11:17 ( Link )

@Webbaer: Auf dem platten Land (in meinem Fall: eine Gegend, die man landläufig auch als "Badisch Sibirien" bezeichnet). Das beschauliche 25.000-Einwohner-Städtchen bekam seine erste rund um die Uhr geöffnete Tankstelle erst gegen '96 oder '97 (und kurz darauf endlich auch einen McDonalds. Freunden des amerikanischen fast food wurde dadurch eine Fahrstrecke von fast 60 Kilometern erspart). Vorher gab es nur eine Automatentankstelle, die zwar Fahrzeuge, aber keine durstigen Jugendlichen mit nächtlichem Sprit versorgte.

Alkoholischen Eskapaden tat die mangelhafte Versorgungslage jedoch keinen Abbruch, was vielleicht auch ein wenig daran lag, dass die dortige Jugend auf zahlreiche öffentliche Grillhütten und -plätze zurückgreifen konnte, die -fernab gelegen von Siedlungen, Erziehungsberechtigten und jeder Art von Staatsgewalt- zum unbeaufsichtigten, feucht-fröhlichen Feiern einluden. Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) gab es keinerlei Probleme mit Jugendkriminalität und -gewalt, wie man sie in jüngerer Zeit massenhaft in der Presse findet. Auch wenn natürlich die eine oder andere Meinungsverschiedenheit handgreiflich ausgetragen wurde, mehr als ein paar blaue Flecken oder kleinere Platzwunden kam selten dabei heraus.

An einem Mangel an "Killerspielen" lag das übrigens nicht, mit denen waren wir trotz geographisch ungünstiger Lage (um Disketten zu kaufen, musste man mit dem Zug in die Großstadt fahren) nämlich jederzeit bestens versorgt - erinnert sich noch jemand an Titel wie "Commando Lybia", "Beyond Castle Wulfenstein" (nur echt mit spiegelverkehrtem Hakenkreuz) oder Mortal Kombat II? Ja ja, die alten Zeiten...

eo, am 08. November 2009 um 11:40 ( Link )

Vergnüglich
zu lesen, Chrisv.
Und wir in eim kleinen
Dorf mit 500 Einwohnern unweit
der Lahn gelegen hatten eine 'Tante Hanna'
mit improvisiertem Getränkevertrieb,
zu der man noch um 9 oder 10 Uhr
abends kommen konnte, um sich
mit seinen Kumpels eine
Kiste Bier zu holen.

FritzLiberal, am 08. November 2009 um 13:55 ( Link )

@Daniel Hellwig:

Medizinische Versorgungen sollten generell von der Regierung finanziert werden.

Gratulation. Damit garantieren Sie für das Fortbestehen eines teuren, ineffizienten und qualitativ schlechten Gesundheitssystems.

Außerdem: wer soll das denn sein, dieser Herr "Regierung", der so großzügig das Gesundheitssystem finanziert? Wenn schon, dann seien Sie so ehrlich, und sagen Sie es offen: Sie sind dafür, dass Ihren Mitmenschen mit Gewalt ihr Eigentum geraubt werden soll, um Ihre Gesundheitsversorgung zu bezahlen.

ISBN3451322005, am 08. November 2009 um 14:53 ( Link )

@Singaporean

Mal ehrlich, was wollen sie mir sagen?

Die so genannten Vollpfosten sind die Vorreiter eines weiteren Höhepunktes kulturhistorischer Zwangsläufigkeiten.

Aufklärung --> Liberalismus --> moderne Demokratie --> Sinnentleerung --> blöd Saufen


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