Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Eignungstests an medizinischen Fakultäten: Genderwahn, die nächste Runde

von Andreas Tögel

Österreich auf amerikanischen Spuren

14. August 2009

Der Wissenschaftsminister Österreichs, Hahn (ÖVP), sieht akuten Handlungsbedarf. Die sozialistische Frauenministerin Bures (eine der ganz großen Intellektuellen des Landes) ist gar „alarmiert“. Es geht um die aktuellen Ergebnisse der seit einigen Jahren als Zugangskriterium zum Medizinstudium abgehaltenen Aufnahmetests.

Studieren ist in Ösiland, wie auch die medizinische Versorgung daselbst, „gratis“ (der von den Studenten zu entrichtende finanzielle Beitrag ist lächerlich niedrig). „Gratis“ heißt nach der Lesart Kakaniens: ein anderer zahlt. Und weil das so ist und viele mehr oder weniger gescheite junge Leute nach der Matura (dem Abitur) nicht so recht wissen, was sie tun sollen, stürmen sie die Universitäten. Immerhin hat man ihnen jahrelang erzählt, dass nur die höchst Qualifizierten - die akademisch Gebildeten – in unserer zunehmend ungemütlicher werdenden Welt eine Chance auf einen Arbeitsplatz und Aussicht auf ein hohes Einkommen haben. Jeder Handwerksmeister, der einen Lehrling sucht, weiß von den Folgen dieses Bildungsdogmas ein Lied zu singen. Heutzutage einen fünfzehnjährigen Azubi zu finden, der imstande ist, im Kopf 10 Prozent von 100 auszurechnen, ist so gut wie unmöglich. Denn jeder, der über derlei gehirnakrobatische Fähigkeiten verfügt, setzt (oft von ehrgeizigen Eltern getrieben) all seinen Ehrgeiz darin, seinen Namen einst mit irgendeinem Titel – möglichst einem Dr. – schmücken zu dürfen und betrachtet es daher von vornherein als indiskutabel, einen Lehrberuf zu ergreifen. Folge: Wir verfügen über Legionen von jungen Geisteswissenschaftlern, jedoch kaum über Nachwuchs an Facharbeitern, die imstande wären, einen Nagel einigermaßen gerade in die Wand zu schlagen.

Aber zurück zum Thema. Um der Flut der am Medizinstudium Interessierten Herr zu werden (das heiße Bemühen der Ärztekämmerer, die Zahl ihrer künftigen Konkurrenten gering zu halten, fruchtet nicht so recht), ist man auf die im Grunde nicht schlechte Idee verfallen, Eignungstests einzuführen. Klar, dass der Schwerpunkt dieser Tests nicht auf Fragen zur Kultur des Hochmittelalters, der bildenden Kunst oder zur Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, sondern auf naturwissenschaftlichem Gebiet liegt. Und an diesem Punkt wird’s nun für die politische Klasse, die sich ihres hehren Auftrags bewusst ist, für Gendergerechtigkeit zu sorgen, offenkundig problematisch. Das Problem besteht darin, dass Männer bei diesen Tests einfach zu gut abschneiden. An der Medizin-Uni Graz etwa waren 58,4 Prozent der zum Test angetretenen Personen weiblich. Nur 48,5 Prozent aber erhielten einen Studienplatz. Die Ergebnisse in Wien und Innsbruck sind vergleichbar. Männer liefern im Schnitt die eindeutig besseren Resultate.

Den Schluss zu ziehen, dass Männer und Frauen eben geschlechterspezifisch unterschiedliche Neigungen und/oder Begabungen zeigen und die Ergebnisse der genannten Tests diese eben widerspiegeln, verbietet sich von selbst. Folglich muss also der schlimmste Feind jedes Gleichheitsbewegten, nämlich „Diskriminierung“ im Spiel sein. Der Rektor der medizinischen Privatuniversität in Salzburg, Resch, bekennt unverblümt, dass es die biologische Ausrichtung der Tests sei, die für den Männerüberhang bei den Besten verantwortlich ist. Deshalb existiere dieser Testschwerpunkt an seiner Einrichtung nicht.

Und wenn schon nicht die Tests auf die Diskriminierung von Frauen gerichtet sind, dann ist es eben die Benachteiligung weiblicher Schüler in den höheren Schulen. Klar, wer kennt sie nicht – die Mathematik-, Physik- oder Chemielehrer, die im Unterricht planmäßig Burschen gegenüber Mädchen bevorzugen…?!

Auf die Idee, dass die vom Genderwahn Infizierten HeroldInnen der Ergebnisgleichheit irren könnten, wenn sie behaupten, es gäbe keine geschlechtsspezifische Unterschiede (ja nicht einmal verschiedene Geschlechter!) kommt die politische Klasse nicht.

Dass Frauen am in Österreich beliebten Schultyp HTL („Höhere technische Lehranstalt“ – eine Technikerschule, die mit Abitur abschließt) oder an den technischen Hochschulen eine Minderheit stellen, während sie etwa an pädagogischen Akademien oder bei Fächern wie Publizistik oder Psychologie dominieren, hat demnach nicht etwa mit unterschiedlichen Interessen zu tun, sondern damit, dass bis zu dieser Entscheidung etwas schief gelaufen sein muss. Auch dass Männer erheblich häufiger als Frauen den Schritt in die berufliche Selbständigkeit wagen, kann in der krausen Ideenwelt der hauptamtlichen Gleichmacher nur mit der planmäßigen Benachteiligung letzterer erklärt werden.

Man darf gespannt sein, mit welchem Arsenal an Maßnahmen die hohe Politik dem skandalösen Umstand der niedrigen Erfolgsquote von Frauen bei den zitierten Eignungstests zu begegnen gedenkt.

Wohin die im Gefolge der Gleichheitsideologie angetretene Reise führen kann, ist unter anderem in Steven Farrons Arbeit zur „Affirmative Action“ nachzulesen und wurde in der letzten Ausgabe eigentümlich frei ausgiebig zitiert. In den USA hat man es (im Namen der Förderung angeblich benachteiligter Minderheiten) geschafft, die Leistungsstandards an den medizinischen Fakultäten derart massiv abzusenken, dass der amerikanische Patient heute schon sehr genau darauf achten muss, welchem Doktor er in die Hände fällt…

Internet

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