09. Juli 2009

Klimapolitik Ungeahntes Potential

Der G8-Beschluß zur Temperaturregulierung reicht nicht aus

Wie Presseberichten zu entnehmen war, haben die Teilnehmer des G8-Gipfels im italienischen L'Aquila beschlossen, die Erwärmung der Erde bis 2050 auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen. Umweltschutzorganisationen sowie Umweltminister Sigmar Gabriel bezeichnen dieses Ergebnis als halbherzig und fordern weitergehende Maßnahmen. Völlig zu Recht, denn die Idee, Wetter und Klima durch politische Beschlüsse zu regulieren, bietet viel mehr Potential als bislang gedacht.

So wäre ergänzend zur Temperaturobergrenze zumindest für Ferienregionen auch eine festgelegte Temperaturuntergrenze erforderlich. Nicht nur würde dies Urlaubern, Hoteliers und Gastwirten Planungssicherheit verschaffen, sondern es könnten damit auch soziale Ungerechtigkeiten innerhalb der EU abgebaut werden, da nicht einzusehen ist, wieso Eigentümer und Mieter von Ferienwohnungen in südlichen Gefilden gegenüber Gebieten wie der Wetterau sonnentechnisch bevorzugt werden. Neben dem Abbau bestehender Benachteiligungen können sachgerechte Vorschriften auch dem Schutz vor Hautkrebs dienen: Aus gutem Grund dürfen Kinder und Jugendliche heutzutage nicht mehr unter der künstlichen Sonne oder gar beim Licht von Glühlampen sitzen, so dass es nur folgerichtig erscheint, auch den Aufenthalt im natürlichen Tageslicht nicht schrankenlos zu gestatten. Dies gelingt am besten mit einer europaweiten Regelung zu Mindestbewölkung und obligatorischen Regentagen, die nach den wegweisenden Beschlüssen von L'Aquila möglichst schnell auf den Weg gebracht werden sollte.

Wie überall erweist sich auch bei diesem Thema die Strategie, möglichst genau und umfassend zu regulieren, als der Königsweg zu Gerechtigkeit und sozialem Frieden: Legt man die Regenzeit am Wochenende zum Beispiel auf 21 Uhr fest, so liegt dies nicht nur im Interesse der Landwirtschaft, sondern vermeidet auch unnötige Störungen durch lautstarke Gartenparties, Open-Air-Konzerte, lange geöffnete Biergärten und dergleichen. Nicht zuletzt würde dadurch auch dem besorgniserregenden Trend des jugendlichen Komasaufens entgegengewirkt, zumindest unter freiem Himmel. Ebenso sollte es vor 17 Uhr nicht zu trocken und sonnig sein, denn das verleitet Angestellte zu einem frühen Feierabend und Grillparties (Alkohol! Nitrosamine!), mit fatalen Folgen für Wirtschaft und Gesundheit.

Die Breite des zulässigen Temperaturkorridors darf jedoch keinesfalls aus falsch verstandener Liberalität zu großzügig gestaltet werden. Denn auch die Interessen der Hersteller und Verkäufer von Kleidung, Heizgeräten und Brennstoffen sowie der Dämmstoffindustrie müssen von einem fürsorglichen Gesetzgeber hinreichend berücksichtigt werden. Angemessen wäre zum Beispiel eine Bandbreite von zwei bis fünf Grad im Winter (zur Einsparung von Streusalz und Räumdiensten), während sich die Temperaturen im Sommer zwischen 15 und 21 Grad bewegen könnten. Anerkannten Wintersport- und Urlaubsgebieten könnte dagegen eine gewisse Abweichung nach unten oder oben zugestanden werden, um die Umsätze zu sichern - dass es im Rest des Landes nicht mehr ganz so gemütlich ist, wirkt dabei als zusätzlich beflügelnder Effekt und sorgt ganz nebenbei auch dafür, dass sich "Heimurlauber" nicht mehr einfach so den steuerlichen Effekten von Urlaubsreisen entziehen können.

Sie sehen: Mit ausgeklügelten Gesetzen und Vorschriften lassen sich nicht nur Klimakatastrophe und Wirtschaftskrise verhindern, nein, man könnte im wahrsten Sinne des Wortes die ganze Welt in ein wohlreguliertes Paradies verwandeln. Dazu ist nicht mehr erforderlich als genügend politischer Wille, von wissenschaftsgläubigen Irrwegen abzukehren und das Primat der Politik über Physik und Natur wiederherzustellen. Dass das möglich ist, haben Barack Obama und Angela Merkel in L'Aquila bewiesen. Nun kommt es darauf an, diesen Durchbruch in konkrete Schritte umzuwandeln.

Internet

Focus Online: Gabriel sieht große Fortschritte beim G8-Gipfel


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