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![]() Robert Grözinger, Jahrgang 1965, Diplom-Ökonom, ist freier Journalist und Übersetzer. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: |
US-Zentralbank: Abgeordnete fordern umfassende Bilanzprüfungvon Robert Grözinger Die freiheitliche „Ron Paul Revolution“ etabliert sich allmählich als Faktor in der Politik Ein Gesetzentwurf des US-Kongresses sieht vor, dass die Federal Reserve, das Zentralbanksystem der Vereinigten Staaten, erstmals in ihrer fast 100-jährigen Geschichte einer vollständigen Bilanzprüfung unterzogen werden soll. Initiator dieses Vorhabens ist Ron Paul. Der republikanische Abgeordnete aus Texas hatte als Kandidat im Vorwahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2008 für Wirbel gesorgt, als sein radikal freiheitliches Programm auf unerwartet hohe Resonanz stieß. Seine Unterstützer organisierten sich spontan über das Internet und riefen so nebenbei eine neue Freiheitsbewegung ins Leben, die „Ron Paul Revolution“. Zu den zentralen Forderungen Pauls im Wahlkampf gehörten der Rückzug amerikanischer Truppen aus dem Ausland sowie die Abschaffung der Bundeseinkommenssteuer und der Federal Reserve. Insbesondere letzteres fordert Paul seit Beginn seiner politischen Karriere in den 1970er Jahren, und zwar mit der Begründung, dass das Geldmonopol dieser Institution und das von ihr geförderte Teilreservebankwesen zu heftigen Verwerfungen in der Wirtschaft, zu Inflation, Konjunkturschwankungen und Rezessionen führt, zu einer Bereicherung der Wenigen, die gute Beziehungen haben, auf Kosten der Vielen. Ganz abgesehen davon, dass ein solches, staatlich geschütztes Monopol auch dann unmoralisch ist, wenn gewissenhafte Zentralbanker – oder ist das ein Oxymoron? – wie durch ein Wunder diese Wirkungen ihrer Institution vermeiden könnten. Obwohl Pauls offizielles Kampagnenziel einer Präsidentschaftskandidatur oder gar das Amt selbst nicht erreicht wurde, treibt der ungewöhnlich prinzipienfeste Politiker seine Ideen weiter voran. Im Februar 2009 reichte er die entsprechende Gesetzesinitiative mit dem Kürzel „H.R. 1207“ ein, für die sich nach Angaben der Website RonPaul.com bis zum 5. Juli 2009 mit 245 Abgeordneten bereits 55 Prozent des Repräsentantenhauses als Unterstützer zu erkennen gegeben haben. Das ist ein gewaltiger Erfolg für einen Mann, der die meiste Zeit seiner politischen Karriere die Funktion des einsamen, verlachten oder ignorierten Mahners in der Wüste erfüllte. Der Grund für die plötzliche Popularität seiner Initiative ist ebenso wie die Resonanz auf seinen Wahlkampf in der Graswurzelaktivität seiner Anhänger im Volk zu finden. Auf RonPaul.com ist beispielsweise ein Briefmuster für Abgeordnete zu finden, in dem sie aufgefordert werden, H.R. 1207 zu unterstützen. Repräsentanten berichten, dass es bei Versammlungen in ihren Wahlkreisen regelmäßig eine Handvoll Leute gibt, die zur Unterstützung dieses Gesetzentwurfs aufrufen. Kritiker der Initiative weisen darauf hin, dass die Fed bereits jetzt Bilanzprüfungen unterzogen wird. Das ist jedoch nur formal richtig. In Wahrheit gibt es ganz erhebliche Einschränkungen. Nach bestehender Gesetzeslage darf der oberste Rechnungsprüfer der USA die Fed nur mit ihrer Genehmigung prüfen. Außerdem sind entscheidende Bereiche der Prüfung gänzlich entzogen: Transaktionen für oder mit ausländischen Zentralbanken, ausländischen Regierungen oder anderen, nichtprivaten internationalen Finanzorganisationen; alle geldpolitischen Beratungen, Entscheidungen und Handlungen, einschließlich Diskontkredittransaktionen, Reserven der Mitgliedsbanken, Wertpapierkredite, Einlagenzinsen und Offenmarkttransaktionen sowie sämtliche Kommunikation zwischen Vorstandsmitgliedern und Mitarbeitern der Federal Reserve in Bezug auf diese Aktivitäten. Da fragt man sich schon, was bei der Fed außer der Pförtnerloge und der Putzkolonne sonst noch geprüft werden darf. Insbesondere die Ausnahme der Transaktionen mit dem Ausland sind Paul ein Dorn im Auge. „Was die Fed in dieser Hinsicht tut“, schreibt der Kenner der österreichischen Schule der Ökonomie im April 2009 auf der Website politico.com, „könnte sehr leicht die Außenpolitik beeinflussen oder untergraben – sogar zum Auslösen eines Krieges beitragen. Wir müssen auch Kenntnis haben über die Quellen und Ziele der Geldmittel, die über die Notfinanzierungseinrichtungen der Fed zur Verfügung gestellt werden. Diese Informationen werden uns ein genaueres und umfassenderes Bild über die wahren Kosten dieser endlosen Rettungspakete vermitteln und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie die Entscheidungen des Kongresses beeinflussen würden.“ Inzwischen hat sich selbst die Nachrichtenagentur Reuters, die Paul im Wahlkampf noch weitgehend ignorierte, der Geschichte angenommen – mit einer fein balancierten Mischung aus Respekt und Herablassung. Man kann ja nie wissen, vielleicht ist die Initiative diesmal tatsächlich erfolgreich. Doch realistisch betrachtet hat die Initiative kaum Chancen auf Verwirklichung. Nur drei Senatoren haben bisher ihre Unterstützung zugesagt. Und selbst wenn das Gesetz beide Kammern des Kongresses passieren sollte, könnte der Präsident mit einem Veto seine Verwirklichung verhindern. Oder mit Erlassen verwässern. Oder die Fed selbst könnte mit Taktierereien und mit Hilfe der ihr ergebenen Mainstreammedien die Umsetzung noch einmal untergraben. Es bleibt jedoch festzuhalten: Wie auch auf den Seiten von ef-online vorhergesagt ist die „Ron Paul Revolution“ nach dem Präsidentschaftswahlkampf nicht im Sande verlaufen. Im Gegenteil: Sie ist die derzeit einzige Bewegung in Amerika, die auf einer soliden intellektuellen und ideologischen Grundlage steht. Gerade deswegen wird sie weiter gären und an Dynamik gewinnen. Es ist nicht mehr auszuschließen, dass eines Tages aufgrund ihres Drucks sogar der eine oder andere Kopf rollen wird – wenn auch nur im übertragenen Sinne. Internet: RonPaul.com: Audit the Federal Reserve Politico.com: Audit the Federal Reserve for Answers Reuters: Ron Paul strikes Gold Bestehende Gesetzeslage über Bilanzprüfungen der Federal Reserve Bücher: Murray Rothbard: "Das Schein-Geld-System. Wie der Staat unser Geld zerstört" Robert Grözinger: "Wer ist Ron Paul? Der Kandidat aus dem Internet" 07. Juli 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Arne Hoffmann, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Klaus Rainer Röhl schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentareKennon Ballou , am 07. Juli 2009 um 12:58 ( Link ) Als Amerikaner (der seit Jahren in Deutschland lebt) und stolzer Ron Paul-Wähler freut es mich sehr, endlich mal etwas über ihn in der deutschen Welt zu hören. 2008 war ziemlich frustrierend, da meine Antwort zu der beliebten Frage "Who are you voting for?" immer für ziemlich große Irritation sorgte. Na gut, da konnte ich immer schnell die Gelegenheit nutzen, um ein Gespräch über limitierte Regierung und Freiheit zu führen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Ron Pauls Vermächtnis nicht als Präsident (oder gar Kandidat) sein wird, sondern als der jenige, der die Prinzipien der Freiheit in einer ganzen Generation geweckt hat. Sven Adam , am 07. Juli 2009 um 17:22 ( Link ) Ich bin fest davon überzeugt, dass Ron Pauls Vermächtnis nicht als Präsident (oder gar Kandidat) sein wird, sondern als der jenige, der die Prinzipien der Freiheit in einer ganzen Generation geweckt hat. Seit Miltons Tod gibt es davon ja nicht mehr so viele. vonclausewitz , am 07. Juli 2009 um 17:53 ( Link ) Die "Audit the Fed" Bewegung hat das Potential, sofern sie den Senat und mögliche Sabotage überlebt, das Ende einer Epoche des legalisierten Raubes einzuleiten. Ein Dienst an der Welt. Andreas Tögel , am 09. Juli 2009 um 7:20 ( Link ) Und es wird jetzt nicht mehr abgestritten, daß die FED eine private Bank ist, die die demokratisch gewählte Regierung nicht kontrollieren kann....Korrekt! Genauso "privat" und den autonomen Entscheidungen ihrer Eigentümer unterworfen, wie etwa die Stahlindustrie im Dritten Reich. Nur mit dem kleinen Unterschied, daß deren Vorstandsvorsitzende nicht vom Führer ernannt wurden...;-)! ...die die demokratisch gewählte Regierung nicht kontrollieren kann...Das ist in seiner (wohl ungewollt) doppelten Bedeutung eine überaus witzige Feststellung...;-)! TrebMelsa @ Stefan Miller Hans J. Bocker schreibt, dass J. F. Kennedy u. a. wegen seiner geplanten Massnahmen gegen die FED erschossen worden sei. Soweit ich weiß, steht er mit dieser Meinung nicht alleine, eine große Anzahl glaubt an Verschwörungstheorien. Vermute ich Sie richtig, dass Sie glauben: Ron Paul könne - sollte z. B. H. J. Bocker das Richtige unterstellen - ein ähnliches Los drohen? Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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Stefan Miller , am 07. Juli 2009 um 12:31 ( Link )
In Ron we trust.
Zumindest werden mehr Menschen auf die Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht und zum Nachdenken gebracht.
Und es wird jetzt nicht mehr abgestritten, daß die FED eine private Bank ist, die die demokratisch gewählte Regierung nicht kontrollieren kann. Das ist schon was.
Sollte RP doch mehr Erflog haben als erlaubt, dann wird vermutlich nicht lange gefackelt.