06. Juli 2009

Politisch korrekter Weg in den Totalitarismus Schwulsein als religiöses Bekenntnis

Ein Beispiel für rapide verschwindende Toleranz

Vergangene Woche wurde es auch dem gesellschaftlich stets liberal auftretenden Schweizer Magazin „Weltwoche“ zu bunt: „Es ist ein irritierender Kult um die Schwulen entstanden, Homosexualität ist zu einer Art Religion geworden. Wer sich outet, wird zum leuchtenden Märtyrer einer bekennenden Kirche. Wer sich dem Kult widersetzt, den trifft der Bannstrahl. Wie in allen Glaubenssystemen gilt auch hier: Wer die Stirn runzelt, gehört nicht dazu. Die Schwulenparty will nicht gestört werden.“

Der das schreibt ist kein notorischer Schwulenhasser. Der Autor Philipp Gut war vielmehr genervt von den jüngsten Umtrieben bei der Euro-Pride in Zürich: „Riegelt man für diskriminierte Minderheiten ganze Innenstädte ab? Das Hochamt der internationalen Homogemeinde dauerte vom 2. Mai bis zum 7. Juni, länger als einen Monat. Dabei überboten sich öffentliche Hand und private Sponsoren mit Unterstützungsleistungen. Entsprechend ging der Dank der Veranstalter an unzählige Stellen: ans Stadtpräsidium, an den Stadtrat, das Präsidialdepartement, das Polizeidepartement, das Amt für Bewilligungen, die Elektrizitätswerke, an Grün Stadt Zürich, die Wasserwerke, das Tiefbauamt, an Schutz und Rettung, die Zürcher Aids-Hilfe, an Zürich Tourismus sowie an den Regierungsrat, die Kantonalverwaltung, den Lotteriefonds (er überwies 100.000 Franken), die Standortförderung und die Greater Zurich Area. Unter den Sponsoren waren British Airways, Campari, Coca-Cola, Nivea, Red Bull, die SBB und andere mehr. Zum Kult um die Schwulen gehört die Anbiederung.“

Dabei hat Gut „nichts gegen persönliche Vorlieben, aber die Homosexualisierung der Gegenwart erreicht Rekordwerte.“ Und die Toleranz schwindet. Gut schreibt: „Der Staat fördert sie, die Gesellschaft buhlt um ihre Gunst. Die Schwulen bestimmen heute, wie über Schwule zu denken und zu sprechen ist. Und vor allem, worüber man nicht sprechen darf. Der Punkt scheint erreicht, wo die Propagierung des eigenen Lebensstils auf Kosten der Meinungsäußerungsfreiheit ins Intolerante kippt. Jüngstes Beispiel ist der Fall von Carrie Prejean, die den Titel einer Miss California wegen kritischer Äußerungen zur Homoehe abgeben musste.“

Die von Gut ausgemachte „Homosexualität als Religion“ nimmt zuweilen skurrile Züge an: „Im Zürcher Zoo fanden Führungen zu schwulen Tieren statt. Die SP, die Partei der lesbischen Stadtpräsidentin Corine Mauch, warb mit dem Zungenbrecherspruch ‚Wir sind Partei für lesBischwule Anliegen’. Besonders hervor tat sich die Stadtpolizei. Sie schaltete ganzseitige Inserate, die rosa gepolsterte Handschellen zeigten. Darunter der Text: ‚Willkommen zur Euro-Pride 2009. Wir sorgen für Sicherheit, damit Zürich eine weltoffene, tolerante Stadt bleibt.’“ Und, so Gut, „bei solchen Auftritten ließ es die Stadtpolizei nicht bewenden. Unter ihrem Patronat führte Pink Cop, der Verein homosexueller Polizistinnen und Polizisten in der Schweiz, eine internationale Fachtagung durch. Der Titel hieß, so selbstredend wie selbstbezogen: ‚Polizei und Homosexualität’. Die schwulen Ordnungshüter fordern, ‚dass alle Schweizer Polizeikorps’ das Thema ‚Homosexualität in den eigenen Reihen bereits in der Grundausbildung behandeln – wie es die Stadtpolizei seit Jahren betreibt’.“

Die rosa Ideologie der Homosexualität ist zum Spiel ohne Grenzen geworden. „Selbst vor Kindern und Schulen“, so Gut, „machen die schwulen Pressure-Groups nicht halt. ‚Die Schule ist ein Ort, an dem Homosexualität nur beschränkt Zutritt hat – vielleicht eine letzte heterosexuelle Bastion?’, klagten die Initianten der Euro-Pride. ‚Die Thematisierung von Fragen zur sexuellen Orientierung’ müsse ‚sowohl mit der allgemeinen Sexualerziehung als auch fächerübergreifend im jeweiligen Kontext in allen Altersstufen behandelt werden’. Von der Unterstufe bis zum Militär, vom Erstklässler bis zum Armeeoffizier: Homosexualität soll lebensbegleitender Pflichtstoff werden.“

Geradezu ein Gemeinplatz, so Gut, sei „es geworden, dass der schwule Lifestyle weite Teile des öffentlichen Lebens dominiert. ‚Beim Schweizer Fernsehen sind Homosexuelle im Vorteil’, titelte der ‚Blick’ vor zwei Jahren. Und verwies auf schwule Moderatoren wie Kurt Aeschbacher, Sven Epiney, Patrick Rohr, Charles Clerc, Dani Fohrler und Christian Franzoso. Das Magazin widmete den Homosexuellen eine Doppelnummer. ‚Wir werden alle immer schwuler’, wurde festgestellt. Schwule Kultur habe ‚nicht nur die Hoheit in Mode- und Designfragen, schwule Kultur hat uns heterosexuelle Männer (und Frauen) in fast allen Lebensbereichen beeinflusst’.“

Dirk Bach, Hape Kerkeling, Patrick Lindner, Thomas Hermanns, Hella von Sinnen, Anne Will, Ramona Leiß, Dunja Hayali – auch im deutschen Fernsehen ist Homosexualität heute alles andere als eine Karrierebremse. Aus der deutschen Politik – Ole van Beust (CDU), Klaus Wowereit (SPD), Guido Westerwelle (FDP), Volker Beck (Grüne) – grüßt die ganz große schwule Koalition längst nicht mehr von den Hinterbänken.

Homosexuelle sind dabei tendenziell vor Kritik geschützt. Der Lesben- und Schwulenverband LSVD ist beinahe ebenso sakrosankt wie der Zentralrat der Juden oder die feministische Ikone Alice Schwarzer. Allenfalls von Angehörigen derselben Minderheit, etwa von Henryk M. Broder oder Charlotte Roche, wird moderate Kritik geduldet. Andere Ketzer sind per Definition homophob, antisemitisch oder frauenfeindlich. Es existiert kein deutsches Mainstreammedium, das diese politisch korrekten Grundvorgaben und Tabus nicht beachtet.

All das hat Konsequenzen für die wenigen, die dennoch nicht mitspielen. Zuletzt durfte erneut die traditionskatholische Piusbruderschaft ihre Erfahrung sammeln. Die Grünen haben letzte Woche eine Beobachtung der Brüder durch den Verfassungsschutz gefordert. Und natürlich wissen sie, dass eine solche geheimdienstliche Überwachung des Lebens der Anderen nur die Vorstufe zum Verbot ist.

Meinungen jenseits den Vorgaben der PC-Religion werden nicht mehr geduldet. Volker Beck begründet dies mit der „unchristlichen und menschenverachtenden und unerträglichen Hetze der Piusbruderschaft gegen Homosexuelle“. Die Bruderschaft stehe „außerhalb des demokratischen Rechtsstaates“, urteilt der Schwulen-Lobbyist scharf. Die Organisatoren des Christopher Street Days in Stuttgart haben inzwischen sogar Strafanzeige gegen die Piusbruderschaft gestellt. Man sei „geschockt“ über die „neue, unhaltbare Dimension der Hetze gegen Schwule und Lesben“, sagte der CSD-Leiter Christoph Michl gegenüber dem „Focus“. Die Piusbruderschaft, so Michl, betreibe „eine ganz neue Form der Auseinandersetzung, die eindeutig den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt“.

Die Erleichterung, endlich wieder Opfer spielen zu dürfen, ist deutlich spürbar. Und seien es auch nur ein paar Piusbrüder als „Bedrohung“. Vorausgegangen war deren Protestaufruf in ihrem aktuellen Mitteilungsblatt gegen den Christopher Street Day in Stuttgart. Darin hieß es: „Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: ‚Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!’ Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben.“ Dabei wiesen die Traditionalisten auf die Verunglimpfung christlicher Symbole beim letzten Homosexuellen-Umzug hin, der unter dem Motto „Ich glaube“ gestanden hatte: „Dem Zug voran fuhr eine Frau, die hämisch grinsend als Päpstin verkleidet den Segen des heiligen Vaters nachäffte, auf einem Wagen waren halbnackte Frauen an ein Kreuz gestellt“, so die Piusbruderschaft. Dagegen müsse nun demonstriert werden: „Noch gibt es ein Grundgesetz, das auch für Katholiken gilt! Auch wir haben Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, und noch gilt der Artikel 4 des Grundgesetzes: ‚Niemand darf wegen seiner religiösen Überzeugung benachteiligt werden!’“

Volker Beck und mit ihm die gesamte deutsche Presse warf daraufhin der kleinen Piusbruderschaft vor, „die Opfer des Naziregimes beleidigt“ zu haben: „Tausende von Homosexuellen waren während des Dritten Reiches in Konzentrationslagern inhaftiert und sind ermordet worden.“

Was er nicht sagt: Keine andere Wählergruppe hat dem Nationalsozialismus 1933 so zahlreich widerstanden wie ausgerechnet die traditionalistischen Katholiken. Und er verschweigt, dass Schwule nicht nur Opfer, sondern auch Täter waren. Vor allem im „Schwulenverband SA“, als den die Münchener Presse vor der Machtergreifung die braunen Schlägerbanden Adolf Hitlers um den Knabenfreund Ernst Röhm ausgemacht hatten.

Doch der Aufschrei der Politisch Korrekten ob der Analogie zum Widerstand gegen das Naziregime hat tiefere Gründe, welche bereits im Zusammenhang mit dem öffentlichen Aufschrei über Pius-Bischof Williamson offenbar wurden. Auch hier ging es um das Verbot falscher Auffassungen und damit um das Kenntlichwerden des neuen totalitären Ansatzes.

Schauen wir uns dazu eine vermeintlich nebensächliche Meldung der vergangenen Woche an: Die Mainstreammedien berichteten plötzlich ausführlich über die kleine Piratenpartei, die mit einem Achtungserfolg bei der Europawahl abgeschnitten hatte und sich nun, vertreten auch durch einen Parteiwechsler im Bundestag, höhere Ziele setzt. Jetzt aber hat die Politische Klasse auch bei den Piraten einen vermeintlichen Nazi ausmachen können – das reicht gewöhnlich zum Abschuss. Der vermeintliche Teufel unter den Seeräubern, Bodo Thiesen, gab eine Erklärung ab, die zeigt, dass es ihm in Wirklichkeit um die bedrohte Meinungsfreiheit geht, etwa wenn er für Versammlungsrechte auch für politische Minderheiten eintritt. Zu seinen „umstrittenen“ Ansichten über geschichtliche Wahrheiten erklärt er: „Die Judenverfolgung war ein Verbrechen und jeder einzelne Mensch, der verfolgt und getötet wurde, war einer zuviel. Das lässt sich nicht schön reden – das versuche ich auch gar nicht. Auf der anderen Seite sehen wir uns heute vor dem Problem, dass es unglaublich viele Parallelen zwischen dem Nazi-Deutschland und unserem heutigen Deutschland gibt. Gerade die Tabuisierung des Nazi-Deutschlands aber lähmt uns heute, diese Parallelen wahrhaben zu wollen, denn jeder solche Versuch wird gerne sofort als ‚Relativierung des Holocausts’ fehlinterpretiert. Auch aus diesem Grunde wäre es wichtig gewesen, eine neutralere Sichtweise in Bezug auf die Deutsche Geschichte an den Tag zu legen, und nicht jeden, der eine Meinung gegen den Mainstream hat, sofort als Nazi zu brandmarken.“

Oder als Homophoben. Oder als Frauenfeind. Merke: Meinungsverbote und Einschüchterungen gegenüber den (vermeintlichen) Minderheiten funktionieren nur solange, wie die eigentliche Parallele zur Politik der Nazis vernebelt wird. Was damals mit Einschüchterung und Meinungsverboten begann, endete im Massenmord.

Ähnlich wie den traditionalistischen Pius-Katholiken erging es zuletzt auch den ebenso konservativen evangelikalen Christen. Der Journalist Christian Dorn berichtete im Mai 2008 für die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ vom Christival in Bremen: „Das Fest junger evangelikaler Christen warb im Titel mit der Losung Jesus bewegt. Wie zum Beweis, dass Christus zu allen Menschen kommt, fühlte sich auch ein Bündnis von Linken, Schwulen und Lesben angesprochen. Bereits im Vorfeld hatten die Proteste – unterstützt durch die Denunziationen Volker Becks – das Christival als homophobe Veranstaltung zu diffamieren versucht. Obschon das skandalisierte Seminar des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft mit dem Titel ‚Homosexualität verstehen – Chancen zur Veränderung’ zurückgezogen worden war, hielten die Proteste bis zum Ende des christlichen Jugendkongresses an. In Sichtweite der zubetonierten  Bürgerweide, auf der die „Schäfchen des Herrn“ zur Eröffnung des Christival versammelt waren, hatte sich der Schwarze Block eingefunden. Sein Treffpunkt war das Kulturzentrum Schlachthof, das ursprünglich ebenfalls Räumlichkeiten für das Christival zur Verfügung gestellt, diese aber später gekündigt hatte. Etwa dreihundert Personen wetterten via Megaphon gegen das Christival und brachen zu einem Demonstrationszug auf. Als sei es ein Zeichen, verdüsterte sich im gleichen Augenblick der Himmel über Bremen. Minuten später stürmte eine Gruppe von 60 bis 80 sogenannten Autonomen über zwei Absperrungen hinweg auf das Festgelände. Durch den Angriff, bei dem auch Feuerwerkskörper flogen, wurden ein Polizist und eine Besucherin verletzt, zwei Linksextremisten wurden vorübergehend festgenommen.“

Im Mai dieses Jahres war es der Marburger Kongress für Psychotherapie und Seelsorge, der mit einem Großeinsatz der Polizei vor Homoaktivisten geschützt werden musste. Erneut berichtet Christian Dorn: „Gegen die Veranstaltung hatten verschiedene schwul-lesbische sowie antifaschistische Verbände und Personen polemisiert und mobilisiert, unter ihnen der Lesben- und Schwulenverband Deutschlands sowie der Schwulenaktivist Volker Beck von den Grünen. Letzterer hatte den Veranstaltern vorgeworfen, auf die Camouflage der Homo-Umpoler hereingefallen zu sein. Gemeint waren die Referenten Markus Hoffmann von der Selbsthilfeorganisation Wüstenstrom und die Ärztin Christl Vonholt, Leiterin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft. Obgleich die Angefeindeten nach einem Treffen mit dem LSVD dargelegt hatten, dass sie ‚Homosexualität nicht als Krankheit verstehen und nicht für therapiebedürftig halten’, ‚niemanden manipulieren oder gar umpolen’, sondern Betroffene lediglich ergebnisoffen beraten wollten, nahm die Kritik nicht ab. Selbst der Hinweis der Veranstalter, dass sich die Betreffenden während des Kongresses überhaupt nicht zum Thema Homosexualität äußern werden, konnte die aufgebrachten Kongress-Gegner nicht besänftigen. An Christi Himmelfahrt hatte ihr Aktionsbündnis deshalb zu einer Demonstration aufgerufen, die unter der Losung ‚Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus’ stand und deren Ziel es war, den Kongress zu verhindern.“ Das, berichtet Dorn, „gelang nicht, dennoch gab es spürbare Behinderung. So waren die knapp tausend Teilnehmer des Kongresses gezwungen, mehrfach die Veranstaltungsräume zu wechseln. Geradezu konspirativ wurde täglich der neue Seminarort bekanntgegeben. Zudem wurden die Teilnehmer zu ihrer eigenen Sicherheit aufgefordert, ihre Namensschilder bei Verlassen des Kongresses abzunehmen. Einige Referenten sollen Personenschutz in Anspruch genommen haben. Daneben gab es zahlreiche Schmierereien. Hierzu zählte die Zeichnung eines ans Kreuz genageltes Schweins. Nicht weniger deutlich waren die Banner, die auf der tausendköpfigen Demonstration getragen wurden. Die Gruppe Radical Homos aus Göttingen trug ein Transparent, das eine bizarre Sexualpraktik propagierte: ‚Christen fisten!’ Kaum zurückhaltender waren die Sprechchöre. Dazu passte auch das Meer von Luftballons, die neben den Erwachsenen und Jugendlichen auch Kleinkinder trugen: ‚Wenn ich einmal groß bin, werde ich lesbisch’, stand darauf.“

Homosexuelle als Opfer? Die Realität sieht heute anders aus. In Berlin-Schöneberg, wenige Meter entfernt vom U-Bahnhof Nollendorfplatz, wurde der Eigentümer der Eisdiele Dolce Freddo wochenlang schikaniert. Immer wieder stellten sich halbnackte Männer vor seinen Laden, Hunderte von ihnen knutschten wild und minutenlang miteinander, stießen obszöne Laute aus, behindern Kundschaft am Zutritt oder äußern Beleidigungen. Irgendwann kam die Polizei. Nicht um dem entnervten Italiener zu helfen, sondern um dessen Personalien aufzunehmen und wegen Verstoßes gegen Antidiskriminierungsgesetze zu ermitteln. Die Presse hatte bereits seit Tagen mobil gemacht – gegen den Eisverkäufer. In fast allen Blättern wurde seine Eisdiele angeklagt und meist mit genauer Anschrift dem Mob zur Hetzjagd freigegeben – der „Spiegel“ fügte noch hinzu, man solle die Eisdiele nicht mit einer in der Nähe befindlichen Pizzeria gleichen Namens verwechseln, denn deren Eigentümer sei politisch sehr in Ordnung.

Was Eisverkäufer Paolo Savaris „verbrochen“ hatte? Er wollte vor einiger Zeit ein dauerknutschendes Frauenpärchen nicht bedienen, weil er dieses Bild seiner oft sich im Kindesalter befindlichen Kundschaft nicht zumuten wollte. „Nachdem die beiden Frauen etwa 20 Minuten lang geküsst und gelutscht hatten, habe ich sie gebeten, zu gehen – aus Respekt den anderen Gästen gegenüber“, so  Savaris. Die Vorwürfe, „schwulen- und lesbenfeindlich“ zu sein, weist er von sich. „Das ist alles ein Alptraum. Ich arbeite seit 25 Jahren inmitten von Schwulen und Lesben.“ Und gegen diese habe er überhaupt nichts. Dann sagt er noch: „Wenn etwas falsch gelaufen ist, entschuldige ich mich dafür.“ Doch die Hasskampagne einer gut organisierten, gesetzlich bevorzugten und geschützten Szene, unterstützt von Presse und Polizei in Berlin, ist kaum mehr zu stoppen. Gnade kann der Eisverkäufer in Deutschland im Jahr 2009 von keiner Seite erwarten.

Die Beispiele aus Bremen, Marburg und Berlin machen deutlich, dass es eng wird für die Meinungsfreiheit in Deutschland. Unkorrekte Unternehmer, Kongresse, Festivals und ganze Glaubensgemeinschaften sollen mit allen Mitteln an ihrem Auftreten gehindert oder ganz verboten werden. Stets vorneweg marschiert als personifizierte Intoleranz der Grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der – erste Ironie der Geschichte – in anderen Ländern gerne Toleranz gegenüber der eigenen Anschauung einklagt. Das Ziel seiner oft militanten Freunde hierzulande ist die Unterdrückung jedweder Kritik an den eigenen sakrosankten Glaubenssätzen.

Zu diesen zählt zum Beispiel – zweite Ironie der Geschichte –, dass ausgerechnet Homosexualität genetisch bedingt und angeboren sein soll. Wo politisch korrekte Hohepriester sonst stets etwa genetisch bedingte Intelligenzunterschiede vehement bestreiten, bestehen sie nun auf angeboren schwule Babys. Dabei ist auch diese Frage wissenschaftlich alles andere als unumstritten. Dr. Ray Blanchard etwa, Psychologe am Centre of Addiction and Mental Health in Toronto, berichtete dem Magazin „New Scientist“, dass jeder ältere Bruder eines Mannes die Wahrscheinlichkeit um 33 Prozent für letzteren erhöht, schwul zu werden.

Nicht nur die Gründe für Homosexualität werden heute tabuisiert. Auch die Ursachen für die Homosexuellenkrankheit Aids sind nicht mehr offen diskutierbar. Der Molekularbiologe Prof. Peter Duesberg ist mit vielen seiner Forscherkollegen der Überzeugung, dass Aids eine chemische Krankheit beziehungsweise eine Lifestyle-Konsequenz aus Drogenkonsum und afrikanischer Mangelernährung sei. Der ausgewiesene Fachmann wird als „Aidsleugner“ diffamiert und ein wissenschaftlicher Diskurs mit ihm wurde bis heute erfolgreich verhindert. Natürlich wird auch er gerne als Schwulenfeind verleumdet. Auf die Frage, wie man ihn per Email kontaktieren könne, antwortet er selbstironisch gerne: „Sie finden mich leicht über Google. Suchen Sie unter Homophobie!“

Von Duesberg erfährt man auch, dass die gewaltige Macht der Homoaktivisten nicht nur auf religiöse Anwandlungen sowie auf Staatsgewalt beruht, denn, so der berufsbedingte Kenner der Szene: „In den USA gibt es heute mehr Aidshilfeorganisationen als Aidspatienten…“

Ähnlich wie in den anderen Bereichen der neuen Religion der Politisch Korrekten ist die konsequente Diffamierung der Ungläubigen Teil der totalitären Strategie eines staatlich alimentierten wirtschaftlichen Imperiums. In Analogie zur „Antifa“ gibt es Internetseiten, deren selbstgestellte Aufgabe es ist, allerorten akribisch „Homophobie“ zu wittern und entsprechend „die Bösen“ wie etwa Professor Duesberg namentlich anzuklagen und „unmöglich zu machen“. Es dauerte nur wenige Stunden, da war auch Philipp Gut auf einer solchen Seite „überführt“. Doch selbst den Aktivisten scheint ihr unablässiges Schimpfreden langsam unheimlich zu werden.

Der selbst offenbar schwule „Martin 783“ schreibt in einem Homosexuellenforum, bezugnehmend auf die reflexartige Verurteilung des Artikels in der „Weltwoche“: „Es macht ein wenig den Eindruck, als ob Du ihm notorisch Homophobie vorwerfen willst. Ich glaube aber, dass Du seinem Artikel damit nicht gerecht wirst.“ Martin fügt an: „Bedauerlicherweise hat die Bekenntnisgemeinschaft den Umschlagspunkt nicht erkannt, an dem aus der Öffentlichmachung um der Gleichstellung eine Öffentlichmachung um der Selbstdarstellung Willen geworden ist. Es liegt nahe, gerade in dieser narzisstischen Nabelschau eine Ursache für das Wiedererstarken von Homophobie in Teilen der Gesellschaft zu sehen.“

Schwulsein, so Martin, „sollte eine Privatsache sein, die nach den Regeln des guten Geschmacks in der Öffentlichkeit endlich wieder diskret behandelt wird. Das heißt, dass man seine sexuellen Neigungen sorgfältig von politischen Statements unterscheidet und sich nicht mit dem Gestus des Bekenners selbst stilisiert.“ Martin ergänzt: „Es ist nicht in Ordnung, wenn man bei Homosexuellen in erster Linie nicht das Paar, nicht deren Liebe, sondern die sexuelle Orientierung sieht. Das ist aber wenig verwunderlich, wenn die Öffentlichkeit wochenlang mit der Präsentation dieser sexuellen Orientierung konfrontiert wird – und nur daran entzündet sich Guts Artikel. Schwule sollten ihr Schwulsein nicht unterdrücken, aber sie sollten es dort ausleben, wo es hingehört und wo auch Heterosexuelle ihr Heterosexuellsein ausleben. Und das ist eben nicht die Öffentlichkeit.“

Und dann lässt der schwule Martin im Homophobieforum jeden Rest an politischer Korrektheit sausen: „Es liegt natürlich nahe, derartige Argumente“ – gemeint ist Martins Angst davor, dass das intolerante Auftreten der Homoaktivisten selbst am Ende für Schwulenfeindlichkeit sorgen könnte – „mit dem Hinweis auf ihre Dreistigkeit wegzufegen. Dass sie oft genug in Zusammenhängen geäußert werden, die noch erheblich heikler sind als Homophobie (z.B. Antisemitismus), macht es nicht gerade leichter, sie vorzubringen. Man könnte es aber auch anders ausdrücken: Eine politische und gesellschaftliche Präferenz für bestimmte Gruppen schürt Neid und Aggression in anderen, sich benachteiligt sehenden Gruppen. Wahrscheinlich wirst Du die öffentliche Präferenz für Schwule bestreiten, nur bin ich da mit Gut anderer Ansicht, und finde es moralisch bedenklich, wenn Schwule und Lesben positive Diskriminierung nicht nur ausnutzen, sondern auch noch rechtfertigen und die Kritik daran als dreist bezeichnen. Affirmative Action ist bis zu einem bestimmten Punkt sicher notwendig, wird jenseits dieses Punktes aber nicht nur überflüssig, sondern gefährlich. Dieser Punkt ist in meinen Augen im Falle der Homosexualität überschritten – übrigens auch bei Frauen“.

Die politisch korrekten Aktivisten der Schwulenszene sind von Hause aus fortschrittsgläubig. Sie interpretieren die Geschichte als Einbahnstraße in Richtung Befreiung. Insofern können sie sich vermutlich nicht vorstellen, dass – wirtschaftlich schwierige und voraussichtlich politisch ereignisreiche Zeiten stehen uns allen bevor – das Pendel des Zeitgeists auch wieder einmal umschlagen könnte. Sie vergessen deshalb leicht: Die zum Kult erhobene Homosexualität ist historisch eher die Ausnahme. Die klerikalkonservative Restauration der Adenauerzeit war nicht zuletzt eine Antwort auf den körperbetonten und alles politisierenden Zeitgeist der Revolutionäre um Ernst Röhm und die Wandervögel. Darauf folgte die Verteufelung dieser betont privatisierenden 50er Jahre und damit etwa auch der heutigen Piusbrüder und anderer Konservativer als deren Wiedergänger durch das Regiment der Achtundsechziger. Programm war nun die Politisierung alles Privaten, nicht zuletzt auch der Sexualität – wir sehen heute die Spätausläufer dieser Bewegung in Gestalt der Religion der Politisch Korrekten.

Es gibt zahlreiche Schwule, die das immer totalitärere Treiben von Beck und Co. mit großer Sorge betrachten. Auch unter ausgewiesenen Konservativen – und wie Insider Martin Lichtmesz in der „Sezession“ verrät: „unter ihnen die besten Köpfe“ – sind erstaunlich viele Homosexuelle zu finden. Entgegen landläufiger Meinung verteidigen diese Autoren auch in konservativsten Organen Freiheitsrechte für Homosexuelle, sofern und wo diese bedroht werden. Doch die pseudoreligiöse Form öffentlich praktizierter Bekenntnishomosexualität ist ihnen nicht zuletzt auch deshalb zuwider, weil sie den Gang der Geschichte nicht gar so optimistisch betrachten.  

Und was die Auffassung jedes vernünftigen Liberalen betrifft, so sagt stellvertretend Philipp Gut, „Schwulsein“ sei „eine Privatsache, die nach den Regeln des guten Geschmacks in der Öffentlichkeit endlich wieder diskret behandelt“ werden solle: „Man läuft ja auch sonst nicht dauernd mit offenem Hosenladen herum.“


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