Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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„Affirmative Action“ II.: Wahnsinn mit Methode

von Andreas Tögel

Über die Kosten der Diskriminierung

Für den aus den USA stammenden Begriff „Affirmative Action“ findet sich im Deutschen keine befriedigende Entsprechung. „Positive Diskriminierung“, „umgekehrte Diskriminierung“ oder „positive Maßnahmen“ sind widersprüchliche oder irreführende Übersetzungen. Die „National Organization for Women“ definiert „Affirmative Action“ als „die Menge von Politiken und Initiativen, die dazu geschaffen sind, zurückliegende und gegenwärtige Diskriminierungen, die auf Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder Nationalität beruhen, zu eliminieren.“

Auf den ersten Blick klingt das harmlos, edel und gut. Doch die Beschäftigung mit der Realität zeigt ein anderes – ein weniger günstiges Bild.

In einer Gesellschaft freier Bürger ist es jedermann erlaubt, zu diskriminieren (lat. discriminare = trennen, unterscheiden), also nach Belieben Unterscheidungen vorzunehmen. So befindet der Hausbesitzer darüber, wem er erlaubt, seine Schwelle zu übertreten und wem nicht. Der Autobesitzer kann, wen immer er will, von der Nutzung seines Fahrzeugs ausschließen. Franz, der Karin und nicht Ella oder Berta ehelicht, diskriminiert die beiden letzteren – und er braucht sich dafür nicht zu rechtfertigen. In dieser Gesellschaft, in der das Privatrecht etwas gilt, also Vertragsfreiheit herrscht, ist es ferner das gute Recht des Wirts, sich zu weigern, Rothaarige oder Greise zu bedienen. Dem Autohändler steht es zu, keine Kahlköpfe oder Lehrer zu beliefern. Indessen ist offensichtlich, dass dieses Verhalten den beiden Genannten wirtschaftliche Nachteile gegenüber denjenigen ihrer Konkurrenten einträgt, die darauf verzichten, bestimmte Menschen zu diskriminieren und die folglich über einen größeren Kundenstock verfügen. Im Geschäftsleben unterbleiben derlei Diskriminierungen daher in aller Regel, da sie mit vermeidbaren Kosten verbunden sind.

Maßgeblich ist in jedem der genannten Fälle, dass die Entscheidung zu diskriminieren höchst individueller, privater Natur und daher vom Staat zu respektieren ist, was bis vor gar nicht allzu langer Zeit auch der Fall war. An die Adresse Privater gerichtete „Diskriminierungsverbote“ oder staatliche Programme zur „positiven Diskriminierung“ sind relativ neue Erfindungen und typische Früchte des zum „Nanny-State“ entarteten totalen Staates, der sich anmaßt, selbst die letzten Winkel des Privaten gemäß der Parole Willy Brandts durch „Mehr Demokratie wagen!“ am Ende kollektiver Überwachung und Regulierung zu unterwerfen.

Oft wird John F. Kennedy höchstselbst als Vater der „Affirmative Action“ genannt, weil er eine „Equal Employment Opportunity Commission“ ins Leben rief, die allerdings erst nach seinem Tode aktiv wurde. Diese offe barte 1977, dass Affirmative Action zu verstehen sei als „jede Maßnahme, die über die einfache Beseitigung einer diskriminierenden Praxis hinausgeht, um einstige und heu tige Diskriminierung zu korrigieren, zu kompensieren und in Zukunft zu verhüten.“ Diese Losung enthüllt bereits d Allmachtsphantasien einer totalitären Staatsbürokratie, nichts weniger erträgt als autonom handelnde, entscheide und ihre Handlungen und Entscheidungen selbst verantwortende Individuen.

Tatsache aber bleibt: „Positive Diskriminierung“ gibt es nicht – und kann es auch gar nicht geben. Niemand macht aus einem Idioten einen Nobelpreisträger für Physik oder aus einem Faulpelz einen erfolgreichen Unternehmer. Sehr wohl aber kann durch den Einsatz entsprechend repressiver Mittel versucht werden zu erreichen, dass de Gescheiten und Tüchtigen der ihnen zustehende Erfolg nicht oder nicht im vollen Ausmaß zuteil wird. Und genau das liegt heute im Wesen jeder „Affirmative Action“.

Gewaltbewehrte Gleichmacherei, auf welchem Feld auch immer, senkt notwendigerweise das herrschende Niveau – zum Schaden aller. Wer meint, es ginge um „fördernde Maßnahmen“ zugunsten irgendeiner angeblich benachteiligten Personengruppe oder etwa ethnischen Minderheit, hat das Konzept nicht begriffen. Selbstverständlich handelt es sich bei „Affirmative Action“ niemals um die Förderung vermeintlich Benachteiligter, sondern stets um eine hoheitlich betriebene Benachteiligung jener Menschen, die im freien Wettbewerb erfolgreicher sind als andere.

Die nach ihrem erfolgreichen Marsch durch die Institutionen über die unbeschränkte Deutungshoheit und über faktisch alle Macht im Staate verfügende linke Intelligentsija hat es geschafft, den Begriff der Diskriminierung, sofern diese im privaten Rahmen erfolgt, negativ zu besetzen, während hoheitliche Diskriminierung, also „Affirmative Action“, als etwas zutiefst Positives begriffen wird, namentlich als noble Methode zur Schaffung von „sozialer Gerechtigkeit“ und „Chancengleichheit“ – die in Wahrheit stets auf den Versuch zur Herstellung von Ergebnisgleichheit hinausläuft.

Der Historiker Steven Farron, der an Universitäten in New York, Chicago und – bis zu seiner Pensionierung – Johannesburg lehrte, verfasste zum Thema „Affirmative Action“ eine hochinteressante Monographie unter dem Titel „Prejudice is free, but discrimination has costs: The Holocaust and its parallels“. Darin analysiert er die jeder „Affirmative Action“ vorangehende Wahrnehmung, dass bestimmte Menschen größere wirtschaftliche Erfolge haben als andere. Und er untersucht die in der Folge zur Behebung dieses „Problems“ ergriffenen Maßnahmen. Vier historische Beispiele und deren jeweiliger „Erfolg“ werden von Farron durchleuchtet: Die Diskriminierung der chinesischen Minderheit in Malaysia, die Diskriminierung der Schwarzen in Südafrika bis 1994 und die der Weißen in der Zeit nach der Machtergreifung durch den ANC, die Diskriminierung der weißen Mehrheit in den USA seit Anfang der 1960er Jahre sowie schließlich die Diskriminierung der Juden in Deutschland ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts und besonders während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes.

Wie der Historiker zeigt, kann von einer „Erfindung“ der „Affirmative Action“ durch egalitäre Bürgerrechtsaktivisten und totalitäre Gesellschaftsklempner in den USA der 1960er Jahre keine Rede sein. Die Briten zeigten nämlich schon lange Zeit vor der von Lyndon B. Johnson ausgerufenen „Great Society“, wie es geht: Die durch die Kolonialmacht gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Kulis nach Malaysia geholten Chinesen hatten unter massiver Benachteiligung gegenüber der malaiischen Mehrheitsbevölkerung zu leiden – insbesondere im Bereich der Bildung. Mit einfachsten Mitteln schafften sie es trotz (oder besser: wegen) des völligen Ausbleibens staatlicher Bildungsaufwendungen, die Schulbildung ihrer Kinder höchst erfolgreich auf eigene Faust zu organisieren. Nach Erlangung der Unabhängigkeit Malaysias vom Empire 1957 verstärkte sich der Diskriminierungsdruck gegen die chinesische Volksgruppe, die rund 30 Prozent der Einwohner umfasst. Doch trotz ihrer planmäßigen Benachteiligung bei der Bildung und ihres faktisch vollständigen Ausschlusses von Staatsund Regierungsämtern war ihr wirtschaftlicher Erfolg nicht aufzuhalten. Bis zum Jahr 1970 befanden sich 85 Prozent aller Einzelhandelsgeschäfte in ihren Händen. Die Zahl ihrer Hochschulabschlüsse liegt, je nach Fach, beim 20- bis 100-fachen jener der malaiischen Mehrheitsbevölkerung. Die Benachteiligung chinesischer Geschäftsleute bei der Vergabe von Staatsaufträgen führte zu Korruptionsexzessen – mit dem Ergebnis, dass lediglich eine kleine Zahl von Malaien, die als „Geschäftsvermittler“ und Strohmänner im Dienste von Chinesen tätig sind, reich wurde, während deren große Masse aus der Benachteiligung der Chinesen keinerlei Vorteile ziehen konnte.

Auch die in Südafrika praktizierte „Affirmative Action“ zeitigte nicht die beabsichtigte Wirkung – weder als sie sich gegen Schwarze richtete, noch seitdem sie gegen Weiße eingesetzt wird. Auch am Kap besteht das Ergebnis staatlicher, meist rassisch motivierter Diskriminierung stets darin, dass ein kleiner, ebenso cleverer wie korrupter Klüngel der jeweils Begünstigten – auf Kosten aller anderen – daraus beträchtlichen Nutzen zieht, während die breite Masse leer ausgeht. Das südafrikanische Beispiel gleicht dem malaiischen in vielerlei Hinsicht. Auch dort nämlich profitiert von der „Affirmative Action“ lediglich eine kleine Gruppe smarter Neger mit besten Kontakten zur Regierung, die als „Einfädler“ und Mittler bei der Erlangung von Lizenzen oder Staatsaufträgen für weiße Geschäftsleute fungiert. Die Zahl der in der Hand von Schwarzen befindlichen Unternehmen hat sich dagegen nicht – wie angestrebt – erhöht. Schwarze Konsumenten geben bei Befragungen zwar gerne an, lieber bei schwarzen Geschäftsleuten einkaufen zu wollen, geben aber in der Realität, da Weiße meist über die besseren Angebote verfügen, diesen den Vorzug.

Ein ähnliches Bild bietet sich in den USA seit Ausbruch der Bürgerrechtshysterie in den 1960er Jahren: Auch hier ging es niemals um Gleichstellung, sondern um einseitig benachteiligende Maßnahmen im Sinne einer dubiosen Auffassung von „Wiedergutmachung“, die nur dann Sinn ergibt, wenn man den Menschen seiner Individualität entkleidet und ausschließlich als Teil eines Täter- oder Opferkollektivs wahrnimmt. Wie klug ein Konzept ist, das im Kern darin besteht, heute lebende Weiße gegenüber Schwarzen zu benachteiligen, weil vor 150 Jahren Neger als Sklaven gehalten wurden, mag jeder selbst beurteilen. Die wirtschaftliche Lage der Schwarzen jedenfalls hat sich trotz all dieser Maßnahmen kaum verbessert. Lediglich die Zahl der im öffentlichen Dienst tätigen Neger hat sich deutlich erhöht.

Die „Affirmative Action“ im Bildungsbereich hat zur Folge, dass die Kinder einer keineswegs mit wirtschaftli- chem Überfluss gesegneten weißen Alleinerzieherin gegenüber denen eines wohlhabenden Paares schwarzer Rechtsanwälte massiv benachteiligt werden. Bei an Privatfirmen vergebenen Aufträgen der öffentlichen Hand werden zwar in der Hand von Minderheiten befindliche Unternehmen bevorzugt; das hat aber lediglich dazu geführt, dass diese Aufträge häufig an Schwarze vergeben, faktisch aber durch von Weißen geführte Subunternehmen ausgeführt werden, weil eben oft nur diese über die notwendigen Voraussetzungen und Fähigkeiten zur Erfüllung der Kontrakte verfügen.

Der Hauptteil der Monographie Steven Farrons ist der Diskriminierung der Juden in Deutschland bis zu deren Höhepunkt – dem Holocaust – gewidmet. Bereits im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts formierte sich hierzulande eine „Antisemitenliga“, deren Hauptzweck in der Bekämpfung des wirtschaftlichen Erfolges der jüdischen Minderheit bestand. Der unselige Satz „Die Juden sind unser Unglück“, ein Ausspruch Heinrich von Treitschkes, datiert aus genau dieser Zeit (1879) und wurde später von den Nationalsozialisten aufgegriffen.

Worin aber ist die Ursache dafür zu suchen, dass in einem 48-Millionen-Volk eine 500.000 Köpfe starke Minderheit rund 85 Prozent der Rechtsanwälte in der Hauptstadt und 85 Prozent der Geschäftsleute des ganzen Landes stellte? Die einzig logische Erklärung dafür scheint, so jedenfalls Farron, in der höheren durchschnittlichen Intelligenzleistung der Juden zu liegen, da IQ und Wohlstand direkt miteinander korrelieren. Der IQ wiederum ist nach Ansicht des Autors zu 90 Prozent genetisch und lediglich zu 10 Prozent kulturell determiniert. Selbst Adolf Hitler konnte anlässlich einer 1922 gehaltenen Rede, in der er sich unter anderem mit den Erfolgen von aus dem Osten zugewanderten Juden beschäftigte, nicht umhin, der jüdischen Minderheit ihre besondere Tüchtigkeit zuzugestehen.

Farron schildert die zur Eindämmung der Überlegenheit der jüdischen Minderheit ergriffenen Maßnahmen, die – aus der Sicht ihrer Initiatoren – allesamt nicht den beabsichtigten Effekt zeigten. Weder vor jüdischen Geschäften postierte SA-Schläger noch Berufseinschränkungen und -verbote oder sonstige Schikanen konnten die vielfach bestehende Überlegenheit der Juden beenden. Farron begründet dieses Phänomen mit der Tatsache, dass persönliche (Kauf-) Entscheidungen eben maßgeblich von der individuellen Suche nach dem eigenen Vorteil bestimmt werden. Wenn also „der Jud’ günstiger liefert“, wird – selbst von Nationalsozialisten – bei ihm und „nicht beim Arier gekauft“. Oder es wird aus gutem Grund weiter der jüdische Arzt dem arischen vorgezogen.

Der Holocaust war, so das verstörende Resümee Farrons – die einzige jemals wirklich wirksame Form der „Affirmative Action“. Wer erfolgreich zu diskriminieren beabsichtigt, darf daher nicht auf halbem Wege stehenbleiben. Nur die physische Auslöschung der zu Tüchtigen bringt den vollen Erfolg. Angesichts dieser erschreckenden Erkenntnis verdienen diejenigen, die auch heute noch – oder besser: schon wieder! – einer „positiven Diskriminierung“ das Wort reden, jedes nur erdenkliche Misstrauen.

Internet

„Prejudice is free, but discrimination has costs: The Holocaust and its parallels“ ist als „Monograph Nr. 35“ der südafrikanischen „Free Market Foundation“ erschienen: www.freemarketfoundation.com

Information

Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 94

30. Juni 2009

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