Chris Vigelius

Jahrgang 1975, selbständig in der IT-Branche.

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Angeklickt: Fundstücke

von Chris Vigelius

Aktuelles und Merkwürdiges aus Presse und Internet

Wegzensiert, die erste: Über die Bestrebungen von Bundes-Supernanny Ursula von der Leyen, unter dem Vorwand der Bekämpfung von Kinderpornographie eine bundesweite, beliebig nutzbare Zensurinfrastruktur einzuführen, hatten wir in ef ja schon vor einziger Zeit berichtet. Wie in einigen anderen europäischen Ländern soll hierfür eine geheime Filterliste benutzt werden, was insbesondere den Vorteil hat, lästige Nachfragen und kritische Recherchen zu unterbinden - schliesslich weiss niemand, was überhaupt alles blockiert wird. So oder ähnlich werden sich das auch die Zensoren beim Filter-Vorbild Finnland gedacht haben. Dumm nur, dass jemand die Liste entwendet und veröffentlich hat: Nun kann jeder nachzählen und feststellen, dass von 1047 blockierten Seiten lediglich eine(!) selbst Kinderpornographie enthält, während 8 weitere, oder ganze 0,76%, immerhin auf entsprechendes Material verlinken. Für einen angeblichen "Millionenmarkt" (O-Ton von der Leyen) erstaunlich wenig, oder nicht?

http://maraz.kapsi.fi/sisalto-en.html

Wegzensiert, die zweite: Auf die naheliegende Frage, warum man zwar immer wieder von Hausdurchsuchungen bei vermeintlichen Nutzern von Kinderpornographie, aber selten über Razzien bei Anbietern und praktisch nie über Verurteilungen ebensolcher hört, antworten Politiker und Behörden in schöner Regelmäßigkeit, dass die Hintermänner in Ländern säßen, in denen sie strafrechtlich nicht zu greifen wären. Praktisch für die Hintermänner (und die Politiker), aber stimmt es auch? Der Blogger Scusi hat sich die Mühe gemacht, aus den Filterlisten mehrerer europäischer Ländern die Serverstandorte zu ermitteln. Das Ergebnis: von 1413 gesperrten Seiten sind 1043 in den USA, 135 in Australien, 85 in Kanada, 41 in den Niederlanden, 26 in Deutschland, 19 in Tschechien und 11 in Großbritannien beheimatet. Oder anders formuliert: 95% der Angebote stammen aus Ländern, in denen Kinderpornographie verboten ist und bei denen man normalerweise von einer funktionierenden Strafverfolgung ausgehen würde. Das, zusammen mit mit den Fakten aus dem ersten Teil, lässt nun wirklich eine Menge Schlüsse zu - unter denen die Annahme, Politiker und Behörden wären schlichtweg zu doof um Kindesmissbrauch wirksam zu bekämpfen, noch die mit Abstand schmeichelhafteste sein dürfte.

http://scusiblog.org/?p=330

Ausgespäht: Ein deutlich angespanntes Verhältnis zu Wahrheit auf der einen und Intelligenz auf der anderen Seite herrscht offensichtlich auch beim BND: Der bespitzelt einen deutschen Journalisten, den er mit einem Schriftsteller verwechselt, dessen Namen er angeblich über eine Halterabfrage ermittelt hat. Dumm nur: Der Journalist fuhr an dem Tag mit einem Taxi, und der Schrifsteller hatte gar kein Auto. Ähnlich sehen sich die beiden übrigens auch nicht gerade. Immerhin teilen sie wenigstens eine Gemeinsamkeit: Beide Spitzelopfer sind männlich.

http://www.stern.de/politik/deutschland/:Bespitzelung-Der-BND,-Nacht/653325.html

Ausgereist: Ein Blick über den Tellerrand -oder die nächste Grenze- schadet selten und bringt zuweilen neue Einsichten zutage. Der Blogger Daniel Fallenstein fuhr nach Polen - und entdeckte einen quicklebendigen, lebensnahen Liberalismus, der vor allem von jungen Menschen getragen wird und von dem man hier in Deutschland sicher auch mehr gebrauchen könnte:

http://epu.fdog.org/Schlagworte/reisetagebuch

Abgehoben: Jason Hawke's Nachtaufnahen der Londoner City aus der Vogelperspektive kann man sich anschauen, weil sie auf anschauliche Weise eine zivilisatorische Leistung dokumentieren, wie sie nur der freie Markt zu erbringen vermag. Oder einfach, weil sie atemberaubend schön sind:

http://www.boston.com/bigpicture/2008/08/london_from_above_at_night.html

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01. Februar 2009

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Kommentare

Freewheelin Fördermitglied, am 01. Februar 2009 um 22:02 ( Link )

"...die Annahme, Politiker und Behörden wären schlichtweg zu doof um Kindesmissbrauch wirksam zu bekämpfen..."

Wieviele Zeugen im Dutroux-Prozess haben eigentlich den Planeten vorzeitig verlassen? 20? 30?

Bezüglich Kindesmissbrauch gibt es ungeheuerliche Fundstücke im Web, selbst Dinge die mit Fakten und Beweisen unterlegt sind wagte ich nicht zu glauben.
Doch dies hier ist ein weiteres Indiz. Es ist so krank, zum verzweifeln krank.

Fatal, am 02. Februar 2009 um 15:14 ( Link )

Wieviele Zeugen im Dutroux-Prozess haben eigentlich den Planeten vorzeitig verlassen? 20? 30?
Es waren genau 27.

http://video.google.com/videoplay?docid=3656403948756983606

Constanze, am 02. Februar 2009 um 21:45 ( Link )

Zwar mögen die meisten Server, auf denen Kinderpornographie verbreitet wird, sich in "zivilisierten" Ländern befinden, die hiesige Strafverfolgung jedoch steht vor nahezu unüberwindlichen Hürden:
Rechtshilfeersuchen hiesiger Staatsanwaltschaften an die USA oder Kanada beispielsweise laufen regelmäßig ins Leere, da die amerikanischen Ermittlungsbehörden (aus welchen Gründen auch immer) den europäischen Kollegen nicht trauen und gegen eigene Bürger auch bei schwerwiegenden Verdachtsfällen kaum effektive Hilfe leisten (wollen), Bestes Beispiel ist der Fall des Karl-Heinz Schreiber, der sich seit Jahren in Kanada erfolgreich der Strafverfolgung durch deutsche Behörden entzieht.
Es ist also nicht die Unfähigkeit deutscher Ermittler, die die erfolgreiche Bekämpfung dieser widerlichen Verbrechen verhindert.

chrisv, am 02. Februar 2009 um 22:44 ( Link )

@Constanze:
M.W. wird die Verbreitung von Kinderpornographie in USA sehr wohl auch faktisch verfolgt, und es findet durchaus internationale Zusammenarbeit statt, hier ein Beispiel: Operation Avalanche.

Bei Herrn Schreiber ist der Fall wohl doch etwas anders gelagert, der hat mit Kinderpornographie überhaupt nichts zu tun.


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