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![]() Jg. 1969, Medienwissenschaftler und Journalist. Regelmäßiger Kolumnist der Zeitschrift eigentümlich frei. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: |
Fundamentalismus: Welle von Morddrohungen von religiösen Fanatikernvon Arne Hoffmann Bringt ein Heiliger Krieg das Ende der Aufklärung? (Eine Parodie) Ein Student aus dem US-Bundesstaat Florida hat Morddrohungen von religiösen Fanatikern erhalten, nachdem er eines ihrer obskuren Rituale störte. Dies meldete der amerikanische Nachrichtensender FOX. Der fragliche Student, Webster Cook, hatte bei einem als "Heilige Kommunikation" bezeichneten Ritus in einer christlichen Kirche die dafür verwendete Speise (in diesem Fall offenbar einen Keks) nicht gegessen, sondern aus der Veranstaltung herausgeschmuggelt. Schon dabei kam es zu gewaltsamen Versuchen von einem anderen Kultmitglied, Cook am Verlassen des Gebäudes zu hindern. Das Christentum ist eine vor etwa 2000 Jahren gegründete Religion, die heute noch vielfach praktiziert wird, und deren Anhänger an dem vor-aufklärerischen Wunderglauben festhalten, dass der mit einem religiösen Zauber besprochene Keks sich dadurch buchstäblich in den Leib ihres angeblich vor zweitausend Jahren getöteten Gurus Jesus Christus verwandelt (ja, jeder einzelne Keks!). In den Augen der Christels machte sich Webster Cook mit seiner Tat also der Entführung schuldig. Und möglicherweise der Leichenschändung, wobei die Christels allerdings glauben, dass ihr Führer auf irgendeine ominöse Weise immer noch lebt. (Womit das Verspeisen des Kekses eine Form von Kannibalismus am lebenden Menschen wäre, aber ich schätze, DAS ist okay für die Christels!) Es dürfte kaum überraschen, dass Mitglieder einer Weltanschauung, die einem dermaßen bizarren Glauben anhängt, auch anderweitig zu Handlungen jenseits aller Vernunft fähig sind. Die massenmörderische Gewaltbereitschaft dieses vorzeitlichen Kultes ist nur allzu bekannt: Zwar wiegeln viele Gutmenschen aus Feigheit und Duckmäusertum gerne ab mit Sprüchen wie "Das hat nichts mit dem Christentum zu tun". Aber es fällt schon auf, dass es ausgerechnet ein fundamentalistisch christlicher Präsident war, der in den vergangenen Jahren zwei nicht-christliche Länder überfiel, was zu Hunderttausenden von Toten führte. In heldenhaftem Widerstand versuchte Cook nun, den Wahn dieser Politreligion zu demaskieren - und erntete dann auch tatsächlich die erwarteten Reaktionen: "Weltweit wurden Katholiken wütend" berichtet FOX. (Katholiken sind eine Untergruppierung der Christels, die offenbar nicht mal mit ihren Glaubensbrüdern ohne Zank und Zerwürfnisse in Eintracht existieren können.) Die katholische Liga, eine nationale "Wachhund-Organisation" dieses Kultes, suhlte sich in lustvollem Beleidigtsein: "Wenn es jemals etwas gab, das ein Hass-Verbrechen darstellt, dann dieses." Die Universität und die gesamte Gemeinschaft müsse Cook zeigen, dass sein Verhalten nicht toleriert werde. Dermaßen aufgehetzt sendeten die Christels Morddrohungen an Cook. Währenddessen gossen ihre Führer immer mehr Öl ins Feuer: "Es ist verletzend", klagte der christliche Würdenträger Miguel Gonzales in einem Gespräch mit einem Fernsehsender Floridas. "Stellen Sie sich vor, man hätte jemanden gekidnappt, und jetzt flehen Sie, dass dieser Mensch bitte wieder zu seiner geliebten Familie zurückkehren kann." Cooks Tat stelle eine "Todsünde" dar. Welchen versteckten Aufruf diese Äußerung impliziert, dürfte jedem klar sein, der sich nur ein wenig näher mit dieser Religion beschäftigt hat. Cook erklärte zunächst, er überlege, Christus/den Keks zurückzugeben, wenn er eine Entschuldigung für die Übergriffe gegen ihn erhalte sowie eine Möglichkeit, in einem Treffen mit dem obersten Würdenträger der Gemeinde über deren Gewaltbereitschaft zu sprechen. Durch die Morddrohungen sah er sich jedoch gezwungen einzuknicken und den Keks/Christus ohne Vorbedingungen zurückzugeben. Mit seiner Verbitterung darüber, dass 40.000 Dollar der studentischen Gelder für diesen bizarren Kult abgezweigt werden, muss Cook jetzt alleine fertig werden. Diese Ereignisse werden seit einiger Zeit in der Blogosphäre diskutiert. Einer, der darüber schrieb, war der Biologieprofessor Paul Zacharias Myers, dessen Blog von dem renommierten Magazin "Nature" zum Wissenschaftsblog Nr. 1 gekürt worden war. Und auch Myers berichtet davon, mehrere Morddrohungen erhalten zu haben – "alle, weil ich unhöflich gegenüber einem Keks gewesen bin". 34 weitere Hassmails verlangten, dass er gefeuert werden solle. "In 25 davon wurde mir gesagt, ich solle stattdessen eine Kopie des Korans entweihen oder auf ähnliche Weise Muslime beleidigen, weil anscheinend nur einige religiöse Ikonen geschützt werden müssen, und ich würde ja nur Katholiken beleidigen, weil sie alle so nett wären und mir keiner von ihnen je ein Leid wünschen würde. Ich habe sogar eine Mail erhalten, in der stand, ich sollte gefeuert werden, dass ihr Verfasser mich gerne umbringen möchte UND dass ich nur Katholiken kritisiere, weil diese so sanftmütig und nett seien." Das Christentum selbst beschreibt sich – ohne jede Ironie – als Religion der Liebe und des Friedens. Am 1. August meldete der humanistische Pressedienst unter der Überschrift "Katholiken fanatischer als Muslime?", wie die Geschichte weiterging: Myers habe inzwischen "einen rostigen Nagel in eine gesegnete Hostie gesteckt, sie zusammen mit rausgerissenen Seiten des Koran und Dawkins 'Gotteswahn' in den Müll geworfen, und das moderne Kunstwerk mit Kaffeepulver und einer Bananenschale verziert. (...) Die Reaktionen von religiöser Seite sind jedoch nicht wie erwartet. Man hätte angenommen, dass der Religionskritiker zumindest ein paar Todesdrohungen von aufgebrachten Muslimen erhält, oder dass eine Flagge mit seinem Pharyngula-Embryo verbrannt wird. Nichts dergleichen ist geschehen. PZ Myers hat bis zum heutigen Tage nicht einmal eine höfliche Beschwerde von Muslimen erhalten (nicht eine!), obwohl er das heiligste Heiligtum des Islam zerrissen und in den Müll geworfen hat. Stattdessen erhielt er hunderte von Todesdrohungen von aufgebrachten römischen Katholiken." Auch der Inhalt einer Mail wird beispielhaft zitiert: "Ich wollte dir nur eine Nachricht schicken, dass wenn jemand bekannt gibt, er habe deine Frau, Mary, und deine Kinder, Alaric, Connlann und Skatje entführt, sie brutal vergewaltigt, getötet und sie in eine Mülltonne geworfen und dann darüber gelacht und damit angegeben, dann wirst du einen ersten Eindruck davon haben, welchen Zorn du bei vielen guten Menschen erregt hast." In einer anderen Mail heißt es: "Du bist ein Drecksack, sollen deine Eingeweide verrotten, jemand soll dein Genick mit einem Stiefel mit Stahlkappe am Bordstein zerbrechen, ich hoffe für eine Welt ohne Liberale, wir können mit dir anfangen". Ja, so spricht die Religion des Friedens und der Liebe ... Weltweit 2,1 Milliarden Christen, die zu unvorhersehbaren Reaktionen neigen, sind eine machtvolle Drohkulisse. Und so überrascht es kaum, dass sich die öffentlichen Einrichtungen dem unverschämten Druck der dauerempörten Kultisten beugten: Von der Universität wurde inzwischen nicht nur der Entführer des Kekses mit dem Rauswurf bedroht, sondern auch sein Freund, der dabei ebenfalls zugegen war, selbst aber gar nichts getan hatte! Inzwischen verurteilte auch die "Bruderschaft des katholischen Klerus" die Tat von Professor Myers scharf. In ihrer Erklärung heißt es: "Religionsfreiheit bedeutet, dass niemand das Recht hat, eine religiöse Tradition anzugreifen, sie bösartig oder auf widerwärtige Weise zu beleidigen, von der er kein Mitglied ist oder der er keine Loyalität schuldig ist." Ende Juli verlangte die aus 600 Priestern und Diakonen bestehende Vereinigung "Confraternity of Catholic Clergy" Reparationen für die Entweihung des Kekses durch Professor Myer, da diese Handlung die Freiheit der Rede, der Religion und der Wissenschaft überschreite: "Die heiligsten Sakramente einer Religion anzugreifen ist genausowenig Meinungsfreiheit wie es Meineid vor Gericht oder Verleumdung in einer Zeitung wäre. Lügen und Hassreden, die zur Gewalt anstacheln, werden nicht von dem Gesetz geschützt. Aus diesem Grund ist es genausowenig von der Verfassung gedeckt, wenn jemand Hakenkreuze an eine Synagoge pinselt oder öffentlich Exemplare der Bibel oder des Korans verbrennt." Die Geschehnisse in Florida sind kein Einzelfall. Auch in Deutschland – in Wiesbaden – griffen Ende 2007 Gläubige einen Mann an, weil er eine bei dem geschilderten Ritual verteilte Oblate nicht augenblicklich verzehrte. Der Dekan verprügelte ihn so, dass der Mann ins Krankenhaus musste. Von Amts wegen gab es – gegen den Verprügelten! – eine Anzeige wegen "Störung der Religionsausübung". Der Wiesbadener Stadtdekan Johannes zu Eltz erklärte in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk: "Für den Schutz einer Hostie würde ich mich, wenn es sein muss, umbringen lassen." Und vor diesem Irrsinn kapituliert unser Staat! Dabei müsste bekannt sein, welche Folgen diese Kapitulation hat: Im Mittelalter, so kommentiert der humanistische Pressedienst die Geschehnisse, habe der christliche Verfolgungswahn und Aberglauben in Form des Hostienfrevels zahllosen "Hexen" und Tausenden von Juden das Leben gekostet. (Auch der Judenhass ist eine Tradition, von der sich dieser Glaube nie richtig gelöst hat: Nach dem Antisemiten Martin Luther sind noch heute etliche christliche Kirchen benannt.) Dass es in den modernen USA zu Todesdrohungen wegen solcher Wahnvorstellungen komme, zieht der humanistische Pressedienst ein erstes Fazit, stelle einen Angriff auf den liberalen Rechtsstaat dar. Doch die Zivilgesellschaft schweigt. Es gibt abgesehen von einigen atheistischen Bloggern um Richard Dawkins keine Solidaraktion mit Webster Cook, und die deutschen Journalisten scheuen sich augenscheinlich, auch nur darüber zu berichten. Besonders ohrenbetäubend wird dieses Schweigen, wenn man seine Wahrnehmung auf die Christels selbst richtet. Von keinem einzigen von ihnen war auch nur irgendeine Form von Distanzierung zu hören gegenüber Terror und Gewalt. Wir brauchen uns keine Illusionen mehr darüber zu machen, mit wem wir es zu tun haben. Wir müssen nur daran zurückdenken, dass etwa die dänische Zeitung, die die Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, Jesus-Karikaturen abgelehnt hatte, weil sonst der öffentliche Aufschrei zu groß gewesen wäre. Letzten Endes handeln wir nach dem Prinzip "Nur nicht provozieren, die Verrückten könnten böse werden." Vermutlich werden uns unsere Kinder einmal fragen, warum wir gegen die Christels nichts unternommen haben, als das noch möglich war. Aber dann wird es zu spät sein.
Student Who Took Religious Icon Getting Death Threats Body of Christ Snatched From Church, Held Hostage by UCF Student Body of Christ Returned to Church After Student Receives Email Threats Christian Lunatics Issue Death Threats Over a Cracker Auch Biologieprofessor berichtet von Morddrohungen Catholic Clergy Call for Reparation in Response to Communion Desecration Katholiken fanatischer als Muslime? Gerangel um eine verschwundene Hostie "Würde mich für Hostie umbringen lassen" "Jyllands-Posten" lehnte Jesus-Satire ab Hinweis Der vorstehende Beitrag des Autors Arne Hoffmann ist eine satirische Aufarbeitung einer bestimmten Art von „Kritik“ an Muslimen. Keinesfalls möchte der Beitrag Christen oder den christlichen Glauben beleidigen! (Die Redaktion) 30. August 2008 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Arne Hoffmann, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Klaus Rainer Röhl schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentareDaddeldu, am 30. August 2008 um 12:59 ( Link ) Der Beitrag von Arne Hoffmann ist nicht wörtlich zu nehmen. Es handelt sich um eine (exzellente) Satire auf Texte, wie sie auf PI regelmäßig veröffentlicht werden. quer, am 30. August 2008 um 13:13 ( Link ) Die Aufklärung zu verteidigen wollen, indem man diejenigen lächerlich zu machen versucht, durch welche überhaupt erst Aufklärung möglich geworden ist, ist nichts weiter, als die Aufklärung selbst in Frage zu stellen. Noch kein Bauwerk hat ohne Fundament lange überlebt. Der Beitrag ist durchaus wörtlich zu nehmen, weil er die Aufklärung rückwirkend als Fehler darstellt und die angeblich verteidigenswerten Grundwerte der westlichen Zivilisation und Europas der Lächerlichkeit preisgibt. Wasser auf die Mühlen derer, welche mit offenem Visier dagegen ankämpfen und das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen. Traurig. quer, am 30. August 2008 um 13:38 ( Link ) ".....griffen Ende 2007 Gläubige einen Mann an, weil er eine bei dem geschilderten Ritual verteilte Oblate nicht augenblicklich verzehrte." Mal ganz praktisch: Wie würde wohl Ihr Aufsatz gestaltet sein, hätte ein ähnlich aufgeklärter Mensch eine Moschee betreten (mit Schuhen) und während des Freitagsgebetes einen Koran geklaut und ihn bepinkelt? Frage also: Verteidigen Ihrer Meinung nach solche Leute die Aufklärung, oder führen sie diese eher ad absurdum? Michael_V, am 30. August 2008 um 14:09 ( Link ) @Quer: Richtig! 1. In der Tat ist die Aufklärung und auch die Institution der Universität an sich ohne die christliche Spätscholastik völlig undenkbar! 2. Ist es ein himmelweiter Unterschied, seine Meinung gegenüber wem auch immer zu äußern, oder ihn zu Hause auf zu suchen und ihn dort zu beleidigen und zu bestehlen (der "Keks" war dort zur unmittelbaren Einnahme und unter ganz bestimmten vorausgesetzten Randbedingungen ihm zur Verfügung gestellt! - Soweit das Hausrecht und der Vertrag, welcher mit dem Betreten der Kirche eingegangen wurde.). Daher ist dieser Beitrag das mit Abstand Schlechteste, was ich bei ef jemals gelesen habe. DhimmiDerHund, am 30. August 2008 um 14:16 ( Link ) War klar, dass Islamophobe wie quer den Text von Arne Hoffmann nicht verstehen und nun laut aufheulen. Die eigene Propaganda mal aus einer anderen Perspektive betrachten zu müssen, ist vermutlich ein äußerst unangenehmes Gefühl. Daddeldu, am 30. August 2008 um 14:42 ( Link ) Die Aufklärung zu verteidigen wollen, indem man diejenigen lächerlich zu machen versucht, durch welche überhaupt erst Aufklärung möglich geworden ist, ist nichts weiter, als die Aufklärung selbst in Frage zu stellen. Quatsch. Hatter nich gemacht. Der Beitrag ist durchaus wörtlich zu nehmen, Quatsch. Isser nich. weil er die Aufklärung rückwirkend als Fehler darstellt Quatsch. Hatter nich gemacht. und die angeblich verteidigenswerten Grundwerte der westlichen Zivilisation und Europas der Lächerlichkeit preisgibt. Quatsch. Wasser auf die Mühlen derer, welche mit offenem Visier dagegen ankämpfen Wogegen? Gegen die "angeblich (sic!) verteidigenswerten Grundwerte der westlichen Zivilisation und Europas"? Oder dagegen, dass man diese "der Lächerlichkeit preisgibt"? und das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen. ?????? Ich bleibe dabei: Es handelt sich offenkundig nur um eine Satire auf PI-Beiträge. Die Argumentationsmuster dort werden exakt nachgezeichnet. Bei PI ist von "Musels" die Rede, hier deshalb von "Christels". Und so weiter. Darauf eine Debatte über die Rolle des Christentums bei der Aufklärung aufzubauen ist nichts als: Quatsch. RichardT, am 30. August 2008 um 17:48 ( Link ) So einen Unsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen! Sphairon, am 30. August 2008 um 18:15 ( Link ) Aber gegenüber Christen kann man ja leicht mutig sein, da kann ja nix passieren. Auch im "gehobenen" deutschen Kabarett findet sich diese Einstellung wieder. Fast jeder linksliberale Komiker hat schon im Staatsfernsehen über Papst und Kirche witzeln dürfen, aber fragen Sie 'mal Hagen Rether oder Volker Pispers, ob sie denn auch ein paar Islamsketche im Programm hätten ... quer, am 30. August 2008 um 18:33 ( Link ) Könnte es sein, daß Herr Hoffmann ein Fundamentalist ist, oder sehr schnell zu einem werden kann? Nehmen wir mal an, Herr Hoffman kann einen Kuchen backen, dessen Rezept er nur ganz allein kennt und der seinen zahlreichen Freunden und Bekannten sehr gut schmeckt. Mehr noch: Fast alle loben ihn und schreiben diesem Kuchen nach Genuß wundersame Kräfte zu, welche befähigen, die Tage danach besser und lockerer zu überstehen. Das freut Herrn Hoffman ungemein und er lädt regelmäßig am Sonntagnachmittag zur Kaffeetafel. Dann kann jeder eintreten, der da zufällig vorbeikommt. Also auch Fremde, welche von dem wundersamen Kuchen gehört haben. An einem dieser schönen Nachmittage kommt ein Fremder hinzu, welcher das absolut nicht glauben möchte und überhaupt von Kuchen nichts hält. Statt aber draußen am Gartenzaun über die Kuchenesser zu spotten und sich über den daraus folgenden Diabetes zu verbreiten, setzt es sich zu den Kuchenessern und nimmt heuchlerisch aus der Hand des Herrn Hoffman ein Stück Kuchen entgegen, welches er alsdann sofort auf den Rasen wirft und es zertrampelt. Mit einer Handbewegung wischt er den restlichen Kuchen mitsamt dem Kaffe vom Tisch und schickt sich an, zu gehen. Jetzt stellt sich die Frage nach den Folgen. Wenn Herr Hoffman kein Fundamentalist eigener Sprachregelung und Definition ist und seine Freunde und Bekannten ebenfalls, dann dürfte eigentlich nichts weiter geschehen. Alles bleibt gelassen und ruhig und man setzt das unterbrochene Geplauder fort. Glauben Sie das als Kommentatoren? Unidad, am 30. August 2008 um 19:35 ( Link ) @ quer: Ich schätze, Herrn Hoffmanns Artikel war eine Persiflage auf Islamkritiker... RichardT, am 30. August 2008 um 19:48 ( Link ) Das mit der Persiflage mag durchaus so sein. quer, am 30. August 2008 um 19:50 ( Link ) @ Unidad, nein das glaube ich nicht. Deshalb nicht, weil seine Definition "Fundamentalist" absurd und weit entfernt von sprachlichem Empfinden ist. Er weiß schlicht nicht, wovon er spricht. Ein Intellektueller halt.... Percy, am 30. August 2008 um 19:58 ( Link ) In der Sache scheint Arne Hoffmann übertrieben haben, aber trotzdem ist diese Persiflage mehr als überfällig und angebracht, zeigt sie doch, mit welcher Wortwahl der angeblich islamkritische Blog PI agiert. Gut gemacht! @Tanja Krienen Die Aufklärung ist GEGEN die Christen zustande gekommen und wenn unter den Wissenschaftlern Christen waren, so waren sie TROTZ ihrer religiösen Überzeugung wissenschaftlich tätig. Ist nicht weiter wichtig, scheint aber trotzdem wert zu erwähnen: die Aufklärung ist ein europäisches Phänomen gewesen und der europäische Kontinent war christlich dominiert. Entweder ist das Christentum in Europa so lasch gewesen (i.G. zum Islam zum Beispiel), dass sie sich hier durchsetzen konnte oder die Aufklärung hätte überall stattfinden können. Was ist mit dem christlich fundierten Humanismus? Michael_V, am 30. August 2008 um 20:15 ( Link ) @Tanja Krienen Sie liegen hier falsch: Das Christentum, seine Postulate und seine Axiome führen, zu Ende gedacht, notwendiger Weise zum Klassischen Liberalismus. Es hat also absolut nichts mit einer bösen Unterdrückung der nichtchristlichen Denker zu tun, sondern damit, dass aus der Gleichwertigkeit aller Menschen, aus der Freiheit des Menschen usw. (welche in dieser Form NUR das Christentum annimmt!) komischerweise nur die CHRISTLICHEN Denker das Fundament der Aufklärung und des Liberalismus entwickelten, und nicht die islamischen, nicht die hinduistischen und auch nicht die buddhistischen, welche übrigens allesamt in ihrem jeweiligen Kulturraum keineswegs unterdrückt wurden, und es durchaus hätten aus ihrer Religion entwickeln können, wenn die Grundlage ihrer jeweiligen Religion dies zugelassen hätte. Darüber hinaus liegen Sie einem Klischee auf: Bezogen auf die restliche Welt und verglichen mit der Freiheitlichkeit dort hat das Christentum, bei allen Defiziten, fast niemals aus liberaler Sicht einen Rückschritt bedeutet, -aber sehr oft das Gegenteil. fgehry, am 30. August 2008 um 20:44 ( Link ) sehr schoener spoof von herrn hoffmann, hoechst amuesant in der gelungenen darstellung von hysterie als mittel der darstellung eines tatsaechlichen oder wahrgenommenen vorgangs. zum vorgang selber: JS, am 30. August 2008 um 22:28 ( Link ) Hoffmann hat's mal wieder (als erster) erkannt. Fundamentalistischer Terrorismus droht ausschließlich von Christlicher Seite. Hoffmann pur, oder nur Hoffmann doof? Spätestens mit diesem Artikel bin ich mir sicher, dass ich mir EF nicht mehr kaufen werde. Dafür bin ich offensichtlich doch zu liberal. Michael_V, am 30. August 2008 um 23:06 ( Link ) @Percy: Zuerst: Auch ich bin mir über die satirische Natur des Artikels selbstverständlich im Klaren. Jedoch sehe ich die Sache etwas anders. Eine Art spiegelbildliche Umkehrung der Argumente kann nur dann ein geeignetes Mittel sein, wenn auch in der Sache Symmetrie herrscht. Ich hatte dies das letzte Mal bei einem linken Blog gesehen, wo gegen rechtsextreme Ausschwitzleugner ein ähnlicher Artikel erschien, wo in gleicher Wortwahl und ähnlicher Argumentationsführung versucht wurde, den alliierten Bombenterror als reine Nazipropaganda dar zu stellen. Auch dort hinkt der Vergleich gewaltig, weshalb auch dieser Text argumentativ ins leere ging. So ist das auch hier: PI betreibt auf höchst unseriöse Weise Islamkritik. Gerade WEIL der islamische Extremismus eine Bedrohung darstellt, ist diese Form kontraproduktiv. Auch richtig. Aber die Leute von PI könnten ohne viel Schwierigkeiten Herrn Hoffmann argumentativ auseinander nehmen, OHNE sich mit dem Kern der Kritik auch nur befassen zu müssen, weil es eben die implizit unterstellte Symmetrie zwischen Christentum und Islam nicht gibt (ich deutete es bereits in meinen vorhergehenden Beiträgen an) - und DESHALB ist der Text auch als Satire ungeeignet. DhimmiDerHund, am 30. August 2008 um 23:41 ( Link ) @Michael_V Gerade WEIL der islamische Extremismus eine Bedrohung darstellt, ist diese Form kontraproduktiv. Zustimmung. Aber die Leute von PI könnten ohne viel Schwierigkeiten Herrn Hoffmann argumentativ auseinander nehmen,[...] Hier muss ich widersprechen: Sie überschätzen die Leute von PI. Wenn man sich nur ein klein wenig mit PI beschäftigt, kann man feststellen, wie mangelhaft Stefan Herre und seine Mitstreiter arbeiten. Lügen und das absichtliche Mißverstehen von Quellen sind da an der Tagesordnung. Michael_V, am 31. August 2008 um 0:25 ( Link ) @DhimmiDerHund: Mag sein. Ich habe mich mangels Interesse mit PI nie besonders intensiv beschäftigt. Daher habe ich Herrn Hoffmanns Artikel völlig unabhängig von PI beurteilt und als Satire gegen eine bestimmte Art der Auseinandersetzung mit dem Islam wahr genommen. Ob nun die Leute von PI intellektuell in der Lage sind, die Schieflage seines Textes heraus zu arbeiten, entzieht sich meiner Kenntnis - ich jedenfalls habe diese wahr genommen und denke auch, dass Herr Hoffmann sich nicht mit dem Niveau von PI vergleichen möchte oder für diese Zielgruppe schreibt - hier hätte es wahrlich bessere Mittel der intellektuellen Auseinandersetzung gegeben – zumal Herr Hoffmann davon ausgehen muss, dass ein erheblicher Teil seiner Leser nicht so PI-fixiert ist, was ihn wahrlich nicht stören sollte. DhimmiDerHund, am 31. August 2008 um 2:44 ( Link ) @Michael_V Eigentlich muss man sich PI mal genauer ansehen, um den Text von Arne Hoffmann komplett zu verstehen, weil man die Argumentationsmuster eben so auch bei PI findet. freiheitistunteilbar, am 31. August 2008 um 2:51 ( Link ) Und der Tenor? Muss ein Libertärer zwangsläufig Christ sein, weil das Christentum - ob angeblich oder nachweislich ist unerheblich - die Wurzel des Liberalismus darstellt? Eigentlich genügt es völlig gewisse Auffassungen und die damit verbundenen Werte zu teilen, dabei ist es unerheblich woher diese Werte stammen, selbst wenn sie von der atheistischen Großmutter stammen würden. Wer mit dem Christentum als tatsächliche oder angebliche Wurzel des Liberalismus für die Überlegenheit oder gar Höherwertigkeit Wer für Freiheit und Eigentum eintritt, wozu u. a. die Meinungsfreiheit gehört, der kann meinetwegen auch Mustafa heißen, alles Andere ist Nonsens. electric_purple, am 31. August 2008 um 11:19 ( Link ) Ist nicht weiter wichtig, scheint aber trotzdem wert zu erwähnen: die Aufklärung ist ein europäisches Phänomen gewesen und der europäische Kontinent war christlich dominiert. Entweder ist das Christentum in Europa so lasch gewesen (i.G. zum Islam zum Beispiel), dass sie sich hier durchsetzen konnte oder die Aufklärung hätte überall stattfinden können. Na, das ist ja mal ein Argument. Genausogut könnte man behaupten, die französische Revolution sei ein Beleg für die "Laschheit" (im Sinne von 'Liberalität', meinen Sie ja wohl, nicht im Sinne von 'Schwäche') des französischen Absolutismus. Die Aufklärung war eine emanzipatorische GEGENbewegung zum Dogmatismus ihrer Zeit. Sie war nicht die Folge von Freiheit, sondern die Folge von Unterdrückung. Edgar L. Gärtner, am 31. August 2008 um 14:30 ( Link ) Nietzsche in Ehren. Worum es aber hier geht, ist etwas ganz anderes: der logisch korrekte Nachvollzug geistiger Entwicklungen. Ausschlaggebend für die Durchsetzung der Ideen der europäischen Aufklärung war nicht nur der moderne (d.h. nicht triviale) Wahrheitsbegriff Thomas von Aquins, der abhängt vom Monotheismus, aber nnicht von irgend einem, sondern von der intellektuell extrem anspruchsvollen, weil dialogischen Dreifaltigkeitslehre (wer kann schon sagen, diese wiklich bewgriffen zu haben?), sondern auch die praktische, nicht unbedingt de jure Durchsetzung der Glaubensfreiheit gegen verschiedene Widerstände. Gelingen konnte das im Grunde nur aufgrund der europäischen Kleinstaaterei. Diese erlaubte es Ketzern aller Art, sich notfalls schnell über eine der vielen Grenzen zu retten. Einmal faktisch etabliert, führte die Glaubensfreiheit folgerichtig zur kapitalisitischen Wirtschaftsweise, denn diese ist die bislang einzige Wirtschaftsform, in der es auf persönliche Glaubenssätze und Werte wenig ankommt. Auf funktionierenden Märkten müssen sich letzten Endes auch Teufel marktkonform und somit in geiwsser Weise anständig verhalten, bemerkte Hannah Arendt einmal. chrisv, am 31. August 2008 um 16:35 ( Link ) Der Artikel war schon köstlich, aber noch besser sind die Reaktionen - die befürchten lassen, dass der eine oder andere "Christel" in der Denkweise seinem islamistisch-fundamentalistischen Widerpart deutlich näher steht, als das die meisten wahrhaben möchten. Schlägereien um eine Oblate (Wert << 1 Cent) sprechen diesbezüglich jedenfalls eine deutliche Sprache. Wer für so was Verständnis aufzubringen vermag, sollte Islamisten in Zukunft vielleicht besser als "Mitextremisten mit dem anderen Religionsbuch" anreden; mit Aufgeklärtheit oder gar Liberalismus hat solches Gehabe jedenfalls nichts zu tun. Wer sich wirklich gegenüber dem Islamismus als höherstehend bezeichnen will, wäre gut beraten, stattdessen dem gesunden Menschenverstand, der Rationalität, einen höheren Stellenwert einzuräumen als irgendwelchen mystischen Symbolen. Dann würde einem schnell auffallen, dass, egal wie man es dreht und wendet, ein Gott, den man durch "Schändung" der besagten Oblate mit Wert nahe Null ernsthaft beschädigen kann, ebensowenig als verehrungswürdiges Vorbild taugt, wie Vertreter einer Religion überzeugen können, bei denen aus dem immerhin zwei Jahrtausende umfassenden Fundus christlichen Gedankenguts (und niemand bestreitet, dass dazu einige sehr kluge Köpfe beigetragen haben) nicht mehr hängengeblieben ist, als das uralte Konzept, dem Andersdenkenden im Zweifelsfall einfach eine aufs Maul zu hauen. Michael_V, am 31. August 2008 um 17:57 ( Link ) @Chrisv: Angenommen, Sie bewahren die Asche Ihrer Mutter in einer Urne an einem Ehrenplatz in Ihrem Wohnzimmer auf, und ein Gast pinkelt bei einem Besuch rein. Ist Ihre Reaktion dann auch dem Marktwert der Asche entsprechend? Es geht hier weniger um die "Beleidigung Gottes" als um die der Menschen, bei denen Sie zu Gast sind. Meiner Ansicht nach haben Sie weder von "Rationalität" noch vom "Liberalismus" noch von der Natur des "Extremismus", geschweige denn vom Christentum und seiner Geschichte auch nur den Schatten einer Ahnung - dies ist jedoch natürlich nur meine persönliche Meinung. Gérard Bökenkamp, am 31. August 2008 um 18:14 ( Link ) "Der fragliche Student, Webster Cook, hatte bei einem als "Heilige Kommunikation" bezeichneten Ritus in einer christlichen Kirche die dafür verwendete Speise (in diesem Fall offenbar einen Keks) nicht gegessen, sondern aus der Veranstaltung herausgeschmuggelt. Schon dabei kam es zu gewaltsamen Versuchen von einem anderen Kultmitglied, Cook am Verlassen des Gebäudes zu hindern." Aus liberaler Sicht ist Herr Cook im Unrecht, denn die Situation stellt sich doch so dar: Hier gibt es eine private Veranstaltung in privaten Räumen. Die Menschen, die an diesem Ritus teilnehmen, sind freiwillig dort. Niemand hat sie dazu gezwungen, diesen Ritus durchzuführen. Sie finanzieren die Veranstaltung mit ihrem eigenen Geld. Die Hostie ist das Privateigentum der von ihnen privat finanzierten Gemeinde. Es gilt: Jeder Club legt selbst die Regeln fest, wer Mitglied in diesem Club werden darf und wie sich ein Clubmitglied verhalten muß. Wem das nicht passt, braucht dem Club nicht beitreten oder kann aus dem Club austreten. Ob ein Außenstehender mit diesen Regeln einverstanden ist, spielt also keine Rolle, denn er kann sich ja einfach von der Veranstaltung fern halten. Die Mitglieder der katholischen Gemeinde haben sich FREIWILLIG auf die Regel verständigt, dass die Hostie nicht mitgenommen werden darf. Wer mit dieser Regel nicht einverstanden ist, braucht am Ritus nicht teilzunehmen. Wer aber freiwillig an dem Ritus teilnimmt, der von den Clubmitgliedern finanziert wird, geht damit die Verpflichtung ein, sich an die Spielregeln zu halten. Das gilt auch dann, wenn er die Regeln albern findet. Als Herr Cook die Hostie mitnahm, beging er folglich einen Raub und natürlich war es das Recht der Gemeinde ihn an diesem Raub zu hindern. Atheisten haben das Recht ihre Weltanschauung zu verbreiten und das Christentum zu kritisieren, sie haben aber nicht das Recht private Veranstaltungen religiöser Gruppen zu stören. quer, am 31. August 2008 um 18:56 ( Link ) "Aus liberaler Sicht ist Herr Cook im Unrecht..." So ist es. Ich kann beim besten Willen keine Liberalität erkennen, wenn jemand so vorgeht. Sollte eine solche Handlungsweise als "liberal" gelten, dann wäre so manches kriminelle Delikt (hier Hausfriedensbruch u.a.) keine Straftat, sondern politisch-ideologisch gedeckt und damit in einer Demokratie schwerlich verfolgbar. Vergl dazu: Weiter oben, 30.8., 18:30 Uhr. freiheitistunteilbar, am 31. August 2008 um 19:41 ( Link ) Es scheint also als normal und liberal, wenn man jemanden, der gegen das Hausrecht verstößt, weil er, nehmen wir das Beispiel der Asche der Mutter, sich derart ungebührlich verhält, mit dem Leben bedrohen und vielleicht sogar den Schädel einschlägt. So verstehe ich zumindest den Tenor auf Chrisv´s Argumentation. Unidad, am 31. August 2008 um 20:13 ( Link ) @ Tanja: Zu Punkt eins ließe sich sagen, dass die meisten Kirchen in den USA Freikirchen sind, welche keinerlei Kirchensteuern o.ä. erhalten, also tatsächlich allein von ihren Mitgliedern finanziert werden. quer, am 31. August 2008 um 20:38 ( Link ) "Es scheint also als normal und liberal, wenn man jemanden, der gegen das Hausrecht verstößt,....mit dem Leben bedrohen und vielleicht...." Es scheint so, daß ein Hausfriedensbruch für einen Liberalen völlig normal und kaum erwähnenswwert ist. Die Folgen einer solchen Tat rufen mit Sicherheit nirgendwo liberale Haltungen hevor. Auch bei Ihnen und bei Ihnen zuhause nicht. Es ist also im höchsten Grade heuchlerisch, eine gesetzeswidrige Tat zu dulden und dann mit erhobenem Zeigefinger auf jene zu zeigen, die sich als Betroffene darüber - in welcher Form auch immer - empören und dies möglicherweise hangreiflich unterstreichen. Schon mal was von Ursache und Wirkung gehört? chrisv, am 31. August 2008 um 20:41 ( Link ) Was die rechtliche Bewertung der Sache angeht, stimme ich mit Gérard Bökenkamp im Grunde überein, mal abgesehen von Feinheiten - natürlich haben Religionsgemeinschaften das Recht, den Zutritt oder die Ausgabe der Hostien/Oblaten zu beschränken oder an bestimmte Bedingungen zu knüpfen, und natürlich ist die Zuwiderhandlung ein Vertragsbruch (ob es jetzt wirklich einen Raub darstellt oder nicht, sei dahingestellt, immerhin hat die Übereignung ja schon stattgefunden). Aber: Die Vertragsbrüchigkeit berechtigt den anderen Vertragspartner, wie freiheitistunteilbar richtig feststellt, eben nicht zu beliebigen Vergeltungsmassnahmen, sondern lediglich zur Restitution, wobei diese mE nicht am kultischen Wert orientiert sein kann, sondern nur am tatsächlichen Wiederbeschaffungswert (anders als die Asche aus dem Beispiel von Michael_V sind Hostien ja beliebig vermehrbar, ganz vergleichbar ist das also nicht). Persönliche Befindlichkeiten können, wenn überhaupt, dann nur in sehr eingeschränktem Umfang Basis liberaler Rechtsentscheide sein, denn ansonsten würde man entweder a.) eine Gruppe bevorzugen (wenn manche Vorlieben und Abneigungen berücksichtigt würden und andere nicht) oder b.) der Willkür Tür und Tor öffnen (wenn man erfolgreich mit dem Argument, der von der Oma geerbte alte Golf wäre eben nicht nur irgendein alter Golf, sondern ein unersetzliches Erinnerungsstück und deswegen 100.000 Euro "Schadensersatz" wert, hohe Zahlungen von der gegnerischen Kfz-Versicherung einklagen könnte). Dass derartige Aktionen nicht besonders höflich sind (und im Übrigen auch nicht gerade atheistisch, denn der Täter hängt ja offenbar auch dem (Aber-)glauben an, die geweihte Hostie wäre irgendetwas anderes als eine Oblate - für einen echten Atheisten ist sie das aber nicht), steht auf einem anderen Blatt, aber, wie ich schon vorhin auszudrücken versuchte, sieht es nicht besonders gut aus, wenn man auf jede Provokation immer mit Schaum vor dem Mund oder gar offener Gewalt reagiert. chrisv, am 31. August 2008 um 20:53 ( Link ) Es scheint so, daß ein Hausfriedensbruch für einen Liberalen völlig normal und kaum erwähnenswwert ist. Die Folgen einer solchen Tat rufen mit Sicherheit nirgendwo liberale Haltungen hevor. Auch bei Ihnen und bei Ihnen zuhause nicht. Nicht alles, was nicht richtig ist, ist deswegen auch erwähnenswert. Ladendiebstahl ist nicht richtig, aber er kommt vor, ohne dass deswegen über jeden einzelnen Fall ein Artikel in ef erscheinen muss. Wenn hingegen jetzt jemand hingeht und (vermeintliche) Ladendiebe mit der Pumpgun niederstreckt, dann ist das insofern erwähnenswert, als es einen wesentlich höheren Unrechtsgehalt verwirklicht. quer, am 31. August 2008 um 20:58 ( Link ) "Nicht alles, was nicht richtig ist, ist deswegen auch erwähnenswert. Ladendiebstahl ist nicht richtig, aber er kommt vor, ohne dass deswegen über jeden einzelnen Fall ein Artikel in ef erscheinen muss. Wenn hingegen jetzt jemand hingeht und (vermeintliche) Ladendiebe mit der Pumpgun niederstreckt, dann ist das insofern erwähnenswert, als es einen wesentlich höheren Unrechtsgehalt verwirklicht." @ chrisv, chrisv, am 31. August 2008 um 21:10 ( Link ) @quer: Wenn es liberal sein sollte, strafbare Handlungen zu begehen um dadurch die mangelnde Liberalität der Betroffenen zu dokumentieren Wer hat denn so etwas behauptet? Ich jedenfalls nicht, und Arne Hoffmann, jedenfalls so wie ich den Artikel verstehe, wohl auch nicht. quer, am 31. August 2008 um 21:22 ( Link ) "Wer hat denn so etwas behauptet? Ich jedenfalls nicht, und Arne Hoffmann, jedenfalls so wie ich den Artikel verstehe, wohl auch nicht." @ chrisv, quer, am 31. August 2008 um 21:38 ( Link ) Korrektur: quer, am 31. August 2008 um 22:01 ( Link ) @ chrisv Und noch etwas: Unidad, am 01. September 2008 um 0:10 ( Link ) @quer: ich kann im Artikel von Hoffmann keinerlei Mißbilligung der Tat und des Tathergangs erkennen. Bitte lies doch einfach mal den Untertitel des Artikels! Da steht ganz klar und deutlich in Klammern "Eine Satire". Herr Hoffmann muss sich nirgends distanzieren, weil es nicht so gemeint ist, wie er es geschrieben hat. Und jeder, der sich über eine Satire aufregt, weil er sie für einen ernstgemeinten Artikel erachtet, der gibt sich (tut mir leid, ist eben so) der Lächerlichkeit preis. Gérard Bökenkamp, am 01. September 2008 um 0:33 ( Link ) Sehr geehrte Frau Krienen, soweit mir bekannt ist, gibt es in den USA keine Kirchenfinanzierung wie in Deutschland, sondern die Religionsgemeinschaften finanzieren sich tatsächlich aus den Spenden der Gläubigen. Dass die Reaktion auf diesen Akt jugendlicher Unreife nicht verhältnismäßig ist, gebe Ihnen gerne zu. quer, am 01. September 2008 um 8:35 ( Link ) @ Unidad, Es ist nicht die Aufregung über etwas, was die eigene Geisteshaltung als Parodie überkleistert und versteckt, sondern die selbstverständliche Billigung einer Straftat zum Zwecke der Bloßstellung Dritter. Und das macht eben eine hochgradige Verkommenheit aus. quer, am 01. September 2008 um 9:14 ( Link ) "...Akt jugendlicher Unreife..." Frage: chrisv, am 01. September 2008 um 12:37 ( Link ) @quer: Frage: Der "Täter" in Wiesbaden hat offenbar schlichtweg nicht gewusst, dass das Mitnehmen der Hostie nach katholischer Auffassung verboten ist: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/objekt.php3?artikel_id=2669960 chrisv, am 01. September 2008 um 12:39 ( Link ) Nachtrag: Was den amerikanischen Fall angeht, sehe ich das nicht grundsätzlich anders als Herr Bökenkamp. Legitimer Protest sieht sicher anders aus. quer, am 01. September 2008 um 12:58 ( Link ) "Nochmal: Der Kern dieser Geschichte von Arne Hoffmann ist die Erregung..." Aber klar doch! Hoffmann segelt unter den gebauschten blütenweißen Segeln des Liberalismus im Konvoi von EF. Nur sieht niemand die Piratenflagge im Top und die geöffneten Geschützluken. Pardon: Ich sollte vielleicht nicht das Wort Pirat verwenden. Sagen wir besser: Freibeuter. Klingt schon viel liberaler und irgendwie freier. RichardT, am 01. September 2008 um 18:35 ( Link ) Könnte mans mal so sagen: quer, am 01. September 2008 um 18:48 ( Link ) @ RichardT, genau so kann man es sagen. Und eben in dieser Art ist die Religionsausübung gem. Art 4 GG geschützt. Die von Hoffmann angeführten Fundamentalisten gehen weit über dieses geschützte Maß hinaus. Bis hin zur Relativierung oder Aussetzung anderer Grundrechte. Und dadurch zeichnet sich derzeit in Europa nur eine einzige Religionsgemeinschaft aus. Das allerdings hat der Herr Innenminister bis heute nicht kapiert; bzw er ignoriert das geflissentlich. Schließlich will er ja nicht gegen die herrschende pc verstoßen. Michel Darüber wie die Fälle von Hostienraub zu bewerten sind, herrscht doch Einigkeit: Extrem geschmacklos falls die Bedeutung bekannt ist, in jedem Fall ein Verstoß gegen dass Eigentum der Glaubensgemeinde. Das sieht vermutlich auch Arne Hoffmann so. RichardT, am 01. September 2008 um 19:22 ( Link ) @ Michel, finden Sie es genauso bedenklich wenn die Hinrichtungen in der Islamischen Republik Iran immer kommentiert werden, daß diese ja nichts mit der Religion zu tun haben. quer, am 01. September 2008 um 20:06 ( Link ) "Morddrohungen rechtfertigt dies jedoch auf keinen Fall" In der Tat, dergleichen ist durch nichts zu entschuldigen. Außerdem widerspricht dies fundamental dem christlichen Glauben. Insoweit stellt hier Hoffmann Unterschiedliches auf eine gleiche Ebene. Bei den einen widerspricht das dem Glauben und dem NT der Bibel, bei den anderen entspricht es absolut und genau dem Koran. Man sollte sich daher schräger Vergleiche enthalten. Eine Frage von Qualität und Glaubwürdigkeit. quer, am 01. September 2008 um 20:58 ( Link ) "Kompletter Unsinn! AT lesen!" Die Glaubenssätze der Christen finden sich im NT. quer, am 01. September 2008 um 21:30 ( Link ) Ergänzung: Hier das Glaubensbekenntnis der Christen: http://www.dbk.de/stichwoerter/data/00645/index.html Die apostolische Kurzform davon, ist gemeinsames Bekenntnis der Katholiken, der luth. Protestanten und der ev. Reformierten. Wer darin irgendwelche Bezüge zum AT der Bibel entdeckt, möge das bitte belegen. Quovadis, am 02. September 2008 um 12:37 ( Link ) Griàsgott mitanand! Ja da schau an, die Tanja. Gar net guot drauf heit in de fria. Um d' Tanja is schad; dös behaupt' i, weil 's wahr is, und koa besserne Hauserin is weit umadum net g'wes'n. De Ehr' muaß ihr a niada Mensch lass'n, dass ihr d' Drecksarbet guat von da Hand ganga is. Und vastanna hat sie's aa, d’ Kirch, glabt d’ Tanja. Jo mei. Sie hot überhaupts a guat's Mäuwerk, des soagt’s a jede hier. Es is schad um sie, weil sie gar so viel a guate Melcherin is. Was hoscht jetzt an Sinn, Maderl? Wer woaß, wann mi wieda beinand sin. Wennst net goar so grantig werst un bei d’ Leit'n blieb'n waarst, kunnt'st freili no liberae bavariae leb, a so werd 's dir hart o'kemma. I sag, daß i dir nix schlecht's moan, und nix für unguat! Unser gnad’ger Herrgott wird dir doi bös Tratschn scho verzeihn. Pfiagott! quer, am 02. September 2008 um 19:11 ( Link ) @Tanja Krienen, Arne Hoffmann, am 15. September 2008 um 10:10 ( Link ) Katholische Fundamentalisten bedrohen evangelischen Papstkritiker Sein Dienstherr, Peter Steinacker, Kirchenpräsident von Hessen und Nassau, hat sich hinter ihn gestellt: "Die Kritik mancher katholischer Kreise, die sogar vor Morddrohungen nicht zurückschrecken, ist inakzeptabel." Für ihn zeige sich da "ein Potential an Gewalt, Selbsterhöhung und fundamentalistischer Intoleranz, das als Gefahr jeder Religion und Konfession innewohnt", und dringend befriedet werden müsse. Quelle: http://tinyurl.com/63s7ot Aber vermutlich ist der Fundamentalismus-Vorwurf vom Kirchenpräsidenten völlig falsch gewählt und zeigt, dass er "jeglicher Glaubwürdigkeit vollkommen entbehrt" ... /sarkasmus off/ Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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Edgar L. Gärtner, am 30. August 2008 um 11:17 ( Link )
Dieser Beitrag eignet sich m. E. als Lehrbuch-Beispiel für Nihilismus. Ich will dazu nichts weiter sagen. Denn so zu tun, als wäre die europäische Aufklärung ohne Paulus, Augustinus, Ambrosius, Thomas, Pascal und Descartes ... überhaupt denkbar, halte ich schlicht für abwegig, weil es der Geistesgeschichte widerspricht.