Thomas Fink

Jahrgang 1954, Publizist.

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Politik und Religion: Der Hass von Links

von Thomas Fink

Die „Toleranten“ sind tatsächlich meist am Intolerantesten

18. August 2008

Als bekannt wurde, dass Edward Kennedy an Krebs erkrankt ist, war dies ein Thema in vielen amerikanischen konservativen Internet-Blogs. Edward Kennedy ist für amerikanische Konservative die Inkarnation des linken Liberalen, des politischen Gegners schlechthin. Natürlich gab es sarkastische Kommentare, aber diese wurden überschwemmt von einer Welle des Mitgefühls; Äußerungen des Bedauerns und der Teilnahme am Leid der Kennedy-Familie bestimmten den Ton. Leute, die sich negativ und bösartig äußerten, wurden zurechtgewiesen. Dann starb vor ein paar Wochen Thomas Snow, der frühere Pressesekretär von Präsident Bush, mit 53 an Krebs. Der nun heranrollende Tsunami hasserfüllter, mitleidsloser, ekelhafter Kommentare auf den Internetportalen der nationalen Presse und den linksliberalen Foren ist einfach unbeschreiblich.

„Ich hoffe er hat am Ende gelitten. Was für eine schreckliche Person.“ Diesen einen Kommentar habe ich unter tausenden herausgepickt, weil in ihm eine Art von Todeswunsch formuliert wird, der auch öfters in Diskussionen zwischen Lebenden ausgedrückt wird. Was mich bei Auseinandersetzungen auf Internet-Foren anfangs ein wenig perplex gemacht hat: dass nämlich eine Diskussion nicht selten endet, indem der Wunsch nach einem möglichst schrecklichen und schmerzhaften Tod des oder der jeweiligen Kontrahenten zum Ausdruck gebracht wird. Man mag so etwas als unreif belächeln und abtun; aufder anderen Seite ist mir diese Art von Todesfluch bei Diskussionen über politische und weltanschauliche Fragen inzwischen so oft begegnet, dass es durchaus angebracht scheint, dies näher zu untersuchen.Was bringt Menschen dazu, jemandem, der nicht ihrer Meinung ist, einen grausamen Tod zu wünschen? Und warum sind die Leute, die das tun, in der Regel Menschen, die sich für die tolerantesten, zivilisiertesten, progressivsten, humansten, aufgeklärtesten und intelligentesten halten? Warum sind solche Menschen in der Regel Linke?

Diese Erfahrung habe ich zuerst in der Anglosphäre gemacht. Es läuft aber in Deutschland nicht anders. Durch Zufall hatte ich mal eine You-Tube-Suche nach Stefan Herre, dem Gründer von pi-news.net (PI), gestartet. Ich war überwältigt von der Vielzahl von Hassvideos gegen den „Hassprediger“, die „Scheiße in Menschengestalt“, Herre. Unter anderem fand ich auch ein Video, betitelt: „Der letzte Tag des Stefan Herre. Ein wunderschöner Traum...“ Da endet dann ein Schwein als Wurst und Schinken. Man mag von PI halten was man will, aber diesen puren, infernalischen, selbstgerechten Hass gegen einen politischen Gegner finde ich nur bei den Linken. (Ok, auch bei den paar Nazis. Aber das sind ja sowieso Sozialisten in Braun.)

In der Welt der politischen Korrektheit ist der achtbare Feind, mit dem man auch Frieden schließen kann, verschwunden. Der politische Gegner mutiert zum Häretiker, zum Verbrecher, dem man jede Gesprächskultur verweigern darf. Wie Peter Freimann in einem Kommentar zu meinem letzten Beitrag schrieb: „Der Zorn der Gewinner, der Ewig-Heutigen, ist ein heiliger, religiöser“. Den Linken ist Politik zur Religion geronnen.

Deshalb sind sie nicht zur Teilnahme an einem rationalen Prozess der politischen Entscheidungsfindung fähig, da ihr gesamtes Verhältnis zu diesem Prozess ebenso irrational ist wie die Verlautbarungen eines durchgeknallten Sekten-Mitglieds. Sie, die Religion verachten, glauben an ihre politischen Vorstellungen wie an religiöse Offenbarungen. Sie haben nichts anderes mehr, als den fanatischen Wunsch, die Menschheit zu emanzipieren und zu beglücken.

„Da ist Skepsis geboten“ sagte kürzlich Peter Furth, der Doktorvater von Rudi Dutschke in einem Interview in der „FAZ“: „Erst kürzlich waren junge Leute bei mir, die haben geredet wie wir damals beim SDS. Sie diskutierten über die Möglichkeit eines völligen Neuanfangs, einer Tabula rasa oder Creatio ex nihilo. ... Ich würde entgegen der Weisheit ‚wer mit zwanzig nicht links ist, hat kein Herz’ niemandem raten links zu sein. Es ist immer anmaßend.“

Das bei den Linken Politik zur Religion geworden ist, erklärt auch, weshalb sie so schnell dabei sind, sich gegen ihre eigene Kultur, gegen ihr eigenes Land mit den fundamentalistischen Fanatikern des Islam zu verbünden. Obwohl die Islamisten keineswegs verbergen, dass es ihr Wunsch ist, unsere emanzipierten Frauen zu versklaven, die schwulen Maskottchen zu kastrieren und zu köpfen und jedes Recht, an Gott nicht zu glauben, abzuschaffen. Es ist überhaupt kein Geheimnis warum das so ist: Für die Linken ist Politik die Religion. Für Muslime ist Religion die Politik. Das Konzept einer Trennung von Kirche und Staat ist für die einen wie für die anderen ein Oxymoron. Sie teilen das gleiche Unverständnis für das Konzept dieser Trennung, welches in einer notwendigen Spannung zwischen dem Ideal des göttlichen Rechts und der zwangsläufig unvollkommen Verwaltung einer menschlichen Rechtsordnung wurzelt. In diesem Konzept hat Religion einen gärenden Einfluss zur transzendenten Mäßigung des politischen Fanatismus.

Durch das Unverständnis sind die Linken und die Jihadisten auf ganz unterschiedlichen Wegen bei der gleichen vernichtenden Perspektive gelandet. Die Jihadisten sind historische Gefangene von unentwickeltem Bewusstsein. Die Linken sind die größten historischen Feiglinge des Bewusstseins, diejenigen, die ängstlich vor der Verantwortung des individuellen Gewissens in eine einfache – und falsche – kollektive Rationalität geflohen sind, welche die Logik der menschlichen Natur und Erfahrung verhöhnt. Sie haben sich für ein anti-humanes Übel entschieden und drapieren es mit den heuchlerischen Lügen eines rhetorischen Altruismus.

 

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