André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Anne Will: Was finden Sie denn richtig? Als Mensch jetzt!

von André F. Lichtschlag

Von Langzeitarbeitslosen und anderen Couchgästen

Immer wenn man denkt, „schlimmer geht’s nimmer“, geht’s doch. Auf Kanzler Schröder folgte Angela Merkel. Nach Sabine Christiansen kam Anne Will. Diesen Sonntag diskutierte die Bundessofarunde über Langzeitarbeitslose. Heinz Buschkowsky, SPD-Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, hat von Amts wegen mit ihnen zu tun. Der Vorsteher des „bekanntesten Problembezirks der ganzen Republik“ schlug Alarm: Man solle diese Menschen nicht nur „ständig fördern, sondern auch mal fordern“. Wer einen Job ablehne, dem könne konsequent die Sozialhilfe gekürzt werden. Denn auch in Berlin habe man es längst mit Hartzvierkarrieren in zweiter oder dritter Generation, mit Abzockermilieus und „Sozialdynastien“ zu tun.

In der Tat hatte Buschkowsky einiges Interessante aus Neukölln zu berichten: Dort nämlich gebe es ganze Schulen, in denen 90 Prozent der Eltern von Fürsorge leben. „In weiten Teilen hat man sich im Sozialsystem eingerichtet“, so Buschkowsky. Dabei gäbe es durchaus Arbeitsplätze, die aber mangels Nachfrage nicht besetzt werden könnten: „Ein Schweißer oder ein Kraftfahrzeugmechaniker wird in Neukölln dringend gesucht, er würde sofort einen Job haben.“ Und auch seine eigene Behörde sei ein gutes Beispiel: „Wir konnten“, erklärt Buschkowsky, „auch in diesem Jahr die 100 Lehrstellen nicht besetzen mit jungen Leuten, die nur den Eignungstest bestanden haben. Es fehlen die Grundrechenarten. Es fehlt die Verkehrssprache Deutsch. Es fehlt Grundschulwissen!“ Der SPD-Lokalpolitiker meint, dass es „sehr, sehr viele bildungsferne Familien“ gebe, in denen „Eltern das größte Risiko für ihre Kinder“ sind. Eltern, die nicht vorlesen, die nicht mit den Kindern spielen, die sich nicht um die Schule kümmern. Es gebe Kinder, „die kommen in die Schule und haben zuvor nicht einmal einen Buntstift in der Hand gehabt, die wissen nicht, wie man etwas ausschneidet, die können auch keine Geschichten erzählen, weil sie gar keine Phantasie haben.“

Keinen einzigen dieser Alarmrufe kann Buschkowsky in Ruhe zuende führen, bei nahezu jeder seiner Berichte wird er vom Rest der Runde, vor allem von der Gastgeberin Anne Will, unterbrochen. Nicht anders geht es dem zweiten Gast aus der großkoalitionären Mitte. Markus Söder, der ehemalige CSU-Generalsekratär hat sich als Wahlkämpfer für die bevorstehende Landtagswahl auf dem Sofa platziert, das für ihn und Buschkovsky ein heißer Stuhl werden wird. Wie einst in der RTL-Schreisendung wird auch er kaum einen Gedanken zuende formulieren dürfen. Denn in Opposition zu den beiden regierenden Volksparteilern kann Anne Wills Mannschaft einmal mehr eine ganze Schar Linksextremer aufbieten.

Allen voran der ständig dazwischenquasselnde Günter Wallraff, Deutschlands bekanntester Sozialarbeiter – er kalauert über „absolut unzumutbare Armutsbedingungen in Deutschland“. Keiner lacht über diese Schote.

Oder Edith Franke, die Gründerin der „Dresdner Tafel“. Die Tafeln schießen derzeit wie Pilze aus den städtischen Böden der Republik. Sie verschenken Essen an die ohnehin schon reichhaltig bezuschussten Sozialhilfeempfänger und vernichten damit Tausende Arbeitsplätze im Einzelhandel und Restaurantwesen. Das aber wird bei Anne Will ausgeblendet und Franke darf sich als selbstgerechte Sozial-Robin-Hoodine in Szene setzen. Will erklärt, dass „die Menschen zur Dresdner Tafel kommen, weil sie sich anders nicht mehr ernähren können“. Auch bei diesem köstlichen Gag lacht keiner. Der ganz offenbar satirische Charakter der Sendung wurde dem Publikum schlicht nicht mitgeteilt. Edith Franke fügt hinzu, dass „auch Studenten“ gerne zur Tafel kommen und dort speisen. Als Anne Will sie fragt, ob ihre Klientel denn Spargel stechen würde, wenn man ihnen diese Arbeit anbiete, lenkt Frau Franke ab und bleibt eine Antwort schuldig.

Der dritte Linksaußen ist ein Grüner: Özcan Mutlu war selbst Hauptschüler. Und man merkt es ihm heute noch an. Er redet wie ein Sprachcomputer der ersten Generation, künstlich, langsam, nach Sinnzusammenhängen ringend. Auch er macht deutlich: Es geht immer noch schlimmer, auch wenn wir das in Anbetracht des Niveaus der künftigen ersten Reihe der SPD von Nahles über Heil bis Gabriel kaum zu denken wagten. Mutlu ist immerhin Landtagsabgeordneter. Fragen wir uns lieber nicht, wer oder was für die Grünen oder die SPD in Kommunalparlamenten und Ortsvereinen Pfründen hinterher rennt. Mutlu jedenfalls, soweit man ihn versteht, versucht ständig „sein Thema“, die angebliche Benachteiligung von „Migranten“, einzubringen. Das ist meist deplaziert und erinnert zuweilen an den einen oder anderen Loriot-Sketch.

Immerhin erfahren wir in der Sendung, dass mehr als zwei Drittel der Jugendlichen in Berlin-Neukölln von Sozialhilfe – also auf Kosten Dritter – leben. Ganze Schulklassen, so Anne Will, „antworten auf die Frage, was sie mal werden wollen: Hartz IV!“ O-Töne solcher Jugendlicher werden eingespielt. „Jetzt hab ick mir erst ma ne Auszeit genommen!“ Oder: „Nee, bei den Löhnen heutzutage, da nehm ick doch liba Hartzvier!“ Der Bayer Söder fügt hinzu, dass Menschen erst wieder an Arbeit herangeführt werden müssten, da sie sich von der Arbeit „entwöhnt“ hätten. Sie müssten erst wieder lernen, morgens früh aufzustehen. Buschkowsky möchte, dass wir erkennen, dass „neue Unterschichten entstanden“. Leider bleiben auch er und Söder eine Erklärung für diese Entwicklung schuldig. Der Rest der Runde ebenso.

In einem Lösungsansatz sind sich alle beteiligten Sofatalker allerdings einig: Der Staat müsse zukünftig direkt für ein warmes Mittagessen für jedes Kind sorgen. Der vermeintlich bayrisch-bürgerliche Wahlkämpfer ist ganz besonders stolz auf diese neue CSU-Forderung – alle anderen ohnehin.

Wiederholen wir an dieser Stelle einige Erklärungen: Tatsächlich existiert ein vom Sozialamt dauersubventionierter Lebensstil der Nichtsnutzigkeit, der inklusive Mietzuschüssen, kostenlos bereitgestelltem und angeschlossenem Farbfernseher, Telefonvergünstigungen, Freizeitsubventionen, Mobiliarzusätzen und einem bunten Strauß sonstiger Vergünstigungen heute bei weit mehr als 1.500 Euro pro Monat netto pro Person liegt. Weit mehr also fürs Nichtstun als eine Friseusin ehrlich verdienen kann. Kinder werden extra und oben drauf vergütet – und nicht selten genau deshalb von Menschen in die Welt gesetzt, die viel Geld für Konsum ausgeben, aber auf eigene Kosten zu aller letzt in eigene Kinder investieren würden. Man könnte annehmen, dass das von der vitalen und aktiven Bevölkerung in Richtung eben dieses Prekariats umverteilte Geld für gesundes Essen mehr als ausreichen sollte, auch für das Essen der Kinder. Ein kurzer Blick zurück in Großvaters Zeiten belegt, dass sich das ärmere Drittel der Bevölkerung, die Arbeiterklasse, einst ordentlich selbst ernährt hat. Von der staatlichen Suppenkelle musste niemand gefüttert werden. Schon das Ansinnen hätten Betroffene als Zumutung zurückgewiesen. Damals hatten Menschen noch ihren Stolz. Für die Ausbildung und das gute Essen der geliebten eigenen Kinder, die es einmal besser haben sollten, hatten sich Arbeiter auch gerne mal den kleinen möglichen Luxus vom eigenen Munde abgespart. Dafür brauchte niemand die Almosen der Bürokraten. Und das bei real weit weniger zur Verfügung stehendem Einkommen im Vergleich zum heutigen Sozialstaatsprekariat.

Ehrgeiz? Aufstiegswillen? Ist es ein Wunder, dass dieser verloren geht, wenn fürs Fernsehgucken auch die Kohle fließt? Die charakterliche und mentale Degenerierung von Millionen ist die vielleicht noch schlimmere Folgeerscheinung von unpersönlicher und damit falscher Solidarität. Früher setzten leistungskräftige, langfristig planende Menschen Kinder in die Welt. Wer sich kaum selbst versorgen konnte, der strengte sich erst einmal mächtig an und dachte dabei zunächst nicht an eigene Kinder. Nebenbei: Es waren intakte Familien, die sich zutrauten, Kinder in die Welt zu setzen, nicht die kaputten Beziehungen. Auch das Millionenheer allein erziehender Mütter gab es einst deshalb nicht als Massenerscheinung, weil der Ernährer dieser Einrichtung, Ersatzvater Staat, jenen sonderbaren Lebensstil schlicht noch nicht erfunden hatte. Der moderne Sozialstaat hat eine durch seine Minusanreize oft völlig apathische, leb-, lieb- und würdelose Klientel für das Gebären unschuldiger Kinder mit Bonuszahlungen prämiert. Wie viele traurige Kinderschicksale gehen bereits auf das Konto unserer Sozialpolitiker? Wie viele Sozialstaatsmonster haben die Politiker in Verdacht, die eigenen Kinder verhungern zu lassen? Und machen Staatssuppenküchen der Täter die in erster Linie nach Geborgenheit dürstenden kleinen Politikopfer wirklich satt?

Zu hart? Kommen wir also lieber zurück zu unserer Satiresendung, die auf solche ernsteren Fragen keine Antwort geben wollte. Der Grüne Mutlu etwa erklärt, dass es viele Jobs gebe, die „sicherlich nicht zumutbar sind. Die Jobs müssen ja auch Spaß machen.“ Anne Will fragt Markus Söder, ob es richtig sei, dass „ein Job Spaß machen“ müsse. Statt hier eine deftige Antwort zu geben, schlingert der CSU-Mann herum und wiederholt, dass ihm vor allem wichtig sei, dass jedes Kind vom Staat ein warmes Mittagessen garantiert werde. Darauf folgt der erste humoristische Höhepunkt der Sendung. Genosse Wallraff schlägt Söder vor, „under cover“ als türkischer Arbeiter in Deutschland Erfahrungen zu sammeln: „Das ist ganz einfach, ich berate Sie dabei!“. Der Sprachroboter gluckst und schlägt sich auf die Schenkel. Begeistert fällt er Söder ins Wort: „Nehmen Sie doch das Angebot an, Herr Söder! Erleben Sie’s mal!“

Anne Will fragt Buschkowksy, dessen Familie aus Schlesien flüchten musste, was seine Eltern – ein Schlosser und eine Sekretärin – gemacht hätten, als er mal faul war. Die hätten dann gesagt: „Junge, Du musst lernen, damit Du es mal besser hast als wir.“ Oder: „Junge, so was macht man nicht!“ Buschkowsky besteht darauf, dass auch heute noch jeder die Chance habe, sich nach oben zu arbeiten – so wie er.

Anne Will fällt ihm – Wallraff steckt an – ins Wort: „Ich zeige Ihnen ein Gegenbeispiel!“ Was dann folgt ist feinste englische Satire nach Art der Monty-Python-Schule. Als „Gäste auf dem Sofa“ haben ein 15-Jähriger und seine 40-jährige Mutter Platz genommen. Beide beklagen, dass Sohn Robert ein Teil des Lohns für einen Ferienjob einbehalten wurde, weil Mutter Annett seit Jahren nur von Steuergeldern lebt. Alle schauen ein wenig betroffen. Aber als Anne Will Robert fragt, ob er dennoch im nächsten Jahr wieder einen Ferienjob machen würde, sagt Robert mit breitem Lächeln: „Ja, weil mir die Arbeit Spaß macht und weil ich demnächst in der Firma eine Ausbildung beginnen möchte“ – er führt das angebliche „Gegenbeispiel“ zu persönlichen Chancen ad absurdum.

Mutter Annett macht übrigens auch einen Nebenjob – sie putzt in einer Kneipe – für angeblich 80 Euro im Monat. Dieser Betrag fällt unter den Grenzsatz von 100 Euro, die man ohne Abzüge behalten darf. Diesseits der lukrativ möglichen Schwarzarbeit, die Annett lieber nicht erwähnt, weil sie ja hier nur für den schwarzen Humor zuständig ist. Entsprechend presst sich die Mutter eine Träne aus dem Knopfloch und jammert opferstatusbewusst, dass sie es ungerecht finde, dass der kleine Robert nicht das ganze Geld behalten dürfe, „nur weil ich arbeitslos bin“. Ja, „man demotiviert ihn ja auch“, wirft Wallraff neckisch ein. Frau Franke ruft: „Das ist nicht gerecht!“. Auch Mutlu guckt jetzt etwas böse. Söder guckt dumm aus der Wäsche und beißt sich auf die Lippen – jetzt nur nichts falsches sagen! Wallraff stichelt ungefragt Buschkowsky an, der ebenfalls herumeiert: „Was finden Sie denn richtig? Als Mensch jetzt! Auch ein Bürgermeister ist doch ein Mensch!“

Tafeltante Franke legt nach diesem Brüller richtig los: „Leute, die mit Hartz IV leben, haben so viel damit zu tun, ihr einfaches Leben zu sichern. Das ist so frustrierend, von früh bis Abends um nichts weiter zu kämpfen als ums Überleben. Die haben gar nicht die Kraft, die haben gar nicht die Nerven, sich dann noch mit den Kindern zu beschäftigen!“

Als Söder wieder einmal unterbrochen wird, diesmal von Mutlu, verteidigt er sich: „Es lohnt sich zuzuhören!“. Daraufhin Conferencier Anne Will elegant: „Na, das sehen wir noch!“. Söder guckt verdutzt. Will weiter: „Ob es sich lohnt, Ihnen zuzuhören!“ Will lächelt. Söder ist für einen Moment sprachlos. Einen Augenblick lang fühlt man sich an die legendäre Witzigkeit des Johannes B. Kerner erinnert. Söder wird auch im nächsten Satz wieder vom Sprachcomputer und vom Under-Cover-Türken hallermarschimitierend unterbrochen.

Boschkowsky erklärt, dass es sehr viele Eltern gebe, die sich um ihre Kinder nicht kümmern. Das, so wirft Mutlu gewitzt ein, „gibt es auch bei deutschen Kindern“. Dabei hatte Buschkowsky hier gar nicht nach Herkunft unterschieden: „Sie kommen ja aus Ihrer Opferrolle gar nicht mehr heraus“, kalauert Buschkowsky den Nagel auf den Hauptschulkopf.

Der ungewöhnliche Sozialdemokrat erklärt: „Eine Familie mit zwei Kindern hat den gleichen Nettotransfer auf Sozialhilfe wie ein Ordnungsamtsmitarbeiter bei mir im Rathaus Neukölln. Die bekommen beide genau das gleiche Geld. Ab vier Kinder können Sie das Geld, welches Sie durch Hartz IV bekommen, eigentlich als normaler Mensch nicht mehr verdienen.“ Hier hätte man sich gewünscht, Anne Will hätte nun Wallraff, Mutlu und die Tafeltante gefragt, ob dies gerecht sei. Anne Will verpasst die humoristische Chance, wohl auch um allzu ernsthafte Sachfragen geschickt zu umgehen, und giftet lieber Freund Buschkowsky neckisch an, der wolle ja sogar das Kindergeld kürzen.

Was bleibt von einer Stunde bundesdeutscher Fernseh- und Politiksatire at its best? Erstens: Es diskutieren nur noch die großkoalitionäre Mitte und Linksaußen miteinander. Eine marktwirtschaftliche Alternative bleibt medial wie politisch völlig ausgeblendet. Zweitens: Der bürgerliche Teil der Mitte hat sich Linksaußen längst angenähert oder gar überholt. Ein CSU-Wahlkämpfer, der mehrmals ein staatliches Mittagessen für jedes Kind einfordert, war einmal undenkbar – heute fällt der Wahnwitz schon keinem mehr auf. Keiner lacht. Dass auch dem ernsthaftesten Akteur des Abends, Heinz Buschkowsky, als Lösung nur flächendeckende Ganztagsschulen und Kindergartenzwang für alle einfallen, ist bezeichnend. Und schließlich: Die Vermutung, dass nach links hin Diskussionskultur, Benimm und Achtung vor dem anderen rapide abnehmen, wurde einmal mehr eindrucksvoll bestätigt.

Eigentlich ist es diesseits des Gelächters mit ein wenig ökonomischen Wissen ganz einfach: Was man subventioniert, davon erhält man mehr. Wenn Asoziale fürs Faulenzen und Kinderkriegen prämiert werden, dann werden sie das tun. Anstatt diese Fehlanreize zu senken und damit diese Menschen wieder an verantwortliches Handeln heranzuführen, fällt von Anne Will bis Markus Söder der ganzen Narrenrunde lediglich ein, ihnen auch noch die Verantwortung für das Essen ihrer Kinder abzunehmen. Deutschland 2008 – das scheint ein hoffnungsloser Sozialfall zu sein. Doch wenigstens der Humor reift auf höchstem Niveau – eine ebenfalls erklärbare Zeiterscheinung, schließlich werden auch die witzigsten Sendungen wie die von Anne Will mit GEZ-Millionen großzügig subventioniert.

Internet

Das Video der kompletten Sendung

Rumfordsuppe für alle

Die Politik mit der Kinderarmut

30. Juli 2008

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Kommentare

moderne21, am 30. Juli 2008 um 13:17 ( Link )

Die öffentlich-rechtlichen Betroffenheits-Talkshows à la `Anne Will´ tue ich mir nicht an. Deren Bestreben ist offenbar, möglichst vielen Menschen Existenzängste einzureden, damit diese sich verstärkt den Sozialstaats-Apologeten zuwenden.

Schleusener, am 30. Juli 2008 um 13:49 ( Link )

Motto der Sendung war: Ist jeder Job besser als keiner? (Was für eine Frage!)

Nach dieser Sendung fiel mir nur noch ein: Jede Talkshow ist besser als diese.

Carl, am 30. Juli 2008 um 16:22 ( Link )

Ich war bisher schon kein Freund von Frau Will, aber diese Sendung, sowohl im Bezug auf die Moderation, die Auswahl der Gäste, die Gesprächsführung, alles hat mir die Zornesröte ins Gesicht getrieben. Langsam wähne ich mich bei diesem "Polit-Talk" wirklich im Unterschichtenprogramm angekommen.

Ansonsten kann ich Herr Lichtschlag nur durchweg zustimmen.

Freewheelin Fördermitglied, am 30. Juli 2008 um 21:26 ( Link )

Brillant, Herr Lichtschlag.

Einfach brillant.

Markus_Oliver, am 30. Juli 2008 um 23:16 ( Link )

Ja, in der Tat brilliant.

Markus_Oliver, am 30. Juli 2008 um 23:21 ( Link )

Was ich allerdings vermisse ist eine Aufstellung der tatsächlichen möglichen Einnahmen eines Hartz-IV Empfängers.

Also wenn ein einzelner Hartz-IV Empfänger tatsächlich 1500 Euro im Monat erhalten kann, dann wäre das ja unglaublich.

Freewheelin Fördermitglied, am 30. Juli 2008 um 23:48 ( Link )

Hallo Markus,

hier ein Rechner:

http://www.sozialhilfe24.de/alg2-rechner.html

Bemerkenswert die Frage nach dem Ehepartner, und ob er Minder- oder Volljährig ist.

In Berlin kommt man als verheiratetes Paar mit 4 minderjährigen Kindern, noch nie gearbeitet, auf 1900 Euro
Allerdings wird das Kindergeld subtrahiert! Wieviel das ist weiss ich nicht.
Ich halte den Betrag von 2000 Euro für eine Person für ein Märchen, von interessierter Seite lanciert.
Lasse mich gerne eines anderen belehren.

Goldelse, am 31. Juli 2008 um 9:05 ( Link )

Die Christiansen habe ich über Jahre nicht gesehen, und die Will ist wirklich die Steigerung, die ich nicht für möglich hielt, aber nach der ersten Sendung erkannte und dann nie wieder reinschaute. Überhaupt ist ernsthaftes Fernsehen so gut wie unmöglich geworden, sodass man lieber zum guten Sachbuch greift.
Ich kann mir nach Herrn Lichtschlags Schilderung aber die Spaßsendung vorstellen, nachträglich antun möchte ich sie mir nicht.
Es ist wie im Sklavenreich des alten Rom, es gibt zu wenig Arbeitsplätze, und so muss die Unterschicht mit Brot und Spielen abgespeist werden. Verwunderlich und unlogisch ist dabei der ungebremste Zuzug ausländischer Unterschichten, aber Logik verlange ich auch von den Poltikern nicht mehr. Wenn man es nötig hat, als Parteisoldat an die Spitze einer Partei gespült zu werden, hatte man wohl keine ernsthaften beruflichen Chancen in der Wirtschaft.

Schleusener, am 31. Juli 2008 um 10:14 ( Link )

Ich glaube, Kindergeld ist 208 Euro bis 14 - dann 278 Euro.

chrisv, am 31. Juli 2008 um 10:44 ( Link )

154,- Euro für das 1.-3. Kind und 179,- für alle weiteren: http://de.wikipedia.org/wiki/Kindergeld#Kindergeld_in_Deutschland

Bei der Hartz-IV-Rechnerei muss man bedenken, dass zusätzlich zum Regelsatz auch noch die Miete, Sozialversicherung usw. übernommen werden - was im Endeffekt dabei herauskommt, ist bei Alleinstehenden nicht so prickelnd, bei einer Familie sieht es dagegen anders aus (das Kindergeld wird zwar als Einkommen angerechnet, aber da man das ja auch real bekommt ist es eben doch vorhanden).

Ob das nun zu viel oder zu wenig ist, hängt sicherlich auch von den persönlichen Ansprüchen ab (zudem besteht ja immer die Möglichkeit, schwarz zu arbeiten oder einen 1€-Job anzunehmen) - von Armut und Notstand zu reden erscheint allerdings angesichts dieser Zahlen kaum nachvollziehbar.

Marco Kanne, am 31. Juli 2008 um 12:53 ( Link )

Also, André, ich bin einigermaßen schockiert.

Ich hätte jetzt erwartet, dass die Will-Sendung als das deklariert wird, was sie war (ist), nämlich als Ansammlung von Menschen, die auf anderer Leute Kosten Leben und deren Premiumsozialhilfeempfänger / Staatsbürokraten (Will, Mutlu, Söder, Buschkowsky) das Hauptproblem sind.

Statt dessen jedoch wird stromlinienförmig auf jene Leute eingedroschen, die doch gar nicht an den kritikwürdigen Zuständen die Schuld tragen. Politik ist das Problem und nicht jene, die sich dann so verhalten, wie die Politik es ihnen vorgibt.

Wenn man einem Hund einen Knochen hinwirft, dann kann man ihn doch nicht ernsthaft dafür treten, dass er sich diesen Knochen schnappt. Und wenn die Politik Menschen für's Nicht- oder Wenigarbeiten (Politiker, Bürokraten, Hartzvierler und sonstige Staatsprofiteure) belohnt, dann kann ich nicht darüber schimpfen, dass sie die Kohle nehmen und nicht oder wenig arbeiten.

Die genannten "Asozialen", also Sozialhilfeempfänger, sind nicht Ursache der widerlichen Zustände in diesem Staat, sondern ihr Symptom. Ursache ist die Politik, Staat, also Zwang und Gewalt.

Statt also Menschen autoritär an irgendwas "heranführen" zu wollen, ist die Antwort einfach, mit Politik aufzuhören. Aber da wird der typisch politischen Strategie, nämlich sich eine Gruppe auszusuchen und alle anderen gegen diese aufzuhetzen, damit sie ja nicht auf den Gedanken kommen, den wahren Schuldigen auszumachen -- die Politik, den Staat --, auf den Leim gegangen. Und schon hat die Politik wieder gewonnen und kann noch mehr Freiheit zersetzen, yeah!

Wer will, dass sich die Idee der Freiheit zu einer "Volksbewegung" entwickelt, der kann nicht die "kleinen" Leute ständig vor den Kopf stoßen und beleidigen, sondern der muss ihnen klarmachen und pragmatisch aufzeigen, dass sie mit der Freiheit besser dran wären, was ja auch zu 99% der Fall wäre.

Der Ruf muss also auch Richtung Hartz-IV-Empfänger sein, angelehnt an die Rufe der 53er-Aufständischen: "Reiht euch ein, wir wollen freie Menschen sein!", auf dass sich die Idee der Freiheit in Deutschland zu einer machtvollen Bewegung entwickelt, die endlich Schluss mit Politik und Staat macht.

freiheitistunteilbar, am 31. Juli 2008 um 14:31 ( Link )

Naja André, früher waren die Zeiten eben noch anders, sprich es gab keine vergleichbaren Anreize durch Marionetten, wie unsere Wohlfartsstaatsbeglücker.

Armenküchen gibt es allerdings selbst in den USA schon sehr lange, und solange sie nicht staatlich sind, kann jeder selbst entscheidend, was er noch als würdervoll betrachtet.

Perfide wird es erst, wenn diese durch Diebstahl, sprich durch staatliche Umverteilung finanziert werden.

Restbestände, die nicht mehr abverkauft werden können, werden dort angeboten. Im Prinzip ist es egal, wer sich dort bedient und meint bedürftig zu sein.

@Marco Kanne: Dem kann ich nur ergänzend hinzufügen, dass es auch Menschen gibt, die den Knochen des Staates annehmen, weil sie kurzfristig für sich keine andere Alternative sehen. Sie suchen vergeblich Arbeit, vielleicht zu einseitig orientiert, um anschließend die Motivation zu verlieren.

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Armut sieht anders aus, aber wer den Anschein erweckt unter Hartz IV ließe es sich "in jedem Fall" gut leben, der macht es sich ein wenig zu einfach.

Es muss sich bei den Bürgern die Auffassung durchsetzen, dass auf Kosten Anderer zu leben nicht sexy ist und der Wohlfartsstaat nicht die Lösung, sondern das Problem darstellt.

Goldelse, am 31. Juli 2008 um 14:58 ( Link )

Ich habe eben einen Newsletter zum Thema Qualitätsmedien von Egon W. Kreutzer erhalten, er hat das heutige ARD/ZDF Frühstücksfernsehen aufgespießt
http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2008/31.html

Martin Möller, am 31. Juli 2008 um 18:27 ( Link )

Ich gehe davon aus, daß diese ominösen Tafeln vollstaatlich finanziert werden.

Martin Möller, am 31. Juli 2008 um 18:37 ( Link )

Übrigens auch großes Lob für diesen ausgezeichneten Aufsatz. Weiter so - auch weil ich mir dnn den M... nicht anzusehen brauche!

Marco Kanne, am 31. Juli 2008 um 18:47 ( Link )

@Martin Möller

"Ich gehe davon aus, daß diese ominösen Tafeln vollstaatlich finanziert werden."

Nee, werden sie nicht. Nicht mal halbstaatlich. "Die Tafeln" sind aus meiner Sicht genau ein Beispiel dafür, wie private Wohlfahrt in einem freien Markt funktionieren kann.

Wer da mitmacht, kann man unter tafel.de ("Förderer") ersehen.

Ich verstehe auch nicht, warum die Tafeln "ominös" sein sollen?

chrisv, am 31. Juli 2008 um 19:10 ( Link )

@Marco: Einige Tafeln setzen 1-Euro-Kräfte ein, das könnte man als Subvention sehen (wenn auch nur in relativ bescheidenem Umfang - in einem freien Markt könnte man z.B. die Hilfeempfänger selbst zu solchen Arbeiten heranziehen).

Martin Möller, am 31. Juli 2008 um 20:41 ( Link )

Ominös: Bei mir um die Ecke ist so eine Tafel. Da erscheinen lauter sehr proper und wohlgenährt ausshenede Leute legen irgend welche Zettel vor un sparen dadurch pro Tag bis zu € 100,-. Das Ganze findet in einem öffentlichen Gebäude statt, und die Spender der Lebensmittel werden sicherlich auch irgendwie honoriert.

freiheitistunteilbar, am 31. Juli 2008 um 21:09 ( Link )

@Martin Möller: Proper und wohlgenährte Leute? Vielleicht ist das auch nur dein subjektiver Eindruck. Das das Ganze in einem öffentlichen Gebäude stattfindet zeigt doch nur, wie der Staat die private Wohlfahrt mittlerweile pervertiert hat. Die Spender haben mit Sicherheit einerseits eine tolle Publicity und anderseits finden sie Verwendung für ihre überschüssigen Lebensmittel.

Martin Möller, am 31. Juli 2008 um 21:34 ( Link )

Ich habe nichts grundsätzlich gegen private Wohlfahrt und denke, daß man das ganze Wohlfahrtssystem privatisieren sollte.

RichardT, am 01. August 2008 um 1:28 ( Link )

Bei den Hartz IV Berechnungen bitte die Miete und die sonstigen Zuschüsse nicht vergessen.
Allein die Miete macht in teuren Städten einen Riesen Batzen aus. den der arbeitende Mensch natürlich von seinem Netto bezahlt.

Martin Möller, am 01. August 2008 um 10:19 ( Link )

Da haben Sie wohl recht. Tatsächlich werden die Hausbesitzer in einem exzessiven Ausmaß vom Staat sobventioniert. Nur dadurch kann das teils exxtrem hohe Mietniveau aufrecht erhalten werden. Der MArkt ist total verzerrt und die normal arbeitenden Leute zahlen unermeßlich drauf.

chrisv, am 01. August 2008 um 10:43 ( Link )

Tatsächlich werden die Hausbesitzer in einem exzessiven Ausmaß vom Staat sobventioniert. Nur dadurch kann das teils exxtrem hohe Mietniveau aufrecht erhalten werden. Der MArkt ist total verzerrt und die normal arbeitenden Leute zahlen unermeßlich drauf.

Das ist so nicht ganz korrekt (und auch nicht logisch: Eine Subvention würde ja zu niedrigeren, nicht zu höheren Preisen führen). Für die hohen Mieten (und Immobilienpreise) ist vielmehr die staatliche Marktverzerrung durch künstliche Verknappung von Bauland und Wohnraum (über unsinnige Bauvorschriften und Bebauungspläne) verantwortlich. Wenn jeder bauen könnte, wo und wie er wollte, würden sich die Baulandpreise zumindest ausserhalb der Großstädte irgendwo zwischen 2,- Euro (für Gartenland) und 300,- Euro (Bauland/B-W) einpendeln, in Städten würde höher und marktgerechter gebaut usw. usf.

Martin Möller, am 01. August 2008 um 12:54 ( Link )

Verstehe ich nicht. Wenn die Subventionen üebr HArtz, Wohngeld etc. wegfallen würden, dann müßte doch das MIetniveau sinken, weil viele Wohnungen ja am Markt viel weniger wert sind, und nur durch die Subventionen überhaupt am MArkt bleiben.

Hella, am 01. August 2008 um 13:23 ( Link )

Nun möchte ich mal die Unwissenheit hier etwas aufhellen.

Ein Hartz IV Empfänger bekommt seit 1.7.08 351 Euro im Monat. Dazu gibt es die Miete, deren Höhe jede Stadt für sich festgelegt hat und die im Grunde nur einen niedrigen Standard beinhaltet. Für Berlin bedeutet das z.B. 360 Euro Miete warm. Es gibt noch als Krankenversicherung den niedrigsten Beitrag und einen nur noch geringen Betrag für die Rentenversicherung. Das ist alles, was ein einzelner Hartz IV Bezieher bekommt. Gibt es einen ebenfalls Hartz IV beziehenden Partner, so gibt es noch 316 Euro dazu und für jedes Kind bis zum 14. Lebensjahr gibt es 211 Euro und danach 281 Euro. Das ist alles, was es gibt. Alle anderen Unkosten, wie Strom, Telefon, Kleidung, Möbel, kaputte Elektrogeräte, übermäßige Heizkosten usw. usf. muss jeder Arbeitslose aus diesen 351 Euro selbst finanzieren. Bei Krankenhausaufenthalten wird sogar noch der Essensteil abgezogen, obwohl auch die Hartz IV Bezieher die 10 Euro Zuzahlung pro Tag leisten müssen.

Es ist also eine irrige Ansicht und eine Verbreitung von Lügen, die hier teilweise stattfindet. Wenn Ihr Euch mal die Mühe machen würdet, wenigstens probehalber mit diesen 351 Euro pro Monat euer Leben zu finanzieren, würdet Ihr wissen, dass es bei den Preissteigerungen schier unmöglich ist.

Ich finde es deshalb sehr oberflächlich und auch dumm, wie Ihr hier über diese Leute herzieht und noch weniger fordert, wo eigentlich jeder wissen müsste, dass er ganz schnell einmal dort landen kann in der heutigen Arbeitswelt.

Es mag ja sein, dass sich ein bestimmter Prozentsatz, wie z.B. auch viele mit Migrationshintergrund, in dieser Form des Lebens eingerichtet hat und man bei denen auch gar nicht nachprüfen kann, ob sie noch nebenbei schwarz bei einem Onkel oder so arbeiten, so sind z.B. unter den Hartz IV Beziehern auch viele über 55-Jährige dabei, die ihr Leben lang geschuftet haben und die man durch die 58er Regelung aus dem Arbeitsmarkt heraus getrieben hat. Diese Menschen müssen nun bis zu ihrer Rente, die ja auch noch weiter nach hinten geschoben worden ist per Gesetz, mit diesem wenigen Geld auskommen, denn von diesen Menschen spricht keiner. Die werden ungerechtfertigterweise alle mit in diesen Topf "Faulheit" gesteckt. Dass man bei Jüngeren mehr Druck macht und mehr fordert, finde ich in Ordnung, aber die Älteren sollte man dabei außen vor lassen, denn die finden keinen Job mehr und zum Spargel stechen sind sie zum größten Teil nicht mehr zu gebrauchen, weil sie teilweise krank sind und ausgepowert.

Ich finde, Ihr solltet mal nicht alle über einen Kamm scheren wie es die Politik tut. Man muss schon ein bisschen differenzieren und sich genau informieren, was wirklich abläuft, bevor man irgendwo ein Posting reinsetzt. Mich erschreckt es schon, wie uninformiert sich viele Menschen Urteile über Dinge erlauben, die sie eigentlich gar nicht beurteilen können.

RichardT, am 01. August 2008 um 14:47 ( Link )

ich denke wir sind hier nicht gar so dumm und uninformiert wie Hella uns darstellen möchte.
Und Hartz IV Emfpänger leben auch nicht ganz so schlecht:
Bei den durch Anne Will ja jetzt gut bekannten Tafeln können Hartz IV Empfänger billig Lebensmittel bekommen, obwohl sich der errechnete Bedarf an normalen Preisen orientiert.
Es gibt spezielle Läden mit Kleidung und Möbeln (Gebraucht) bei denen nur die sog. Armen einkaufen dürfen.
Wir zahlen unseren Kindergartenbeitrag voll, andere zahlen nichts.
In vielen Orten gibt es Sozialpässe oder ähnlich genanntes, was wiederum heißt, daß Nicht Arbeitende sich umsonst vergnügen dürfen, Arbeitende zahlen müssen. Wenn ein Arbeitnehmer schon meint er muß Arbeitslosen den Platz im Schwimmbad wegnehmen dann soll er auch dafür zahlen.
In unserem Lokalblatt stand vor kurzem, daß doch einige Hartz IV Empfänger evtl. umziehen sollten, da ihre Wohnungen zu teuer wären. Das gab aber einen Aufschrei in der Provinzgutmenschenpolitik!
Und so gibt es eine Vielzahl von Vergünstigungen, ich habe hier nur einige wenige aufgezählt, die alle Jammerer gerne vergessen. All diese Vergünstigungen werden von den Arbeitenden finanziert. Und das einzige was man dafür zu hören bekommt ist, daß es den Arbeitslosen doch so wahnsinnig schlecht geht und wir noch mehr zahlen könnten.
Ach ja, ich habe ien Taxi, klar ein Fahrer verdient nicht gut ( Umsatzabhängig), aber mehr geht halt nicht. Ich habe aufgegeben. Früher habe ich mal davon geträumt mir mehrere Autos zuzulegen,. Inzwischen weiß ich, daß es keine guten Fahrer gibt. Denen gehts mit Hartz IV so schlecht, da können die sich nicht aufraffen und arbeiten gehen.
Ich lebe in einer 80.000 Einwohner Stadt in Süddeutschland, in den vergangene 5 in Worten fünf Jahren habe ich 3 Anrufe bekommen ob ich eine Stelle frei habe.
Soviel zum Thema: Arme!!
Als nächstes könnten wir uns der Frage widmen: Wieso gibts immer noch Dumme die Arbeiten?

Marco Kanne, am 01. August 2008 um 16:45 ( Link )

@Martin Möller

"Ich habe nichts grundsätzlich gegen private Wohlfahrt und denke, daß man das ganze Wohlfahrtssystem privatisieren sollte."

Sehr gut. Dann ist doch alles in Ordnung. :-)

Natürlich sollte man dann auch aufpassen, dass man (mehr oder weniger) private Wohlfahrtsvereine nicht denunziert. Wenn es den Staat nicht gäbe, wäre das mit den 1-Euro-Jobbern und der Nutzung öffentlicher Einrichtungen nicht möglich. Selbst also, wenn bei denen nicht alles staatsfrei abläuft, was in einem sozialistischen System wie diesen ja quasi unmöglich ist, muss man solche Initiativen loben und befürworten.

Marco Kanne, am 01. August 2008 um 16:55 ( Link )

@Hella

"Es ist also eine irrige Ansicht und eine Verbreitung von Lügen, die hier teilweise stattfindet. Wenn Ihr Euch mal die Mühe machen würdet, wenigstens probehalber mit diesen 351 Euro pro Monat euer Leben zu finanzieren, würdet Ihr wissen, dass es bei den Preissteigerungen schier unmöglich ist."

Ich lebe von weniger.

Martin Möller, am 01. August 2008 um 16:55 ( Link )

Gut, lobe ich also. Ich betone aber, daß das ganze staatliche Wohlfahrtssystem als destruktiv und schädlich abgeschafft gehört.

Marco Kanne, am 01. August 2008 um 16:57 ( Link )

@Martin

"Gut, lobe ich also. Ich betone aber, daß das ganze staatliche Wohlfahrtssystem als destruktiv und schädlich abgeschafft gehört."

Na, meine Rede. ;)

Goldelse, am 01. August 2008 um 18:13 ( Link )

@Hella/Martin/Marco
Nachdem die Sozialisten die Familie abgeschafft haben, funktioniert die innerfamiliäre Solidarität nicht mehr, aber der Staat will es ja so haben. Ganztagsbetreuung der lieben Kleinen, Altenheime und Hartz IV für Bedürftige. Man hat aus einer Menschengemeinschaft, der Familie, Individuen geschaffen, die es nicht allein schaffen, sich um die wenigen Arbeitsplätze zu balgen, danke 68er!!!!

Herr_Rossi, am 01. August 2008 um 23:44 ( Link )

Tja, früher hieß es mal bei ef "Politik ist nicht die Lösung, Politik ist das Problem"

Jetzt wird doch tatsächlich nach der Politik gerufen, ein Problem zu lösen, dass einzig sie allein geschaffen hat: Die Versorgung von Millionen Staatsinsassen.

Niemand fragt nach Sinn und Zweck einer Arbeitsverwaltungsbürokratie mit über 100.000 Beamten und Angestellten und einem Verwaltungsaufwand von über 4 Mrd.EUR.
Die ist doch nicht zufällig entstanden!
Vielmehr ist sie notwendiger Bestandteil der Politik, die individuelle Lebensentwürfe mit einem dichtgewebten Netz aus Verboten, Überwachung und Enteignung zerstört.
Die hieraus resultierende Mittel- und Perspektivlosigkeit der Politopfer darf sich nicht zu einer revolutionären Stimmung verdichten, weshalb diese Menschen sonderbehandelt werden.
Den Arbeitsagenturen und Kreisjobcentern fällt dabei die Aufgabe zu, Widerspenstige zu brechen, ihnen ihre Selbstachtung und Würde zu nehmen.
Hierzu steht eine breite Palette an Maßnahmen zur Verfügung:

  • Verordnung sinnloser Maßnahmen (z.B. wochenlange, beaufsichtigte Jobsuche im Internet), sinkt erwartungsgemäß die Motivation des "Klienten" unter null, wirft man ihm mangelndes Engagement vor und denunziert ihn beim Fallmanager

  • Verordnung von Psychokursen mit Themen wie "Wie werde ich damit fertig, arbeitslos zu sein", um dem Arbeitslosen die Aussichtslosigkeit seiner Situation klarzumachen

  • völlig unqualifizierte Fallmanager: Ein Bekannter wurde gefragt: "PD Dr." hat das was mit "DDR" zu tun?

  • der größte Hammer: 1-Euro-Jobs: Bis vor kurzem noch regulär tariflich entlohnte Arbeit wird nun einem Arbeitslosen aufgezwungen. Ihm wird damit signalisert: Du bist nur nichtswertiger Dreck!
    Hier ein paar Beispiele aus meinem Heimatstädtchen: Der Landesbetrieb Hessen-Forst hat in den vergangenen zwei Jahren ca. 1000 Stellen abgebaut. Die Waldarbeiter werden jetzt von "gemeinnützigen" GmbHs für 1,50€/Std. gestellt.
    Behörden- und Schulkantinen werden nicht mehr von angestelltem Personal sondern ebenfalls H4'lern betrieben. Statt von Stadtwerkern werden die öffentlichen Papierkörbe nunmehr von "Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung" geleert. etc.etc.
    Nicht unerwähnt bleiben soll, dass von dem üppigen Salär noch Jobtickets bezahlt werden müssen (50 bis 100 Euro p.M)

  • Wozu das Ganze?
    Um Widerstandswillen zu brechen. Wer nicht mitspielt, bekommt willkürliche und ungesetzliche ALG-Kürzungen reingedrückt. Wer mitspielt, ist früher oder später weichgeklopft und fügsam. Arbeit zu "Marktkonditionen" gibts trotzdem nicht.

    Die allerseits geschürte Arbeitslüge, Menschen müssten "arbeiten", um ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein, ist aus Sicht der Politik nur zu verständlich, stellt der lohnabhängig Beschäftigte doch das größte Ausbeutungspotential hinsichtlich Steuern aller Art dar.

    Ich für meinen Teil kann nach langjähriger, gutbezahlter Tätigkeit (Anm.: brutto) resümierend feststellen:
    "Arbeit ist die größte Kacke, wer das tut der hat 'ne Macke."
    Es würde mich froh und glücklich stimmen, wenn ich wüsste, dass die von mir gezahlten Steuern und Sozialabgaben von meinen Kamernossen ordnungsgemäß versoffen worden wären.
    Nachdem ich meine knappe Lebenszeit nun nicht mehr mit so einem Unsinn wie "Arbeit" vergeude, kann ich mich außerdem endlich wesentlicheren Dingen widmen und z.B. "reich werden".
    Arbeit ist Scheiße!
    Fick Heil!
    alf

Kevin, am 30. September 2008 um 14:15 ( Link )

der staat sollte keine familienpolitik treiben.
stattdessen sollte es betriebskindergärten und gemeinnützige nachbarschaftshilfen geben.
nicht der staat, sondern die eltern müssen die verantwortung für ihrer kinder übernehmen.


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