21. Juni 2008

Intelligenz Männer sind klüger als Frauen

Wir sollten den Tatsachen endlich ins Auge sehen

"Männer sind intelligenter als Frauen" titelte die "Welt" vor einigen Tagen. Der britische Professor Richard Lynn hatte in einer Studie mit 100.000 Testpersonen belegt, dass der durchschnittliche Intelligenzquotient bei Männern um etwa fünf Punkte höher liegt als bei Frauen. Besonders auffällig zeige sich dies bei Spitzenkräften: "Werte oberhalb von 130 konnten nach der britischen Untersuchung dreimal mehr Männer erzielen, oberhalb von 145 sogar 5,5 mal so viele. Dies sind Größenordnungen, unter denen man schon mal Nobelpreisträger der Naturwissenschaften, Schachgroßmeister oder Mathematikgenies findet. Und in der Tat sind in diesen exklusiven Gruppen der Hochintelligenz so viel mehr Männer als Frauen vertreten, dass auch die herrschende Wissenschaft dies nicht mehr nur auf unterschiedliche Umwelteinflüsse zurückführen will."

Bei diesem Artikel fallen einige Dinge auf. Zunächst: Lynns Erkenntnis, dass Männer im Durchschnitt höher auf Messlatten wie etwa der Wechsler-Intelligenzskala für Erwachsene liegen, ist nicht wirklich neu. In der Fachliteratur findet man sie schon seit 2002 (die exakte Quellenangabe: Lynn, R. und Irwing P.: Sex differences in general knowledge, semantic memory and reasoning ability. British Journal of Psychology, 93(4), 2002, S. 545-556). Über Lynns Studie berichtete der "Focus" schon am 26. August 2005, als sie bereits in Teilergebnissen vorlag. Unbenommen der Tatsache, dass es sich also um "old news" handelte, fällt die Rhetorik ins Auge, mit der die "Welt" die Ergebnisse dieser Studie präsentiert.

Es handele sich "um mehr als eine Provokation" heißt es in dem Artikel. "Britische Wissenschaftler wollen belegt haben" formuliert der Redakteur so vorsichtig wie möglich. (Währenddessen wird jeglicher von Frauenpolitikerinnen herausgegebene Unfug wie "Jede dritte Frau Opfer von häuslicher Gewalt", über den Experten nur die Augen verdrehen können, von der "Welt" den Lesern nur allzu gerne als Tatsache präsentiert.) Das "Enfant terrible", gemeint ist Professor Lynn, habe sich "in den Augen von Kollegen durchaus schon mal die Finger verbrannt". Und schließlich: "Der Co-Autor der Arbeit, Paul Irwing, Lehrer an der Universität von Manchester, entschuldigt sich quasi schon vorab: Ihm wäre ein anderes Ergebnis lieber gewesen, aber die wissenschaftliche Wahrheit sei ein höheres Gut als seine persönliche Ansicht."

Das ehrt Dr. Irwing. Ich erinnere mich an allzu viele TV-Wissens- und IQ-Tests mit Titeln wie "Wie klug ist Deutschland?", bei denen anfangs vollmundig verkündet wird, man könne anhand der Teilnahme im Internet nicht nur die einzelnen Bundesländer, sondern auch die Geschlechter miteinander vergleichen. Seltsamerweise erfährt man zum Ende der Sendung regelmäßig nur, wie die einzelnen Bundesländer im Vergleich miteinander abgeschnitten haben. Einmal bin ich interessehalber auf die Website einer dieser Sendereihen gegangen: Im Bericht über die erste Sendung wurde noch veröffentlicht, dass die Männer vorne lagen, danach fand man zum Geschlechtervergleich überhaupt nichts mehr. Dass Thüringen sich im Schnitt intelligenter zeigte als Hessen durfte dem Publikum offenbar zugemutet werden, dass ein Geschlecht dem anderen den Rang ablief hingegen nicht.

Wobei jeder, der in den letzten Jahren Artikeln zur Geschlechterforschung auch nur mit einem halben Auge studiert hat, bemerkt haben dürfte, dass dieselbe Zurückhaltung auffällig fehlt, wenn Frauen in irgendeiner Hinsicht die Nase vorne haben. Selbst die wissenschaftlich fragwürdigsten Behauptungen ("Frauen denken vernetzter", "Frauen sind wegen ihrer Fähigkeit zu Multitasking beruflich im Vorteil" undsoweiter undsofort) werden geradezu triumphierend herausgeplärrt, und man findet dabei niemals Formulierungen wie "mehr als eine Provokation" oder "entschuldigte sich Wissenschaftlerin XY schon im vornehinein für die Ergebnisse ihrer Studien".

Nun liegen für die bürgerlich-liberale Leserschaft von "eigentümlich frei" möglicherweise einige kritische Fragen zum bisher Ausgeführten auf der Hand. Zum Beispiel: Ist es nicht wenig gentlemanlike, die Überlegenheit des eigenen Geschlechts und damit die Unterlegenheit des anderen so demonstrativ herauszustreichen, wie ich das gerade tue – selbst wenn sich viele Frauen umgekehrt lange nicht mehr wie die Ladys benehmen, die einen zu diesem guten Benehmen motivieren würden? Und zeigt diese ganze Argumentation über Durschnittswerte nicht wieder einmal jenes höchst problematische Denken in Kollektiven, das wenig bis nichts über den einzelnen Menschen aussagt? Wenn sich ein beliebiger Mann und eine beliebige Frau gegenüberstehen ist die Möglichkeit schließlich nicht gerade minimal, dass sie intelligenter ist als er, Geschlechterdurchschnitt hin oder her.

Beide Einwände sind absolut berechtigt und ich habe nicht vor, sie zu widerlegen. Trotzdem weist der "Welt"-Artikel auf drei ausgesprochen wunde Punkte hin.

Der erste: Wissenschaftler inszenieren sich zwar sehr gerne als hundertprozentig neutrale Forscher, die sich mit objektiven Methoden so sehr der Wirklichkeit annähern wie nur irgend möglich. Tatsächlich aber wird diese Annahme in der Wissenschaftstheorie (also der Forschung über Wissenschaft) schon seit einiger Zeit als allzu blauäugig betrachtet. Wissenschaft wird inzwischen zu einem großen Teil als sozialer Prozess verstanden. Wenn ich als Wissenschaftler zum Beispiel weiß, dass ich mir mit bestimmten Forschungen in meinem Fachbereich keine Freunde mache und auch keine Forschungsgelder erhalte, widme ich mich doch lieber einem anderen Bereich, in dem für mich der persönliche Gewinn größer ist. Wenn hier also männerfreundliche Ergebnisse in den Medien konsequent ins Zwielicht gerückt werden, während frauenfreundliche Ergebnisse zu Rang und Ehren führen, frage ich mich schon, ob damit die Geschlechterforschung langfristig nicht mehr und mehr korrumpiert wird, bis man, o Wunder, nur noch feministisch korrekte Ergebnisse erhält.

Der zweite: Bis heute sind Variationen der "Patriarchatsthese" noch immer der zentrale Stützpfeiler der feministischen Ideologie. Alle paar Tage kann man in irgendeiner Zeitung lesen, die Gleichberechtigung sei offenkundig noch lange nicht erreicht, solange die Spitzenpositionen sowohl in der Wirtschaft als auch im akademischen Bereich weit überwiegend von Männern besetzt seien. Unweigerlich schwirren dann Begriffe wie "gläserne Decke", "Männerseilschaften" usw. durch die Diskurse. Wenn man allerdings weiß, dass es dreimal so viele Männer wie Frauen mit einem IQ über 130 gibt, dann ist das eine von mehreren Erklärungen für diese ungleiche Verteilung, die mit böswilliger Frauenunterdrückung so ziemlich gar nichts zu tun haben – womit Maßnahmen "ausgleichender Gerechtigkeit" wie etwa Quotenregelungen immer fragwürdiger werden.

Der dritte Punkt ist die Jungenkrise an unseren Schulen. Wenn das männliche Geschlecht tatsächlich im Schnitt intelligenter ist als das weibliche, dann ist es doch mehr als verwunderlich, dass dies in unserem Erziehungswesen in keiner Weise sichtbar wird, ja man sogar den gegenteiligen Eindruck haben muss. "Dumme Jungen, schlaue Mädchen" titelte im Jahr 2004 so auch der "Spiegel" und von Frauenpolitikerinnen bis hinauf zur Kanzlerin vernimmt man immer wieder Äußerungen, die im Klartext besagen: Naja, Jungen sind eben ein bisschen zurückgeblieben. Was praktisch ist, weil man sich dann nicht mit so unangenehmen Fragen auseinandersetzen muss, ob inzwischen statt der Mädchen nicht längst die Jungen massiv benachteiligt werden und was man dagegen unternehmen müsste. "Politisch unkorrekte", aber hieb- und stichfeste Belege dafür, dass Jungen im Durchschnitt klüger als Mädchen sind und trotzdem mit Abstand schlechtere Noten erhalten, könnten bei einer Suche nach den Ursachen und infolgedessen sachgerechten Lösungen eine große Hilfe darstellen.


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