12. Juni 2008

SPD-Einheitsbrei II Die Politik mit der Kinderarmut

Warum die Sozialstaatsköche nun die Suppenkelle verteilen

Rumfordsuppe also. Aber jetzt mal ernsthaft: Eine ehemalige deutsche Volkspartei fordert Suppenküchen für alle Kinder. Niemand lacht. Niemand wundert sich. Schließlich wurden wir seit Jahren in Nachrichten und Talkshows mit der „neuen deutschen Kinderarmut“ vertraut gemacht. Da „muss man doch“ „etwas tun“. Suppenküchen eben.

Aber wie konnte die Kinderarmut entstehen? Schnell fällt auf der Suche nach betroffenen Kindern das neudeutsche Wort vom „Prekariat“. Kein einziges der vielen bekanntgewordenen Beispiele von Kindesvernachlässigung spielt nicht im Hartz-IV-Milieu. Tatsächlich existiert ein vom Sozialamt dauersubventionierter Lebensstil der Nichtsnutzigkeit, der inklusive Mietzuschüssen, kostenlos bereitgestelltem und angeschlossenem Farbfernseher, Telefonvergünstigungen, Freizeitsubventionen, Mobiliarzusätzen und einem bunten Strauß sonstiger Vergünstigungen heute bei weit mehr als 1.500 Euro pro Monat netto pro Person liegt. Weit mehr also fürs Nichtstun als eine Friseusin als moderne Heldin wider den Sozialstaat ehrlich verdienen kann. Kinder werden extra und oben drauf vergütet – und nicht selten genau deshalb von Menschen in die Welt gesetzt, die viel Geld für Konsum ausgeben, aber auf eigene Kosten zu allerletzt in eigene Kinder investieren würden.

Man könnte annehmen, dass das von der vitalen und aktiven Bevölkerung in Richtung eben dieses Prekariats umverteilte Geld für gesundes Essen mehr als ausreichen sollte, auch für das Essen der Kinder. Ein kurzer Blick zurück in Großvaters Zeiten belegt, dass sich das ärmere Drittel der Bevölkerung, die Arbeiterklasse, einst ordentlich selbst ernährt hat. Von der SPD-Suppenkelle musste niemand gefüttert werden. Schon das Ansinnen hätten Betroffene als Zumutung zurückgewiesen. Damals hatten Menschen noch ihren Stolz. Für die Ausbildung und das gute Essen der geliebten eigenen Kinder, die es einmal besser haben sollten, hatten sich Arbeiter auch gerne mal den kleinen möglichen Luxus vom eigenen Munde abgespart. Dafür brauchte niemand die Almosen der Bürokraten. Und das bei real weit weniger zur Verfügung stehendem Einkommen im Vergleich zum heutigen Sozialstaatsprekariat, das für die SPD-Unverschämtheit beinahe noch dankbar wäre. Nur leider gehört die Dankbarkeit ebenfalls zu den Opfern des Sozialstaats, schließlich hat man den Bezuschussten immer wieder eingeredet, dass ihnen alles „zusteht“, ja dass sie ein Recht hätten, auf Kosten anderer zu leben. Wenn also nicht dankbar, so doch grinsend gerne wird manche Prekariatsmama in zweiter Generation ihre Kinder, die ohnehin nur stören, zur Staatsküche schicken – und derweil für die gesparten Euros eine bessere Verwendung finden.

Zitieren wir aus dem Gastkommentar „Alimentierung des Nichts“ aus der Tageszeitung „Die Welt“ vom Autor dieser Zeilen: „Was von zu viel finanzieller Zuwendung verwöhnte Millionärssöhne so machen, wenn sie dem reichen Papi keine Gegenleistung schuldig sind, das kann man in Christian Krachts berüchtigtem Debütroman Faserland nachlesen: Sex, Drugs and Rock 'n' Roll. Die jüngst wiederentdeckte Unterschicht, vulgo der Sozialhilfeempfänger in zweiter Generation, ist also gar nicht so außergewöhnlich in ihrem Lebenswandel. Sehen wir einmal davon ab, dass hier das Fernsehen das Kokain meist ersetzt. Gemeinsam ist beiden auch, ob von Beruf Sohn oder Kind des Sozialstaats, dass sie nicht wirklich arbeiten. Und daran gewöhnen sie sich sehr schnell – und verlernen, eigenverantwortlich zu leben. Wozu auch an die Arbeit oder gar an morgen denken? Übermorgen sind die freigebigen Ernährer ja immer noch da. Wenn Millionen fürs Nichtstun genauso viel oder gar mehr Geld bekommen, als sie mit Arbeit verdienen könnten, darf man sich über Arbeitslosigkeit nicht wundern. Wer kann es den Kindern von Rockefeller oder Leviathan verdenken, wenn sie mein Arbeitsangebot dankend ablehnen? Die Betroffenen können schließlich nichts dafür, dass sie auch so versorgt werden. All dies erklärt, warum gut geführte, wohlständige Familienunternehmen in der zweiten oder dritten Generation plötzlich verschwinden: weil die Kinder oder Enkel die Produktion gegen den Konsum eintauschen und das Kapital einfach verfrühstücken. Im Unternehmen Deutschland ist dieses verhängnisvolle Frühstück zeitgemäß zum Brunch ausgeweitet worden. Ehrgeiz? Aufstiegswillen? Ist es ein Wunder, dass dieser verloren geht, wenn fürs Fernsehgucken oder Koksen auch die Kohle fließt? Die Alimentierung des Nichts erklärt nicht nur das Phänomen Massenarbeitslosigkeit. Die charakterliche und mentale Degenerierung von Millionen ist die vielleicht noch schlimmere Folgeerscheinung von unpersönlicher und damit falscher Solidarität. Übrigens auf beiden Seiten, denn wo gegeben wird, muss auch genommen werden. Wo Gammeln belohnt wird, muss Leistung bestraft werden. Auch dies führt moralisch und wirtschaftlich in den Abgrund.“

Nicht nur die Begünstigten selbst sind heute in ihrer Persönlichkeit verformt. Sie betrachten eine tägliche Staatsessensausgabe womöglich als „natürliche“ Erscheinung. Darüber hinaus nehmen die vielen Väter und Mütter, die ihre eigenen Kinder immer noch bestens selbst versorgen, den doch immerhin explizit auf „alle Kinder“ zielenden SPD-Vorschlag scheinbar teilnahmslos hin. Die Auswüchse des Sozialstaats sind also möglicherweise bereits unhinterfragbar selbst bei jenen geworden, die diese perverse Maschine durch immer noch mehr unfreiwilligen Eigentumstransfer am laufen halten.

Früher setzten leistungskräftige, langfristig planende Menschen Kinder in die Welt. Wer sich kaum selbst versorgen konnte, der strengte sich erst einmal mächtig an und dachte dabei zunächst nicht an eigene Kinder. Nebenbei: Es waren intakte Familien, die sich zutrauten, Kinder in die Welt zu setzen, nicht die kaputten Beziehungen. Auch das Millionenheer allein erziehender Mütter gab es einst deshalb nicht als Massenerscheinung, weil der Ernährer dieser Einrichtung, Ersatzvater Staat, jenen sonderbaren Lebensstil schlicht noch nicht erfunden hatte. 

Der moderne Sozialstaat hat eine durch seine Minusanreize oft völlig apathische, leb-, lieb- und würdelose Klientel für das Gebären unschuldiger Kinder mit Bonuszahlungen prämiert. Wieviele traurige Kinderschicksale gehen bereits auf das Konto unserer Sozialpolitiker? Wieviele Sozialstaatsmonster hat die SPD in Verdacht, die eigenen Kinder verhungern zu lassen? Und machen Staatssuppenküchen der Täter die in erster Linie nach Geborgenheit dürstenden kleinen Politikopfer wirklich satt?


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