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NPD in Mecklenburg-Vorpommern: Läuten zur libertären Kulturrevolutionvon Kaspar Rosenbaum Was Liberale aus den Erfolgen von Nationalsozialisten lernen können Am Sonntag ist die NPD mit mehr als 7 Prozent in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern eingezogen. Das, was vor ein paar Wochen noch als Sensation gegolten hätte, wird nun als eine „Protestwahl gegen die Große Koalition“ oder als eine „Protestwahl der Arbeitslosen und sozial Schwachen“ abgetan. Wie immer zielen die „zutiefst betroffenen“ Kommentare der etablierten Politiker und Medien um Lichtjahre an der Wirklichkeit vorbei. Denn recht eigentlich handelt es sich bei der Etablierung der NPD im zweiten ostdeutschen Bundesland um eine Kulturrevolution. In Wahrheit ist die NPD nur ein – nämlich parteipolitischer – Teil einer breiten und tiefen kulturellen Bewegung, die jeder hören und sehen kann, der in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern Augen und Ohren offen hält. Einer Bewegung, die kulturell radikal mit dem bisherigen System der BRD bricht. Einer nationalsozialistischen Bewegung. Es ist eben nicht nur eine Affekthandlung am Wahltag, wenn heute Tausende Ostdeutsche nationalsozialistische Literatur verschiedener Verlage und Zeitschriften lesen, nationalsozialistische Musik vieler Produzenten, Vertriebsfirmen und noch mehr Musikgruppen hören, nationalsozialistische Mode – etwa die des szeneeigenen Thor-Steinar-Labels – tragen und gemeinsam in nationalsozialistischen Kameradschaften ihre Freizeit verleben. Und es sind auch längst nicht mehr nur die „bildungsfernen Schichten“, die für sich inmitten dieser braunen Kultur einen Wohlfühlfaktor entdecken. Wer einmal das NPD-Parteiorgan „Deutsche Stimme“ in den Händen hielt, weiß, dass hier keine rechte „Bild“-Zeitung produziert wird, sondern auf intellektuell beachtlich hohem Niveau geschrieben wird. Wie konnte es zu dieser unüberseh- und unüberhörbaren nationalsozialistischen Kulturrevolution in bereits mindestens zwei Bundesländern kommen? Und können auch Liberale und Libertäre etwas daraus lernen? Fragen wir uns dazu zunächst, ob eine solche Kulturrevolution erst- und einmalig zu beobachten ist. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Es gab etwa in der Spätphase der Weimarer Republik schon einmal eine breite, im weiten Sinne nationalsozialistische kulturelle Bewegung, getragen auch von Denkern der Konservativen Revolution, von bündischen und burschenschaftlicher Jugend mit all ihren eigenen Liedern und Labeln. Hitler konnte nur auf der Welle dieser breiten antidemokratisch-nationalistisch-sozialistischen Bewegung an die Macht gelangen. Und von Ende der 60er Jahre bis gestern zieht sich die Erfolgswelle der – wie André F. Lichtschlag sie nannte – „demokratisch-ökofemisozialistischen Bewegung“, getragen ebenfalls von eigenen Medien, von eigenen Moden, von eigener Musik und von eigenen Ritualen. Wenn wir Glück haben, wird die nationalsozialistische Welle diesmal nicht so weit tragen wie die beiden beschriebenen Erfolgswellen, nämlich in ein immer totalitärer werdendes System hinein. Der heutige Nazi-Spuk ist im Gegensatz zur Endzeit von Weimar oder BRD nur auf einige Landesteile beschränkt. Möglicherweise ebbt die Welle bald ab, ohne einmal mehr als Polit-Tsunami ein Land in den Abgrund zu stürzen. Doch wie konnte überhaupt eine derart breite und tiefe – zunächst radikal-oppositionelle – Bewegung entstehen? Eine Voraussetzung ist und war hier wie dort eine weit verbreitete und tiefe Unzufriedenheit mit dem herrschenden demokratischen System. Heute ist das Ansehen von Parteien und demokratischen Politikern schon wieder auf dem Tiefstand am Ende von Weimar angekommen – und dies noch bevor die allergrößten Folgen der kleptokratischen und kulturvernichtenden Politik überhaupt erst sichtbar geworden sind. Doch neben der weit verbreiteten starken Unzufriedenheit gibt es eine zweite Voraussetzung für eine erfolgreiche kulturelle Revolution. Diese zu erkennen sollte Individualisten eigentlich nicht schwer fallen: Bewegungen können nur erfolgreich sein, wenn Einzelne sie anschieben und durch persönlichen Einsatz erst möglich machen. Ein Thor-Steinar-Hemd oder eine Rennicke-CD fallen nicht vom Himmel. Sie müssen konzipiert und komponiert, gesungen und genäht, hergestellt und vertrieben werden. Regelmäßige Kameradschaftstreffen müssen von Einzelnen organisiert werden. Auch eine „taz“ und der Frauen- oder Müsli-Laden um die Ecke sind nicht von selbst entstanden, sondern benötigten tatkräftige Ökos und Emmas. Wenn also Erzliberale und Libertäre, obschon ihre Zahl mit jedem Monat wächst, noch immer keine einzige eigene Musik-Band, geschweige denn ein Modelabel, aufweisen können, dann liegt das an nichts anderem als ihnen selbst. Oder sagen wir es deutlicher: Es liegt daran, dass viele Freiheitsfreunde lieber virtuell über Nichtigkeiten diskutieren als real zu handeln. Ausnahmen wie das Projekt Liberty.li – wo nicht nur lamentiert, sondern ganz real auch Lebenshilfe und Mentoring angeboten wird – bestätigen hier lediglich die libertäre Laber-Regel. Offensichtlich benötigen Ideen, um von einer breiteren Masse angenommen zu werden, all dies: Symbole, Riten, Moden, Musik – eben Kultur. Dies gilt auch dann, wenn libertäre Absichten im Gegensatz zu den beschriebenen links- oder rechtssozialistischen Zielen antipolitisch und antietatistisch daherkommen. Libertäre neigen dazu, jahrelang in Endlosstreifen darüber zu beraten, ob sie letztlich so etwas wie „Macht“ anstreben oder ob Marktradikale überhaupt rein theoretisch „Macht“ anstreben können oder ob dies nicht ein „Widerspruch“ sei. Dabei wird die viel näherliegende Frage schlicht verdrängt; ob nämlich Liberale für ihre Ideen überhaupt werben wollen. Und wenn ja, ob sie begreifen, dass dazu auch libertäre Kultur im weiteren Sinne zwingend notwendig ist. Die Chancen auf Erfolg waren auch für eine kapitalistische und individualistische Systemalternative kaum jemals besser als heute. Die Politik pfeift allzu offensichtlich aus ihrem letzten Loch und wird von immer mehr Menschen als ineffizient und unmoralisch wahrgenommen. Nun käme es lediglich noch auf den Mumm und die Schaffenskraft der Einzelnen an. Schafft tausend libertäre Blumen! Wann, wenn nicht jetzt? Oder wollen wir die kulturelle Alternative weiterhin ausgerechnet den Nationalsozialisten überlassen? 18. September 2006 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Arne Hoffmann, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Klaus Rainer Röhl schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentareFreiheitsfabrik » Blog Archive » Von Nazis lernen , am 18. September 2006 um 22:53 ( Link ) [...] Ein solch’ für mich inakzeptables Gewächs ist ein Artikel auf ef-Online. Allein der Titel ist ein Schmankerl der ganz besonderen Art: “NPD in Mecklenburg-Vorpommern: Läuten zur libertären Kulturrevolution” - solche saftigen Gesinnungsschnitzel kannte ich bislang nur aus der Feder dummer + mieser Verleumder (vorzugsweise von der Uni Innsbruck, gell?), nicht jedoch aus der bekennender Libertärer. Irgendwas ist da verrutscht. Und zwar ziemlich dolle. [...] Freiheitsfabrik » Blog Archive » Dem Wahren, Schön, am 19. September 2006 um 9:39 ( Link ) [...] Es ist kein Zufall, daß ausgerechnet Johann Wolfgang von Goethe, als einziger der deutschen Dichter, der doppelten Buchführung einige bemerkenswerte Zeilen gewidmet hat. Er schreibt in Wilhelm Meisters Lehrjahren, die doppelte Buchhaltung sei “eine der schönsten Erfindungen des menschliche Geistes. Ein jeder guter Haushalter sollte sie in seiner Wirtschaft einführen. Sie lässt uns jederzeit das Ganze überschauen, ohne daß wir es nötig hätten, uns durch das Einzelne verwirren zu lassen.” Was für eine bodenlose Kulturlosigkeit spiegelt dagegen diese, von der ef-Online propagierte Libertäre Kulturrevolution wieder. [...] Raoul, am 19. September 2006 um 13:57 ( Link ) Right! Now ha ha ha... I am an antichrist 'Cause I wanna be Anarchy Anarchy for the UK 'Cause I wanna be Anarchy How many ways to get what you want 'Cause I wanna be Anarchy Is this the M.P.L.A or I wanna be Anarchy And I wanna be an anarchist - Sex Pistols, Anarchy in the UK Torben, am 19. September 2006 um 14:38 ( Link ) Ja, Raoul, etwa genau so! Das ganze noch in der Ska- und der klassischen Version. Und noch viel mehr. Eben in tausend Blumen. Dazu dann Kastners Finanzbeamter und Kastners Goethe, das ist doch schonmal was. Herr Rossi, am 19. September 2006 um 21:43 ( Link ) Jau, so isset: Fick Heil! drchaos, am 20. September 2006 um 1:38 ( Link ) @Andreas und Michael: Seid ihr euch sicher, dass ihr den Artikel nicht total falsch verstanden habt? Wo steht denn da, dass die Kultur der NPD als Vorlage für die libertäre Bewegung dienen soll (obwohl die Vorstellung, ein paar Skinheads mit Baseballschlägern jagten Finanzbeamte und andere Politräuber nächtens durch die Innenstädte, durchaus ihren Charme hat)? Ich sehe da nur ein Plädoyer für eine libertäre Kultur abseits der Nabelschau in nur von Gleichgesinnten besuchten Foren, um erfolgreicher für die eigenen Ideen werben zu können. Weder steht da, wie das überhaupt aussehen könnte, noch wird gar das Ziel, damit Wahlen gewinnen zu können, angesprochen, erst recht wird nirgendwo nach einem libertären Führer gerufen. Was die Frage der Kultur angeht, bin ich übrigens mit Kaspar auf einer Linie. Mit Salonlibertären, die an jeder roten Ampel halten, brav GEZ und Steuern bezahlen und niemals am Bahnsteig rauchen, weil das ja verboten ist, ist auf Dauer kein Blumentopf zu gewinnen. Den Staat und seine Gesetze kann man nicht wegdiskutieren, aber jeden Tag ein bisschen schleifen (die NPD macht übrigens vor, wie das in der Praxis geht; die geniessen im Osten Freiräume, von denen man hier -selbstverständlich mit anderer Zielsetzung! Aber das muss man ja nicht in jedem zweiten Satz wiederholen- nur träumen kann). In diesem Sinne: Kein Gerede nur die Tat stoppt den skrupellosen Staat Nehmt euch was sie euch genommen nehmt das was euch gehört Eine Revolution für den Frieden und die Freiheit Nehmt euch was sie euch genommen nehmt das was euch gehört Eine Revolution für den Frieden und die Freiheit (wizo - kein gerede) Freiheitsfabrik » Blog Archive » Libertäre RAF, am 20. September 2006 um 6:40 ( Link ) [...] So findet sich doch für jedes auch noch so schräge Töpfchen gleich ein passendes Deckelchen. drchaos kommentiert auf ef-online die Kritik der Freiheitsfabrikanten an dem Rosenbaum’schen NPD-Artikel. Und bestätigt sie auf eine abscheuliche Weise deutlicher, als sich das die ’salonlibertären’ Kritiker hätten wünschen können. [...] Raoul, am 20. September 2006 um 12:25 ( Link ) ich mag die sex pistols und hab auch immer gerne mit punks abgehangen (damals als ich noch jung war *lach*) Raoul, am 20. September 2006 um 12:26 ( Link ) P.S.: wer ein rechtschreib fehler findet darf ihn behalten :-P drchaos.blog, am 20. September 2006 um 15:17 ( Link ) Die lieben Kollegen...... Neuerdings scheint es üblich geworden zu sein, innerhalb einer gewissen Szene den Feind vorwiegend in den eigenen Reihen zu suchen - nicht zuletzt bei den Freiheitsfabrikanten, die sich in letzter Zeit hauptsächlich der Produktion libertärer Fatwas ... bitter_twisted, am 20. September 2006 um 17:20 ( Link ) Mal auf den Punkt zurück zu kommen den Kaspar Rosenbaum etwas poltisch Inkorrekt macht: Alle Anscheinen nach ist die etablierte Unordnung dabei sich endgültig auf zu lösen und es gibt kein liberales oder Libertäres Angebot unter den Parteien.(Glaub nicht das Jemand die FDP ernst nimmt) Ulrike Meinhof, am 20. September 2006 um 18:45 ( Link ) Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht mehr geschieht! Vom Protest zum Widerstand - Vom Wort zur Tat! Saccard, am 21. September 2006 um 14:37 ( Link ) Ist es eigentlich zufall das gleich von 2 meiner Lieblingslieder hier der Text abgedruckt ist. André F. Lichtschlag, am 22. September 2006 um 12:29 ( Link ) Dies ist eines der beiden fundamentalen Irrtümer von Ludwig von Mises. Und diesem Irrtum folgt die katastrophale Erfolglosigkeit des Liberalismus bei der Werbung für seine Ideen seit 1927. drchaos, am 22. September 2006 um 13:29 ( Link ) Zustimmung, aber welches ist der andere? Wobei es mir schon schwierig erscheint, Pogo-Anarchisten auf der einen und Paläolibs auf der anderen Seite kulturell unter einen Hut zu bringen... Nico Metten, am 23. September 2006 um 11:23 ( Link ) Ich fürchte auch, dass das kleine Grüppchen an echten Individualisten nicht ausreicht, um eine freie Ortnung zu etablieren. Auf der anderen Seite ist es natürlich aber auch ein Wiederspruch einen kollektivistischen Individualismus zu fordern. Man wird es trotzdem versuchen müssen. Trotzdem muß man sich immer der Tatsache bewußt sein, dass Massen eine ganz eigene Dynamik besitzen. Es ist denke ich naiv zu glauben, dass man sie einfach in eine beliebige Richtung drängen kann. Schon Gustav LeBon hat gewarnt, dass derjeniger, der versucht die Massen aufzuklären am Ende ihr Opfer werden wird. C. S., am 09. Oktober 2006 um 22:09 ( Link ) "getragen auch von Denkern der Konservativen Revolution, von bündischen und burschenschaftlicher Jugend mit all ihren eigenen Liedern und Labeln. Hitler konnte nur auf der Welle dieser breiten antidemokratisch-nationalistisch-sozialistischen Bewegung an die Macht gelangen." Nun, ich bezweifle, dass die Burschenschaften gerade die unterstützten, die sie verboten haben. Und es waren gerade die Burschenschaften, die für die Demokratie stritten und auf die Barrikaden gingen. Dafür landeten sie nicht selten im Karzer oder wurden zur Ausreise gezwungen. , am 08. April 2008 um 15:06 ( Link ) "Eigentum ist Diebstahl" Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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sceptic02, am 18. September 2006 um 22:07 ( Link )
Da muss einer aufpassen nicht Opfer des Stockholm- Syndroms zu werden !!! Hoppelpoppel war die Lieblingspeise von ?