09. Juli 2020

Wie das dritte Geschlecht unsere Sprache verändert Sehr geehrte Damen und Herren und …?

Über die Tücken des „Genderns“ und eine mögliche Lösung

von Herbert Kuhn

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Bildquelle: Miriam Doerr Martin Frommherz / Shutterstock.com männlich, weiblich, divers: Mensch Meier, wie kompliziert!

Kürzlich musste ich mich in einem Supermarkt vor der Kasse in eine lange Warteschlange einreihen. Bedingt durch die Corona-Abstandsregelung hatte ich keine freie Sicht auf die Kasse. Über dem Platz, an dem ich die Kasse erwartete, konnte ich aber schon von Weitem ein Werbeschild entdecken, auf dem „Mitarbeiter gesucht! (m/w/d)“ aufgedruckt war. Mit langsamem Vorrücken konnte ich trotz Maske und angelaufener Brille dem Plakat weitere Informationen entnehmen. Der Markt suche nach Aushilfen im Bereich der eigenen Metzgerabteilung, der Obstauslage und Hilfen im Bereich „Kasse“.
Wer nun „m/w/d“ mit „männlich/weiß/deutsch“ übersetzt, hat auf einen Schlag sämtliche Verbrechen im Sinne der Gesinnungspolizei auf dem Kerbholz: Rassismus, Antifeminismus und sicher auch Antisemitismus. Voll Nazi halt.
Also übersetzte ich die Kürzel – hoffentlich korrekt – mit männlich/weiblich/ divers(?). Ganz sicher war ich mir aber nicht.
Mittlerweile war ich in Sichtnähe zur kassierenden Person angelangt und konnte meine Waren auf dem Förderband platzieren. Ich war schon gespannt, welches Geschlecht mir meine Waren durch den Scanner ziehen würde. Saß die Person doch maskiert direkt unter dem Bewerbungsplakat.
Wegen der Gesichtsmaske war es nicht leicht, das Geschlecht zu bestimmen. Die Person trug zwar Kleidung, wie sie von weiblichen Personen bevorzugt wird, und hatte auch die blonden Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. An Armen und Hals war sie fast bis zum Kinn tätowiert.
Auf den Fingergliedern der rechten Hand, mit der sie die Waren zu sich zog, konnte ich deutlich die Buchstaben „H“, „A“, „S“, „S“ lesen. Auf den Fingern der Geldannahmehand entdeckte ich später „L“, „O“, „V“, „E“.
„Macht 35 Euro 20. Haben Sie eine Kundenkarte?“, säuselte sie professionell meinem Vordermann zu.
An der Tonalität der Stimme, die ich spontan einer weiblichen Person zuordnete – immer gedämpft durch den Mundschutz –, glaubte ich nun, mich auf „Frau“ festlegen zu können.
Ganz sicher war ich mir aber nicht, denn man weiß ja heutzutage nie!

Jetzt war ich dran.
Gott sei Dank! Auf dem Namensschild ihrer Uniformbluse prangte „Frau Meier“.

Jetzt war ich am Überlegen. Bei einem Mann wäre bekannterweise „Herr Meier“ auf dem Namensschild zu lesen gewesen. Aber bei „d“?
Vielleicht „Es Meier“. Das gab es schon früher bei uns auf dem Land – Anreden und Bezeichnungen wie: „’s Lisbeth“ oder „’s Schorschle“.

Bei Briefen fragte ich mich schon seit Einführung der neuen Geschlechtsdiversitäten, wie denn nun eine korrekte Anrede zu formulieren sei.

„Sehr geehrte Damen, Herren und Sonstige“? Wer traut sich heute noch, andere Geschlechter zu übersehen?

Dabei sehen alle unsere Kämpfer für Feminismus, Gleichstellung und Antirassismus den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Schon immer wird die Frau in der direkten Anrede herabgewürdigt. Schreiben wir in Briefen und schriftlichen Mitteilungen noch richtig „Damen und Herren“, so grüßen wir dieselben Personen mit „Guten Tag, Herr Meier“ und „Guten Tag, Frau Meier“.
Die „Frau“ ist aber nur die weibliche Form eines Menschen. Der männliche Part der Menschheit heißt „Mann“.
Gerechterweise und gleichgestellt müssten wir nun entweder „Guten Tag, Frau Meier“ und „Guten Tag, Mann Meier“ oder „Guten Tag, Dame Meier“ und „Guten Tag, Herr Meier“ verwenden.

In anderen Sprachen wird das so gemacht:

Bonjour Madame Dupont und Bonjour Monsieur Dupont.
Hello Mistress Miller und Hello Mister Miller.
Bona Sera Signora Albertoni und Bona Sera Signore Albertoni.
Buenos Dias Señora Diaz und Buenos Dias Señor Diaz.

Dabei wird nicht nach Mann und Herr oder Frau und Dame diskriminiert.

Es wird Zeit, das zu ändern!
Wir sollten einfach alle Anreden vereinheitlichen und alle Leute mit ihrer richtigen Bezeichnung anreden, nämlich mit „Mensch“.

Wie wäre es mit „Mensch Meier“?


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Herbert Kuhn

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