22. Januar 2020

Kult um Luisa Neubauer Qualitätsabschaffungsjournalismus

Wie man eine fachlich fragwürdige 23-Jährige ohne alle Referenzen zum Jugendidol aufbaut

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: 360b / Shutterstock.com Keine fundierten Äußerungen: Luisa Neubauer

Das ist ja unerhört! Mögen Klimakappes-Jünger angesichts der schmähenden Überschrift nun denken. Doch das ist mir egal. Absolut sogar. Es interessiert mich keine Millisekunde. Was in der Ex-Presse des Failstreams tagtäglich vor sich geht, was dort Tag für Tag an tendenziösem, manipulativem, suggestivem, propagandatriefendem, nicht selten auch gleich faktisch falschem und vor allem naturwissenschaftlich völlig unbelecktem Schwachsinn publiziert wird, lässt sich höchstens noch als journalistische Resterampe bezeichnen.

Und das Maß ist eindeutig voll. Schon lange. Würde wenigstens eine echte Lichtgestalt in den Olymp der sogenannten „Klima-Aktivisten“ gehoben, jemand, der entsprechende Kompetenzen und Referenzen vorweisen kann, eine satte Leistungsbilanz in Sachen „Klimatologie“ sozusagen, ließe sich darüber trotz der Tatsache, dass dieses – ein Begriff, der in diesem Kontext überaus angebracht ist – „Leitmotiv“, also der Schutz beziehungsweise die „Rettung“ des „Weltklimas“ lediglich eine ökologistische Gleitcreme zur leichteren Einführung eines totalitären „Öko-Regiments“, einer „wissenschaftlichen Diktatur“ darstellt, ja vielleicht noch reden. Also jemand, dem zuzuhören oder dessen Elaborate zu lesen sich insofern lohnen würde, als seine Äußerungen wenigstens durch Fachwissen „geerdet“ sind.

Nehmen Sie als Beispiel Hans Joachim Schellnhuber. Ich rede jetzt nicht vom Für und Wider des „menschengemachten Klimawandels“, sondern nur von seiner akademischen Laufbahn. Ein kleiner Auszug mag genügen: Studium der Mathematik und Physik, Letzteres abgeschlosssen mit Auszeichnung. Promotion in Theoretischer Physik mit summa cum laude. Wissenschaftlicher Mitarbeiter an mehreren renommierten Universitäten wie zum Beispiel der University of California, Santa Barbara. 1985 habilitiert an der Universität Oldenburg. Dort hatte er von 1989 bis 1993 eine Professur für Theoretische Physik am Institut für Chemie und Biologie des Meeres inne. Von 2001 bis 2005 Professor an der Environmental School der University of East Anglia in England.

Das sind – wie gesagt unabhängig davon, wie man zum römisch-clubgemachten Deindustrialisierungswandel nun auch immer stehen will – beeindruckende Referenzen, die zumindest beweisen, dass der Mann kein völlig fachfremder, dahergelaufener Schwätzer ist.

Aber eine 23-Jährige namens Luisa Neubauer, die bislang, pardon, nichts, aber auch rein gar nichts in dieser Hinsicht geleistet hat, außer jahrzehntealte Deindustrialisierungs-Parolen aus der Gebrauchsanweisung zur Errichtung einer „Global Governance“-Technokratie des Club of Rome, der Trilateralen Kommission oder anderen globalistisch-richtungsverwandten Lenkfabriken zur Manipulation und Steuerung der „öffentlichen Meinung“ nachzuplappern, der Leserschaft unentwegt als regelrechte Galionsfigur vorzusetzen, das lässt bei mir vor allem eine Frage aufscheinen: Ist diese derzeit in den Turbo schaltende Verblödung eigentlich gewollt, ist das Absicht oder nur eine Folge des staatlichen Bildungsknechtwesens? Meinen die das eigentlich noch ernst? Und warum drehe ich mich jeden Tag nach dem morgendlichen Rundflug über das Jourkuckucksnest eigentlich unwillkürlich um, als erwartete ich jede Sekunde, dass ein lachender Kameramann auf mich zustürmt, mir die Hand schüttelt und fragt: „Verstehst du etwa keinen Spaß?“

Das sind keineswegs haltlose Vorwürfe. Was Neubauer bisher von sich gab, fällt in fachlicher Hinsicht bestenfalls in die Kategorie mangelhafter Grundschulaufsatz. Substantielle, also naturwissenschaftlich fundierte Äußerungen sucht man bei ihr vergebens – ebenso wie bei anderen ihrer Mitstreiter aus der (geo‑) politisch überaus nützlichen FFF-Bewegung. Von ihrer radikaleren Variante, dem Untergangs- beziehungsweise Apokalypse-Kult namens „Extinction Rebellion“ fange ich gar nicht erst an, da dessen „Aktivismus“ nichts mit überzeugenden Argumenten zu tun hat, sondern ausschließlich auf überemotionalisierter, sensationalistischer, vorsätzlich und gezielt Hysterie schürender Pseudowissenschaft beruht, auf wort- und gefühshuberndem Schamanaktivismus.

Ich habe bisher noch kein einziges stichhaltiges Argument von Luisa Neubauer gehört. Keines. Stattdessen werden die altbekannten, zumal größtenteils bereits widerlegten Mantras und Dogmen einer Fake-Wissenschaft abgespult, die übrigens schon mehrere Male der Manipulation bis hin zur offenen Fälschung von Datensätzen und Statistiken überführt wurde und deren Zweck die Einführung eben jener „wissenschaftlichen Diktatur“ im „ökologisch nachhaltigen“ Tarnmantel ist, von der Fabian-Sozialist Aldous Huxley, einer ihrer prominentesten Vordenker, einmal sagte: „Die Diktatoren früherer Zeiten stürzten, weil sie ihren Untertanen nie genug Brot und Spiele, genug Wunder und Mysterien liefern konnten. Unter einer wissenschaftlichen Diktatur wird Erziehung wirklich funktionieren – mit dem Ergebnis, dass die meisten Männer und Frauen in Liebe zu ihrer Sklaverei aufwachsen und niemals von einer Revolution träumen werden. Es scheint keinen guten Grund zu geben, warum eine gründliche wissenschaftliche Diktatur jemals gestürzt werden sollte.“

Nun möchte Neubauer zusammen mit anderen Schamanaktivisten vor dem Bundesgrundgesetzgericht klagen. Klagegrund: „Es geht um unser Leben“. Gut. Sehr gut. Ich freue mich darauf. Riesig. Weil sich dadurch für die „Leugner“ eine großartige Gelegenheit eröffnet: Denn um in dieser Angelegenheit überhaupt ein „gültiges“, überzeugendes Urteil fällen zu können, bedarf es selbstverständlich sehr viel mehr als auf der Straße gegen Kohlendioxid hüpfenden, emotionsüberladenen, eschatologischen Beschwörungsschwurbels.

Mit anderen Worten werden die Schamanaktivisten überzeugend belegen müssen, dass ihr Leben tatsächlich in Gefahr ist. Und genau das dürfte ihnen alles andere als leichtfallen, vor allem dann, wenn – weshalb ich die von den Massenlobotomedien nicht umsonst mittels dümmlicher Schmähvokabeln wie „Klimaleugner“ verleumdeten und angeschmierten „Skeptiker“ eindringlich darum bitte, diese Chance nicht ungenutzt vorübergehen zu lassen – diese hoffentlich auch zugegen sein werden, um ihre Gegenargumente vorlegen und dadurch vielleicht wenigstens eine etwas breitere Debatte in Gang setzen zu können, die angesichts des alles andere als „kopflosen“ oder „hysterischen“, sondern politisch gewollten, überaus kalkulierenden und berechnenden Presse-Psychoterrors in dieser Sache ohnehin längst überfällig ist.

Jedenfalls, um das Thema Neubauer abzuschließen, kündigte diese Phrasendrescherin nun an, gegen diverse Unternehmen „Rabatz“ machen zu wollen. Mit anderen Worten: Statt einer ausgewogenen Diskussion zu dieser Thematik, die es im Failstream nicht mehr gibt, wird ein ungelerntes Gör auf alle Titelseiten gehoben. Reife Leistung.

Am interessantesten ist nach wie vor, dass einige der lautstärksten Verfechter der These vom „menschengemachten“ Klimawandel sich bereits selbst widersprochen oder, manchmal vielleicht eher ungewollt, die Katze aus dem Sack gelassen haben. Man erinnere sich zum Beispiel an die Äußerung Ottmar Edenhofers, der einmal sagte, man müsse sich „von der Illusion freimachen, bei der internationalen Klimapolitik“ gehe es „um Umweltpolitik“. Stattdessen gehe es darum, „wie wir den Wohlstand der Welt umverteilen können“ (!).

Oder an Stefan Rahmstorf vom staatlich bestallten oder besser bestellten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Rahmstorf sagte in einem Interview mit der Zweiten Deutschen Fehlleistung (ZDF) vom 25. September 2013 einmal: „Die Klimaszenarien der Modelle zeigen uns die langfristigen Folgen unseres Treibhausgas-Ausstoßes auf. Aber diese Klimamodelle sind nicht in der Lage, auf zehn oder 15 oder 20 Jahre Prognosen über den Klimaverlauf zu machen, das ist in der Wissenschaft allgemein anerkannt.“ Wie war das noch mit dem „einhelligen Konsens“ und den „unleugbaren Tatsachen“?

Eine Schlussbemerkung auch in eigener Sache sei mir bitte gestattet: Wer sich für die historischen Ursprünge und ideologischen Hintergründe der derzeit zu beobachtenden, mit großen, ja Donner-Schritten nahenden „wissenschaftlichen Diktatur“ alias globale Technokratie interessiert, die szientistischen Philosopheme, das ganze ihr zugrunde liegende Welt- und Menschenbild, für den dürfte das Buch „The Ascendancy of the Scientific Dictatorship. An Examination of Epistemic Autocracy from the 19th to the 21st Century“ von Phillip Darrell Collins und Paul David Collins, an dessen deutscher Übersetzung ich gerade arbeite, sicher sehr interessant sein. In diesem sehr lesenswerten Buch werden die „wissenschaftlichen“ Grundlagen, genauer: die aus einer bestimmten, bewusst geschaffenen „Marke“ von Wissenschaft entstandenen Grundpfeiler eben desjenigen szientistischen Weltbildes erläutert, auf denen auch der vermeintliche „Klimakonsens“ und die daraus entsprungene „Klimapolitik“ basiert – inklusive der alles andere als rebellischen, sondern dieser Politik ganz hervorragend zupasskommenden „Protest“-Bewegungen. Ich werde mich bemühen, die Arbeiten daran schnellstmöglich abzuschließen; die Übersetzung wird unter dem Titel „Der Aufstieg der wissenschaftlichen Diktatur. Eine Untersuchung epistemischer Autokratie vom 19. bis zum 21. Jahrhundert“ über BoD (Books on Demand) erscheinen.


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