12. November 2019

Nils Markwardt in der „Zeit“ über die Gefahr einer Ökodiktatur Klimanotstand? Der Geistesnotstand ist schlimmer

„Leugner“ sollen gar nicht erst zu Wort kommen

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: Karl Nesh / Shutterstock.com Extinction Rebellion: Auf dem Weg in die Ökodiktatur?

Dass der – durchaus zoologisch zu verstehende – „Primat der Politik“ gute, ja die besten Traditionen der Aufklärung und des seriösen wissenschaftlichen Denkens gerne außer Kraft setzt, wenn Herrschaftsinteressen durchgesetzt werden oder die – eigentlich eine fast pervers positiv anmutende Formulierung in diesem Kontext – Steuerkassen klingeln sollen, ist nichts Neues. Noch nie waren „Volksvertreter“ zögerlich oder unkreativ beim Erfinden fadenscheiniger Begründungen, wenn Bürgen zu viel Geld haben, das man zum Wohle aller unfairteilen könnte.

Beispielsweise zum Wohle von Schlaglöchern, Bankenkartellen zur „Rettung“ fehlkonstruierter, maroder Währungen, verfallender Infrastruktur oder schimmliger Schulen. Oder wenn Hegemonialstreben zum „Kampf gegen (selbstgebackenen) Terror“ finanziert werden will. Zu viel Sarkasmus? Nö. Purer Realismus. Und faktenbasiert obendrein. Wie heißt es doch so schön? Wer die Geschichte nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen.

Nun schickt man sich im journalistischen Qualitäts-Tiefbau oder besser ‑stapeln in der postfaktischen Presse der Volksrepublik Merkelkorea ja schon seit geraumer Zeit an, die ansonsten zumindest holographisch hochgehaltenen und vielbeschworenen „Werte der Aufklärung“ dadurch mit Füßen zu treten, an Dissidenten, die Narrativen des „richtigen“ veröffentlichten Meinensollens in Zweifel ziehen, nicht nur schmutzkampagnentechnische Exempel zu statuieren, sondern sie mittlerweile gleich gar nicht mehr zu Wort kommen zu lassen. Es wird zuweilen schon gar nicht mehr „pluralistisch“ diskutiert, sondern publizistisch exkludiert und exekutiert.

So auch im Falle des Narrativs vom angeblich „menschengemachten Klimawandel“: „Skeptiker“ oder „Klimaleugner“ lässt man erst gar nicht zu Wort kommen. Obwohl es nun auch noch nicht so lange her ist, dass selbst der Failstream den einen oder anderen kritischen Artikel brachte. Man erinnere sich an „Die CO2-Theorie ist nur geniale Propaganda“ von Günter Ederer, erschienen in der „Welt“ am 04.07.2011. Oder an diejenigen Artikel, die über die statistischen Tricksereien, Fälschungen und Manipulationen des IPCC, also des Weltklimarates berichteten.

Mal ganz zu schweigen davon, dass die Gültigkeit wissenschaftlicher Theorien normalerweise nicht in Feuilletons oder Leithammelartikeln entschieden wird, sondern sie einer Überprüfung mittels naturwissenschaftlicher Methodik standhalten müssen, auf gut Deutsch: Bitte sauber arbeiten! Die Empirie sollte schon ein Wörtchen mitzureden haben, nicht nur politpropagandistische Perfidie oder manchmal auch einfach nur Plumpheit.

Leider war diese längere Vorrede nötig, um zu verdeutlichen, warum mir der Artikel „Weit entfernt von der Ökodiktatur“ („Die Zeit“, 06.11.2019), der sich um die sektenähnliche und radikale „Extinction Rebellion“-Bewegung dreht beziehungsweise einige ganz hübsche Worte darum drechselt, ohne – auch das ist mittlerweile fast flächendeckender Usus in der Fake-Presse – auch nur ein einziges über ihre ideologischen und finanziellen Hintergründe zu verlieren, entgegen meiner Angewohnheit, die Flach- und Dummheiten und die sture Ignoranz bis hin zur ganz offen zur Schau gestellten Zensur der leitmedialen Gatekeeper des offiziellen Politricks aus medizinisch einleuchtenden Gründen (Schonung des Zentralnervensystems) gar nicht mehr zu kommentieren, doch noch mal den Wunsch entlockte, diesbezüglich tätig zu werden.

Viele andere, sauber arbeitende, also empirisch und naturwissenschaftlich-methodisch beleckte Blogs wie zum Beispiel „Sciencefiles“ sowie andere seriöse Portale haben in den letzten Monaten mustergültig gearbeitet, was die Überprüfung der Theorie vom clubgemachten Römerwandel betrifft. Und da ich selber dazu auch schon zahlreiche Quellen herangezogen hatte, möchte ich es an dieser Stelle beim sarkastischen Kommentieren der haarsträubendsten Zitate aus dem Hamburger Elaborat belassen.

„Was derzeit nämlich oft diskutiert – oder besser: polemisch in die Debatte geworfen – wird“, so Nils Markwardt in seinem politologisch-fachterminologisch gespreizten Artikel, „ist das Schlagwort einer vermeintlich drohenden ‚Ökodiktatur‘. Das ist schon deshalb eigentümlich, weil es, sieht man von wenigen Aktivisten wie Hallam ab, momentan praktisch keine politischen Kräfte gibt, die propagieren würden, parlamentarische Verfahren zugunsten des Klimaschutzes auszusetzen.“

Ich antworte darauf mit einem Zitat des Klimatologen Richard S. Lindzen aus einem Interview mit der schweizerischen „Weltwoche“, erschienen am 24. März 2014, Titel: „Ich hoffe, das hört bald auf“.

„‚Weltwoche‘: ‚Herr Lindzen, man nennt Sie einen ‚Klimaleugner‘. Fühlen Sie sich wohl als Außenseiter?‘ Lindzen: ‚Ich bin kein Außenseiter. Wenn Sie der Propaganda aufsitzen wollen, dann ist das Ihr Problem. Ich arbeite am weltberühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT), bin im Spektrum der Ansichten meiner Kollegen, denken Sie also einen Moment nach, was da gesagt wird. Ich bin ein Holocaust-Überlebender, meine Eltern flohen 1938 aus Deutschland. Wer mich einen ‚Klimaleugner‘ nennt, beleidigt mich – und er beleidigt seine eigene Intelligenz.‘ ‚Weltwoche‘: ‚Warum?‘ Lindzen: ‚Weil dieses Thema so komplex ist, so viele Facetten hat. Oder glauben Sie im Ernst, alle Wissenschaftler liefen im Stechschritt hinter Al Gore her? Alle seien seiner Meinung? Jeder, der irgendwelche Neuronen zwischen seinen beiden Ohren hat, sollte wissen, dass einem, der den Ausdruck ‚Klimaleugner‘ verwendet, die Argumente ausgegangen sind.‘“

Der da so sprach, ist einer der renommiertesten Klimaforscher der Welt. Doch jetzt wird es erst richtig interessant: „‚Weltwoche‘: ‚Sie haben also mit Angriffen gerechnet?‘ Lindzen: ‚Natürlich. Ich habe im ‚Wall Street Journal‘ geschrieben, dass Wissenschaftler unterdrückt wurden, ihre Arbeit verloren haben, weil sie Skepsis gegenüber einigen ‚Fakten‘ in der Klimafrage äußerten. Laurie David, die Produzentin des Filmes von Al Gore, hat einen Blog, in dem sie schrieb, sie sei froh, dass diese Wissenschaftler endlich unterdrückt würden. Sie schrieb auch, man sollte Wissenschaftler, die ihre Zweifel wissenschaftlich untersuchen wollen, nicht mehr finanziell unterstützen.‘ ‚Weltwoche‘: ‚Das ist aber gegen das Selbstverständnis der Wissenschaft, die ihre Thesen immer wieder überprüfen und allenfalls falsifizieren sollte.‘ Lindzen: ‚Natürlich. Aber es ist leicht, die Wissenschaft zu korrumpieren, es ist schon zu oft passiert. Ich war am weltweiten Treffen der Geophysiker in diesem Winter in San Francisco. Al Gore sprach. Und seine Botschaft lautete: ‚Haben Sie den Mut, dem Konsens beizutreten, machen Sie das öffentlich, und nehmen Sie sich die Freiheit, Abtrünnige zu unterdrücken.‘ Das Publikum war begeistert.‘ ‚Weltwoche‘: ‚Was haben Sie gemacht?‘ Lindzen: ‚Ich habe mit den Schultern gezuckt, bin rausgegangen und habe George Orwell gelesen.‘“

Noch weiter kann man sich ja nicht von totalitärem Denken entfernen: Sauber arbeitende Wissenschaftler wurden – und werden heute noch – „endlich unterdrückt“. Hört, hört (könnte man auch durch „HH“ abkürzen – Sie verstehen schon). Keine Forschungsgelder mehr, mein Klimaführer. Und Politpsychopath Gore forderte seine Zuhörer tatsächlich auf, „Abtrünnige“ zu „unterdrücken“. Da möchte ich fast seufzen: „Mehr Demokratie wagen!“, schätze jedoch, dass dies in einem scheindemokratischen System wie demjenigen der BRD vergeblich wäre.

Markwardt weiter: „Nun muss man festhalten, dass Hallams apodiktische Argumentationsfigur des Ausnahmezustands tatsächlich jenen Geist des Autoritarismus atmet, den man sonst eher aus rechtsreaktionären Zusammenhängen kennt.“

DDR. UdSSR. Kuba unter Castro. Nordkorea. Immer diese Rechtsreaktionären.

Aber wie ich schon sagte: Normalerweise würde ich solche geschichtsklitternden Dummheiten gar nicht mehr kommentieren. Tut mir leid, ist mir zu doof.

„Die Welt“: „Die CO2-Theorie ist nur geniale Propaganda“

„Zeit Online“: „Weit entfernt von der Ökodiktatur“

Interview mit Richard Lindzen in der „Weltwoche“: „‚Ich hoffe, das hört bald auf‘“


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