11. September 2019

Angela Merkel wird „emotional“ beim Thema Kohlendioxidsteuer Seid nicht wie der doofe Hund!

Deutschland, warum lässt du dich von so einer regieren?

von Dushan Wegner

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Bildquelle: shutterstock Fällt immer wieder auf den gleichen Trick rein: Dummer Hund

Wir haben es alle schon einmal getan. Wenn wir es nicht getan haben, dann haben wir von jemandem gehört, dass und wie er es getan hat. Wenn wir es weder getan haben sollten noch jemanden kennen, der es getan hat, dann haben wir im Internet davon Videos gesehen. Man könnte Bedenken haben, ob es moralisch okay ist, und doch guckt man eben hin, bei der Sache mit dem Ball und dem Hund – seien wir doch ehrlich!

Wenn jemand einen Ball wirft, so dass ein Hund losläuft, um den Ball zu holen, doch in Wahrheit wurde der Ball nicht losgelassen, dann lachen wir alle über den dummen Hund – und doch tut er uns ein wenig leid. Wenn Sie bei Youtube nach „fake throw dog“ suchen, finden Sie verschiedene lustige Videos mit verwirrten Hunden, oder vielleicht probieren Sie es selbst einmal aus, und wenn Sie keinen Hund haben, dann probieren Sie es mit dem Hund Ihres Nachbarn!

Eine Frage habe ich nur: Wenn Sie so sehen, wie solcherart mit einem Hund verfahren wird, wenn ein Ball scheinbar geworfen wird und dann doch nicht, und wenn der Hund dann losläuft und ganz verwirrt ist, und wenn Sie in Folge über ihn lachen, haben Sie dann Respekt vor dem Hund, der so was mit sich machen lässt? Nein, eher nicht.

Allein und vorneweg

Im Text „Merkel und ihr merk-würdiger Trick“ auf meinem Blog sowie im Kapitel „Reductio ad Emotum“ meines Buches „Talking Point“ habe ich beschrieben, wie Kanzlerin M. immer wieder denselben auffallend einfachen Trick nutzt, um lästige oder auf Sachebene nicht zu gewinnende Fragen zu umgehen.

Es soll Männer und gelegentlich auch Damen geben, die beherrschen die feine Kunst, Sachdebatten auszuweichen, indem sie zu weinen beginnen oder die Situation für verletzend erklären – man kennt solche Leute. Kanzlerin M. übt sich in einem politisch-rhetorischen Gegenstück dazu.

Im erwähnten Text schreibe ich: „Zunächst klingt Merkels Trick ganz einfach: Reduziere jedes Problem auf eine Aussage über Gefühle. Es ist oft anstrengend, über die Sache zu reden. In der Politik ist ‚die Sache‘ oft kompliziert. Mitunterbegegnen ‚wir alle‘ einer Sache mit Ratlosigkeit, etwa wenn die Sache ‚Neuland‘ ist. Es ist viel kommoder, darüber zu berichten, wie ein Problem einen so ganz persönlich ‚bewegt‘.“

Wir lesen die Schlagzeile: „Als es um eine CO2-Bepreisung geht, wird Merkel emotional“ (welt.de, 10.09.2019). Es war, sachlich betrachtet, ein Unfug, als Reaktion auf Fukushima deutsche Atomkraftwerke abzuschalten und die Abhängigkeit vom Ausland zu riskieren, also „verkaufte“ es M., indem sie „emotional“ wurde. Es war, sachlich betrachtet, ein Riesenfehler und eine Beschädigung Deutschlands auf Jahrzehnte oder für immer, Deutschlands Grenzen zu öffnen und Menschen aus den Krisenregionen Afrikas ins Land zu lassen, also verkaufte es M., indem sie „emotional“ wurde.

Es ist ein absurder Fehler, wenn das kleine Deutschland sich im Namen angeblichen „Umweltschutzes“ wirtschaftlich ins Bein schießt, in der vorgeblichen Hoffnung, auch kühl kalkulierende Mächte wie China würden sich ebenfalls ins Bein schießen, es ist rational nicht zu verkaufen – also „wird Merkel emotional“.

Wie viele Länder gibt es, außer Deutschland, in denen es als Zeichen von Stärke und Moral gilt, allein und vorneweg über die Klippe zu fahren?

In jenem Text schreibe ich: „Solange sie damit durchkommt, wird Merkel jede Debatte auf irgendein triviales Pseudo-Gefühl reduzieren.“

Nach 2015 versicherten viele Journalisten, sie hätten dazugelernt. Schwärmerische Schlagzeilen wie „Als es um eine CO2-Bepreisung geht, wird M. emotional“ lassen mich den Lernerfolg anzweifeln.

Die Uhr der Geschichte

Der „Trick“, mit dem M. die Debatte abbricht, hier und seit Jahren schon, ist simpel und fast schon vulgär, und ich könnte ihr nicht verübeln, wenn M. die Journalisten, die es ihr abnehmen, innerlich verachten sollte. Wenn du ahnst, dass du falschliegst, dass du dem Land nachhaltig Schaden zufügen könntest, dann wirf den Journalisten etwas Emotions-Brosamen hin, und sie werden immer wieder ganz überrascht tun über denselben lahmen Trick.

Man kann die Uhr der Geschichte danach stellen: Wenn M. sich wieder mal aufmacht, dem Land auf Jahrzehnte zu schaden, werden willige Journalisten es preisen mit Schlagzeilen wie „Der seltene Gefühlsausbruch der Kanzlerin“ (sueddeutsche.de, 17.09.2015) – wer wollte dann noch argumentieren? Gefühlsausbruch frisst Bedenken, Journalismus frisst Verstand.

M. brauchte ein ganzes Jahr, bis sie den Breitscheidplatz besuchte, nur um dort Selfies zu machen und Bratwurst zu begutachten. Als der Achtjährige in Frankfurt am Main getötet wurde, flog M. erst mal lässig und kalt in den Urlaub. Die Menschen, die in Deutschland als Folge angeblich „toleranter“ Politik sterben, in Angst oder fürs Leben traumatisiert leben, alles egal. Jetzt sind sie halt tot. Aber mit Kohlendioxid-Blabla mehr Steuern zu kassieren, da wird M. „emotional“. Deutschland, was ist mit dir los, dass du dich von so einer regieren lässt?

Es ist mir schon länger weitgehend egal, warum M. tut, was sie tut. Wir wissen, dass es ihr körperlich nicht nur gutgeht, wir kennen gewisse Bilder von ihr. Ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen, auch nicht über ihre Rolle in der DDR – es ist alles schlicht nicht notwendig, um zu erkennen: Nicht M. ist das eigentliche Problem, auch wenn kein Politiker so viel Schaden über die Bundesrepublik Deutschland gebracht hat wie sie. Die eigentliche Frage und das eigentliche Problem lauten: Was stimmt mit einem Land nicht, das sich von einer Person wie M. regieren lässt?

Wissentlich geholfen

Es ist nicht nett, einen Hund zu veralbern, indem man tut, als würde man den Ball werfen, und den Ball dann doch nicht wirft, und dass es den Hund enttäuscht, ist nur ein Teil des Problems. Das andere Problem ist, dass wir den Respekt vor dem Hund verlieren werden, dabei ist ein Hund doch ein so liebenswürdiges Tier, wenn man

ihm nur ein Minimum von seiner Liebe auch zurückgibt.

Was sagt es über deutsche Journalisten aus, dass sie immer und immer und immer wieder auf denselben Trick hereinfallen? Dass sie leichtgläubig, oberflächlich und in politischer Rhetorik ungebildet sind? Dass sie wenig mehr als willige Helfer sind? Journalisten sollten an dieser Stelle auf Dummheit und Ahnungslosigkeit plädieren, denn die andere Deutung müsste ja sein, dass Journalisten wissentlich geholfen hätten, das eigene Land auf Jahrzehnte zu beschädigen.

Schere und Fell

Du kannst einen Journalisten nicht dazu bringen, politische Rhetorik zu durchschauen, wenn sein Gehalt davon abhängt, es nicht zu tun. (Ich glaube dabei nicht einmal, dass dies im Fall der Kohlendioxid-Emotionen unbedingt der Fall war – es war wahrscheinlich ein journalistischer Reflex, eine „automatische“ Formulierung, was die Sache auf andere Weise problematisch macht.)

Deutsche und ihre Journalisten lassen sich von M. behandeln wie der Hund, der immer und immer wieder auf denselben Trick hereinfällt.

Ich werfe dem kleinen Hund nicht vor, dass er wieder und wieder auf den Trick mit dem Ballwurf hereinfällt. Sicher, alte Hunde lernen es irgendwann, doch vielleicht sind sie auch einfach nur des Herumhüpfens müde.

Der Mensch ist kein Hund, der Bürger sollte mehr und klüger sein wollen als der ferne Wolfsnachfahr. Ein Hund, der immer wieder auf den Trick mit dem Ball hereinfällt, ist ein niedlicher haariger Trottel – was sind der Journalist und der Bürger, die immer wieder auf denselben doofen Trick mit dem Reden über vorgebliche Emotion hereinfallen?

Wir sind keine Journalisten, niemand bezahlt uns fürs Nichtverstehen. Für uns kleinen Leute muss gelten: Sei nicht der doofe Hund, der sich von seinem Herrchen veräppeln lässt! Alle Politiker haben es getan, und sie werden es auch weiterhin tun, doch wir müssen dafür nicht auch noch „Danke“ und „bis zum nächsten Mal“ sagen.

Seid nicht der doofe Hund – und seid noch weniger das brave Schaf! Wenn Politiker von Emotionen reden, dann schau schnell, in welcher Hand sie das Messer halten, mit dem sie dir das Fell über die Ohren ziehen werden, und wenn sie dir den Ball hinwerfen, dann prüfe, wo der Ball wirklich hinfliegt.

Es gilt, weiterhin und mehr denn je: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst!

Dushan Wegner: „Merkel und ihr merkwürdiger Trick“

Dushan Wegner: „Talking Points“

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.


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