08. August 2019

Nach 50 Jahren Achtundsechziger-Herrschaft Total infantil – infantil total

Nur der Kluge kann Freiheit erlangen

von Heinrich Fiechtner

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Bildquelle: shutterstock Infantil: Erwachsene nach 50 Jahren Achtundsechziger-Herrschaft

Kindische Jugendliche, naive junge Erwachsene und infantile Erwachsene haben einer Partei den Weg gebahnt, die wie kaum eine andere für Indoktrinierung, Enthemmung und totalitäre Gesellschaftsveränderung steht, alles verbunden mit einem säkular-religiösen Heils- und Erlösungsversprechen. Über 30 Prozent der unter 30-Jährigen haben die Partei gewählt, deren Farbe Inbegriff der Unreife ist. Ihre Agenda redet sprachlich – „einfache Sprache“ – und gestalterisch – der Staat als Papa-Mama-Ersatz – einer Infantilisierung ohnegleichen das Wort. Was ist passiert?

Die Achtundsechziger-Herrschaft: Sieg des Hässlichen, Groben und Anstandslosen

Vor einem halben Jahrhundert setzten sich im Westen, sowohl in Deutschland als auch in der übrigen westlichen Welt, Ideen durch, die für sich in Anspruch nahmen, einen vorgeblichen Muff abzuwerfen. Sie behaupteten, ein Zerreißen alter Bindungen und damit eine Enttabuisierung würden den Menschen das Paradies auf Erden näherbringen. „Studentenrevolution“ nannte man das, die „Achtundsechziger“, die endlich „die“ Freiheit gebracht hätten. Im Grunde genommen sind es abgeschwächte Konzepte dessen, was im Osten mit brachialer Gewalt bereits praktiziert worden sein wollte.

Wie typisch für entflammte Revolutionäre, hatten die Protagonisten geringe Hemmungen in praktisch allen Lebensbelangen. Nicht nur wurden Türen ausgehoben, was sogar intimste menschliche Handlungen öffentlich machte. Ganz so wie in allen totalitären Regimen, wo das Private, das Intime, alleine der Kontrolle wegen, aufgehoben wird – eine Dystopie nach Orwellscher Art, dargelegt im Roman „1984“. Menschliche Grundstrukturen wie Ehe und Familie wurden zerschlagen zugunsten einer „selbstbestimmten“ Vereinzelung des Menschen – damit er dann besser im Kollektiv lenkbar werde. Aber auch der Gewaltvorbehalt galt nur, wo er eigenen Interessen diente. Ansonsten unterschied man perfide zwischen legal, also dem geltenden Gesetz entsprechend, und legitim, also eigentlich, auch im Widerspruch zu diesem Gesetz, für den revolutionären Impetus nötig und damit erlaubt.

Sumpfblüten dieser Zeit sind Daniel Cohn-Bendit mit seinen pädophilen Übergriffen und der Steinewerfer und spätere Außenminister „Joschka“ Josef Fischer. Letzterer war eine etwas abgeschwächte Variante dessen, was als RAF mit noch extensiverer Gewalt die ersehnte Revolution zu erreichen suchte. Mörder wurden als Idole benannt: Mao, Ho Chi Minh, Che Guevara.

Totalitäres Erbe: Wie „33“ „68“ prägt – HJ und FDJ

Ohnehin waren totalitär überwachende und lenkende Strukturen en vogue. In der DRR die FDJ, Kaderorganisation des späteren Bundeskanzlers weiblichen Geschlechts, wo die bekrippten Kinder neben der Staatsschule auch in der Freizeit mit den Lehren des einzig Wahren und Akzeptablen beimpft wurden und den Gesellschafts- und Klassenfeind zu bekämpfen lernten. Ganz in „guter“ Tradition der Hitler-Jugend seit 1933, die dieses Konzept extrem erfolgreich anwandte. Nicht umsonst glaubten zu viele Kinder und Jugendliche noch bis April und Mai 1945 trotz massivster Zerstörungen an den Endsieg unter dem geliebten Führer.

Das Versagen der Liberalen und Bürgerlichen

Aus dem bürgerlichen Lager, sei es konservativ, sei es liberal, gab es nur verhaltenen Widerstand. Denn die Frechheit der Zerstörer wurde von diesen stets mit dem Anspruch auf die im Grundgesetz verankerte Freiheit der Meinung begründet, worauf der gesetzestreue Bürger schüchtern zurückwich. Umgekehrt galt das mit der Freiheit natürlich nicht – wer nicht mitzog, wurde verächtlich gemacht, gedemütigt. Auch vor der persönlichen Unversehrtheit oder dem materiellen Besitz machten die Angriffe der Ideologen nicht halt. Und das blieb so bis heute. Bis heute wartet man vergeblich darauf, dass der Staat sich wenigstens bei diesen offensten Formen der Gewalt – Zerstörung und direkter Angriff – schützend oder ausgleichend vor die Opfer des Meinungsterrors stellt. Was kommt, sind lediglich wohlfeile Solidaritätsbekundungen und gespielte Empörung sowie Ankündigungen, die aber in Wahrheit heuchlerisch und in den Wind gepfiffen sind, wie die Erfahrungen im Landtag von Baden-Württemberg immer wieder bestätigen. Und heute erleben wir einen regelrechten Meinungsterror. Wer bestimmte Positionen nicht einnimmt, wird ausgegrenzt. Und immer noch schweigt der gesetzestreue Bürger. Helmut Kohl scheiterte kläglich mit seinem Versuch der geistig-moralischen Wende, und heute haben wir bei den C-Parteien zu oft rückgrat- und prinzipienlose Anpasser, die meinen, durch Anpassung an den grün-roten Mainstream irgendwie überleben zu können.

Marsch durch die Institutionen – das Durchdringen und Prägen des Zusammenlebens

Die Frechen, die Dreisten, die Skrupellosen drangen ein in die gesellschaftlichen Strukturen. Der „Marsch durch die Institutionen“ wurde vorangetrieben. Überall finden sie sich ein, vor allen Dingen im „sozialen“ und „Bildungs“-Sektor. In den Medien, die schon zuvor bis auf wenige Ausnahmen – „FAZ“ und Springer-Gruppe – durchdrungen waren, wo schon die Jahre davor die Ideologiegeschütze „Spiegel“ und „Stern“ die bundesrepublikanischen Strukturen sturmreif schießen wollten, übernahmen sie eine Schaltzentrale nach der anderen. Heute ist das sogenannte öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen „faul bis ins Mark“, wie Jörg Meuthen völlig zu Recht Anne Will an den Kopf warf, eine Propagandamaschinerie korruptester Manier, unfähig, das zu praktizieren, was in einer christlich-abendländischen Welt zum Grundtenor gehört: den sachbezogenen, nüchternen, zuweilen auch anstrengenden Diskurs zur Lösung von wohlgesetzten und reflektierten Fragen und Problemen. Hier herrscht – wie immer in totalitären Strukturen – nur Haltung und das gute Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen. Ergebnis ist ein mediales Dauerfeuer mit den immer gleichen Versatzstücken, den Guten und den Bösen, eine Infantilisierung im Kasperletheaterstil. Aber das kommt an, zumindest bei vielen Bürgern, die nie den Schritt zu wirklich eigenem Denken gewagt haben. Weil es schwer ist, aus dem Kollektiv auszuscheren, weil man die angedrohte und dann auch an Einzelnen vollzogene soziale Ächtung nicht selbst erleben möchte. Weil eine Widerpositionierung anstrengend ist und immer gefährlicher.

Belehrungsmedien: die Macht der Öffentlichen und die Ernte linker Journalistenschulen

So lässt man sich – wenn noch nicht im Computeralter – zusäuseln mit Belehrungs-„Tatorten“, der als „Aktuelle Kamera“ daherkommenden „Tagesschau“ und pseudowissenschaftlichen Faktenchecks, die „Weisheiten“ wie menschgemachten Klimawandel, Kohlendioxid, Waldsterben und viele Angstthemen mehr – Glyphosat, Bisphenole, Plastik, Strahlen, Bienensterben und so weiter und so fort – mit leicht verständlichen Belehrungsfilmen mundgerecht anbieten. Oder aber die wirklichen Themen – die Einwanderung von Legionen kulturfremder Menschen nach Europa, speziell in die EU und spezieller nach Deutschland (im „Migrationspakt“ „planned relocation“, „geplante Umsiedlung“ genannt), die zunehmende, alle Lebensbereiche betreffende zentralisierte Bürokratisierung und Reglementierung, die alle Kreativität im Keim erstickt, die abnehmende Rechtstreue, Grundlage jeglichen Wohlstandes – werden beschönigt oder ausgeblendet. Der Zweifler wird zum Abweichler erklärt, zum Ketzer, zum Feind, zum Schädling. Völlig ohne Skrupel wird der US-amerikanische Präsident Donald Trump als übergriffig, Betrüger, Nationalist und so weiter, als Beispiel für völlige Verdummung benannt. Hemmungslos propagieren Nachrichtensprecher und Moderatoren trotz Neutralitätspflicht eine einzige politische Seite und setzen mögliche Gegenpositionen herab. Dazu bedienen sie sich auch gekaufter Menschen im Forschungsbetrieb. Die Belehrungen – unterbrochen nur durch sehr vereinzelte Alibisendungen wie „Report“ aus München oder Dieter Nuhr – prasseln 24 Stunden täglich auf den möglichen Zuschauer herab. Aber das Fernsehen ist nur für die größeren Kinder.

Für die Kids die Bloggerszene: Rezo, der Zerstörer der kritischen Vernunft mit Absolutheitsanspruch

Für die jüngeren haben wir „Bento“ oder zahlreiche Blogger, wie vor kurzem „Rezo“. Im Stakkatoton verspricht er, die CDU zu zerstören. Er meint damit aber nicht wirklich die CDU, denn die hat sich schon selbst zerstört. Er meint das Bürgerliche, das Freiheitliche, das Kritische. Selbst behauptet er, Fakten zu präsentieren, und blendet viele Verweise ein. Die aber bei genauer Betrachtung oft nicht zum Thema passen, Sekundärliteratur sind oder schlicht falsch. Oder verkürzt dargestellt. So beginnt er mit dem Neidthema über die angebliche Schere zwischen Arm und Reich, die unterstellte Ungleichheit bei Bildung, und ganz typisch für Ummodellierer: dem Verweis auf böse gewinngierige Konzerne. Fast eine Stunde linker Propaganda, verkauft als „die Wissenschaft“. „Die Wissenschaft“, das betont er mantrahaft. „Die“. Und die sei sich bis auf ein paar wenige Verirrte und Irre völlig einig – eine glatte Lüge, unwissenschaftlich dazu. Denn Wissenschaft gehorcht keinen Mehrheitsprinzipien. Dann kommt natürlich der Knüller: das Klima. Das viertwärmste Jahr 2014. Und damit verbunden die ganzen Horrorszenarien mit Flüchtlingsströmen und Artensterben und so weiter. Plumpeste Propaganda mit Halbwahrheiten und ganzen Lügen. Kohlendioxid sei über Millionen Jahre immer gleich – eine glatte Lüge. US-Amerika mache zum Spaß Kriege und brächte, ohne mit der Wimper zu zucken, Zivilisten um. Eine glatte Lüge. Aber die jungen Menschen glauben das, wenn er von der Allmacht „der“ Wissenschaft spricht. „Einer der unseren“, ein cooler Blogger mit total hippen blauen Haaren. Keines dieser verirrten Kids überlegt sich: Warum macht dieser Typ überhaupt noch die Bloggerei? Allein sein PC und alle Server, derer er sich bedient, fressen doch eine Unmenge von Strom. Aber mit MINT-Fächern haben es die Kids von heute ohnehin nicht so. Und mit längeren Texten auch nicht. Das ist viel zu anstrengend und bringt keinen Fun. Lieber etwas, wo man so richtig seine „Meinung“ sagen kann, also Fächer wie Politologie oder Soziologie, vielleicht auch Gender-„Wissenschaften“, kurz, Fächer, die eigentlich keiner braucht. Die aber ungemein nützlich sind, um in der heutigen politischen Landschaft nach oben zu kommen, um für sein Geschwafel auch noch Kohle zu bekommen. Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal. Und zum Minister oder Staatssekretär reichen dann der Führerschein und das passende Geschlecht. Logik oder gar Kritik und Logik – nein, das hat man nicht gelernt. Was zählt ist: Es muss irgendwie angesagt sein, irgendwie ein bisschen rebellisch, solange die Mehrheit mitmacht. Und man ein Demo-Event machen kann.

Kinderverwahranstalten ab Geburt: Kita-Drang und ‑Zwang

Und hier kommen wir zu den wirksamsten Indoktrinierungsinstitutionen: die Schule und seit dem Untergang der DDR auch die Kita. Die Kita war zu Zeiten des „Arbeiter- und Bauernstaates“ ein wesentliches Mittel der Indoktrinierung der Kinder von klein auf. Es war geradezu gefordert, dass beide Eltern, Vater und Mutter, sich „produktiv“ für das Land einsetzten. Ganz anders als in der alten Bundesrepublik, wo ein klassisches Familienbild immer noch prägend war, wo liebende Eltern sich in aller Regel um die Grundbedürfnisse der Kleinsten und Kleinen kümmerten, von Ausnahmen abgesehen, wo materielle Bedürfnisse einen anderen Weg erzwangen.

Mit dem Fall der DDR kamen die Gesellschaftsklempner, die sich mittlerweile in das gesamte Leben metastasiert hatten, zum Zuge. Die Frau als Mutter – eine völlige Verschwendung von Ressourcen und Verwirklichungspotential, eine krasse Ungerechtigkeit und Ungleichheit! Lieber an der Kasse am Band sitzen, als sich um die Kinder kümmern. Denn die sogenannten professionellen Erzieher*Innen können das viel besser. Und weil ja nicht alles schlecht war in der ehemaligen Diktatur, forderten die fünften Kolonnen in Westdeutschland, man müsse neben dem grünen Rechtspfeil auch die Kita übernehmen. Damit insbesondere die Frauen sich verwirklichen könnten. Und damit man endlich die vollständige Kontrolle über die Menschen möglichst ab der Geburt hätte.

Schulpflicht als Mittel zur Umerziehung

In den Schulen hatten sie sich bereits breitgemacht, die Achtundsechziger-Lehrer. Deutschland mit seiner Schulpflicht lässt Eltern fast keine Möglichkeit, über Inhalte dessen, was ihre Kinder lernen sollen, selbst zu entscheiden. Selbst höchstrichterlich finden freiheitliche Konzepte, die den Eltern die Herrschaft über die kindliche Prägung überlassen wollen, keine Zustimmung. Begründet wird das mit der angeblich hohen sozialen integrativen Kraft des erzwungenen Schulbesuchs und einer möglichen Sozialverwahrlosung, sollte das Kind nicht in solchen Strukturen aufwachsen. Der evidente Sachverhalt, dass Schule allzu oft selbst zu sozialer Verwahrlosung beiträgt oder gar ursächlich ist, wird ausgeblendet, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Mittlerweile diskutieren diese Leute auch sogenannte Kinderrechte, die dann vollends den Eltern das ihnen von Natur zustehende alleinige Recht über ihre Kinder zugunsten einer staatlichen Oberaufsicht entziehen sollen.

Ideologie statt Wissen: die Verwahrlosung der Bildung

Mit wem haben es die Kinder dann zu tun? Sicher, es gibt sie, die Lehrer mit hohem Idealismus, die den ihnen anbefohlenen Schülern einen bestmöglichen Weg ins Leben ermöglichen wollen. Aber schon die Rahmenbedingungen sind ungünstig: 20 bis 30 Kinder werden bei ähnlichem Alter, aber unterschiedlichem Reifegrad und Interessenlage über einen sehr groben Einheitsleisten geschoren. Eine auf den Einzelnen eingehende Betreuung ist nicht möglich. Dazu ein starrer überfrachteter Fächerkanon. Dazu teure überflüssige Modemaßnahmen, wie Tablets für jeden Schüler. Man führe besser, wenn man sich fachlich beschränkte auf die klassischen Fertigkeiten des antiken Trivium und Quadrivium. Aber lieber lehrt man in Gesellschaftskunde, dass der Kapitalismus schreckliche Ergebnisse zeitigte, schon immer, wie Engels aus Manchester zu berichten gewusst habe. Man straft Schüler mit schlechten Noten ab, die es wagen, hier eine andere oder auch nur fragende Position einzunehmen, wie es meinem älteren Sohn widerfuhr. Und das darf ich sagen bei einem Schüler, der ansonsten in allen Fächern einschließlich Sport im Spitzenbereich stand. Die Schüler sind diesen Lehrern ausgeliefert. Dazu senkt man die Ansprüche stetig ab. Wie sonst sollte die Hälfte aller Schüler ein Abitur schaffen, dazu noch mit Durchschnittsnoten um die zwei? Wären die deutschen Schüler nämlich tatsächlich klüger geworden, würden sie bei den regelmäßigen internationalen Tests Spitzenpositionen einnehmen. Stattdessen geht – als Indikator für Kreativität und Wissen – die Zahl der Erfindungen in Deutschland zurück.

Schuleschwänzen und Heldentat – Billig-Courage als Massenware

Nicht zurück geht aber die Zahl der Schüler, die meinen, wegen des Klimas „streiken“ zu müssen. Die meinen, ultimative Forderungen an „die Politik“, „die Erwachsenen“ stellen zu müssen. Sie wähnen sich in einer Retter- und Heldenrolle, wenn sie während der verpflichtenden Schulzeiten auf Marktplätzen stehen oder dort für das Klima hüpfen. Wenn sie im Brustton der Überzeugung den sofortigen Stopp der Kohlenutzung einfordern, drastische Einschnitte in Dinge der Lebensführung, wie Mobilität und Nahrung. Geradezu grotesk wird das Streikrecht von Arbeitnehmern, die damit Lohn- oder Arbeitsbedingungen zu ihren Gunsten beeinflussen wollen, gleichgesetzt mit dem den Schülern kostenfrei zur Verfügung gestellten Angebot von Lehrleistungen. Zwar ist diese steuerfinanzierte Gabe nicht optimal, aber eben doch ein Angebot, im Gegensatz zum Verkauf der Arbeitskraft, deren Nutzung durch Streik dem Arbeitgeber vorenthalten wird. Was aber entzieht ein „streikender“, also schwänzender Schüler wem? Er beraubt sich der Möglichkeit, wenigstens das ihm ansonsten zur Verfügung stehende Lernangebot wahrzunehmen, und schadet damit ausschließlich sich selbst. Es sei denn, er nutzt die Zeit, um selbst sein Wissen und seine Fertigkeiten zu erweitern. Am „Friday for Future“ ist das aber sicher nicht zu erwarten.

Am Faden der Gesellschaftsklempner – Marionetten des Umgestaltungswahns

Zur Zeit von Heinrich Kramers „Hexenhammer“ waren Kritiker sehr vorsichtig, wenn sie nicht selbst der Hexerei bezichtigt werden wollten. Man passte sich lieber an. Und in den meisten Kirchen oder Schulen galten die Thesen als gesetzt. Man fuhr deutlich besser, selber einen Teufel oder eine Hexe entlarvt zu haben, als einen Menschen gegen diesen Vorwurf zu verteidigen. Im Sowjetreich unter Stalin gab es fast niemanden, der ein kritisches Wort wagte, weil er das mit dem Leben bezahlen musste, zumindest mit Jahren grausamster Haft. Kinder waren trainiert, abweichende Worte und Taten bei Eltern zu melden – das galt als Heldentat. Bis in die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges glühten die Augen der HJ-gestählten und ‑geprägten Kinder und Jugendlichen, wenn der Führer den Endsieg ankündigte. Und nach über 50 Jahren Achtundsechzigern in allen Schaltbereichen des Lebens, besonders dort, wo Kinder nicht entkommen können, wurden sie langsam, aber sehr sicher mit dem nötigen Ideologiefutter versorgt, flankiert von Medien, die in die gleichen Kerben schlagen, und von einer geförderten Stimmung, die Widerworte immer gefährlicher werden lässt. Am harmlosesten ist es noch, einfach als Sonderling zu gelten. Wer dann aber offene Kritik wagt, muss mit deutlicheren Disziplinierungen rechnen. Wobei: Widerworte müssen zuerst den Weg durch Widergedanken gehen, und das ist für viele schon zu schwer. Wer dann noch redet, wird beschimpft und niedergeschrien, denn mit solchen Weltzerstörern kann man nicht diskutieren. Das Beispiel gaben die Achtundsechziger. Am Ende steht die gesellschaftliche Ausgrenzung und Vernichtung, bis hin zu körperlichen Attacken. Kinder und Jugendliche waren immer ganz vorne mit dabei, wenn Totalitaristen ihre Ideen durchsetzen wollten. Das Gift ist in die Köpfe zu vieler durchgesickert, es wurde mit zunehmender Dosis verteilt. „Kinder an die Macht“, singt der Troubadour der Revolte, und es ist wieder so weit: Statt der kalten, klaren Vernunft des erwachsenen, logisch denkenden und handelnden freien Bürgers stehen jetzt erhitzte Gemüter vor Pseudoängsten mit wortmächtig emotionalisierten Unterwerfungs- und Rettungsgeschichten. Das Infantile hat Macht ergriffen, und es ist im Begriff, dies total zu tun.

Klimarettung – dringend nötig

Es wird Zeit, das überhitzte Meinungs- und Gesellschaftsklima wieder auf ein Maß der Vernunft zurückzubringen. Dazu brauchen wir Wege, über die Herzen der infantilisierten Menschen zu deren Vernunft durchdringen zu können. Wie immer entscheidet vorrangig das Gefühl, die Emotion. Es ist wie beim Raucher, der erst dann aufhören kann, wenn sein Gemüt sich von seiner Gewohnheit abwendet, sie zu hassen beginnt. Alle guten überzeugenden Worte davor sind in den Wind gesprochen. Die Bürger der Klarheit und Vernunft brauchen Geschichten und Bilder, die das wahnhafte Treiben der Klima- und Weltenretter klar und emotional bewegend spürbar werden lassen, damit die verführten Menschen sich wieder ihres Verstandes bedienen können, überhaupt wieder zu einem sachbezogenen Diskurs fähig werden. Ansonsten kommt die Schulung nur noch durch das tiefe Tal der Tränen bei Verarmung, Arbeitslosigkeit, Unsicherheit, wenn das Volk vollends zerfällt und die Menschen am Band der Marionettenspieler fristen müssen. Infantilität ist eine Ausgeburt der Dummheit, die zur Versklavung führt, nur der Kluge kann Freiheit erlangen.


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Dossier: Achtundsechziger

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Heinrich Fiechtner

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