16. November 2018

Buchhandlungen laden „rechte“ Autoren aus Rausch und Reinheit

Antifaschistische Schutzwälle quer durch das grenzenlose Land

von Alexander Wendt

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Bildquelle: shutterstock Verläuft jetzt durch Buchhandlungen: „Antifaschistischer Schutzwall“

Zu Buchläden fiel mir bisher vieles ein. Nur nicht, dass es sich um Kampfgebiete handeln könnte. Mittlerweile sind nicht nur Buchmessen Schauplätze von Machtdemonstrationen, bei denen es darum geht, bestimmte Verlage mit Protestgruppen zu belagern, Veranstaltungen zu verhindern, einen nach Schwefel riechenden Zeitungsverlag zwar zuzulassen, aber in eine Art Quarantäne am Ende einer Sackgasse zu stecken, und, andersherum, als rechter Verlag der Messeleitung eine Nase zu drehen wie Götz Kubitschek von Antaios.

Wer wie viel Platz für welche Bücher bekomme, hieß es von vielen Vertretern des Literaturbetreuungsbetriebs, also Messeleuten und Feuilletonredakteuren, das sei eben auch eine Machtfrage, zumindest eine Frage symbolischer Macht. Ich gehöre zugegebenermaßen zu denen, die den politischen Einfluss von Büchern nicht allzu hoch veranschlagen. Die Idee, ein Buch oder ein Autor könnte schon durch seine Anwesenheit andere in ihrem Denken kontaminieren, halte ich für magisches Denken. In einer Mail an seine Fußballfreunde schrieb der Autor Wolfgang Herrndorf einmal (es ging um die Frage, ob die eigene Truppe gegen eine sogenannte rechte Mannschaft antreten solle beziehungsweise dürfe): „Ich habe jahrelang mit Nazis Rollhockey gespielt, fraternisiert und was weiß ich, und was hat es meinem Charakter geschadet?“

Was mich betrifft, ich habe in den vergangenen 30 Jahren als Journalist schon berufsbedingt mit sehr linken und sehr rechten Leuten gesprochen, mit Geheimdienstlern, Berufskriminellen, Psychopathen, religiös Übergeschnappten, mit Bürgerkriegsteilnehmern. Ganz zu Beginn des Kriegs im zerfallenden Jugoslawien besuchte ich 1991 den „Radni Stab“, den Kriegsstab eines von Tschetniks besetzten Dorfs in der Nähe von Osijek und redete mit dem Kommandanten, während gerade ein mit Handschellen gefesselter Mann von Bewaffneten irgendwohin geführt wurde. Die Macht der AK-47, die die Abführer trugen, halte ich bis heute für deutlich größer als die eines beliebigen Buchs in einem deutschen Buchladen, vom Kategorienunterschied zwischen symbolischer und echter Macht einmal abgesehen. Und die Wahrscheinlichkeit einer Gesinnungsabfärbung durch Kontakt, dafür biete ich mich als Fallbeispiel an, liegt praktisch bei null.

Bis vor kurzem hatte ich vermutet, dass der größte Teil aller irgendwie mit Büchern und öffentlicher Debatte professionell beschäftigten Mitarbeiter des Kulturbetriebs ganz unabhängig von politischen Überzeugungen diese Sicht teilt. Ich hielt sie für eine Art gemeinsam anerkannte Regel, wie sie jedes Fußballspiel braucht. Darin irrte ich mich.

Mein neuestes Buch „Kristall“ sollte ursprünglich in der Berliner Buchhandlung Montag am Prenzlauer Berg vorgestellt werden, den Termin hatte eine Literaturagentur schon lange vorher ausgemacht. Ich fand den Ort interessant. Die Buchhändlerinnen, das sah ich an ihrem Veranstaltungsprogramm, stehen sehr weit links. Mit einem Termin kurz nach mir fand sich dort Margarete Stokowski auf dem Programm, eine „Spiegel“-Kolumnistin, die mit der Parole „Antifaschismus bleibt Handarbeit“ mehr oder weniger deutlich zur Gewaltanwendung aufruft und vor einiger Zeit sprachlich nur leicht verschleiert dazu ermunterte, politisch unliebsame Gestalten mit erfundenen „Metoo“-Vorwürfen aus dem Weg zu räumen. Unabhängig von ihren Ansichten halte ich Stokowski für eine Autorin mit einer sehr begrenzten intellektuellen Reichweite. Aber bitte – ich bin nicht ihr Publikum. Ich hatte kein Problem damit, in einer Buchhandlung zu lesen, die auch Stokowski einlädt.

Etwa zur gleichen Zeit, in der die Buchpremiere vereinbart wurde, lud mich auch die Correctiv-Buchhandlung in Essen ein, ebenfalls ein linker Laden. Wegen dieser beiden Einladungen freute ich mich darauf, endlich zwei Vertreter der von mir immer erwarteten, aber selten erlebten coolen Linken kennenzulernen, die auch einen nichtlinken Autor zu sich bitten, weil sie sein Buch interessant finden. Bei „Kristall. Eine Reise in die Drogenwelt des 21. Jahrhunderts“ handelt es sich weder um ein dezidiert linkes noch rechtes Buch. Es geht darin um die Frage, woher durch alle Zeiten und Kulturen das Bedürfnis nach Rausch kommt, zu ihm gehört eine kurze Kulturgeschichte von Rauschmitteln, die lange Zeit mit dem Rechts-links-Grabenbruch nichts zu tun hatten. Am ehesten hätten sich Walter Benjamin und Ernst Jünger wahrscheinlich über ihre Drogenerfahrungen austauschen können. Und der Teil des Buchs, der sich mit der Verbindung mikrodosierter Drogen, Mensch-Maschine-Schnittstellen und Künstlicher Intelligenz befasst, behandelt, soweit ich es sehen kann, ein zu frisches Thema, als dass dort schon Rechts-links-Demarkationslinien eine Rolle spielen könnten.

Drei Wochen vor der Buchpremiere sagte die Buchhandlung Montag den Termin ab, nicht direkt bei mir, sondern bei der Literaturagentur, und begründete die Absage erst auf Nachfrage. Man habe entdeckt, dass ich die Charta 2017 und die Erklärung 2018 unterschrieben habe. Also komme meine Lesung nicht mehr in Frage. Zur Erklärung: Die Charta 2017 entstand, nachdem auf der Frankfurter Buchmesse 2017 Veranstaltungen rechter Verlage gestört und Bücher zerstört und entwendet wurden. Die Unterzeichner der Erklärung 2018 fordern, die grenzenlose Überdehnung des Asylrechts zu beenden. Dass ich Unterzeichner dieser Erklärungen bin, steht in dem Wikipedia-Eintrag zu mir, jeder stößt also darauf, wenn er meinen Namen bei Google eingibt.

Bald darauf kam auch eine Mail von dem Essener Correctiv-Buchladen. Ich gebe den Mailwechsel hier wieder, weil er als Zeitdokument über sich hinausweist.

Zunächst die Einladung vom August 2018: „Sehr geehrter Herr Wendt, das Correctiv lädt Sie herzlich zu einer Lesung in unserem Essener Buchladen ein. Regelmäßig veranstalten wir Events, die sich mit gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigen, genau wie das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv. Ihr Buch ‚Kristall‘, das bald erscheint, passt super in unser Konzept, und wir würden uns über eine Zusammenarbeit
freuen. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung. Mit den besten Grüßen Hanna Wollmeiner“.

Dann, nach einer langen Zeit, in der entweder bei einem Buchladen, der zu der Rechercheplattform Correctiv gehört, niemand meinen Namen gegoogelt hatte, oder aber nach einem Wink, den jemand von außen gegeben hatte, kam dieses Schreiben: „Sehr geehrter Herr Wendt, leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir die Lesung leider absagen müssen. Uns ist aufgefallen, dass Ihre politische Einstellung leider der unseren widerspricht. Ich muss mich von meiner Seite entschuldigen, dass mir das nicht direkt aufgefallen ist. Ich hoffe, Sie können das verstehen. Mit den besten Grüßen Hanna Wollmeiner“.

Ich schrieb zurück: „Liebe Hanna Wollmeiner, ernsthaft, Sie laden nur Autoren ein, deren politische Ansichten mit Ihren identisch sind, unabhängig von einem Buch selbst? Fällt Ihnen eigentlich auf, dass ich umgekehrt überhaupt kein Problem hatte, in einem Laden zu lesen, deren Betreiber andere politische Ansichten pflegen als ich? Beste Grüße, Alexander Wendt“.

Worauf der Buchladen antwortete: „Sehr geehrter Herr Wendt, entschuldigen Sie bitte meinen ungenauen Ausdruck. Wir sind an faktenorientierten Präsentationen interessiert. Nach unserer Ansicht finden im Umfeld der ‚Achse des Guten‘ vor allem
Meinungsangebote statt. Wir wollen vor allem Sachthemen präsentieren, die wir als Themen haben. Das heißt nicht, dass wir Ihre Meinungen nicht respektieren. Wir
respektieren Ihre Ansichten. Und finden es auch in Ordnung, dass Sie sich auf anderen Plattformen äußern. Unsere Entscheidung würde anders aussehen, wenn wir Sie zu einem Diskussionsformat eingeladen hätten – etwa zu Ihren Positionen im
Klimaschutz. In diesem Fall hätten wir nichts gegen eine Debatte, die auch auf unterschiedlichen politischen Ansichten beruht. Wie gesagt, es geht lediglich um das Format einer Präsentation. Ich bitte um Entschuldigung. Mit freundlichen Grüßen Hanna Wollmeiner.“

Das fand ich ziemlich bemerkenswert. Hier schien ja doch eine Art Gespräch zustandezukommen, wenn auch halbprivat. Ich schrieb also: „Liebe Hanna Wollmeiner, was Sie schreiben, ist schon kurios. Erstens ist mein Buch ja auch ein Meinungsangebot. Es handelt sich um ein narratives Sachbuch, in dem es naturgemäß auch um Meinung und Deutung geht. Ich weiß nicht, was für Sie das ‚Umfeld der ‚Achse des Guten‘‘ ist. Die Texte von mir, die dort und anderswo erscheinen, sind ja nicht frei von Fakten, nur weil sie auch Meinung enthalten. Was ich bemerkenswert finde, ist Ihre Bemerkung zu meinen Positionen zum Klimaschutz, mit denen Sie mich sogar einladen würden. Ich habe in den vergangenen 30 Jahren Artikel über vieles geschrieben, von Kunst und Literatur über Politik und Ökonomie, und Bücher zur Energiewende bis zu Depression und Drogen. Aber zur Klimadebatte habe ich mich nicht geäußert. Nicht weil ich das Thema hätte meiden wollen, sondern, weil es sich nicht ergeben hat. Ich meine, dass der Kreis meiner Interessen schon ziemlich groß ist. Sie haben also ein Thema bei mir entdeckt, mit dem ich gar nichts zu tun habe. Beste Grüße, Alexander Wendt“. Darauf kam leider keine Antwort mehr.

Kurze Zeit später wurde öffentlich, dass Margarete Stokowski ihre Lesung in der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl abgesagt hatte, weil ein Vorabkontroll-Team festgestellt hatte, dass dort zwei rechte Titel im Regal stehen, Götz Kubitscheks „Die Spurbreite des schmalen Grats“ und „Mit Linken leben“ von Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld. Die beiden Bände stehen dort in einem Regal, das die Aufschrift „Neue Rechte, altes Denken“ trägt. Beide Bücher finden sich dort zusammen mit sehr vielen anderen, die sich kritisch mit Rechten auseinandersetzen oder das jedenfalls versprechen (denn die Auseinandersetzung gelingt ja nicht immer). Die Buchhandlung Lehmkuhl in Schwabing gehört zu den linksliberalen Institutionen Münchens, ihr Inhaber Michael Lemling, Jahrgang 1964, hängt der oben skizzierten Auffassung an, dass Bücher nicht schon durch ihre Anwesenheit andere kontaminieren. Er sagt von sich: „Ich bin ein Linksliberaler, der meint, wir müssen uns der Diskussion stellen.“ An ihm und Stokowski lässt sich der Unterschied zwischen der klassischen Linken und der Regressionslinken gut studieren. Es handelt sich um einen Unterschied in Generation, Bildung und intellektueller Autonomie. Ein Zuträger von Stokowski hatte offenbar Regale in der Buchhandlung mit tschekistischer Gründlichkeit abfotographiert, um die Anwesenheit der beiden inkriminierten Bücher zu dokumentieren. Hätte er (oder sie) einen anderen Ausschnitt gewählt, etwa Bücher des Verlags „Der neue Weg“, die der Laden auch führt, dann wäre der Nachweis gelungen, dass es sich bei Lemling um einen Linksradikalen mit stalinistischem Einschlag handelt. Die meisten Regalfotos würden ihn wahrscheinlich als wählerischen Belletristikliebhaber überführen. Als regelmäßiger Kunde von Lehmkuhl weiß ich das auch ohne Observation durch Dritte. Aber darauf kommt es aus der Sicht einer Stokowski nicht an. Für sie zählt, dass die Buchhandlung Lehmkuhl nicht die Reinstraumbedingungen bietet, die sie vom Prenzlauer Berg gewohnt ist.

Stokowskis Begründung für die Lesungsabsage lautet: Eine Buchhandlung, die zwei Bände rechter Autoren führt, würde zur Normalisierung des rechten Denkens beitragen. Ich vermute, Stokowskis Antifa-ist-Handarbeit-Gewaltphantasie ist noch nicht einmal unter allen Linken konsensfähig. Normalität in einem zentralen Berliner Stadtbezirk bedeutet eben etwas anderes als Normalität außerhalb. Aber das ist ja gerade der Grund, warum für sie und ihresgleichen die Errichtung neuer antifaschistischer Schutzwälle ein so dringendes Anliegen ist. Ihr Safe space muss geschützt werden, am dringendsten vor jeder Ambivalenz. Übrigens, wäre ihr Argument ernst gemeint und nicht nur zur Festigung der eigenen Gemeinde fabriziert, dann müsste Stokowski auch umgehend den Verkauf ihrer Bücher bei Amazon unterbinden. Denn dort steht sie ja auch auf einer kommerziellen Plattform zusammen mit Lichtmesz, Kubitschek, Sieferle und sogar Wendt.

Es ist nur zum Teil Koketterie, dass ich mich hier einreihe. Von mir hatte die „Antifa Nord“ – wer immer sich dahinter verbirgt – festgestellt, ich sei ein „neurechter Autor“. Meine Bilanz der letzten Jahre sieht so aus: ein Buch über Depression, eins über Drogen, vorher noch eins über Sprachschrott – so leicht wie 2018 war es vermutlich noch nie, mit einem Œuvre dieser Art als neurechts zu gelten.

Aber die Aufmerksamkeit bestimmter Leute bekommt man schneller, als man denkt. Ich hatte mich schon in den Neunzigern gewundert, was die Staatssicherheit 1989 alles über mich – damals 24 und Gärtner in Leipzig – notiert hatte. Wobei: Der Stasi-Mitarbeiter schrieb damals ein besseres Deutsch als die Antifa Nord heute. So viel Vergleich muss sein.

„Rausch und Reinheit“ heißt übrigens ein Kapitel in „Kristall“ über die Tugendregime von Savonarola in Florenz und Johannes Calvin in Genf, die den Kreis ihrer Feinde ständig ausweiteten und schließlich nach jeweils vier Jahren kollabierten.

Es liegt eine Logik darin, dass Grenzenlosigkeit nach außen zu einer immer schärferen Grenzziehung im Inneren führt. Und zwar ausschließlich von der No-Borders-Fraktion. Denn die Migrationsfrage bildet seit 2015 den zentralen Debattenpunkt in Deutschland. Und auch den zentralen Grund für die Defensive der Linken. Es sind vor allem die Neolinken, die sich mit ihrer Freund-Feind-Unterscheidung als Musterschüler von Carl Schmitt erweisen. Die Leitung der Universität Siegen erteilte kürzlich dem Philosophieprofessor Dieter Schönecker ein Verbot, universitäre Haushaltsmittel zur Finanzierung seines Seminars zum Thema Meinungsfreiheit einzusetzen, weil er auf die Idee gekommen war, zu diesem Seminar auch Thilo Sarrazin und den Sloterdijk-Schüler und AfD-Bundestagsabgeordneten Marc Jongen als Referenten einzuladen. Schönecker hatte auch ein Dutzend Linke als Referenten zu gewinnen versucht. Doch bis auf einen sagte keiner zu, die meisten sagten mit der Begründung ab, sie könnten nicht bei einer Veranstaltung auftreten, bei der auch Sarrazin und Jongen sprächen. „Nur wenige machen ihren Kopf frei für den eigentlich nicht schweren Gedanken“, so Schönecker in der „FAZ“ vom 7. November 2018, „man könne tatsächlich einen Redner einladen, ohne ihm zuzustimmen“.

Es sind ausschließlich Regressionslinke, die diesen Gedanken nicht in den Kopf bekommen und ihre Reinheitsvorstellungen notfalls mit Mitteln totalitärer Systeme durchsetzen. „Wenn deine Eltern AfD wählen, warum nicht den Kontakt abbrechen?“, twitterte Ende Oktober Hannes Leitlein, stellvertretender Ressortleiter der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“.

Nach einer ganz zarten Kritik selbst innerhalb der SPD an dem Konzert „Wir sind mehr“ in Chemnitz, bei dem die Band K.I.Z unter anderem die Songzeile „Ich ramm die Messerklinge in die Journalistenfresse“ zu Gehör brachte, belehrte die Oktoberausgabe der SPD-Mitgliederzeitung „Vorwärts“ ihre Leser, das sei schon ganz in Ordnung, die Jusos fänden das gut und Jusos wiederum seien „Frontkämpfer gegen den Faschismus“. Wahrscheinlich bestünde die beste Kur für die Junggenossen darin, eine echte Front aus relativer Nähe zu betrachten, siehe oben. Lohnende Stellen gibt es schon wenige Flugstunden entfernt.

In einem Reinstraum verbessert niemand sein Immunsystem. Hinter den neuen antifaschistischen Schutzwällen kommt es zu geistigen Versorgungsengpässen. Bis jetzt sieht der intellektuelle Zustand der Regressionslinken ungefähr so aus: Erstens Frontkämpfer gegen den Faschismus im Stahlgewitter sein wollen, zweitens schon die symbolische Feindberührung im Buchladen hysterisch meiden und drittens nach Riechsalz verlangen, wenn ein paar unfreundliche Mails und Tweets eintrudeln wie im Fall des Elternkontaktabbrechen-Leitlein und der Buchhandlung Montag. Bei Leitlein klagte sein Blatt, er sei „Opfer eines Shitstorms“ geworden; der „Tagesspiegel“ berichtete, die Buchhandlung sehe sich jetzt „von rechter Polemik bedroht“. Bedroht von Polemik – damit wird wirklich eine neue Kategorie des linken Leidens eröffnet. Linke, die sich so verhalten, können wirklich alles haben – medialen Beifall, Fördergelder, Schulterklopfen der Kulturstaatsministerin – aber nimmermehr auch nur ein Fitzelchen Coolness. Eine Haxnabkratzen-Fußmatte ist entschieden mehr Punk als eine Margarete Ich-lass-die-Buchläden-fotografieren-bevor-ich-dort-auftrete Stokowski.

Die Regressionslinken sind gerade dabei, für die Reste ihrer Definitionsmacht die Reste der allgemeinlinken Coolness zu opfern. Meine Prognose als nicht ganz unbeteiligter Zuschauer lautet: Bald wird beides weg sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Publico“.


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