07. Mai 2018

Alternative Presseschau (Radio)Sozialismus. Liberalismus. Konservatismus.

Auch Atheisten kommen in den Himmel

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Bildquelle: shutterstock Dich krieg ich auch noch: Petrus schnappt sich neuerdings auch Atheisten

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Sozialismus: Jenseits kurdischer Gardinen

In der Türkei formiert sich eine „nationale Allianz“ gegen die Regierung. Sie besteht aus der sozialdemokratisch-kemalistischen Cumhuriyet Halk Partisi (CHP), der rechten İyi Parti („Gute Partei“), der islamistischen Saadet Partisi („Glückseligkeitspartei“) und der konservativen Demokratischen Partei (DP). Der linke Politiker Selahattin Demirtaş will aus dem Gefängnis heraus bei der anstehenden Präsidentschaftswahl kandidieren, so berichtet die „Junge Welt“. Der Spitzenkandidat der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) darf bei der nationalen Allianz allerdings nicht mitspielen. Die HDP, so betont die „Junge Welt“, sei dadurch die einzige linke Alternative zu Erdoğan und der neuen Allianz. Demirtaş drohen derweil 142 Jahre Haft wegen sogenannter „Terrorpropaganda“. In der Türkei existiert eine Sperrklausel von zehn Prozent, um ins Parlament einzuziehen, weshalb kleine Parteien sich zu Allianzen zusammenfinden. Ob die Kurdenpartei, wäre sie nicht vorab ausgeschlossen worden, mit Rechten, Konservativen und Islamisten zusammengearbeitet hätte, ist unklar. Deutlich vorstellbar wären allerdings die Gesichter in der linken Redaktionsstube.

Die Hoffnungen von Seiten der Grünen, und selbst dezidierter Grünenhasser, auf die Realo-Doppelspitze sind an deutschfeindlichen Klippen zerschellt. Robert Habeck begeht einen sprachlichen Völkermord und behauptet, es gebe kein deutsches Volk. „Compact“ berichtet über ein Interview mit Habeck, bei dem er zu Schlagworten seine Assoziationen nennen soll. Auf den Begriff „Volksverräter“ antwortet er: „Ist ein Nazibegriff. Es gibt kein Volk, und es gibt deswegen auch keinen Verrat am Volk. Sondern das ist ein böser Satz, um Menschen auszugrenzen und zu stigmatisieren.“ Für „Compact Online“ ist klar: „Dieser Satz enthält ein ganzes politisches Programm“ und sei die Grundlage für die Abschaffung der Demokratie. Er zeige, was sich Habeck ebenfalls wegwünsche: „Volkssouveränität oder Volksabstimmung“.

In der elften Staffel der gar nicht kindlichen Comedy „Southpark“ stellen die Protagonisten fest: „Bono ist der größte Haufen Scheiße.“ Was die amerikanische Satire bereits vor elf Jahren erkannte, kommt nun auch bei den Katholiken an – auch wenn sie sich gewählter ausdrücken. Kath.net berichtet, dass die alternde Rockgruppe U2 um Frontmann Bono sich für die Aufhebung des Schutzes von ungeborenem Leben in Irland ausgesprochen hat. Am 25. Mai wird die grüne Republik ein Referendum durchführen, ob der umstrittene achte Verfassungszusatz abgeschafft werden soll. Der Zusatz verbietet die Abtreibung, es sei denn das Leben der Mutter wäre nachweislich gefährdet. Bono gilt trotz dieser Einstellung als überzeugter Christ. „In einem Interview mit dem irischen Fernsehsender RTÉ sprach er von seiner Überzeugung, dass Jesus der Messias ist, zu dem er bete“, betont kath.net ein wenig süffisant.

Liberalismus: Die Bürger, die ich meine

Zwischen linken und rechten Nichtdiskussionen im alternativen Spektrum betont „Novo“ wie immer die Bedeutung der Freiheit. Kai Rogusch verweist auf die „Erosion der Bürgerrechte“. Die Politik misstraue freien Menschen, sie habe vergessen, dass die Interessen und Leidenschaften des Staatsbürgers produktiv für das Gemeinwesen seien. Obwohl die meisten Leute aufgrund laxer Regelungen und nicht durchsetzbarer Gesetze mehr Staat fordern, erkenne niemand die Gefahren, die von dieser Seite wehen. Bürger werden zunehmend als Risikofaktor betrachtet, der „präventive Sicherheitsstaat entwickelt sich vor diesem Hintergrund zu einem realen Bedrohungsszenario“. Aufgrund andauernder Ausnahmezustände gewöhnten sich die Bürger an die „Politik der Angst“, forderten mehr und mehr Sicherheit. Die Lösung für das Problem, so schließt Rogusch auf „Novo“, sei die Rückbesinnung „auf das Potential einer demokratischen Bürgerschaft“, führt seine Vorstellung aber leider nicht weiter aus.

Nach 200 Jahren fand wieder ein „Hambacher Fest“ statt, berichtet die „Junge Freiheit“. Es wehe wieder ein „bürgerlich-revolutionärer Geist durch die idyllischen Weinberge“. Die „Junge Freiheit“ war vor Ort und zeigt in einer kurzen Reportage Eindrücke und Meinungen des „Neuen Hambachers Festes“. Etwa 60 bis 80 Gegendemonstranten versammelten sich zu den „üblichen Störgeräuschen“ vor bürgerlichen Veranstaltungen. Auf den Vorwurf der Instrumentalisierung des Festes durch radikale Rechte zitierte Veranstalter Max Otte Teile der Originalrede Philipp Jakob Siebenpfeiffers. Das klingt zum Beispiel so: „Der Gedanke, der deutsche Bürger auf dieser Höhe versammelt, der Gedanke der Wiedergeburt des Vaterlandes“.

Konservatismus: Wertekunde und Himmelreich

Auf „Jouwatch“ stellt man einen geplanten Vorstoß der exkonservativen CDU vor. Man fordere einen „Wertekunde-Unterricht“ für Flüchtlingskinder, so die Idee der Christdemokraten. Der Autor fragt: „Was sagt das über ein Land aus, das seinen ‚neuen Mitbürgern‘ die Werte im Unterricht in den Schädel prügeln muss? Was sagt das über die Siedler aus, die sich in einem anderen Land niederlassen?“ Das Urteil auf „Jouwatch“ ist eindeutig: Eine solche Idee koste nur Geld, bringe aber nichts. Nach Schulschluss würden die Flüchtlingskinder wieder zurück in ihre Parallelgesellschaften kommen, wo sie die „richtigen Werte“ eingeimpft bekämen. Da helfe auch kein deutscher Lehrer, der ihnen etwas über Frauenrechte und Religionsfreiheit erkläre.

„Auch Atheisten kommen in den Himmel.“ Papst Franziskus bestätigte einem kleinen Jungen in einem Armutsviertel in Rom, dass sein verstorbener Vater im Himmel weile, obwohl er nicht an Gott geglaubt hatte und nicht getauft war. Die Worte des Papstes, die eigentlich nur als Tröstung des kleinen Jungen gemeint waren, traten allgemeine Verwirrung los. „Franziskus nutzte die Frage nicht zu einer vertiefenden Katechese, sondern gab eine banale und vereinfachende Antwort. Mit seiner Verallgemeinerung mehrte er damit Unwissenheit und Oberflächlichkeit im Wissen um die Kirchenlehre“, so die Einschätzung der „Freien Welt“. Die Kirche kenne allerdings kein anderes Mittel als die heilsnotwendige Taufe, um „den Eintritt in die ewige Seligkeit sicherzustellen“. Die „Freie Welt“ schließt: „Bereits im Januar dieses Jahres hatte Franziskus seltsame Signale gegeben, als er eine improvisierte Hochzeit von zwei Flugbegleitern an Bord des Papstflugzeugs gefeiert hatte. Was als ‚spontane‘ Entscheidung berichtet wurde, stellte sich später als gestellt und geplant heraus.“

„Junge Welt“: „Wahlkampf hinter Gittern“

„Compact Online“: „Grüner Bundesvorsitzender: Es gibt kein Volk, also auch keine Volksverräter“

Kath.net: „Popgruppe U2 für Abschaffung des Lebensschutzes für Ungeborene“

„Novo“: „Erosion der Bürgerrechte“

„Junge Freiheit“: „‚Die Zeit war reif für ein bürgerliches Fest des Widerstandes‘“

„Jouwatch“: „Erbärmlich: Union will ‚Wertekunde-Unterricht‘ für Flüchtlingskinder“

„Freie Welt“: „Papst Franziskus: Auch Atheisten kommen in den Himmel“

Zusammenstellung: Florian Müller


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