26. April 2018

Alternative Presseschau (Radio)Konflikt. Schleimspur. Liberalismus. Kriselei.

Joschka lobt Angela

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Bildquelle: Pixabay „Angela Merkel ist die Größte“: Joschka Fischer lobt seine ehemalige Konkurrentin (Symbolbild)

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Konflikt: „Aufarbeitung von Verbrechen“

Marco Maier behauptet im „Contra-Magazin“: „Selbst in den heißesten Phasen des Kalten Krieges ging es nicht so aggressiv zu wie heute.“ Die Zeichen stünden auf Weltkrieg, die Politiker behielten keinen kühlen Kopf, was den Unterschied zu den Krisen der Blockmächte ausmache. Deutschland solle in Europa im Zuge dieser Eskalationsspirale die militärische Führung übernehmen, kritisiert Maier den Wunsch des Westens, die sogenannten „Politeliten“ nähmen sich der Rolle gerne an. Solange die Menschen noch immer die Politiker wählten, „die vor einem globalen Waffengang nicht zurückschrecken“, verändere sich gar nichts – hinterher dürfe allerdings niemand behaupten, man habe nichts von alledem bemerkt, schließt Maier im „Contra-Magazin“.

Heiko Maas hofft, Baschar al-Assad noch immer stürzen zu können, schätzt „Compact Online“ die Aussage des Außenministers auf einer Konferenz in Brüssel ein. Obwohl die USA und die EU seit sieben Jahren Geld in die Rebellengruppen Syriens pumpen, die das Land in den Bürgerkrieg stürzten, will vor allem Deutschland jetzt wiederum Geld spendieren, um das Land wieder aufzubauen. „Heiko Maas, der noch in der vergangenen Woche das Bombardement Syriens durch USA, Großbritannien und Frankreich verteidigte, befand, dass der Schutz der Zivilbevölkerung oberste Priorität haben müsse“, schließt „Compact“. Gleichzeitig setze sich Maas für die „Aufarbeitung der schweren Verbrechen in Syrien“ ein und deute womöglich an, dass Assad zur Verantwortung gezogen werden soll.

Schleimspur: Joschka und Angela

Woran erkennt man eine Diktatur? Wenn sich eigentlich verfeindete Parteien loben. Joschka Fischer gab in einem Interview mit dem „Stern“ seine Meinung zu Angela Merkel bekannt: „Sie hat gewaltig gelernt mit den Jahren und ist eigentlich ein Glück für das Land.“ Die Lobhudelei hat allerdings Tradition, so die „Freie Welt“, 2016 lobte Fischer die Bundeskanzlerin für ihre Position in der Flüchtlingskrise, 2017 für ihre Distanzierung von Donald Trump. Die Einschätzung der „Freien Welt“: „Fischer und Merkel haben jedoch etwas gemeinsam: Sie haben sich beide im Amt um 180 Grad gedreht. Merkel war um 2000 noch eine konservative Politikerin, die das Thema Migration und Multikulti kritisch betrachtete. Und Fischer hatte sich vom linksradikalen Steinewerfer und Turnschuhträger zum NATO-Vollstrecker in Nadelstreifen gewandelt.“

Dass Angela Merkel auch selbst hervorragend schleimen, pardon, um Wähler werben kann, zeigte sie beim „Girl‘s Day“ 2017 in Berlin, dem von der Regierung initiierten Mädchentag, der Schülerinnen dazu bringen soll, sich für die typischen männlichen Berufe zu interessieren. Man hoffte, für Fächer wie Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik oder Physik mehr junge Frauen begeistern zu können, stellt „Tichys Einblick“ die Ziele vor. Außer schulfrei habe der „Girl’s Day“ allerdings kaum etwas erreicht, bundesweit schnupperten nur fünf Prozent der Mädchen überhaupt in die sogenannten Männerberufe, die auch nach 17 Jahren Mädchenförderung noch immer männerdominiert sind. „Tichys Einblick“ schließt mit der Geschichte, dass der elfjährige Sohn eines Lesers sich in das Portal des „Girl’s Day“ eingeloggt habe, um den Tag bei einem Solarhersteller verbringen zu können. Die Koordinierungsstelle hatte die Bewerbung nicht zugelassen, weil es sich bei ihm um kein Mädchen handelte, der Vater setzte sich daraufhin direkt mit dem Unternehmen in Verbindung, und der Junge durfte, allein unter Mädchen, Technikluft schnuppern.

Liberalismus: Gegen freie Meinung

Alexander Grau, Autor bei „Cicero“, bietet den rebellischen Lesern des Fast-Mainstream-Blattes eine geistige Heimat. Er stellt fest: „Man predigt Toleranz, toleriert aber nur die eigene Meinung. Die wertvolle Idee des Liberalismus wird so entwertet.“ Der hiesige Liberalismus habe sich zu einem Gegner der Freiheit gewandelt, man habe den Eindruck, dass „der Liberalismus an seinem eigenen Erfolg zugrundegeht“. Im Kern sei Liberalismus nämlich eine „Anti-Ideologie“, so Grau, und verteidige das Individuum vor Angriffen auf seine Autonomie. Mittlerweile handle es sich aber um einen missionarischen Liberalismus, der gegen Abweichler vorgehe, der moralische „Hyper-Liberalismus“ sei zur Doktrin verkommen. „Mitunter hat man den Eindruck, man müsse die Freiheit vor dem Liberalismus retten“, schließt Grau. Anstatt allerdings handfeste Kritik zu äußern, scheint Grau eher die aufgebrachten Leser des „Cicero“ zu beruhigen, die von Ernst Elitz‘ Attacke auf die Gemeinsame Erklärung 2018 vor zwei Wochen abgeschreckt wurden.

Auch die Regierung gibt sich größte Mühe, den echten Liberalismus zu bekämpfen. Auf „Jouwatch“ beschwert sich Hans Mundi: „Groko fest entschlossen: Meinungsfreiheit wird abgeschafft!“, nimmt aber keineswegs nur die Politiker in die Verantwortung. „Wann immer auch eine Lizenz zum Recht auf Unterdrückung anderer Mitmenschen zu vergeben war, die Deutschen waren stets in Massen begeistert dabei und wurden für jedes Machtsystem ‚willige Vollstrecker‘.“ Hetzen und Petzen scheinen den Deutschen in den Genen zu stecken, so Mundi, besonders problematisch werde es, wenn man einmal „die Rolle der Aussätzigen“ geklärt habe. Dann werde sich eine Welle von Zensur und Repression anbahnen, die beim „NetzDG“ einen Anfangspunkt gefunden habe.

Kriselei: Gold gegen Schulden

In der Türkei steuert man auf eine Schuldenkrise zu, meinen die „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“. Die Lira verliere seit geraumer Zeit an Wert, zudem seien die Schulden der Unternehmen fast zur Hälfte in Fremdwährung notiert. Die Schuldenquote der privaten Unternehmen betrage mittlerweile 70 Prozent der türkischen Wirtschaftsleistung, vor Amtsantritt Erdoğans lag der Anteil lediglich bei 20 Prozent. Hauptgrund für die schwächelnde Wirtschaft sei allerdings die negative Handelsbilanz. Seit Jahren stehe der Import von Gütern und Dienstleistungen in keinem gesunden Verhältnis zum Export der türkischen Wirtschaft. Zwar konnte sich die Lira mittlerweile stabilisieren, allerdings seien die „strukturellen Probleme noch immer ungelöst“, schließen die „DWN“. Erklären könnte die volkswirtschaftliche Gesamtsituation dementsprechend auch den Goldabzug aus den USA, der bisher meist als Symptom der Spannungen und der Krise zwischen beiden Nationen interpretiert wurde.

„Contra-Magazin“: „Die Zeichen stehen auf Weltkrieg“

„Compact Online“: „Außenminister Maas: Syrien helfen und dabei Assad (doch noch) stürzen“

„Freie Welt“: „Fischer lobt und wirbt für Merkel“

„Tichys Einblick“: „Bislang nur dürftige Erfolge: Außer ‚schulfrei‘ nichts gewesen?“

„Cicero“: „Wie der Liberalismus die Freiheit zerstört“

„Jouwatch“: „GroKo fest entschlossen: Meinungsfreiheit wird abgeschafft!“

„Deutsche Wirtschafts-Nachrichten“: „Türkische Wirtschaft steuert auf Schulden-Krise zu“

Zusammenstellung: Florian Müller


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