19. April 2018

Alternative Presseschau (Radio)Weltweit. Absurdistan. Abwägung.

Linke gegen Essensgutscheine für Flüchtlinge

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Bildquelle: shutterstock Rechts-, ähh, Linksextreme fackeln Autos von Catering-Firma ab: „Ihr beliefert Flüchtlinge nicht mit Essen!“

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Weltweit: Venezuela, Syrien, Ungarn

Das „Contra-Magazin“ fragt am Morgen: „Wird Venezuela das ‚amerikanische Syrien‘?“ Das sozialistische Venezuela droht in einen Bürgerkrieg abzurutschen, auch die US-Geheimdienste hätten ihre Finger im Spiel, so Autor Marco Maier. Seit der Übernahme der Macht durch Präsident Nicolás Maduro wurde die Republik „zum Hauptziel US-amerikanischer Feindseligkeiten“. Am 20. Mai stehen erneut Präsidentschaftswahlen an – sollte Amtsinhaber Maduro erneut gewinnen, könnte das eine militärische Intervention seitens der USA zur Folge haben. „Und da das südamerikanische Land auch über die weltweit größten Ölreserven verfügt, sowie diese auch zur Etablierung einer eigenen Kryptowährung nutzt, darf man ebenfalls vermuten, dass dies ebenso eine gewichtige Rolle spielt“, schließt Maier im „Contra-Magazin“.

Fast hätte es absolute Klarheit im Falle des Giftgasangriffs auf das syrische Duma gegeben. Ein „Voraus-Team“ der UN plante, den Vorfall zu untersuchen, so die „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“. Zufälligerweise genau in diesem Moment wurde die Untersuchungskommission beschossen. Den „DWN“ schwant Böses: „Die Expertenmission steht unter Zeitdruck: Die Rückstände von Giftgas werden von westlichen Medien als ‚sehr flüchtig‘ bezeichnet.“ Für den Westen sei Assad noch immer der Übeltäter, für Russland handle es sich um eine „False-flag“-Aktion der Weißhelme, einer vom Westen finanzierten Gruppe, die sich offiziell dem syrischen Zivilschutz widmet. Von angeblichen Zeugen des Giftgasangriffs vergangene Woche, Franzosen und Briten, hört man mittlerweile kein Sterbenswörtchen mehr, schließen die „DWN“.

Nach der Präsidentenwahl in Ungarn sind die Magyaren wieder aus der alternativen Presse verschwunden. Die „abgewählte Opposition“ macht allerdings auf sich aufmerksam. Die ist von ihrer „moralischen Überlegenheit überzeugt“, so „Tichys Einblick“. Etwa 100.000 Anhänger der Oppositionsparteien haben in Budapest demonstriert und wollten ein „Zeichen gegen die Hetzkampagne“ der Regierung setzen. Gastautorin Krisztina Koenen bewertet trocken: „Ungarn ist – das kann man so sagen – zweifellos in Europa angekommen, denn es zeigt inzwischen die gleiche Spaltung der Gesellschaft, wie sie von den westeuropäischen Ländern bekannt ist.“ Trotzdem sei fraglich, ob Viktor Orbán eine dauerhafte Zukunft habe, um das „Umsichgreifen des Extremindividualismus“ aufzuhalten, schließt Koenen auf „Tichys Einblick“.

Absurdistan: Linker Terror gegen Flüchtlingsversorgung

Wer glaubt, er sitze häufig im falschen Film oder habe zuviel „Truman Show“ gesehen, könnte sich bestätigt fühlen. „Linksextremistischer Anschlag auf Catering-Firma wegen Essensgutscheinen für Flüchtlinge“, titelt „Jouwatch“. In Halle habe es einen Brandanschlag auf vier Fahrzeuge der Catering-Firma Sodexo gegeben, mittlerweile sei ein Bekennerschreiben aus der linken Szene aufgetaucht. Die Angreifer kritisieren das „Gutscheinsystem“ der Firma, das „Geflüchteten jedes Selbstbestimmungsrecht aberkennt“, so „Jouwatch“. In Sachsen-Anhalt existiere das Prinzip „Gutschein statt Bargeld“, wogegen es von linker Seite bereits heftige Proteste gegeben hatte. Die linke Szene macht deutlich: „Wir werden weiterhin alle Firmen und Institutionen angreifen, welche die rassistische Praxis der alltäglichen Bevormundung und Diskriminierung ermöglichen – und insbesondere ihren Profit daran so teuer wie möglich machen.“

Seit 2015 gibt es verschiedenfarbige Emojis. Matthias Kraus bleibt beim „quittefarbenen Original“, echauffiert sich aber im fortschrittlichen Magazin „Novo“ über den gesellschaftlichen Rückschritt: „Mit dieser identitären Spielart von Vielfalt verschanzt man sich in Schützengräben.“ Kraus weiter: „Gut, jemand, der nicht ich ist, könnte mit Recht sagen: ‚Du bist weiß, hetero, männlich. Mehr Privilegien geht ja gar nicht. Deshalb kannst du keine Vorstellung davon haben, wie unterdrückerisch sich das Thema Hautfarbe für Minderheiten jeglicher Art darstellt. Dass du überhaupt so blöde nachfragst, zeigt, dass du dir über deine eingebauten strukturellen Vorteile noch nicht mal im Klaren bist. Also halt‘ die Fresse und check‘ erst mal deine Privilegien.‘“ Statt dass Kraus allerdings antwortet: „Halt selber deine Fresse“, gelingt ihm nur ein zartes „Sehe ich ein“. Die postmoderne Annahme von „Diversity“, wie die verschiedenfarbigen Emojis, sei nichts anderes als eine Rückkehr zum alten Stereotyp, schließt Kraus auf „Novo“.

Die „Junge Freiheit“ berichtet über die Bewegung „#nichtohnemeinkopftuch“. Unter diesem Zeichen machen Moslems auf Twitter gegen das diskutierte Kopftuchverbot bei unter 14-jährigen Mädchen mobil. „Heute gilt Kritik am Islam als reaktionär, und moderne Frauenrechtlerinnen tragen Kopftuch, um sich mit der mittelalterlichen Kultur und ihren Anhängern zu solidarisieren“, schätzt Autor Boris T. Kaiser den Protest ein und vergleicht den Titel mit dem Film „Nicht ohne meine Tochter“, in dem die Protagonistin mit ihrer Tochter aus dem unterdrückerischen Iran fliehen muss. „Dass Muslime nun versuchen, den Kampf für das Kopftuch als Kampf für die Freiheit zu verkaufen, ist nur konsequent und zeigt, dass sie genau verstanden haben, wie ihre Verbündeten im linksliberalen Lager ticken“, bewertet Kaiser in der „Jungen Freiheit“.

Abwägung: Luther, du Nazi!

Auf dem evangelischen Portal „idea“ stellt man wieder zwei Positionen gegenüber: „Soll man alle in der Kirchengemeinde duzen?“ Ja, sagt Pastor Frank Uphoff, „Gemeinde ist für mich Familie und Heimat, da bin ich sehr schnell und leicht beim Du und finde es eher ungewöhnlich, es nicht zu tun“. Ganz anders sieht das Pastorin Luitgardis Parasie, „denn es hat ja seinen guten Sinn, dass das Deutsche – anders als Englisch – Nähe und Distanz auch über die Sprache ausdrückt“. Im Beruf helfe das, „professionell miteinander umzugehen“.

Johannes Eisleben fragt sich auf der „Achse des Guten“: „Internet-Propaganda – wäre Luther Rechtspopulist?“ und vergleicht den entfremdeten Ablasshandel mit der entfremdeten Politik des 21. Jahrhunderts. Propaganda gelinge nur, wenn die Beeinflussung nicht im Widerspruch zur bereits gefestigten Lebenswelt der Leute stehe. Im Zweifel suchen Leute aber immer das direkte Gespräch, man könne eine Meinung nicht vollkommen umformen. Der Politisierungsprozess mache der „Pseudoelite zu Recht angst“, schließt Eisleben und gibt sich positiv: Ein Teil der Eliten werde via Wahlen ausgetauscht werden, der andere Teil werde umdenken.

„Contra-Magazin“: „Wird Venezuela das ‚amerikanische Syrien‘?“

„Deutsche Wirtschafts-Nachrichten“: „Schüsse auf Ermittler: Gift-Angriff in Syrien kaum aufzuklären“

„Tichys Einblick“: „Ungarn – Die abgewählte Opposition“

„Jouwatch“: „Linksextremistischer Anschlag auf Catering-Firma wegen Essensgutscheinen für Flüchtlinge“

„Novo“: „Vielfalt in Schubladen“

„Junge Freiheit“: „#NichtOhneMeinKopftuch: Die bizarre Faszination für den Islam“

„idea“: „Pro & Kontra: Alle in der Gemeinde gleich duzen?“

„Achse des Guten“: „Internet-Propaganda – wäre Luther Rechtspopulist?“

Zusammenstellung: Florian Müller


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