18. April 2018

Alternative Spätnachrichten (Radio)Neger. SPD-Vorsitz. Tarifstreit. Goldstandard.

Was uns am 18. April bewegt

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Bildquelle: shutterstock Neger, Neger, Schornsteinfeger: „Alternative Nachrichten“ provozieren mit rechtspopulistischem Stöckchen

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„Darf man heute noch Neger sagen?“ – Sendung wegen Protesten annulliert

Sachsen. Es gibt Meldungen, die gibt es gar nicht, und am Ende gibt es sie doch. Der MDR wollte eine Radiosendung zum Thema politische Korrektheit veranstalten. Als zuspitzender Einstiegssatz war die Frage „Darf man heute noch Neger sagen?“ vorgesehen. Unter diesem Motto wurde die Diskussionsrunde auch im Vorfeld beworben. Die Werbung führte einerseits zu massiven Protesten im Netz. Zwei von vier Nettostaatsempfängern zwitscherten nach Bekanntgabe gemeinsam empört ihre Absage, der Soziologe Robert Feustel und die Linken-Politikerin Kerstin Köditz. Der MDR gestand schließlich reumütig ein, Gefühle verletzt zu haben. Frauke Petry und der ehemalige ZDF-Moderator Peter Hahne wurden daraufhin ebenfalls kurzfristig ausgeladen. Die Sendung war für gestern abend geplant. Die Negerfrage wurde ja sowieso eindeutig beantwortet. Der britische Soziologe Anthony Glees nannte Deutschland schon vor drei Jahren „einen gefühlsgeleiteten Hippie-Staat“. Ohne Ironie kann man nur ergänzen, dass es sich in eine Freiluftpsychiatrie verwandelt hat. Wichtigstes Stichwort ist dabei der bereits gefallene Begriff „Nettostaatsempfänger“. Der Asozialstaat ist ein von der Natur nicht vorgesehenes Phänomen. Seine verheerende Wirkung macht daher vor Realitätsempfinden und geistiger Gesundheit nicht halt. Mit der Dummheit ist es wie mit dem Tod. Der Betroffene selbst merkt nichts, nur die anderen leiden. Kindische trotzige Gegenfrage zum Schluss: Muss man für so etwas eigentlich noch Gebühren zahlen?

Funktionäre und Hauptstrommedien diskriminieren Frau bei Wahl zum SPD-Vorsitz

SPD. Neben Andrea Nahles wird am Sonntag auch die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange um das Amt des SPD-Parteivorsitzenden kandidieren. Ein Jahr nach der künstlichen Martin-Schulz-Euphorie will die sogenannte Volkspartei jedoch endlich einen neuen Neuanfang beginnen. Das jüngere Publikum kann mit dem Namen „Martin Schulz“ wahrscheinlich nichts mehr anfangen. Wir raten ausnahmsweise einfach, den „Mann mit den Haaren im Gesicht“ zu googeln. Andernfalls müssten die Nachrichten in ein historisches Referat über längst vergessene Zeiten entarten. Um den parteiinternen Neuanfang nach dem erneuten Erhalt der Regierungsmacht nicht zu stören, wurde Andrea Nahles vom Vorstand schon lange als einzige Kandidatin ausgekungelt. Nach der Schlammschlacht in den vergangenen Monaten fühlte sich jedoch auch die Basis plötzlich zum Zwergenaufstand bemüßigt. Bis auf Simone Lange wurden längst sämtliche Möchtegernrebellen ins Glied zurückgeprügelt. Aber die ehemalige Kriminalbeamtin mit immerhin 15 Jahren Berufserfahrung will sich nicht einschüchtern lassen. Deshalb greift die Parteispitze mit eifriger Unterstützung der Hauptstrommedien auch zunehmend zu schmutzigeren Tricks. Lange Zeit wurde versucht, Langes Kandidatur komplett zu verschweigen und nicht einmal auf der SPD-Internetseite zu veröffentlichen. Nachdem dieser Trick scheiterte, wurde ihre Redezeit auf dem Parteitag prompt auf zehn Minuten begrenzt. Die Herausforderin pochte darauf, dass den Kandidaten bei der Vorstellung laut Satzung unbegrenzte Redezeit zustehe. Woraufhin anonyme Parteimitglieder sogleich mahnten, sie solle doch bitte „keine Verschwörungstheorien in die Welt setzen“. Sie würde auf dem Parteitag genauso formell gleichbehandelt wie die AfD in den Parlamenten.  Ansonsten versucht die Obrigkeit, das Schmuddelkind gedanklich so weit wie möglich auszublenden. Als sie dem kommissarischen Parteichef Olaf Scholz ihre Kandidatur persönlich überreichte, nahm dieser sie wortlos entgegen und ging weiter. Auch ihre Einladung zum Kaffee schlug „Bätschi, in die Fresse“ Nahles aus. Wenn die Kinder sich die Hände vor die Augen halten, verschwindet das Böse bekanntlich von allein. Wie bereits erwähnt, kann die Parteispitze dabei auf mächtige Unterstützer hoffen. „Frau Lange macht Ärger“ lautete heute die Gefälligkeitsschlagzeile beim „Spiegel“. Im Sprachgebrauch des Sturmgeschützes der Demokratie wird sie nicht etwa antreten, sondern verlieren. Ihre Kritik an der Parteispitze ist ja alles nur „Erzählung von der angeblich so unterdrückten Außenseiterin“.  Die ewige Opferrolle. Kennt man ja, wie erwähnt, von den Beteuerungen der AfD. Der Umgang mit Lange könnte fast glauben lassen, die Langzeitsoziologiestudentin Nahles würde durch einen alten weißen Mann herausgefordert. Komisch, sind es doch die Rotparteien und Hauptstrommedien, die ansonsten immer am lautesten nach Überhöhung der Frau rufen. Ihre tatsächlichen Auffassungen in dieser Hinsicht wurden natürlich auch schon durch die Berichterstattung über gegoogelte Joggerinnen entlarvt. Es würde jedoch nicht überraschen, wenn sie dann am Sonntag jubeln, dass die SPD mit Nahles die erste weibliche Bundesvorsitzende ihrer Geschichte bekommt. Nun denn, möge die Bessere gewinnen.

Mehr Geld auf produktiver Leute Kosten – Einigung im öffentlichen Tarifstreit

Deutschland. Auch die Nimmersatten lieben und füttern ihre Kinder. So dürfen sich auch die unproduktiven Angestellten des öffentlichen Dienstes jetzt auf einen weit größeren Anteil am Steuerkuchen freuen. Letzte Woche hatten sie bekanntlich ihre hochsichere Arbeit für noch mal sechs Prozent mehr Lohn niedergelegt. Der neue Innenminister Seehofer und die Kommunen gönnen ihnen jetzt einen Schluck aus der Pulle von 7,5 Prozent. Das von ehrlich arbeitenden Menschen abgeknöpfte Geld wird in insgesamt drei Stufen ausgezahlt. Im März 2019 gibt es ein Plus von 3,2, im April 2019 von 3,1 und im April 2020 von noch einmal 1,1 Prozent. Seehofer gibt sich zufrieden, auch wenn die Verhandlungen „anstrengend“ waren. Verdi freut sich über „den besten Abschluss seit Jahren“. Den Bund „kosten“ die Wohltaten insgesamt 2,2, die Kommunen 7,5 Milliarden Euro. Da wissen Sie doch gleich, wofür Sie in Zukunft die neue Grundsteuer zahlen dürfen.  

Erdoğan fordert Rückkehr zu sanftem Goldstandard

Ankara. Die gute Nachricht zum Schluss. Der in Deutschland oftmals dämonisierte türkische Präsident Erdoğan fordert eine Rückkehr zu einem sanften Goldstandard. Nach seiner Vorstellung sollen internationale Kredite zukünftig nicht mehr in US-Dollar, sondern in Gold berechnet werden. Er verband seinen Vorschlag mit einer heftigen Kritik am Internationalen Währungsfonds, dem er die Entmündigung der Völker vorwirft. Die Ursachen hierfür sieht er vor allem in der Kreditausgabe in Dollar. Mit Hilfe der US-Währung würde auch die Türkei seit Jahren politisch unter Druck gesetzt. Um die „Nationen und Staaten von diesem Druck zu befreien“, fordert er die Umstellung auf das seit Jahrtausenden bewährte Edelmetall. „Denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist Gold einzigartig“, so Erdoğan. Bei einem Auftritt vor türkischen Geschäftsleuten sagte er aus, diesen Vorschlag bereits beim G-20-Gipfel eingebracht zu haben. Laut den „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“ verfügt die türkische Zentralbank über 591 Tonnen Gold. Die Gesamtimporte des Landes beliefen sich im ersten Quartal auf rund 91 Tonnen.

Zusammenstellung: Jean Modert


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