28. März 2018

Alternative Nachrichten (Radio) Folge 14Schachfiguren. Fake News. Wetterschutz. Skripal.

Was uns am Abend des 28. März bewegt

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Bildquelle: shutterstock Geopolitisches Schachspiel: Hier mischen die Figuren auch selbst mit

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Vor dem Treffen von Donald Trump und Kim Jong-un – Schachfiguren werden in Stellung gebracht

Peking/Pjöngjang/Seoul/Washington. Der 2017 verstorbene amerikanische Präsidentenberater Zbigniew Brzeziński verglich die Welt der Geopolitik gerne mit einem großen Schachbrett. Als der polnischstämmige Autor sein Buch verfasste, sah es jedoch noch so aus, als würde mit den USA auf absehbare Zeit nur ein einzelner Topspieler verbleiben. Diese Prognose wird seit circa einem Jahrzehnt zunehmend Lügen gestraft. Mit dem Neuzugang Chinas und der Wiederkehr Russlands treten global in wechselnden Konstellationen mindestens drei Spieler gegeneinander an. Seit den Olympischen Spielen wird das Duell um die beiden koreanischen Staaten wieder zunehmend flüssig (wir berichteten). Traditionell stehen sich in diesem Bereich der amerikanische Platzhirsch und der ehrgeizige Jungasiate gegenüber. An diesem Punkt endet jedoch die metaphorische Reichweite von Brzezińskis Vergleich. Auf dem Spielfeld stehen nämlich keine oftmals ästhetisch, aber immer aus toter Materie gefertigten Figuren. Sondern die gerne unter dem abstrakten Begriff „Kleinstaaten“ zusammengefassten „Bauern“ stellen immer noch Menschen aus Fleisch und Blut dar. Der Fall, dass sich Staatenlenker ihrerseits ähnlich naiv steuern lassen wie ihre Untertanen, kommt höchst selten vor. In der Regel geben sich die kleineren und mittleren Figuren nach außen zwar tatsächlich gerne ahnungslos. In Wirklichkeit lässt man sich wohl oder übel ein Stück übers Brett führen, um dann zwischen beiden Großen immer wieder die Grenzen des eigenen Spielraums auszutesten. Die Kunst besteht dann darin, möglichst widersprüchliche Positionen entstehen zu lassen, die aber bei beiden Großen keine klare Entscheidung zulassen. Letztes Jahr bewies der kleine Ölstaat Katar, dass dieses Spiel auch durchaus mal schiefgehen kann, wenn man die Grenzen des Zulässigen überreizt. Nachdem die größeren arabischen Staaten die Nase voll hatten, drängten sie das Land mit massiven Sanktionen, kurz nach einem Trump-Besuch, zur klaren Entscheidung. Seitdem ist Katar nach bestem Wissen des Autors auf das türkische und persische Wohlwollen angewiesen. Falls der hier vorgestellte Kriterienkatalog als Analyseinstrument an den Koreakonflikt angelegt wird, ist also auch davon auszugehen, dass die „Kleinen“ vorgewarnt sind. Über den Austausch von Trumps Kabinettsfiguren zum Spielauftakt berichteten wir bereits ausführlich. Offenbar spielt der amerikanische Präsident politisch inkorrekt in Weiß. Aktuell haben nun auch die Figuren angefangen, sich selbständig zu bewegen. Gestern schloss Südkorea überraschend ein neues Freihandelsabkommen mit den USA ab. Wie „Breitbart“ meldet, dürfen die USA zukünftig bis zu 25 Prozent Einfuhrzölle auf koreanische Autos erheben. Zugleich soll eine Reihe von Handelsbeschränkungen für den Import nach Südkorea fallen. Wie „Breitbart“ ebenfalls berichtet, gehen die Zollbehörden des Landes oftmals in Eigenregie willkürlich gegen US-Importeure vor. Diese Praxis soll nun unterbunden werden. Künstliche Währungsmanipulationen sollen zukünftig beiderseitig unterlassen und ein regelmäßiger finanzpolitischer Informationsaustausch vorgenommen werden. Soweit die aktuelle Wogenglättung auf der einen Seite des Spielfeldes. Inwiefern Trump das Abkommen als Blaupause für Verhandlungen mit Drittstaaten benutzen wird, bleibt abzuwarten. Zugleich blieb man aber auch auf der anderen Seite des Spielfeldes nicht mehr untätig. Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt reiste der rundliche Jungdiktator aus dem Norden zum Staatsbesuch nach China. Laut der „Neuen Zürcher Zeitung“ übrigens seine erste politische Auslandsreise überhaupt. Nun mag dies für klar in der ökonomischen Realität verankerte Menschen eine Banalität darstellen, aber damit hat er den US-Präsidenten um eine wichtige symbolische Errungenschaft geprellt. Nebenbei darf man also gespannt sein, ob die Quantitätsmedien bei ihrem Treffen in ihrer Berichterstattung entsprechende satirische Steilvorlagen liefern werden. Viel wichtiger ist natürlich die kaum versteckte Botschaft, dass China im Ernstfall trotz Eigenwilligkeit nach wie vor ökonomisch und möglicherweise militärisch hinter seiner Figur steht. Ein Gegenbesuch als weiterer Schachzug wurde bereits angekündigt. Die Sportredaktion der „Alternativen Nachrichten“ hält sich mit „Expertenprognosen“ natürlich zurück, wie es sich für ein seriöses Format gehört. Wir werden Sie mit aktualisierter Berichterstattung aber selbstverständlich auf dem laufenden halten.

Geldwäsche, Waffenverkäufe, Fake News – Deutscher Unternehmer in Ungarn festgesetzt

Budapest. Der angebliche deutsche Medienmacher und Waffenhändler Mario Rönsch ist in Ungarn festgesetzt worden. Er hatte in den vergangenen Jahren als vermeintlicher Kopf von „Anonymous.Kollektiv“ von sich reden gemacht. Dieses Portal berichtete lange ungeschönt und mit einer für freie Medien ungewöhnlich hohen Reichweite über die seit 2015 grassierende Murmeltierplage. 2016 wurde die Seite dauerhaft von Facebook gesperrt und lief fortan unter russischer Internetdomain. Einige Quantitätsmedien gaben sich lange überzeugt, dass Rönsch den führenden Kopf hinter der Seite darstellte, mussten für diese Behauptung aber Unterlassungserklärungen unterzeichnen. Erwiesenermaßen betrieb er unter dem Stichwort „Migrantenschreck“ jedoch ein auf Waffenverkauf spezialisiertes Unternehmen, das er seit 2016 von Ungarn aus leitete. Zu seinem Sortiment zählten auch Selbstverteidigungswerkzeuge, die in Ungarn von unbescholtenen Bürgern auch unbescholten erworben werden können. Diese Gesetzeslage nutzte er aus, um sie auch nach Deutschland zu exportieren, wo die Wehrhaftigkeit des Steuerzahlers traditionell nicht so gerne gesehen wird. Selbstverständlich gehören sie dort nur in die Hände derjenigen, die sich artig in den Dienst der Obrigkeit stellen. Strafrechtlich belangen konnte man hierzulande jedoch lange Zeit nur die Kunden wegen illegalen Waffenerwerbs. Dann beging Rönsch Medienberichten zufolge jedoch einen schweren Fehler. Er begann, in seinem Schutzland Ungarn Steuern zu hinterziehen. Moralisch kann dieses Vorgehen unterschiedlich bewertet werden, klug war es kaum. Die deutschen Behörden nutzten die Tölpelei, um bei ihren ungarischen Kollegen um Amtshilfe zu ersuchen. Heute morgen erfolgte unter dem Beisein deutscher Journalisten dann der Zugriff. Eine Anklageschrift, unter anderem wegen Fake News, soll bei der Staatsanwaltschaft schon bereitliegen. Nun ja, wie weit unter der russischen Domain gehostete Fake News unter die deutsche Rechtsprechung fallen, erschließt sich dem juristischen Laien nur schwer. Vorausgesetzt, dass er denn entgegen früheren Entscheidungen der Justiz hinter dem Portal stünde. Die Vorwürfe deuten jedoch schon mal an, was für ein undurchsichtiger, politisierter Schauprozess wieder auf Deutschland zukommen könnte. Vorausgesetzt, dass der Beschuldigte sich in Ungarn nicht auf das Asylrecht berufen kann. Falls Deutschland nach dem hier festgesetzten Puigdemont auch noch seinerseits einen eigenen Flüchtling in Ungarn sitzen hätte, hätte die Migrationspolitik für diese Woche hoffentlich ihren absurden Höhepunkt erreicht.

Wetter, Wetter, Wetterschutz über alles – Solarworld schon wieder pleite

Bonn. Erst 2016 machte das von Gutmenschen gerne umjubelte, aber offenbar wenig beauftragte deutsche Solarunternehmen Solarworld mit seiner Pleite von sich reden. Nach einem harten Schulden- und Kapitalschnitt wurde es dann von Unternehmensgründer Frank Asbeck mit Hilfe weiterer Investoren neu lanciert. Ein Drittel der Arbeitsplätze sollte auf diese Weise erhalten bleiben. Immerhin scheint sich das Unternehmen im Bereich der Insolvenzverwaltung zum wahren Jobmotor zu entwickeln. Da soll noch einer über die Ineffizienz des sogenannten grünen Stroms spotten. Jetzt ist das Unternehmen nämlich, nach knapp einem Jahr am Markt, erneut pleite. Einen Schuldigen hat Asbeck den Maßstäben der politisierten Ökonomie entsprechend bereits gefunden. Die EU hat Schutzzölle gegen effizientere chinesische Importe auslaufen lassen. Komme es, wie es wolle. Von der Realität wird sich die deutsche Regierung bei ihrem großen Sprung in der Energiepolitik trotz Solarworld keinen Strich durch die Rechnung machen lassen.

Oh Wunder – Britischer Geheimdienst möglicherweise in Skripal-Mordversuch verwickelt

London/Moskau. Eine gute Nachricht, die den Namen auch verdient hätte, muss wegen der in diesem Bereich immer wieder auftretenden Lieferengpässe heute abend leider ausfallen. Es gibt jedoch neue und wenig überraschende Bewegungen im Fall Skripal, von denen Sie in den Quantitätsmedien kaum hören werden. Vollkommen ausgespart wurde bisher die Frage, wie ein so dilettantisch ausgeführtes Attentat wie offiziell dargestellt von der britischen Spionageabwehr unbemerkt blieb. Ist James Bond durch die Bequemlichkeit moderner Bürgerüberwachungstechnik auf seine alten Tage etwa nachlässig geworden? Wohl kaum, wie jetzt das russische Außenministerium verlautbaren ließ. Vielmehr lägen der russischen Regierung Hinweise vor, dass Großbritannien in einem unweit von Salisbury entfernten Militärlabor an chemischen Kampfstoffen forsche. Das dezidierte Desinteresse der britischen Regierung an einer tatsächlichen Aufklärung deute außerdem stark auf eine Involvierung britischer Geheimdienste hin. Die versuchte Ermordung eines Doppelagenten auf fremdem Boden, zumal auf einer weit entfernten Insel, ist selbst für altgediente Beamte aus dem Bereich der Nachrichtendienste technisch schwer nachzuvollziehen. Die genauen Hintergründe des Falls Skripal werden die „Alternativen Nachrichten“ beim besten Willen nicht aufklären können. Zum Glück verfügt Deutschland ja über einen milliardenschweren öffentlich-rechtlichen Medienapparat, der bestimmt dafür Sorge tragen wird, dass der Fall einigermaßen objektiv beurteilt wird. Man stelle sich mal vor, die BRD würde sich, etwa durch die massenhafte Ausweisung russischer Diplomaten, in einen Überbietungswettbewerb der Eskalation begeben.

Zusammenstellung: Jean Modert


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