19. März 2018

Alternative Nachrichten am Abend Buschbrände. Zollschranken. Quasselborn. Fernsehsteuern.

Was uns am Abend des 19. März bewegt

von Redaktion eigentümlich frei

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Bildquelle: shutterstock „Unfairer Wettbewerb“ durch hohe Zölle auf ausländische Stimmzettel: Heiko Maas reagiert auf anhaltende russische Provokationen

Australien – Buschbrände feiern jährlichen „neuen Höchststand“ in deutscher Klimapropaganda schon im Frühjahr

Australien. Auf dem großen Inselkontinent am anderen Ende der Erde ist der Sommer kalendarisch vor einigen Wochen zu Ende gegangen. Auch bei den alljährlichen Buschbränden können die hartgesottenen Inselbewohner also langsam aufatmen, dass es wieder einmal nur beim Materialschaden geblieben ist. Unabhängig davon, ob sie sinnvoll sind, wie etwa bei der Zeiteinteilung nach dem gregorianischen Kalender, oder eben nicht, wie bei den kryptoreligiösen Klimamodellen, halten sich die komplexen Wetterphänomene aber nun mal nicht immer an menschliche Zahlenkonstrukte. Entsprechend befreiten die Flammen bei einigen Nachwehen auch noch mal 100 Häuslebesitzer von dem Risiko, mit einer Zwangshypothek für die Euro-Rettung herangezogen zu werden. Als wahrscheinlichste Ursache für den spätsommerlichen Brand wird bisher ein Blitzeinschlag im Zuge eines Trockengewitters vermutet. Mediale Experten sind sich daher einig, dass die Buschfeuer allein aufgrund des anthropogenen Klimawandels nicht pünktlich zum Ende der Sommersaison die Arbeit niedergelegt haben. Als Konsument am anderen Ende des Teleprompters wundert man sich. Finden die schlimmsten Waldbrände aller Zeiten nicht immer erst im Herbst, pünktlich zum Ausklang der Saison in Südeuropa statt? Eventuell wurde das Gift der Klimapropaganda ja neu dosiert. Wenn der Medienkonsument im Herbst zu sehr mit den parallelen Höchstständen bei den Waldbränden und der verheerendsten Hurrikan-Saison aller Zeiten konfrontiert wird, droht er eventuell abzustumpfen. Man will ja nicht übers Ziel hinausschießen. Außerdem muss ja noch irgendwo in der Berichterstattung Platz für Wladimir und Konsorten freigehalten werden. Oder sollte dem in der für Experten unerklärlichen Kälte stehengelassenen Leipziger Bahnkunden etwa nur ein bisschen Gefühl von Wärme vermittelt werden?

Hohe Zölle auf ausländischen Wahlzetteln – Maasmännchen kritisiert „unfairen Wettbewerb“ bei russischen Präsidentschaftswahlen

Berlin. Heute morgen verbreitete das verschwörungshypothetische Fake-News-Portal eigentümlich frei noch Spekulationen, ob Angela Merkel Zar Putin eigentlich schon zu seiner Wiederwahl gratuliert habe. Diese Frage wurde schließlich von den AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland und Jörg Meuthen beantwortet, die dem russischen Präsidenten beide ihre Glückwünsche übermittelten. Für die Bundesregierung war die eigene Positionsbestimmung damit auch geklärt. Außenminister Heiko Maas trat all den neurechten Hetzern klar entgegen und ließ verlautbaren, dass es sich bei der Abstimmung um einen „unfairen Wettbewerb“ gehandelt habe. Schau einer an, ein Sozialdemokrat entdeckt die Ökonomie. Ausländische Wahleinmischer seien mit einem ganzen Berg an Vorschriften bei der Einfuhr ihrer zugunsten der Opposition verfassten zusätzlichen Wahlzettel konfrontiert gewesen. Zudem habe Putin einen Handelskrieg vom Zaun gebrochen und auch noch die Zölle auf gefälschte Stimmkarten massiv erhöht. Über die von der antifaschistischen russischen Jugend verprügelten Alternativkandidaten wollen wir dann an dieser Stelle mal lieber schweigen. Für Napoleon ist damit klar, dass es für Europa nur einen Ausweg gibt. Die einige revolutionäre EU-Armee muss nach Russland marschieren und Trump wie 1806 von Berlin aus eine allumfassende Kontinentalsperre für den Überseehandel verkünden. Auf Putins überhebliches Großmachtgehabe „ihr habt ja gar keine Wintermäntel“, sekundierte die preußische Verteidigungsministerin als wahre Erbin spartanischer Traditionen übrigens bereits: „Dann kämpfen wir eben im Schatten.“ Das heißt, sobald die Nachtsichtgeräte der Bundeswehr einsatzbereit sind. Außerdem wird das dank dem Dieselfahrverbot massiv steigende CO2 dem russischen Winter sowieso bald den Garaus machen. Aber von dieser Wetterwunderwaffe ahnt der klimaleugnende Russe zum Glück noch nichts.

Kurz vor Amtsende – Quasselborn entdeckt Mut und kritisiert westlichen Verrat an den Kurden

…hätte die Schlagzeile lauten müssen. Luxemburg/Hamburg. Der für seine rhetorischen Eskapaden legendär gewordene luxemburgische Außenminister hat kurz vor seiner Pensionierung im Zuge der Parlamentswahlen am 14. Oktober noch einmal zugeschlagen. Quasselborn bewies seine Sprachbegabung in früheren Jahren bei „Jean und die Maus“ vor allem in Kombination mit seinen Kochkünsten; „Jetzt machen wir die Drippe dadrin“, was auf Deutsch so viel heißt wie: „Jetzt fügen wir den Schnaps hier hinzu.“ Bei „Anne Will“ ließ der schon mehrfach gegenüber Ungarn ausfällig gewordene Flüchtlingsprediger dann vor zwei Jahren verlautbaren, er sei als Außenminister ja kein Diplomat (wir berichteten unter dem Titel „Quasselborn quasselt viel, wenn der Beitragszahler die Rechnung begleicht“). Letztes Jahr kommentierte er den Koalitionsvertrag der Regierung seines früheren österreichischen Amtskollegen Sebastian Kurz dann mit den Worten: „Das ist Trump-Rhetorik.“ Im Herbst, wenn das Pendel der Zeit dann voraussichtlich die luxemburgischen Sozialisten hinwegspülen wird und die roten Ratten das sinkende Schiff verlassen, wird „der Jang“ dann in die wohlverdiente Pension entlassen. Höchste Zeit also, um im Interview mit dem „Spiegel“ noch einmal ordentlich „auszuteilen“. In Syrien wurden die Kurden vor einigen Jahren durch verschiedene westliche Staaten offiziell massiv gegen den IS aufgerüstet. Dahinter stand natürlich das Ziel der rohstofforientierten Zersetzung des syrischen Staatsgebietes und die Aufstachelung zur gewaltsamen Lossagung von Baschar al-Assad. Der neue Kurdenstaat sollte dann ausgerechnet an der Grenze zur Türkei errichtet werden. Diese wiederum betreibt unter dem im Westen öffentlich dämonisierten Präsidenten Erdoğan zunehmend eine eigenständige Außenpolitik. Auch dank der tatkräftigen Mitwirkung Putins schafften die beiden traditionellen geopolitischen Antagonisten es zum ersten Mal, ihre Gräben durch wirtschaftliche Kooperation einigermaßen effizient zu überwinden. Seit dem gescheiterten Militärputsch von 2016 wurde die Entfernung Erdoğans vom Westen und seine Annäherung an Russland dann noch einmal beschleunigt. Gleichzeitig waren die Kurden unter völliger Missachtung geopolitischer Asymmetrien und auch der Geschichte der wie Unterwäsche wechselnden westlichen Partner im Nahen Osten scheinbar in blinder Arroganz voll in die gestellte Falle getappt. Anstatt den Krieg kluger- und wohlverdienterweise für Verhandlungen über neue, vor allem finanzielle Autonomierechte zu nutzen, hatten sie das Kind im naiven Vertrauen auf westliche Unterstützung mit dem Bade ausgeschüttet. Erdoğan wollte diesem Vorgehen, das er zu Recht oder zu Unrecht als Destabilisierung vor der eigenen Haustür empfand, nicht länger zusehen. Wohl nicht ohne den Hintergedanken der territorialen Expansion schickte er vor zwei Monaten von der türkischen Luftwaffe massiv unterstützte Stellvertretertruppen nach Syrien. Die NATO überließ die bis dahin verbündeten Kurden sich selbst, und am Wochenende rückten die türkischen Söldner in der syrisch-kurdischen Großstadt Afrin ein. Seit heute morgen häufen sich dann die Meldungen über Übergriffe und Plünderungen durch die neuen Machthaber. All diese Hintergründe hätte Herr Quasselborn laut und deutlich im „Spiegel“ anprangern können. Vielleicht wollte er ja nur der Wahrheit „ef-Leser wissen mehr“ zur Ehre verhelfen. Auf jeden Fall lässt sich das gesamte Interview unter einem Wort zusammenfassen, nämlich „Erdoğan-Bashing“. Wie es jetzt insgesamt in dem kriegsgebeutelten Land weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Kurden dürften für ihre politische Naivität einen Preis zahlen, der selbst das Los geplagter Altparteienwähler weit in den Schatten stellt. Schaut man sich die im Zuge der Yücel-Freilassung abgeschlossenen Waffendeals an, scheint es, als sei der Westen um Wiedereingliederung des neoosmanischen Reiches bemüht. Den öffentlichen Schwarzen Peter gegenüber dem erbosten deutschen und französischen Gutmenschen wird Erdoğan aber wohl noch eine Zeitlang akzeptieren müssen.

Steuern statt Gebühren – Dänemark nennt Staatsfernsehen wenigstens beim Namen

Dänemark. Die gute Nachricht zum Schluss wird heute mit einem kleinen Gschmäckle serviert. Bei den quer durch Europa tobenden Gebühren über die Abschaffung der anachronistischen Rundfunkgebühren ist Dänemark je nach Sichtweise wohl einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Die Gebühren werden abgeschafft, aber die Ausgaben fürs Staatsfernsehen werden künftig aus dem allgemeinen Steuertopf bestritten. Nach Maßstäben der modernen Hochöfen in den öffentlichen Geldverbrennungsanstalten wird das Budget zwar mehr als nur kosmetisch um 20 Prozent gekürzt. Ersatzweise Belastungen kommen auf die Dänen allerdings trotzdem zu, da zur Finanzierung jetzt der allgemeine Steuerfreibetrag gesenkt werden muss. Da der Posten des eigentümlich-frei-Korrespondenten in Kopenhagen derzeit unbesetzt ist, können die Inhalte des dänischen Staatsfernsehens leider nicht im Einzelnen bewertet werden. Sollten sie dem der deutschen Pendants gleichkommen, dürfte der Hauptvorteil für die Dänen wohl darin bestehen, dass die Pseudoargumentation der Scheinunabhängigkeit nicht mehr zieht. Das neue Finanzierungsmodell bringt keine allzu große Entlastung, aber die Fronten sind endlich wieder eindeutig geklärt. Gut Ding will Weile haben und fängt eben immer klein an.

Zusammenstellung: Jean Modert


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